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Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 31.01.2012
Bahn: Zeil bietet ein weiteres Gespräch an Region soll Vorschläge konkretisieren − Minister bezeichnet Strecke entlang des Schwarzen Regens als "wunderschön"
Von Gunther Schlamminger
Viechtach. Einen persönlichen Eindruck von der Bahnstrecke von Viechtach nach Gotteszell hat sich Staatsminister Martin Zeil gestern Nachmittag verschafft. Damit löste er ein Versprechen ein, das er seinem Parteifreund, FDP-Kreisrat Werner Stahl, vorigen September gegeben hat.
Interessiert ließ sich der Minister zunächst von Regentalbahn-Vorstand Gerhard Knöbel und Werkstattleiter Reinhold Kuhn durch die Werkstätte neben dem Viechtacher Bahnhof führen − und sah neben einem Waldbahn-Shuttle unter anderem auch einen agilis-Wagen, der als Fremdauftrag derzeit in Viechtach repariert wird. Mit fahrendem Personal hängen am Regentalbahn-Standort Viechtach 100 Arbeitsplätze, sagte Knöbel. Und unmissverständlich setzte er hinzu: Ohne die Strecke wird es auf Dauer keine Werkstatt mehr in Viechtach geben. Für einen Neubau einer Werkstatt in Zwiesel liefen bereits die Vorbereitungen.
Im Zug gewannen die rund zwei Dutzend Mitfahrer aus regionaler Politik mit Landrat Michael Adam und mehreren Bürgermeistern der Strecken-Anliegergemeinden an der Spitze, Vertretern der Regentalbahn und des Vereins Wanderbahn im Regental dann den Eindruck: Das seit gut zwei Jahren vorliegende Gutachten mit den zu geringen Fahrgastzahlen, auf das das Verkehrsministerium bisher seine ablehnende Haltung für die Bestellung von Personenzügen gründete, muss nicht das letzte Wort für die Bemühungen um regulären Personenverkehr auf der 25 Kilometer langen Strecke sein, deren Lage am Schwarzen Regen entlang Zeil "wunderschön" nannte.

Gespräch mit dem Minister im Zug zwischen Viechtach und Gotteszell: (von links) MdL Alexander Muthmann, Landrat Michael Adam, Martin Zeil, Kollnburgs Bürgermeisterin Josefa Schmid, FDP-Kreisrat Werner Stahl, Wanderbahn- Vorsitzender Arnulf Baier, Regentalbahn-Betriebsratsvorsitzender Friedrich Geier, sowie der Regentalbahn-Vorstand Gerhard Knöbel.
Der Minister zeigte sich offen für weitere Argumente. So brachte er ins Spiel, einen Probebetrieb für mehr als nur zwei Jahre durchzurechnen. Allerdings verlangte er eine konkrete Kostenaufstellung, wer was dafür genau zu investieren hätte. Und er brachte die Frage der Streckensicherheit ins Spiel, die gewährleistet sein müsste. Außerdem habe er keinen Topf, aus dem er hierfür Geld zuschießen könnte. Offensichtlich wurde im Laufe des Gesprächs, dass Minister Zeil mit dieser Strecke keinen Präzedenzfall für weitere Reaktivierungsbemühungen in anderen Regionen Bayerns schaffen will. Die Strecke Selb-Asch nannte er einen Sonderfall, weil es hier um ein grenzüberschreitendes Projekt nach Tschechien gehe − eine Frage, die durch die Anbindung an das Waldbahnnetz auch gegeben wäre, weil diese ab 2013 ebenfalls bis Klattau fahre, brachte GUTi-Projektleiterin Christina Wibmer ins Gespräch ein. Auch sei die angenommene Fahrgasterhöhung um 20 Prozent durch das GästeUmwelt-Ticket als viel zu niedrig angesetzt, sagte sie.
Sehr interessiert zeigte sich Zeil für den Vorschlag, die Strecke im Rahmen des E-WALD-Projektes als Modellvorhaben für eine batteriebetriebene Zugverbindung vorzusehen. MdL Alexander Muthmann gab Kollburgs Bürgermeisterin Josefa Schmid recht, die argumentierte, dass bei der Betrachtung des Streckenpotenzials aufgrund der ländlichen Region ein demographischer Faktor zu berücksichtigen wäre. Als Kenner der Strecke durch die sonntäglichen Ausflugsfahrten des Vereins Wanderbahn im Regental wies Vorsitzender Arnulf Baier darauf hin, dass die Strecke in besserem Zustand sei als viele DB-Strecken, auf denen regulär gefahren werde. Auch die Sicherheit sei in seinen Augen gewährleistet, immerhin fahren hier täglich Züge zur Inspektion in die Werkstatt.
Nach einer 33-minütigen Fahrt war Ankunft in Gotteszell, und der Minister zeigte sich sichtlich beeindruckt von den engagiert vorgetragenen Argumenten: "Sie machen das perfekt, da kann man kaum widersprechen". Fahrt und Strecke haben ihm gefallen, und er sagte ein ergebnisoffenes Gespräch über das weitere Vorgehen zu. Landrat Michael Adam kündigte an, zur Vorbereitung dieses Termins Vertreter von Firma, Gemeinden und Wanderbahn-Verein zur Ausarbeitung eines Konzepts einzuladen. Dabei soll auch ausgelotet werden, mit welchen Mitteln die Region zur Finanzierung eines Probebetriebs eventuell in Vorleistung gehen könnte.
KOMMENTAR Jetzt gilt’s!
Von Gunther Schlamminger
Sicher, schon allein das Kommen des Ministers gestern ist ein Erfolg. Immerhin haben zweieinhalb Jahre lang die Kämpfer aus der Region geglaubt, die "da oben" in München würden nichts übrig haben für das Begehren, dass irgendwann einmal wieder planmäßige Personenzüge zwischen Viechtach und Gotteszell fahren sollen. Würden ignorieren, welche touristischen Potenziale die Strecke bieten könnte. Seien uninteressiert am Erhalt von Arbeitsplätzen am Standort der Regentalbahn, obwohl sie einmal mehrheitlich dem Freistaat gehörte, der mit dem Verkauf der Aktien 2004 immerhin rund 60 Millionen Euro eingenommen hatte. Geld, das in die Region zurückfließen sollte.
Ruhig und aufmerksam hörte Staatsminister Martin Zeil gestern persönlich zu − über ein Jahr, nachdem er in Fernseh- mikrofone sagte, dass er für die Strecke keine Chancen sehe. Diese Aufmerksamkeit muss genutzt werden: Jetzt gilt es, die nächsten Schritte zu machen. Der Minister und sein Ministerium brauchen Material, um ihre ablehnende Haltung überwinden zu können. Das Konzept für den Bahnbetrieb muss ausgefeilt werden. Die anliegenden Kommunen müssen ihre Hausaufgaben machen und ihre (Mit-)Finanzierungsangebote konkretisieren. Weiter denken Richtung Tschechien zum Anzapfen europäischer Töpfe kann eine Lösung sein, ein Pilotprojekt mit batteriebetriebenem Pendelverkehr eine weitere. Der Kampf um die Bahn hat jetzt erst begonnen!
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 28.01.2012
Zug und Handwerker: Minister Zeil kommt Fachgespräch am Montagvormittag im Handwerkerhaus − Nachmittags Fahrt von Viechtach nach Gotteszell
Von Gunther Schlamminger
Viechtach. Mit großen Hoffnungen und Erwartungen richtet sich der Blick auf Montag: Der bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, Martin Zeil, hat zwei Termine in Viechtach im Kalender. Am Nachmittag fährt er in einem Zug von Viechtach nach Gotteszell mit, und am Vormittag kommt er zu einem Arbeitsgespräch in kleinem Kreis ins Handwerkerhaus. (....)
Zum Bereich Infrastruktur wird neben den Themen schnelles Internet mit DSL sowie dem Ausbau der Straßen auch das Thema Bahn eine Rolle spielen. Bekanntlich war es Zeil, der im Dezember 2010 die Wiederbestellung von Personenzügen auf der bestehenden Strecke zwischen Gotteszell-Bahnhof und Viechtach aus Gründen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgelehnt hat. Seine Entscheidung stützte er auf ein im Sommer 2010 erstelltes Gutachten, das zunächst komplett unter Verschluss gehalten worden war. Im Herbst 2011 dann gingen dem Viechtacher Bayerwald-Boten nach wiederholten Anfragen Erläuterungen zu diesem Gutachten zu.
Im Vorfeld des Zeil-Besuchs hat der Viechtacher Bayerwald-Bote das Ministerium um eine erneute Stellungnahme zu der Tatsache gebeten, dass die in den Erläuterungen angegebenen Übernachtungszahlen als zu gering angesetzt worden waren. Eine Sprecherin teilte dazu mit, dass für das Gutachten mit den "Gemeindedaten 2009" die damals aktuellsten Daten herangezogen worden waren. Aus Gründen der Datenerhebung seien in den "Gemeindedaten", die auch für andere Studien verwendet würden, Übernachtungen in Beherbungsbetrieben mit bis zu acht Betten nicht enthalten − allein für Viechtach immerhin rund 20.000 Übernachtungen. Außerdem hatte der VBB darauf hingewiesen, dass es 2008 in Viechtach rund 30.000 Übernachtungen mehr als berücksichtigt gab.
Dazu das Ministerium: "Selbst wenn man die genannten Zahlen berücksichtigen würde, ergäbe sich keinesfalls eine neue Bewertung des Reaktivierungswunsches". Dies werde bei einer vereinfachten, grob überschlägigen Rechnung deutlich: Im Bayerischen Wald entspricht demnach eine Übernachtung (wegen einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von fünf Tagen) etwa 0,2 Gästeankünften. Jährlich wären dies also gut 10 000 zusätzliche Gästeankünfte, also im Schnitt 28 pro Tag. Nimmt man − laut Ministerium sehr optimistisch − an, 20 Prozent der Gäste würden mit der Bahn anreisen, ergäbe sich ein zusätzliches Potenzial von sechs Fahrgästen täglich für die Anreise und sechs weiteren für die Abreise. Weitere Fahrten dieser zusätzlichen Gäste wären großteils bereits durch die berücksichtigten Effekte des GUTi-Tickets in dem Gutachten abgebildet."
