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”Wenn euch die Bahn so wichtig ist ...”
Bereits 1888, vor über 120 Jahren hatte sich ein Komittee zur Forderung nach einer Eisenbahn zwischen Gotteszell und Viechtach gegründet. Doch beim Bayerischen Verkehrsminister in München blitzte man ab. “Wenn euch die Bahn so wichtig ist, dann baut sie doch selber!” Das ließen sich die Waidler nicht zweimal sagen. “Entweder wird’s jetzt was oder nie!” - dieser Ausspruch ist überliefert. Schnell war die Entscheidung gefallen, eine private Bahn zu bauen und nicht auf den trägen Staat zu warten. Schon im April 1889 erhielt man die notwendige Konzession und begann mit dem Bau. Nach nur eineinhalb Jahren war die neue Eisenbahn fertig und konnte in Betrieb gehen. Das war in Bayern für eine Nebenbahn revolutionär, denn damals gab es kaum echte Privatbahnen. Die Bahnlinie erwies sich als wirtschaftlicher Erfolg. Gelang es jetzt, die Produkte der Teisnacher Papierfabrik in alle Welt zu versenden. Aber auch Viechtach blühte dank der Bahn sichtbar auf. Viele Waren, besonders für die Land- und Forstwirtschaft, hatte die Eisenbahn hierher gebracht. Umgekehrt transportierte sie riesige Mengen von Granit- und Quarzschotter weg. Natürlich fuhren auch sehr viele Menschen mit “ihrer” Regentalbahn. 1928 schaffte man es mit Mühe, die Strecke von Viechtach nach Blaibach zu verlängern, um Anschluss Richtung Cham und Lam zu erhalten. Die Zahl der Reisenden erhöhte sich ebenfalls und erreichte den Höchststand nach dem Krieg. Im II. Weltkrieg fuhren hier viele Züge quer durch den Bayerischen Wald, weil die großen Bahnhöfe entlang der Donau längst alle bombardiert und zerstört waren. Gleich nach dem Krieg musste die Regentalbahn im Auftrag der amerikanischen Besatzer für die Reichsbahn aushelfen und Züge weit über die eigene Bahnlinie hinaus befördern. Später, als endlich wieder reguläre Verhältnisse eingekehrt waren, drohte neues Ungemach. Die Planung eines großen Energieunternehmens sah einen neuen hoch aufgestauten Bayerwaldsee vor, in dessen Fluten die Bahnstrecke auf großer Länge vollständig versunken wäre.
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... dann baut sie doch selber!”
Daneben hatte der Vorstand der Bahn die Vision, die Bahnlinie elektrifizieren zu lassen. Auch das Projekt misslang. Obwohl der Verkehr für Güter immer größer wurde. Die Strecke war bis Anfang der 1970er Jahre von vielen Frachten benützt worden, die auf dem Weg zwischen Franken und Bayerischer Wald hin- und hergefahren wurden. Im Personenverkehr machte sich zunehmend der Tourismus positiv bemerkbar. Täglich in den Sommermonaten gab es einen zusätzlichen Zug. Hatte man nach dem Krieg noch 500.000 Fahrgäste gezählt, waren es 20 Jahre später nur noch 200.000 und 1989 mit der Strecke Lam - Kötzting zusammen 300.000 Personen. Wenig weitsichtig stellte der damalige Vorstand der Regentalbahn dann im Jahre 1991 den Personenverkehr komplett ein. Hintergrund war das Drängen der Deutschen Bundesbahn und des Freistaats Bayern, dass die Privatbahn mit ihren Triebwagen nun Leistungen auf DB-Strecken übernehmen sollte. Bereits 1992 begann die “Lohnkutscherei” auf der Strecke von Cham nach Waldmünchen. Ein Jahr später folgten die Zweigstrecken von Zwiesel nach Bodenmais und Grafenau. Dafür hatten die Viechtacher, Teisnacher und alle anderen Anwohner einen hohen Preis zu bezahlen. Kein Reisezug verkehrte mehr. Auch legte man die Gleise zwischen Viechtach und Blaibach still und entfernte sie. Ein weiterer folgenschwerer und irreparabler Managementfehler, der die Auslastung der neu gebauten Fahrzeugwerkstätte verschlechterte. Auch hatte man sich vorschnell von Spedition, Schotterwerk und Busbetrieb verabschiedet. Dabei wusste man früher die Vorteile für die eigene Bahn einfallsreich zu nutzen. Aus und vorbei. Seit 1991 musste die empfindliche Lücke im Verkehr von Reisezügen durch einen Verein von Eisenbahnfreunden, der Wanderbahn im Regental, geschlossen werden. Im Jahre 2004 verkaufte der Freistaat die Regentalbahn AG als ein Vorzeigeprojekt bayerischer Privatisierung für 60 Mio Euro an den britischen Arriva- Konzern. Mit den Geldern wurden neue Arbeitsplätze in ganz Bayern geschaffen, aber ein traditionsreiches Unternehmen geopfert.
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