Aus diesen Gründen hält das Bayerische Verkehrsministerium eine gesonderte vertiefte Betrachtung solcher zusätzlichen touristischen Potenziale für nicht notwendig. Es würde sich nach Überzeugung im Ministerium nichts an der getroffenen Feststellung ändern, dass nur knapp ein Drittel des erforderlichen Querschnitts von 1000 Reisenden für die Strecke ermittelt werden kann. Die Verwunderung über die Berechnungen des Ministeriums nimmt dagegen beim Vorsitzenden des Vereins Wanderbahn im Regental, Arnulf Baier, nicht ab. Für ihn bleibt die Tatsache unverständlich, dass die Gemeinde Patersdorf in den Berechnungen nicht berücksichtigt worden ist, obwohl die Haltestelle direkt am Ort liegt. Außerdem hält er die Steigerung möglicher Fahrgastzahlen durch das Gäste-Umwelt-Ticket (GUTi) mit 20 Prozent für sehr pessimistisch gerechnet.
Probebetrieb mit einem Zugpaar? Außen vor blieben weiterhin die mit Viechtach in einem Tourismusverband zusammen- geschlossenen Gemeinden Kollnburg und Prackenbach mit ihren gemeinsam rund 60 000 Übernachtungen wegen der Entfernung zum Bahnhof Viechtach; nach dem überschlägigen Rechenweg des Ministeriums also weitere 14 Fahrgäste täglich. Dazu kommen die nicht berücksichtigten Schüler, die mit 200 täglich ohnehin sehr niedrig angesetzt wurden. Baier unterstützt weiter die Forderung der örtlichen Abgeordneten Helmut Brunner (Landtag) und Ernst Hinsken (Bundestag) nach einem Probebetrieb. Dazu hat er einen konkreten Vorschlag: Man könnte während der Sommer-Urlaubs-Saison von April bis Oktober täglich ein Zugpaar bestellen, so dass zum Beispiel Urlauber vormittags gegen halb zehn Uhr von Viechtach wegkommen und abends pünktlich vor dem Abendessen im Rahmen der Halbpension gegen 17 Uhr wieder zurück sind. Die Tourist-Infos könnten dies als Ausflugsfahrten bewerben ("Ausflug auf einer der schönsten Bahnstrecken in den Nationalpark").
Aufgenommen ins Kursbuch der Bahn, könnten Urlauber diese Verbindung sogar zur An- und Abreise nutzen, wie es viele jetzt schon häufig sonntags in den Sonderfahrten der Wanderbahn tun. Baier: "Schon allein dieses Mini-Angebot könnte konkretere Zahlen bringen, wie viele Leute tatsächlich einsteigen würden". Gelegenheit, diesen Vorschlag mit dem Minister persönlich zu besprechen, haben Vertreter des Wanderbahnvereins und der Regentalbahn am Montagnachmittag: Dann kommt Zeil noch einmal nach Viechtach und unternimmt mit ihnen die versprochene Zugfahrt von Viechtach nach Gotteszell.
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 12.11.2011
Bahn: Ministerium erläutert offene Fragen Sprecherin legt Gründe für die Nichtbeachtung mehrerer Gemeinden dar
Viechtach. Die Erläuterungen des Verkehrsministeriums zur Untersuchung des Fahrgastpotenzials auf der Strecke Gotteszell - Viechtach hatten eine Reihe von Fragen aufgeworfen (wir berichteten). Eine Pressesprecherin weist dazu darauf hin, dass 1000 Reisende in der durchschnittlichen Querschnittsbelastung vorliegen müssen, um Züge zu bestellen. Hier seien maximal 370 Reisende zwischen zwei Stationen erreicht. Der "GUTi-Effekt" sei zudem nicht auf Schülerverkehre anwendbar.
Die Gemeinde Zachenberg sei im Gutachten deshalb nicht berücksichtigt, weil sie abseits der Strecke Gotteszell - Viechtach und vielmehr im Einzugsbereich der Strecke Plattling-Bayerisch Eisenstein liege. Die zusätzlichen Potenziale einer Erschließung der Gemeinde Patersdorf hält die Pressesprecherin für "überschaubar" wegen der topographischen Lage eines möglichen Haltepunktes im Tal unterhalb der Siedlungsschwerpunkte − zudem würde ein Halt in Patersdorf die Fahrzeit verlängern und so das Potenzial wieder abschwächen. Kollnburg und Prackenbach schließlich liegen mit drei bis fünf Kilometern außerhalb des für den Halt Viechtach anzusetzenden Einzugsradius von 1500 Metern. Eine Berücksichtigung dieser Potenziale käme "selbst bei sehr wohlwollender Betrachtung allenfalls bei einer attraktiven Busanbindung nach Viechtach zu allen bzw. von allen Zügen in Betracht".
Unterschiedliche Übernachtungszahlen rührten daher, weil Daten vom Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung genutzt wurden und nicht diejenigen vom Landratsamt. Eine VBB-Nachfrage in der Tourist-Info Viechtach bestätigte, dass Abweichungen zwischen diesen Statistiken üblich seien. Dass es in diesem Falle mehr als 50 000 sind, überraschte. Gestern Abend sagte das Ministerium eine Überprüfung der Zahlen zu.
Im Falle der Reaktivierung Selb-Asch wurden unter anderem wegen des grenzüberschreitenden Charakters der Strecke Verkehrszählungen angewandt, der Tanktourismus sei berücksichtigt. Eine Anwendung des üblicherweise (und auch für Gotteszell - Viechtach) verwendeten Potenzialanalysemodells war dort nicht möglich, sagt die Pressesprecherin.
gsc−
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 10.11.2011
LESERBRIEF Wünschenswert wäre eine Klage
Zum Artikel "Die Studie zur Bahnstrecke" am 9. November im Viechtacher Bayerwald-Boten:
"Der PNP-Bericht zur Studie der Bahn nach Viechtach bringt es auf den Punkt. Vieles bei der Ermittlung der Fahrgastzahlen ist nicht nachvollziehbar und reiner Willkür in München ausgesetzt. Das gilt auch für die Forderung nach 1000 Fahrgästen pro Tag. Wie wird sie begründet? Laut Ministerium verlange dies das Eisenbahn-Bundesamt. Was die Beamten verschweigen: Die Zahl gilt nur als Grundlage zur Freigabe von Geldern für Neubaustrecken des Bundes. Thema verfehlt, denn unsere Bahnlinie ist privat, seit 1890 in Betrieb und braucht keine staatliche Investitionen. Im Übrigen, das bayerische ÖPNV-Gesetz fordert den Anschluss ,verkehrsferner Räume’ an die Hauptstrecken. Zeil und sein Ministerium interessiert das nicht. Wünschenswert wäre daher eine Klage gegen den Gesetzesbruch, damit sich Gerichte mit den Zahlenspielertricks dieser selbstherrlichen Volksvertreter befassen."
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 09.11.2011
Die Studie zur Bahnstrecke Ministerium legt Erläuterungen zur Untersuchung des Fahrgastpotenzials zwischen Gotteszell und Viechtach vor
Viechtach. Das Thema Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell bleibt ein Brennpunkt, das hat auch das große Interesse an den beiden Terminen zum Thema am Freitag und Montag bewiesen. Nach monatelanger Vorbereitung hat nun das Verkehrsministerium die vor einem Jahr durchgeführte Untersuchung des Nachfragepotenzials vorgelegt.
Seit eineinhalb Jahren ist die Studie fertig, ihre Daten beziehen sich auf Mai 2010. Nach mehrmaligen Nachfragen hat das Bayerische Wirtschaftsministerium jetzt dem Viechtacher Bayerwald-Boten zwar nicht das Original, aber seine Erläuterungen dazu zur Verfügung gestellt. Auf elf DIN A4-Seiten sind in den Erläuterungen in sechs Kapiteln die Ziele der Untersuchung, eine Analyse der Haltestellen für den Regelbetrieb, Bedarfshalte, das Betriebskonzept mit Fahrzeiten, Berechnungsergebnisse sowie eine Einbeziehung der Effekte des Gästeservice Umweltticket (GUTi) dargestellt.
Demnach wären reguläre Haltepunkte Gotteszell, Ruhmannsfelden, Teisnach und Viechtach. Bedarfshalte aus Gründen des Tourismus (zum Beispiel für Kanufahrer) wären Gumpenried-Asbach, Schnitzmühle und Patersdorf. Keine Berücksichtigung fanden die früheren Haltepunkte Böbrach, Nußberg-Schönau und Gstadt. Zur Abschätzung des Nachfragepotenzials wurden dafür Einwohnerzahlen, Gästebetten und -ankünfte sowie Übernachtungen betrachtet. Bei den Einwohnern entlang des Abschnitts Gotteszell - Viechtach berücksichtigt die Studie die Orte Gotteszell, Ruhmannsfelden, Teisnach und Viechtach und kommt im Anhang auf 14 775 Einwohner, eine Tabelle im Hauptteil weist hierfür 16 000 Einwohner auf.
Obwohl die Studie davon ausgeht, dass im Bereich Viechtach ein Bahnanschluss die Attraktivität im Fremdenverkehr steigern würde, stellt der nicht näher genannte Verfasser sogleich fest, dass diese Nachfrageeffekte nicht überbewertet werden sollten. Mit Verlagerungen weg von Grafenau/Zwiesel wird zwar gerechnet, dies müsste aber mit einer Steigerung der Gästebetten im Bereich Viechtach einhergehen. Während laut Tabelle im Bereich Zwiesel - Bodenmais also mit 886 000 Übernachtungen gerechnet wird, verbleiben für Gotteszell-Viechtach 230 667 Übernachtungen.
Weiter untersucht wurden Arbeitsplätze und Pendlerbeziehungen in der Umgebung der Haltestellen. Hier punktet vor allem Viechtach mit 4277 Einpendlern und 2756 Auspendlern, auch durch die FH-Außenstelle Teisnach wird mit erhöhtem Fahrgastaufkommen gerechnet. In der Erhebung berücksichtigt wurden nur Arbeitsplätze bis zu einer Entfernung von maximal 1500 Metern zum jeweiligen Bahnhof. Zur Buslinie Viechtach - Gotteszell wird angemerkt, dass "im Falle einer Reaktivierung der Strecke Gotteszell-Viechtach eine Konkurrenz durch den Busverkehr nicht zu befürchten ist. Das vorhandene Angebot könnte auch zu einer besseren Erschließung und Feinverteilung genutzt bzw. optimiert werden".
Schülerverkehr könnte durch Verlagerung auf die Schiene für den Träger günstiger sein (gerechnet wird mit "maximal rund 200 Schülern"), jedoch würde laut Studie vom Bahnhof Viechtach ein Buspendel zum Schulzentrum eingerichtet werden, welcher die Kosten für den Schulträger nicht verringern werde. Auf Nachfrage hat Landratsamts-Sprecher Anton Weghofer, dem die Studie bislang nicht vorlag, darauf hingewiesen, dass es schon jetzt einen Buspendel von der Wendeplatte zum Sonderpädagogischen Förderzentrum gebe. Zudem halte er es für unvorstellbar, hunderte Schüler durch die Innenstadt marschieren zu lassen. Sollte es zur Bahn-Bestellung kommen, müsste nach Weghofers Einschätzung über dieses Thema allerdings im Amt und mit den Schulleitern noch genauer diskutiert werden.
Zurück zur Prognose: Sie unterstellt im weiteren Verlauf ohne nähere Erläuterung, dass eine Umstellung der Schülerbeförderung auf den Zug für Teisnacher FH-Studenten unattraktive Fahrzeiten bedeuten würde. Allgemein werden die vom Wanderbahn-Verein vorgeschlagenen Fahrzeiten im Zwei-Stunden-Takt für plausibel gehalten. Lediglich kleinere Änderungen am Morgen und am Abend würden für notwendig erachtet. Als positiv wird die Tatsache bewertet, dass Waldbahn-Triebwagen, die von der Werkstatt Viechtach überführt werden müssten, an den regulären Zug angehängt werden könnten oder alleine als Planzug verkehren könnten.
Zur Berechnung des Fahrgastpotenzials wurde eine Abschätzung der Verteilung der Einwohner und Arbeitsplätze in den Einzugsbereichen der Haltestellen (in Radien von 500 Metern, 1000 Metern und 1500 Metern) vorgenommen. Dazu die Pendlerbeziehungen, besondere Verkehrserzeuger wie größere Arbeitgeber und die FH-Außenstelle sowie Schülerverkehre berücksichtigt. Außerdem wird erwähnt, dass auf ein seit 15 Jahren angewandtes Modell der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zurückgegriffen wurde, welches sich durch Befragungen als plausibel bestätigt habe. Die Wahl des Verkehrsmittels wurde zwischen fünf und 15 Prozent bewertet ("Modal Splitwerte"). Aufgeführt ist dann nicht der Rechenweg, sondern nur das Ergebnis: Demnach gäbe es in Viechtach 190 Ein- und Aussteiger, in Teisnach 150, in Ruhmannsfelden 100 und in Gotteszell 90. Dies wären zusammengerechnet 530 Ein- und Aussteiger; in den weiteren Erläuterungen ist dann aber für den Streckenabschnitt von einem Reisendenaufkommen von rund 460 Ein- und Aussteigern die Rede. Darin sei auch die Entwicklung der FH-Außenstelle Teisnach berücksichtigt.
Laut einer beigefügten Grafik würden zwischen Gotteszell und Ruhmannsfelden 310 Fahrgäste sitzen, zwischen Ruhmannsfelden und Teisnach 270 und weiter bis Viechtach 190. In der selben Grafik sind für den Endbahnhof Bodenmais 380 Fahrgäste genannt, für Bayerisch Eisenstein 270 und für den letzten Abschnitt bis zur Endstation Grafenau 100; um die Verbindung Richtung Grafenau attraktiver zu machen, plant der Freistaat Bayern hier mit einer Verdichtung der Taktfrequenz, also mit der Bestellung von zusätzlichem Zugverkehr. Nachträglich wurden die Auswirkungen des Gästeservice Umweltticket (GUTi) genauer betrachtet. Laut einer zwischen August und Oktober 2010 durchgeführten Untersuchung ergab sich dadurch Mehrverkehr zwischen sechs Prozent und 20 Prozent; für Gotteszell-Viechtach wird eine Steigerung der Fahrgäste auf dem Abschnitt von Gotteszell nach Ruhmannsfelden auf 370 angenommen. Die Erläuterungen zur Studie enden mit einem sechsseitigen Anhang, in dem Busfahrpläne und statistische Daten enthalten sind. gsc−
ANMERKUNGEN ZUR FAHRGASTSTUDIE
Von Gunther Schlamminger
Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt sich die Region mit der Wiederbestellung von Personenzügen auf der 25 Kilometer langen Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach. Seit mehr als einem Jahr wartet die Region auf die Veröffentlichung der Studie, auf deren Grundlage Verkehrsminister Martin Zeil die Wiederbestellung von Personenzügen auf der Strecke Gotteszell - Viechtach im vorigen Herbst abgelehnt hat. Sein Argument: Zu wenig Fahrgäste, mindestens 1000 wären notwendig.
Staatssekretärin Katja Hessel hat die Veröffentlichung der Studie zur Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach Anfang September in einer Antwort auf eine Landtags-Anfrage angekündigt, jetzt wurden Erläuterungen zur Studie dem Viechtacher Bayerwald-Boten von der Pressestelle des Ministeriums zugeleitet. Zugesagt war ursprünglich eine Erläuterung der Studie mit politischen Vertretern der Region, was aber bis heute unterblieb. Rechnet man die in der Studie erwähnten 460 Ein- und Aussteiger plus die angenommenen rund 200 Schüler plus den GUTi-Effekt von 20 Prozent, so wären dies knapp 800 Fahrgäste. Nimmt man die ebenfalls erwähnte Zahl von 530 Ein- und Aussteigern plus Schüler plus GUTi-Effekt käme man auf 876 Fahrgäste und wäre damit schon ziemlich nahe an den geforderten 1000 Fahrgästen.
Bei der Ermittlung der durch die Strecke zu erschließenden Einwohner ist die Gemeinde Zachenberg mit gut 2000 Einwohnern nicht berücksichtigt. Zachenberg ist mit dem Haltepunkt Triefenried lediglich an der Stecke nach Zwiesel aufgeführt, wurde aber Richtung Viechtach offenbar übersehen, obwohl auch andere Orte Mehrfachnennungen erfuhren. Die Gemeinde Patersdorf mit 1700 Einwohnern ist ebenfalls nicht eingerechnet. Obwohl hier der Haltepunkt günstig zum Ort liegt, wurde er wie Gumpenried-Asbach und Schnitzmühle zu den Bedarfshalten gezählt. Kollnburg (knapp 3000 Einwohner) und Prackenbach (gut 2500 Einwohner) bilden mit Viechtach den Tourismusverband Viechtacher Land und könnten wohl bei gutem Willen ebenso Eingang in die Studie finden − das wären in der Summe anstelle der in der Studie berücksichtigten 16 000 Einwohner insgesamt rund 25 500 Einwohner, die durch die Bahnstrecke erschlossen werden könnten.
Ein für Beobachter ähnlich ungereimtes Bild ergibt sich bei den Übernachtungen: Laut Studie gab es im Jahr 2008 in Gotteszell - Viechtach 230 667 Gästeübernachtungen. Im Anhang ist diese Zahl aufgeschlüsselt mit 2800 in Gotteszell, 3500 in Ruhmannsfelden, 22 000 in Teisnach und in Viechtach 191 000, insgesamt also 219 300. Der Unterschied ist nicht erläutert. Zum Vergleich: Die offizielle Landkreis-Statistik weist für das Jahr 2008 in Gotteszell 19 000 Gästeübernachtungen aus, in Ruhmannsfelden 24 000, in Teisnach 39 000, in Viechtach 234 000 − insgesamt 316 000. Rechnete man Kollnburg und Prackenbach hinzu, wären es rund 60 000 mehr (Zahlen jeweils gerundet).
Bei der Berechnung der Pendlerbeziehungen wurde der Kfz-Verkehr auf den Bundesstraßen offensichtlich nicht berücksichtigt. Bei einer Untersuchung zur Reaktivierung der grenzüberschreitenden Strecke Selb - Asch wurden aber nach VBB-Informationen Personen in Autos einbezogen, obwohl man dort auch mit Tanktourismus Richtung Tschechien rechnen müsste; dieser wird sich wohl kaum auf Zugfahrgäste umleiten lassen. Die Erläuterungen zur Studie erwähnen mit keinem Wort die Frage, welche Auswirkungen der Personenverkehr Richtung Viechtach für die in Viechtach vorhandene Bahnwerkstätte hätte; nach Angaben der Regen-talbahn sind insgesamt in Viechtach rund 100 Arbeitsplätze betroffen.
Die Strecke Gotteszell - Viechtach ist in der Ostbayernbahn-Ausschreibung, zu der neben der Waldbahn auch die Oberpfalzbahn und die Naabtalbahn gehören, als Option erwähnt. Die Ausschreibung wurde Ende Juli von der Regentalbahn AG gewonnen. Das Verkehrsministerium könnte mit dem Waldbahnbetreiber in einem Folgevertrag ohne weitere Ausschreibung Personenzüge auf der Strecke Gotteszell-Viechtach vereinbaren. Ob und wenn ja welche Auswirkungen eine Berücksichtigung höherer Einwohner- und Übernachtungszahlen oder von Kfz-Verkehr auf die Fahrgastzahlen haben könnte, kann der Viechtacher Bayerwald-Bote nicht näher berechnen. Die Pressestelle des Wirtschaftsministeriums will in den nächsten Tagen zu den unterschiedlichen Zahlen Stellung nehmen.
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 08.11.2011
Großes Interesse am Thema Bahn Vortrag und Probefahrt gut besucht − Professor empfiehlt offensivere Strategie gegenüber München
Viechtach. Die beiden Termine zum Thema Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell sind auf großes Interesse gestoßen: Kollnburgs Bürgermeisterin Josefa Schmid hatte gestern Nachmittag einen Waldbahn-RegioShuttle gemietet, und im Rahmen des Naturpark-Bildungsprogramms referierte am Freitagabend ein FH-Professor zur Zukunft der Bahn im ländlichen Raum.
Schon kurz nachdem gestern gegen 12.40 Uhr der Waldbahn-Zug am Bahnsteig des Viechtacher Bahnhofs vorgefahren war, waren sämtliche 72 Sitzplätze belegt. Zusammen mit knapp zwei Dutzend Stehgästen hatten die freiwilligen Helfer des Vereins Wanderbahn im Regental strahlende Gesichter. "So wenn es immer wäre, wenn wir wieder planmäßigen Zugverkehr hätten", sagte Vereinsvorsitzender Arnulf Baier, der auf der Rückfahrt Erläuterungen zur 25 Kilometer langen Bahnstrecke gab. Vor allem wies er darauf hin, dass das von Zugführer Torsten Schulze gefahrene "Ausflugstempo" für den Planverkehr nicht realistisch wäre, und dass nach Sicherung einiger Bahnübergänge eine reduzierte Fahrzeit von rund 35 Minuten zu erwarten wäre. "Wer auf der Bundesstraße schon hinter Lastern hergezuckelt ist, weiß, dass diese Zeit durchaus konkurrenzfähig wäre", sagte er. Und erzählte auch, dass den Vereinszug sonntags Urlauber nutzen, um mit der Bahn bis Viechtach zu kommen; denn die angebotenen Fahrzeiten sind auch Teil der offiziellen Fahrplanauskunft.
Landratskandidatin Josefa Schmid hatte bei der Hinfahrt während ihrer Begrüßung über die Mikrofonanlage ihren Kampf für die Bahnstrecke noch einmal begründet und die große Beteiligung als Bestätigung für das Interesse der Bevölkerung an dem Thema gewertet. Dann suchte sie das persönliche Gespräch mit den Fahrgästen. Viele kannten die Strecke noch aus eigener Erfahrung zum Beispiel als Fahrschüler, andere waren bis aus Regen angereist, und bei ihrer ersten Fahrt von der idyllischen Lage im Regental beeindruckt.
 Gastgeber und Referent in der Umweltstation: Heinrich Schmidt und Professor Johannes Klühspies.
In seinem kurzweiligen und gleichzeitig höchst interessanten Vortrag "Zukunftsaspekte der Bahn im ländlichen Raum: Rosa Brille Illusionen oder echte Perspektiven?" hatte Professor Johannes Klühspies von der FH Deggendorf am Freitagabend in der Umweltstation Viechtach die Reaktivierung der Verbindung Gotteszell - Viechtach dringend empfohlen. Er forderte die rund 30 Zuhörer (darunter 2. Bürgermeisterin Birgit Nistler) dazu auf, gegenüber dem Verkehrsministerium eine offensivere Strategie zu verfolgen. Unterschriftenlisten seien gut, reichten aber nicht. "Seien Sie lästig und legen Sie ständig neue Konzepte vor, bis die in München nicht mehr anders können, als Ihnen Mittel zuzusagen", sagte Klühspies.
Bäderbahn bis Bad Kötzting? Dazu nannte er visionäre Schlagworte wie Entwicklung einer Bäderbahn Richtung Bad Kötzting mit Wiederaufbau der Gleise auf der alten Bahnstrecke über Blaibach genauso wie praktikable, nämlich eine Einbindung der Region bis Viechtach in das Nationalpark-Verkehrskonzept Bayerischer Wald. Für möglich hält er auch eine Nutzung der Strecke für industrielle Neuentwicklungen. Zum Beispiel könnte eine Firma wie Siemens hier Praxiserprobungen durchführen. Klühspies vertrat die Ansicht, dass sich der Staat durch die knapper werdenden öffentlichen Mittel in absehbarer Zukunft den Straßenunterhalt nicht mehr wird leisten können. Dann komme es auf einen vernünftigen Bahnanschluss an, der dann noch mehr als heute Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung werde.
Außerdem vermittle die Bahn im Gegensatz zum beliebig austauschbaren Auto Heimatgefühl. Dazu seien aber auch Bahnhöfe und deren Umfeld ansprechend zu gestalten, das regionale Verkehrskonzept sei auf die Bahn abzustimmen. Gleichzeitig warb der Professor für mehr Komfort in den Zügen und brachte als Beispiel den japanischen Zug-Nahverkehr, wo mit weißen Teppichen und mit Holz verkleideten Sitzen gearbeitet werde. Dazu gehörte für ihn auch ein Plus an Sauberkeit und Fahrplandichte. Der Vorsitzende des Naturparks Bayerischer Wald, Landratskandidat Heinrich Schmidt, rief dazu auf, dass weiterhin alle Mandatsträger der Region für die Bahnstrecke zusammenhelfen sollten − "es geht ja auch um 100 Arbeitsplätze bei der Regentalbahn, das dürfen wir nicht vergessen". gsc −
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 29.10.2011
Zukunft der Bahn im Bayerwald Vortrag der Hochschule Deggendorf am 4. November in Viechtach
Viechtach. "Zukunftsaspekte der Bahn im ländlichen Raum – rosa Brille Illusionen oder echte Perspektiven": So lautet der Titel eines Vortrages in der Umweltstation Viechtach am Freitag, 4. November, um 19.30 Uhr im Alten Rathaus am Viechtacher Stadtplatz. Der Naturpark Bayerischer Wald als Träger der Umweltstation lädt dazu alle Interessierten ein. Der Eintritt ist frei.
Referent ist Professor Dr. Johannes Klühspies von der Hochschule Deggendorf, Fakultät für Betriebswirtschaft. Der international renommierte Mobilitätsexperte lehrt an der Hochschule über Verkehrsträgermanagement und Tourismus- marketing. In seine Forschungs- und Lehrarbeit bringt er auch langjährige Auslandserfahrungen ein. Beispielsweise arbeitete er in der Schweiz eng mit den Schweizer Bundesbahnen zusammen, die für ihre gute Präsenz auch in ländlichen Regionen bekannt sind. Bei seinem bildreichen Vortrag geht er auf Chancen ein, wie ein Bahnangebot gestaltet werden kann, um gut angenommen zu werden. Die wissenschaftlichen Aspekte für die Reaktivierung von Bahnstrecken – wie zwischen Viechtach und Gotteszell − werden ebenso beleuchtet.
Der Naturparkvorsitzende Heinrich Schmidt freut sich auf den fachkundigen Vortrag, der bereits Anfang des Jahres mit dem Referenten vereinbart wurde: "Der Bahnverkehr ist ein aktuelles Thema. Der Stundentakt der Waldbahn und das GUTi-Angebot sind Positivbeispiele für die Tourismusförderung in ländlichen Regionen. Die Wanderbahnen im Regental und an der Ilz sind bewundernswerte Privatinitiativen."
Dabei wiederholt der Naturparkvorsitzende seine Forderung zur Wiederaufnahme des täglichen Bahnverkehrs im Zweistunden-Takt nach Viechtach und für eine Eingliederung in das Netz der Waldbahn. "Eine Anreise mit der Bahn ist nicht nur umweltfreundlich und erholsam, sondern lädt dazu ein, die Natur und Kultur im Bayerwald weiter zu erkunden", betont Heinrich Schmidt. Der Naturpark hat mit der Infostelle am Bahnhof Bogen und dem grenzüberschreitenden Infozentrum in Eisenstein eine enge Beziehung zur Bahn. Schmidt: "Der Grenzbahnhof Eisenstein, den der Naturpark erworben hat, wird gerade mit europäischen Fördermitteln saniert und soll sich zu einem Leuchtturmprojekt für Tourismus und Naturinformation in der ganzen Region entwickeln." − ro
Augabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 07.10.2011
Minister will zum Bahnfahren kommen
Fast zwei Stunden Zeit hat sich nach einer Mitteilung von FDP-Kreisvorsitzendem Gerhard Glockner Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil genommen, um mit einer überparteilichen Delegation aus dem Landkreis die Situation der Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach zu diskutieren. Der FDP-Kreisrat Werner Stahl hatte die Aussprache im Münchner Wirtschaftsministerium initiiert, zu der er sich von der ÖDP-Kreisrätin Brigitte Baueregger aus Viechtach, dem Vorsitzenden des Wanderbahnvereins Arnulf Baier und vom FDP-Kreisvorsitzenden Gerhard Glockner begleiten ließ. Auch FDP-Landtagsabgeordneter Dr. Andreas Fischer nahm an dem Gespräch teil.
Der Minister zeigte sich bestens informiert über die Situation vor Ort. Während Werner Stahl wirtschaftlich zu argumentieren wusste, überzeugte Brigitte Baueregger mit emotionalen Überlegungen, die Arnulf Baier mit Fakten untermauern konnte. Zeil verwies auf das Ergebnis eines vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachtens, wonach die Wiederaufnahme eines regelmäßigen Zugverkehrs im Zweistundentakt auf der Strecke wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen sei. Dennoch versprach der Wirtschaftsminister, das Gutachten zu veröffentlichen und zur Diskussion zu stellen.Die Einladung jedenfalls, auf der Strecke Viechtach - Gotteszell einmal mit der Bahn zu fahren, nahm er gerne an. vbb−
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 05.10.2011
Bahnstrecke: Hinsken bleibt mit Minister Zeil im Gespräch
Viechtach. In einem längeren Telefongespräch hat MdB Ernst Hinsken (CSU) gestern mit dem bayerischen Staatsminister Martin Zeil (FDP) noch einmal über einen möglichen Probebetrieb auf der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell gesprochen. Über die Inhalte hat der Bundestags-Abgeordnete gestern im Anschluss den Viechtacher Bayerwald-Boten informiert.
Bekanntlich hatte Ernst Hinsken bis zuletzt zumindest einen Probebetrieb auf der 25 Kilometer langen Strecke gefordert, um realistische Fahrgastzahlen zu erhalten. Dazu habe ihm Zeil aber wenig Hoffnung gemacht. Denn auf dessen Tisch seien 34 ähnlich gelagerte Fälle, von denen einige in den Fahrgastprognosen günstiger gelagert seien als die hiesige Strecke, sagte Hinsken. Jedoch habe ihm der Minister versichert, dass mit der Vergabe der Ostbayernbahn- Ausschreibung an die Regentalbahn aus seiner Sicht sowohl Viechtach als Hauptsitz des Unternehmens, als auch der Fortbestand der Werkstätten und damit der Arbeitsplätze gesichert seien.
Zum regulären Bahnverkehr hat Hinsken aber die Hoffnung noch nicht gänzlich aufgegeben. Zunächst gelte es, nach der Übermittlung das von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft erstellte Gutachten zur Fahrgastprognose exakt auszuwerten. Anschließend solle das bereits angekündigte weitere Gespräch mit Zeil, Hinsken und dem örtlichen Landtags-Abgeordneten Staatsminister Helmut Brunner CSU stattfinden. Daran sollen dann auch Vertreter der für den regionalen Zugverkehr in Bayern zuständigen Bayerischen Eisenbahngesellschaft teilnehmen. Eine zeitliche Prognose, wann dieses Gespräch stattfinden werde, konnte Hinsken gestern noch nicht abgeben. gsc−
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 27.09.2011
Bahn: Staatsregierung bleibt bei Ablehnung Antwort auf Muthmann-Anfrage: Zu wenig Fahrgäste zwischen Gotteszell und Viechtach − Zu hohe Investitionen
Von Gunther Schlamminger
Viechtach. Für das Verkehrsministerium bleibt es dabei: Eine Reaktivierung der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell wäre unwirtschaftlich und wird deshalb abgelehnt. Auch ein Probebetrieb würde zu hohe Investitionen erfordern. Damit bleibt Staatssekretärin Katja Hessel in ihrer Antwort auf eine schriftliche Anfrage von MdL Alexander Muthmann bei den bekannten Argumenten.
Seit 2009 laufen in der Region Bemühungen um die Bestellung von Personennahverkehr auf der 25 Kilometer langen, bestehenden Strecke von Gotteszell-Bahnhof bis nach Viechtach. Im Dezember 2010 hatte Staatsminister Martin Zeil (FDP) dies abgelehnt mit dem Hinweis auf ein zu geringes zu erwartendes Fahrgastaufkommen. Die von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) dazu erstellte Studie blieb aber bislang unter Verschluss. Neu ist jetzt: Die Fahrgaststudie werde "interessierten politischen Mandatsträgern der lokalen und regionalen Politik auf Verlangen zugänglich gemacht werden". Gleichzeitig verschließt sich die Staatsregierung einer weiteren Diskussion um Untersuchung und Ergebnisse nicht.
Wie Wirtschafts-Staatssekretärin Katja Hessel (FDP) weiter aus der Studie anführt, seien zwischen 228 und 372 Personenfahrten im Streckenquerschnitt zu erwarten. Für ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis seien 1000 Personenfahrten gefordert, die sie als Personenkilometer je Kilometer Streckenlänge an einem typischen Werktag definiert. Daneben rechnet sie mit hohen Kosten für eine Ertüchtigung der Strecke, die aufgrund der Verkehrssicherheit auch für einen Probebetrieb zu fordern wäre. Hessel verweist dazu auf eine Aufstellung des Vereins "Wanderbahn im Regental" und nennt die Summe von rund 3,4 Millionen Euro, davon rund zwei Millionen Euro für Gleise und Stationen sowie rund 1,4 Millionen Euro für die Modernisierung der Bahnübergänge. Laut Regentalbahn seien dies fünf Bahnübergänge, davon allein drei in Teisnach (Mitte, REG 18; Kreisel, Staatsstraße 2139; Volksfestplatz, Gemeindestraße. Die Staatsregierung vermutet hier eine "hohe Wahrscheinlichkeit des Verlustes von Investitionen" und lehnt deshalb einen Probebetrieb ausdrücklich ab.
{Anmerkung der “Wanderbahn im Regental” dazu: Was Frau Hessel bewusst verschweigt, ist die Tatsache, dass die genannten Investitionen durch die Bestellerentgelte abgegolten werden und nicht zusätzlich vom Freistaat aufzubringen sind. Diesbezügliche Aussagen des Eigentümers der Bahnstrecke, der Regentalbahn AG, ignoriert das Ministerium. Hier wird die Öffentlichkeit erneut für dumm verkauft!}
Der Fragensteller, MdL Alexander Muhrmann, bewertet die von der BEG ermittelte Fahrgastprognose als "ernüchternd". Er hätte sich gewünscht, dass gerade für strukturschwache ländliche Räume differenzierter vorgegangen wird − doch die Staatsregierung ist offenbar anderer Ansicht. Hessel bestätigt, dass sich die Zuteilung von Mitteln zur Förderung der Schieneninfrastruktur an dem im Jahr 1996 befahrenen Streckennetz orientiert; bekanntlich bediente die Regentalbahn die Strecke zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Eine Förderung der Strecke wäre grundsätzlich aus Regionalisierungsmitteln des Freistaates möglich, Geld vom Bund gebe es für Privatbahnen nicht. Allerdings legt der Freistaat auch hier die genannte Wirtschaftlichkeit mit der 1000-Fahrgästen-Schranke zu Grunde. Zudem sei hier eine Bus-Lösung wirtschaftlicher, wofür der Landkreis zuständig sei. In Frage kommen könnten daneben europäische Mittel aus dem Programmen "Efre" und "Interreg IV".
Muthmann hält die Position des Wirtschaftsministeriums für "insgesamt kritikfähig" und kündigt an, dass er sich weiter dafür einsetzen wolle, dass gerade Regionen mit demographischen und strukturellen Problemen mehr Aufmerksamkeit in der bayerischen Landespolitik erhalten. Gleichzeitig warnt er davor, in der weiteren Diskussion andere Strecken mit niedriger Auslastung als "Negativbeispiel" anzuführen. Vielmehr will er auf die Potenziale der Region hinweisen.
Zu der von Muthmann aufgeworfenen Frage, ob die Strecke den Tourismus befördern könnte, vertritt Hessel namens der Staatsregierung die Ansicht, dass eine Schienenanbindung zwar positive Auswirkungen haben könne, jedoch nur ein Faktor von vielen sei. Weit mehr hänge die Qualität einer Region als Tourismusstandort von einer attraktiven Tourismusinfrastruktur und innovativen Angeboten ab. Hessel: "Eventuelle Defizite hier können nicht durch umfassendere Verkehrsanbindungen kompensiert werden". Einen direkten Zusammenhang sieht die Staatssekretärin nicht, dadurch könne die Strecke über Tourismus-Mittel nicht gefördert werden.
INFO: MdL Muthmann hat seine Anfrage am 21. Juni abgeschickt. Wie berichtet, hatte das Verkehrsministerium die eigentlich für Anfragen von Abgeordneten vorgesehene Ein-Monats-Frist nicht einhalten können. Anstelle der Übermittlung der Antwort bis Ende Juli hatte man bei Muthmann um Fristverlängerung bis 30. August gebeten. Die Weiterleitung an den Abgeordneten erfolgte schließlich mit Datum 12. September. Zwischenzeitlich war Ende Juli die Vergabe der “Waldbahnspinne” an die Regentalbahn erfolgt. Ob dies Auswirkungen auf die Strecke Viechtach - Gotteszell haben könnte, war nicht mehr Gegenstand der Anfrage.
Download (3,3 MB) des Schreibens des Wirtschaftsministeriums (pdf): HIER
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 27.08.2011
Die Regentalbahn will weiter wachsen Jüngster Ausschreibungs-Gewinn Grundvoraussetzung für Erhalt des Standorts Viechtach − Politik bleibt gefordert
Von Gunther Schlamminger
Viechtach. Es waren zwei strategische Entscheidungen innerhalb eines Jahres, die die Regentalbahn AG auf sicheres Gleis geführt haben: der Gewinn der Ausschreibungen in den Bereichen Vogtlandbahn und Ostbayernbahn − allein letztere macht ein Drittel der rund 12,5 Millionen Zugkilometer pro Jahr aus, die von dem Unternehmen mit Stammsitz Viechtach befahren werden.
"Wir sind ein Start-Up-Unternehmen", sagt Gerhard Knöbel, seit knapp drei Jahren Vorstand des Bahnunternehmens, das 1889 als Lokalbahn Gotteszell-Viechtach gegründet worden ist. Rasant aufwärts ging es vor allem in den letzten Jahren, seit 2004 der Verkauf der Aktien des Mehrheitseigners Freistaat Bayern an die britische Arriva über die Bühne gegangen ist. Hatte man im Jahr 2000 zum Beispiel noch 275 Mitarbeiter, sind es heute 608. Lag der Umsatz 2006 noch bei rund 80 Millionen Euro, erwartet Knöbel für das laufende Jahr 2011 einen Umsatz von 130 Millionen Euro.
Als hilfreich bewertet er hier die seit Februar geltende klare Eigner-Struktur. Im Frühjahr hatte die Deutsche Bahn nach der Übernahme der britischen Arriva deren Deutschland-Geschäft aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen müssen. Damit wurde auch die Regentalbahn Teil eines Konsortiums der italienischen Staatsbahn Ferriore dello Starto Italiane (FS). Deren unmittelbare Tochter, die Netinera Deutschland GmbH und Eignerin der Regentalbahn AG, ist eine Zusammenarbeit zwischen der FS zu 51 Prozent, die übrigen 49 Prozent gehören Cube, einem luxemburgischen Infrastrukturfonds.
Unter dem Dach "Die Länderbahn" fährt die Regentalbahn AG mit regionalen Marken, zum Beispiel als Vogtlandbahn in Sachsen und Nordbayern. Seit 2009 bedient sie zusammen mit einem österreichischen Partner die Berchtesgadener Landbahn. Von Lindau bzw. Oberstdorf fährt der Alex über München bis Hof und Prag, der Vertrag läuft noch bis 2017. Im Dezember 2010 startete mit dem "trilex" eine drei Länder übergreifende Zusammenarbeit mit Tschechien und Polen. Und ab 2013 bzw. 2014 geht es in Eigenregie in Ostbayern weiter.
"Die Bayerische Eisenbahngesellschaft macht hier übrigens einen hervorragenden Job", berichtet Knöbel. Denn die für den Regionalzugverkehr zuständige BEG achte verstärkt auf Qualität und Pünktlichkeit, und das komme in erster Linie den Zugreisenden zugute. Künftig will die Regentalbahn im Bereich Ostbayern mit dem Betrieb der Nahverkehrszüge in den Teilnetzen Wald-, Naabtal- und Oberpfalzbahn neue Maßstäbe setzen: Die bisher als Subunternehmer der DB Regio fahrenden RegioShuttle werden grundlegend renoviert. Sie erhalten eine neue Lackierung, neue Sitze und zum Beispiel für Sehbehinderte kontrastreichere Fußböden. An einem Monitor erhält der Fahrgast aktuelle Informationen über Anschlüsse und Fahrplanänderungen. Und: Tickets kann er direkt an Bord ohne Aufpreis mit Beratung vom Zugbegleiter kaufen und verliert so keine Zeit am Bahnsteig mit dem oft als lästig empfundenen Kampf mit den Automaten.
Der Gewinn der Ausschreibung war für die Regentalbahn AG nicht einfach. "Da ist alles knapp kalkuliert, da gibt es unternehmerisch kaum Spielräume", berichtet Knöbel weiter. Für die zusätzlich bestellten Verkehre (das Fahrplanangebot steigt laut BEG um acht bis 16 Prozent) rechnet er mit der Einstellung von weiteren Lokführern, auch mehr Zugbegleiter wird es geben. Für das vorhandene Personal könne das Lohnniveau gehalten werden; "es hat uns viel Fleiß und Mühen gekostet, hier erfolgreich zu sein". Dennoch ergebe sich für das Unternehmen insgesamt eine sehr gute langfristige Perspektive. Der neue Eigentümer habe die klare Absicht, an demnächst anstehenden Ausschreibungen wieder teilzunehmen, deutschlandweit steht ein Drittel der Strecken in den nächsten Jahren zur Neuausschreibung an − "und wir trauen uns zu, auch zu gewinnen". Das hieße: weiteres Wachstum sowohl bei Personal, als auch bei Umsatz.
Konkret zum Standort Viechtach befragt, schickt Knöbel voraus: "Wir haben hier Spitzenpersonal und ein Super-Know- How", das will er unbedingt halten. Dafür war der Gewinn der Ostbayernbahn-Ausschreibung Grundvoraussetzung. Bekanntlich hatte der Freistaat beim Verkauf an Arriva eine Bestandsgarantie bis Ende 2010 vorgesehen. Knöbel sagt nun, dass sich daran auch nichts ändern müsse; um die 100 Arbeitsplätze gebe es in Viechtach. Allerdings macht der Vorstand deutlich, dass die Kalkulation wenig Spielräume lasse; "der Gewinn der Ausschreibung war ein sehr knappes Rennen". Und der Erhalt der Strecke von Gotteszell nach Viechtach kostet pro Jahr eine sechsstellige Summe. Dies wie bisher nur für den Transfer leerer Triebwagen auszugeben, um diese dann in Viechtach zu warten, könnte auf Dauer schwer darstellbar sein.
Regulärer Personenverkehr würde dies sicherlich verändern, steht Knöbel zu seiner bereits mehrfach geäußerten Ansicht. Denn Leerfahrten wären dann nicht mehr erforderlich. Jedoch sei dies eine Frage der Politik, hier könne er als Vertreter eines Unternehmens, das im europäischen Wettbewerb steht, keine weitergehenden Aussagen treffen. Aus seiner Sicht gäbe es aber beste Voraussetzungen, auch die Strecke Gotteszell-Viechtach zu einem Erfolg zu machen. Wie berichtet, ist es weiter Ziel des örtlichen Landtags-Abgeordneten Staatsminister Helmut Brunner sowie des Bundestags- abgeordneten Ernst Hinsken, zumindest einen zeitlich befristeten Probebetrieb zu erreichen. Dazu gibt es demnächst einen weiteren Gesprächstermin mit Verkehrsminister Martin Zeil.
REDAKTIONSTAGEBUCH
Freitag: Optimismus verbreitet Regentalbahn-Vorstand Gerhard Knöbel beim Gespräch mit der Heimatzeitung. Sein Unternehmen ist auf weiteres Wachstum ausgelegt (siehe Bericht). Grundsätzlich erfreulich für das Unternehmen mit Stammsitz Viechtach. Ob gerade Letzteres so bleiben kann, dafür kann die Politik viel tun. Ein weiteres Gespräch mit dem zuständigen Verkehrsminister zum Personenverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell steht an.
Sollte deshalb an dieser Stelle zum wiederholten Male daran erinnert werden, dass es hier nicht um die Reaktivierung einer stillgelegten Strecke geht? Dass vielmehr täglich Triebwagen darauf fahren, die in der Viechtacher Werkstätte repariert werden? Kann man darauf verzichten, noch einmal darauf hinzuweisen, dass der Wanderbahn-Verein sonntags Passagiere die 25 Kilometer hin- und herbefördert, regulärer Personenbetrieb also nur eine Verbreiterung des bestehenden Angebots wäre? Muss tatsächlich erneut erwähnt werden, dass Zusagen zur Kostenbeteiligung von möglichen Ertüchtigungen von Bahnübergängen durch Gemeinden und Kreistag vorliegen? Weiß nicht ohnehin jeder, dass die Bevölkerung dies durch eine Unterschriftensammlung bestätigt hat?
Ist denn nicht auch hinlänglich bekannt, dass es um Strukturförderung im Bereich Tourismus geht und Viechtach als einzige Stadt weit und breit vom Urlauber nicht per Bahn erreichbar ist? Weiß denn nicht auch jeder, dass die aktuell niedrige Arbeitslosenquote auch davon kommt, dass junge Leute aus der Gegend abwandern, wenn sie hier keine Arbeit finden und dies auch zur niedrigen Quote beiträgt?
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 16.08.2011
Antwort auf Bahn-Anfrage verzögert sich
Ende Juni hat der Landtagsabgeordnete Alexander Muthmann einen umfassenden Fragenkatalog zur Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach an die Staatsregierung eingereicht. Das zuständige Wirtschaftsministerium kann dazu allerdings vorerst nicht Stellung nehmen. Denn obwohl das Thema seit zwei Jahren intensiv diskutiert wird, müssen erst intern die relevanten Informationen recherchiert werden.
Der Freyunger MdL Muthmann ist als verkehrspolitischer Sprecher der Freien-Wähler-Landtagsfraktion schon seit längerem mit der Thematik der Wiederbestellung von Personenzügen auf der 30 Kilometer langen Strecke befasst. Vor zwei Jahren war im Rahmen einer Info-Fahrt mit Vertretern aus der Region die Forderung entstanden, wieder regulären Bahnverkehr zu ermöglichen.
Nach Muthmanns Ansicht darf das Thema der Reaktivierung Gotteszell - Viechtach nicht einfach unter den Tisch gewischt werden: "Wir brauchen da schon Transparenz und gemeinsame Anstrengungen". Laut Geschäftsordnung des Bayerischen Landtags hätte das Ministerium Muthmanns Anfrage innerhalb eines Monats beantworten müssen. Insgesamt hat er darin sieben Themenbereiche angesprochen, die in der Regel mit jeweils drei weitergehenden Fragestellungen unterteilt sind. Wie der Abgeordnete dem Viechtacher Bayerwald-Boten auf Anfrage mitteilte, hatte ihn der zuständige Referatsleiter vertröstet und um Fristverlängerung bis 30. August gebeten. Als Grund wurde angegeben, dass "die Recherche der relevanten Informationen angesichts des Umfangs der Anfrage sowie die Koordination zwischen den beteiligten Stellen im Ministerium mehr Zeit benötigt.” gsc−
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 28.07.2011
Auf die Regentalbahn warten viele Aufgaben Nach dem Gewinn der Ostbayernbahn-Ausschreibung: Freude bei Bürgermeister Georg Bruckner und Staatsminister MdL Helmut Brunner
Von Gunther Schlamminger
Viechtach. Die Vergabe des Regionalzugverkehrs Ostbayern an die Regentalbahn hat bei politischen Mandatsträgern der Region große Freude ausgelöst. “Еs freut mich sehr, dass es geklappt hat”, sagte der örtliche Landtags-Abgeordnete, Staatsminister Helmut Brunner.
Am Freitag hatte das zuständige Verkehrsministerium bekanntgegeben, dass der Zuschlag für den Betrieb der Nahverkehrszüge in den Teilnetzen Wald-, Naabtal- und Oberpfalzbahn an die Regental Bahnbetriebs-GmbH mit Sitz in Viechtach gehen soll. Eine Reihe von Aufgaben warten laut dieser Pressemitteilung auf die Regentalbahn. So freut sich Verkehrsminister Martin Zeil, dass mit der Neuvergabe eine Steigerung des Fahrplanangebots von acht bis 16 Prozent einhergehen soll − zum Teil abhängig vom weiteren Infrastrukturausbau. Damit folge man der steigenden Nachfrage. So könnte zum Beispiel zwischen Zwiesel und Grafenau ein Stundentakt entstehen, zwischen Furth im Wald und Schwandorf würden Taktlücken geschlossen und zwischen Deggendorf und Plattling das Angebot verdichtet.
Zudem wird die Regentalbahn bei Service, Tarif- und Kaufmöglichkeiten ein hohes Niveau bieten, und jeder Zug wird einen Zugbegleiter haben. Es sollen moderne, niederflurige Fahrzeuge eingesetzt werden, die mit Mehrzweckbereich und Fahrgastinformationssystem ausgerüstet sind. Das Fahrscheinangebot wird um eine übertragbare Monatskarte ergänzt, die an Werktagen erst ab 9 Uhr gilt und deutlich günstiger als die normale Monatskarte sein soll. Zusätzlich gelten im Teilnetz Waldbahn weiterhin das Bayerwald-Ticket und das Bayerwald-Ticket plus. Für Gelegenheitsfahrer wird ein Pauschalangebot zum halben Normalfahrpreis für Reisen bis 50 Kilometer eingeführt. Fahrausweise werden im Zug vom Zugbegleiter verkauft, im Grenzbereich zu Tschechien auch in tschechischen Kronen. Daneben bietet die Regental Bahnbetriebs-GmbH auch eine Reihe von personenbedienten Verkaufsstellen an.
Außerdem wird die Regentalbahn am Qualitätsmesssystem der Bayerischen Eisenbahngesellschaft teilnehmen. Damit prüft die BEG Sauberkeit, Funktionsfähigkeit der Ausstattung, Fahrgastinformationen im Zug, Servicequalität und Kundenfreundlichkeit. Außerdem gelten hohe Anforderungen hinsichtlich Pünktlichkeit und Anschlusssicherung. Werden Anforderungen im laufenden Betrieb nicht erfüllt, erhebt die BEG Strafzahlungen.
In einer ersten Reaktion bewertete Staatsminister Helmut Brunner die Entscheidung als erfreulich für die Region. Er geht davon aus, dass dadurch die Arbeitsplätze am Ausbesserungswerk in Viechtach nicht mehr akut in Gefahr sind. Neue Chance für Gotteszell - Viechtach? Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Georg Bruckner gegenüber dem Viechtacher Bayerwald-Boten: “Ich sehe darin eine Verfestigung der Regentalbahn und eine Stabilisierung des Betriebs in Viechtach. Man könne nur dankbar sein gegenüber allen, die an dieser Entscheidung beteiligt waren.” Gleichzeitig brachte Bruckner die Hoffnung zum Ausdruck, dass durch diese Entscheidung auch die Frage der Reaktivierung von planmäßigem Zugverkehr von Gotteszell bis Viechtach noch einmal aufs Tapet komme. Zwar werde die Strecke weiter gebraucht, sollten Waldbahn-Züge weiter zur Überholung in die Viechtacher Werkstatt kommen. Den Bestand sicher verfestigen würde aber nach seiner Ansicht nur regelmäßiger Personenverkehr.
Staatsminister Helmut Brunner sagte, dass er seinen Kabinettskollegen Zeil erst bei dessen Besuch in Teisnach vorigen Freitag noch einmal auf dieses Thema angesprochen habe. Der Verkehrsminister habe dabei zugesichert, die Thematik noch einmal in einem gemeinsamen Termin mit MdL Brunner und MdB Ernst Hinsken zu erläutern. “Wir lassen nicht locker und müssen es einfach schaffen, einen zeitlich befristeten Probebetrieb zu bekommen”, sagte Brunner. Erst dann hätte man Zahlen, die zeigen, ob die derzeit als zu gering eingeschätzte Prognose bezüglich der Fahrgäste wirklich zutreffen.
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 22.07.2011
Zuschlag für Ostbayern-Strecken geht an Regentalbahn
Die private Regentalbahn soll ab Ende 2013 das Bahnangebot auf mehreren Bahnstrecken in Ostbayern verbessern. Wie das bayerische Verkehrsministerium am Freitag in München mitteilte, setzte sich das Unternehmen bei einer europaweiten Ausschreibung durch. Das Fahrplanangebot werde, je nachdem wie der geplante Ausbau der Strecken vorankomme, um 8 bis 16 Prozent erweitert, erklärte Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) laut Mitteilung.
Die Regentalbahn soll für bis zu zehn Jahre die Waldbahn, die Naabtalbahn und die Oberpfalzbahn betreiben. Es handelt sich um Strecken im Bayerischen Wald sowie von Regensburg ins oberfränkische Schirnding. Die bayerische Regionaltochter der Deutschen Bahn (DB) konnte sich mit ihrem Angebot bei der Vergabe nicht durchsetzen. Künftig soll das Bahnangebot auch besser auf das Bussystem rund um den Bayerwald-Nationalpark abgestimmt werden, damit Urlauber schneller in Deutschlands ältesten Nationalpark gelangen können. Dafür muss die für den Netzausbau zuständige DB-Tochter laut Ministerium allerdings noch Bahnübergänge zusammen mit den Kommunen technisch umrüsten.
Auch das Bahnangebot zwischen Regensburg und der als Industriestandort wichtigen Oberpfälzer Kreisstadt Schwandorf soll ab Ende 2014 verbessert werden. Auf dieser Strecke gebe es seit Jahren überproportional starke Zuwächse von 3300 Fahrgästen pro Werktag (2003) auf inzwischen rund 6400 Passagiere. Die Regentalbahn AG war bis 2004 ein bayerisches Staatsunternehmen. Die Gesellschaft hat weiter ihren Sitz im niederbayerischen Viechtach (Landkreis Regen) und ist inzwischen eine Tochter des bundesweiten Bahnbetreibers Netinera, der wiederum zur italienischen Staatsbahn FS gehört. Die Regentalbahn bedient als „Vogtlandbahn“, „Vogtland-Expresses“ oder „Alex“ bereits etliche Strecken in Bayern, Sachsen, Thüringen und darüber hinaus. Die Züge fahren beispielsweise zwischen Berlin, Zwickau, Gera, Plauen, Hof, München, Oberstdorf und Lindau.
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 21.06.2011
MdL Muthmann: Bahn nicht unter den Tisch fallen lassen
In die Diskussion um die Reaktivierung der Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach hat sich jetzt auch der Landtags- abgeordnete Alexander Muthmann (Freyung) eingeschaltet. Muthmann, verkehrspolitischer Sprecher der Freien Wähler im Landtag, hat am Dienstag einen umfassenden Fragenkatalog zum Personenverkehr auf dieser Bahnstrecke an die Staatsregierung eingereicht. Konkret geht es dabei um die regionalpolitische und touristische Bedeutung einer Schienenanbindung und die genauen Berechnungen des Verkehrsministeriums, die zu einer Ablehnung der Reaktivierung geführt haben. Dazu Muthmann: „Das Thema darf nicht so einfach unter den Tisch gewischt werden. Ich erwarte mit von Staatsminister Zeil nicht nur schöne Worte über die ländlichen Regionen; sie müssen auch in die Tat umgesetzt werden.
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Die Anfrage im Wortlaut:
„An die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Frau Barbara Stamm, im Hause
Schriftliche Anfrage gemäß § 71 GeschO (mit Drucklegung) Reaktivierung der Bahnlinie Gotteszell - Viechtach
Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie hält die Reaktivierung der Bahnlinie Gotteszell - Viechtach für den Personenverkehr für nicht realisierbar. Von verschiedenen Seiten werden jedoch entweder Zweifel an der zu Grunde liegenden Kosten- und Fahrgastprognosen vorgebracht oder auch Alternativkonzepte, wie etwa ein zeitlich begrenzter Probebetrieb der Strecke in die Diskussion eingebracht. In einer Presseverlautbarung des Wirtschaftsministeriums vom 6. März 2011 bekundete Staatsminister Zeil:
“Solange ich die Wirtschaftspolitik in Bayern verantworte, wird der ländliche Raum gestärkt und nicht abgehängt. Wir stehen für Chancengleichheit in allen und für alle bayerischen Landesteile. Überall im Freistaat ist eine eigenständige und selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung möglich und auch nötig. Dafür die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, verstehen wir als eine unserer wichtigsten politischen Aufgaben.”
Vor diesem Hintergrund frage ich die Staatsregierung:
1. Wie bewertet die Staatsregierung die Bedeutung von Bahnverbindungen für die Attraktivität einzelner Regionen?
a. Teilt die Staatsregierung die Ansicht, dass durch fehlende Schienenverbindungen in einzelne Regionen erhebliche Nachteile hinsichtlich der Attraktivität der jeweiligen Standorte zu erwarten sind?
b. Sieht die Staatsregierung die Erschließung oder Reaktivierung einer Strecke als strukturpolitische Förderung einzelner Regionen an?
c. Lassen sich zu erwartende Kosten für die Reaktivierung und den Betrieb wirtschaftlich unrentabler Strecken, die möglicherweise höher ausfallen, als auf anderen Strecken, als regionalpolitische Förderung rechtfertigen, wenn andernfalls einzelne Gemeinden absehbar auf Dauer vom SPNV-Netz abgehängt werden?
2. Welchen Einfluss hat nach Ansicht der bayerischen Staatsregierung eine funktionierende Bahnverbindung für den wichtigen Wirtschaftszweig der Tourismusbranche?
a. Welche Erkenntnisse liegen der Staatsregierung über den Zusammenhang einer guten Schienenverkehrsanbindung von touristischen Regionen und der Entwicklung des Tourismus in diesen Regionen vor?
b. Inwiefern wurden Prognosen und aktuelle Zahlen der touristischen Entwicklung der betroffenen Region bei der Ermittlung der Fahrgastzahlenschätzungen für die Relation Gotteszell − Viechtach berücksichtigt?
c. Ist die Staatsregierung der Ansicht, dass eine Reaktivierung der Bahnstrecke Gotteszell – Viechtach als konkrete Tourismusförderung angesehen werden kann?
3. Welche konkreten Argumente haben zur ablehnenden Haltung der Staatsregierung hinsichtlich einer Reaktivierung der Bahnstrecke Gotteszell – Viechtach geführt?
a. Welche genauen Fahrgastprognosen wurden für die angesprochene Relation ermittelt?
b. Welche genauen Kosten wurden für die Reaktivierung (auch in Form eines zeitlich begrenzten Probebetriebs) ermittelt (bitte genaue Auflistung der einzelnen Maßnahmen mit jeweiliger Kostenschätzung)?
c. Welchen Einrichtungen und/oder Personen können die Studien zu Kosten und Fahrgastprognosen zur Einsicht zur Verfügung gestellt werden (falls es sich um einen beschränkten Kreis handelt, bitte mit Begründung für dieses Vorgehen)?
4. Hält es die Staatsregierung für möglich, von der Messlatte ‘1000 Fahrgäste pro Tag im Streckenquerschnitt auf der gesamten Strecke‘, die für eine Reaktivierung von Bahnstrecken als Voraussetzung angegeben wird, abzuweichen?
a. Wie beurteilt die Staatsregierung die unterschiedlichen räumlichen und demographischen Gegebenheiten gerade in dünn besiedelten Regionen hinsichtlich der Chance einer Region, die o.g. Anforderung einer Reaktivierung zu erfüllen?
b. Ist es formal zulässig, in besonderen – regionalpolitisch motivierten – Fällen von der Grenze 1.000 Fahrgäste abzuweichen und welche Folgen hätte dies?
c. Welche Bahnverbindungen in Bayern sind der Staatsregierung bekannt, bei denen das Fahrgastpotential diese Voraussetzung nicht erfüllt, aber dennoch eine Bestellung von Personenverkehren durch die BEG durchgeführt wird?
5. Ist die Staatsregierung bereit, sich trotz ihrer grundlegend ablehnenden Haltung zur Reaktivierung der betroffenen Strecke, weiterhin aktiv um eine positive Lösung des Anliegens zu bemühen?
a. Welchen Stellenwert misst die Staatsregierung den parteienübergreifenden Bemühungen der Region bei, die Strecke doch noch reaktivieren zu können?
b. Wie bewertet die Staatsregierung den Vorschlag, auf der Strecke vorerst einen Probebetrieb laufen zu lassen?
c. Ist die Staatsregierung bereit, ihre Prognosen zu Fahrgastzahlen und Kosten öffentlich zu diskutieren und ggf. anzupassen, falls berechtigte Kritikpunkte vorgebracht werden?
6. Welche gesetzlichen Anforderungen muss eine Bahnstrecke – über den bestehenden Schienenverkehr durch Inspektionsfahrzeuge hinausgehend – erfüllen, um zum Schienenpersonenverkehr zugelassen zu werden?
a. Durch welche Normen und Behörden werden diese Anforderungen vorgegeben?
b. Gibt es Anforderungen, die zwar in die Kostenberechnung einer Reaktivierung durch das Wirtschaftsministerium eingegangen sind, jedoch rechtlich nicht zwingend umgesetzt werden müssten?
7. Wie genau gestaltet sich die Kostenaufteilung zwischen verschiedenen Gebietskörperschaften und der Deutschen Bahn bei Reaktivierungen?
a. Wer müsste welche Kosten tragen?
b. Welche finanzielle Förderung ist für die Infrastruktur von bayerischen NE-Bahnen, wie z.B. Gotteszell - Viechtach, möglich?
c. In welchem Umfang stehen gegenwärtig weitere – nicht bayerische – (Förder-)Töpfe für eine Reaktivierung einer Bahnstrecke, wie z.B. Gotteszell – Viechtach, zur Verfügung.
Alexander Muthmann, MdL“
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 15.06.2011
Bahnstrecken-Reaktivierung FDP-Kreisrat kommt nicht an seinen Wirtschaftsminister ran
Regen. Die Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach soll wieder reaktiviert werden − das haben die FDP-Delegierten aus dem Landkreis bei der Bezirksvorstandssitzung am Samstag in Bogen-Oberalteich gefordert.
„Wir fordern die erneute Prüfung durch das Wirtschaftsministerium“, formulierte MdL Dr. Andreas Fischer, nachdem der FDP-Kreisvorsitzende Gerhard Glockner die vergeblichen Bemühungen des Kreisrates Werner Stahl, beim Landesparteitag mit Minister Martin Zeil ins Gespräch zu kommen, vorgetragen hatte. (...)
„Wir sehen unsere Aufgabe nicht darin, die Politik der Oberen zu verteidigen, sondern wollen, dass die gewählten Vertreter die liberalen Vorstellungen der Parteibasis umsetzen“, stellte Glockner heraus. Bei der Monatsversammlung der Kreisliberalen am Donnerstag, 16. Juni, um 19 Uhr im Berggasthof Hinhart in Regen werden die Mitglieder entsprechende Anträge formulieren. bb−
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 14.05.2011
Probebetrieb: Hinsken will’s genauer wissen Bundestagsabgeordneter will zur Strecke Viechtach-Gotteszell persönliches Gespräch mit Minister Zeil suchen
Von Gunther Schlamminger
Viechtach. Der Verweis auf hohe Investitionskosten ist Ernst Hinsken dann doch zu einfach: „Da wünschte ich mir schon eine exakte Aufstellung, was wie viel kosten würde“, sagt der Bundestags-Abgeordnete. Für ihn ist der Kampf um planmäßigen Schienenverkehr zwischen Gotteszell und Viechtach noch lange nicht zu Ende.
Zwei Jahre werden es in wenigen Wochen sein, als während einer vom Verein „Wanderbahn im Regental“ organisierten Informationsfahrt politische Vertreter aus der Region auf eine große Chance eingeschworen wurden: Im Zuge der Neuausschreibung der Waldbahnspinne könnte auch die dritte Stadt im Landkreis zusammen mit zwei Märkten und zwei Gemeinden, insgesamt 17 500 Bürger, wieder einen Bahnanschluss erhalten! Nach einem kämpferischen Appell durch Landrat Heinz Wölfl folgten innerhalb weniger Wochen einstimmige Resolutionen von Gemeinden und aus dem Kreistag. Darin wurden auch Zusagen gemacht, die vor Ort zu tragenden Kosten zu übernehmen. Die Stadt Viechtach legte noch Ende Juni vor, der Kreistag folgte am 15. Juli 2009 und forderte die Wiedereröffnung der Bahnlinie Gotteszell - Viechtach einstimmig. Innerhalb weniger Wochen wurden knapp 5000 Unterschriften gesammelt, die Anfang November dem Wirtschaftsminister in München übergeben wurden.
Am 26. November 2009 legte der Wirtschafts-, Umwelt- und Tourismusausschuss nach und beschloss einstimmig, sich „angemessen“ an dem notwendigen Sanierungsumfang an den Bahnübergängen der Kreisstraßen zu beteiligen. Am 14. Juli 2010 ersuchte der Kreistag einstimmig die Bayerische Staatsregierung, die Wiederinbetriebnahme des Schienen-Personen-Nahverkehrs auf der 25 Kilometer langen Bahnlinie Viechtach-Gotteszell in die Wege zu leiten. Und noch am 13. Dezember 2010 folgte eine Aufforderung an das Bayerische Wirtschaftsministerium, die positive Entwicklung der Fahrgastzahlen nach Einführung einer Schülerbeförderung zusätzlich in die aktuellen Abwägungen einzubeziehen.
Tenor aller Bemühungen war es stets: Der Gleiskörper ist intakt, weil täglich Schienenfahrzeuge zur Inspektion in die Werkstatt der Regentalbahn fahren und diese Strecke benutzen. Indes: Das zuständige Ministerium für Wirtschaft und Verkehr ließ sich von alledem nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Erst wurde ein Gutachten gemacht, wonach täglich 530 Fahrgäste zu erwarten seien. Dann wurde weiter untersucht und zugesagt, dass die Region vor einer Entscheidung noch einmal gehört werden sollte. Anfang Dezember 2010 hieß es plötzlich, dass wegen zu weniger belastbarer technischer und wirtschaftlicher Daten keine Ausschreibungsreife vorliege. Und nur zwei Wochen später lehnte Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) die Bestellung von Zugverkehr ab, weil dies wirtschaftlich nicht vertretbar wäre. Genaue Zahlen, die dies rechtfertigten, legte das Ministerium allerdings bis heute nicht vor.
Im Rahmen seines achtseitigen Konzeptpapiers „Ideen für Niederbayern, Schwerpunkt Donau-Wald“ hat der örtliche Landtagsabgeordnete und bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner den Ministerpräsidenten im März 2011 unter anderen Punkten zur Förderung der Infrastruktur gebeten, als ein „Signal des Aufbruchs“ auch die Reaktivierung von Gotteszell - Viechtach in der Ausschreibung des Waldbahnnetzes doch noch zu berücksichtigen. Schließlich würden in Niederbayern bei einem Bevölkerungsanteil von 9,7 Prozent lediglich 5,4 Prozent der in Bayern bestellten Zugkilometer erbracht.
Vor zwei Wochen nun ergriff auch MdB Ernst Hinsken erneut die Initiative und bat den Wirtschaftsminister, zumindest einen zwei- bis dreijährigen Probebetrieb zu ermöglichen. Auf Nachfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten sagte eine Sprecherin des Ministeriums, dass dafür eine Investition im „siebenstelligen Bereich“ erforderlich wäre; eine Zahl, die von den Streckenkennern des Wanderbahnvereins sofort in den Bereich des Utopischen verortet wurde.
Bundestags-Abgeordneter Hinsken sagte daraufhin jetzt, dass er ein persönliches Gespräch mit dem bayerischen Wirtschaftsminister suchen wolle. Er hält einen Probebetrieb weiterhin für einen guten Kompromiss, der die geforderten belastbaren Fakten liefern könnte. Genau wolle er auch aufgelistet haben, was aus Sicht des Verkehrsministeriums wie viel kosten würde. Er könne sich nicht vorstellen, dass für einen Probebetrieb so viel in den Bahnkörper gesteckt werden müsse: „Das ist ja keine Schnellstrecke“. Zwar müssten Sicherheitsstandards erfüllt sein, jedoch glaubt er, dass dies mit geringeren Summen umsetzbar sei. „Die Strecke ist vorhanden, täglich fährt ein Zug − da sollten wir es doch den Bürgern und unseren Touristen ermöglichen, hier auch den Zug nutzen zu können“, meint der frühere Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Hinsken, der jetzt Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Deutschen Bundestag ist.
Bei der Regentalbahn selbst, der die Strecke gehört, sieht man die Bemühungen um eine Wiederbelebung mit planmäßigen Zügen grundsätzlich positiv. Während der derzeit noch laufenden Ausschreibung für das Waldbahnnetz will man sich aber nicht in die politische Diskussion einbringen. Aus der Staatskanzlei war diese Woche zu erfahren, dass der Ministerpräsident die Vorschläge von Staatsminister Brunner inzwischen an den Kabinettsausschuss zur Bewältigung des demographischen Wandels ergeben habe. Dort würden sie − mit vielen anderen auch − diskutiert und bewertet. Die demographische Entwicklung sei eine Querschnittsaufgabe, die alle Politikbereiche tangiert. Die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in den Regionen sei dabei eines der Themen, die der Kabinettsausschuss behandelt. Bis zum Jahresende 2011 solle ein Aktionsplan entstehen mit einem zeitlich gestaffelten Umsetzungskonzept. Zum jetzigen Zeitpunkt eine Entscheidung über einen Einzelaspekt zu treffen und aus dem Gesamtkonzept herauszulösen, wäre daher verfrüht, sagt Cornelia Weidmüller.
Ob sich die Gemeinden in einer Art Zweckverband an den Betriebskosten beteiligen könnten, sieht Abgeordneter Hinsken allerdings mit Blick auf die klammen kommunalen Kassen skeptisch. Für ihn bleibt die Forderung nach einem Probebetrieb aktuell. Dazu will er nach eigenen Worten nach seinen zwei Grundsätzen vorgehen, die da lauten: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Und: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 14.05.2011
REDAKTIONSTAGEBUCH
Donnerstag. Das liebe Geld ist es, das immer wieder Anlass zu Verständnislosigkeit geben kann. Noch dazu, wenn man verschiedene Dinge zusammen denkt.
An diesem Donnerstag stellt die Zentrale Bußgeldstelle vor, dass sie dem Freistaat voriges Jahr mehr als 80 Millionen Euro eingebracht hat. Wir fragen uns, wie viele der Mitarbeiter gerne mit dem Zug zur Arbeit kommen würden und ob man ein kleines Milliönchen von dem hier eingetriebenen Geld in die Bahnstrecke umleiten könnte. Aber halt − das Geld gehört ja dem Innenministerium und wird sicherlich dringend für Straßen in anderen Regionen Bayerns gebraucht.
Die Gedanken schweifen weiter. Vor rund zwei Wochen sollte es in einem Spitzengespräch in der Staatskanzlei um die Rettung der Fluglinie Hof - Frankfurt gehen, welche die Staatsregierung mit 2,3 Millionen Euro pro Jahr subventionierte. Von 15 000 Passagieren im Jahr 2010 war die Rede. Da wollen wir doch mitrechnen und nehmen 500 Fahrgäste an 350 Tagen pro Jahr im Zug zwischen Viechtach und Gotteszell, das wären dann 175 000 Passagiere, die man doch auch subventionieren könnte. Aber halt, wir wissen ja: Das im Bayerwald, das ist ja unwirtschaftlich und Hof braucht die Strukturförderung sicher auch sehr dringend.
Da fällt uns noch was ein: Sieben Millionen Euro hat der Freistaat damals aus dem Erlös des Verkaufs der Viechtacher Regentalbahn-Aktien in den Hofer Flughafen gesteckt. Könnte man mit einer ungleich geringeren Summe nicht locker einen Probebetrieb finanzieren? Wiederum: Halt! Das eine ist sieben Jahre her, für die Politik eine Ewigkeit; und das andere schlicht und einfach zu teuer.
Halten wir doch mal fest: Bei sämtlichen hier angesprochenen Geldern handelt es sich um Töpfe des Freistaats. Verständlich, wenn die Region nicht versteht, warum andernorts möglich ist, was hier nicht gehen soll. gsc−
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 07.05.2011
LESERBRIEF Man will uns für dumm verkaufen!
Zum Artikel „Probebetrieb erfordert eine Millionen-Investition“ am 5. Mai im Viechtacher Bayerwald-Boten:
„Erneut glaubt das Bayerische Wirtschaftsministerium, die Bürger der Region mit falschen Behauptungen zur Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach für dumm verkaufen zu können. Kosten “in Millionenhöhe“ kämen auf den Freistaat zu. Fakt ist, dass der Freistaat nach den Ergebnissen der letzten Ausschreibungen für jeden gefahrenen Zugkilometer zwischen 0,75 Euro (Strecke Passau - München) und etwa acht Euro bezahlt. Zwei Züge täglich von/zur Werkstatt nach Viechtach werden seit 1997 vom Staat bereits voll finanziert, ohne dass Reisende mitfahren dürfen. Die Kosten für einen ganzjährigen Probebetrieb bewegen sich somit zwischen 100.000 und einer Million Euro, das heißt eine sechsstellige Summe (nicht siebenstellig!).
Die Sprecherin des Ministeriums, die namentlich nicht genannt werden will (warum nur?), möchte uns weismachen, dass die Investitionen für Bahnsteige und Beleuchtung zusätzliche Kosten in Millionenhöhe erfordern. Wenn sie vorher ihre Fachleute gefragt hätte, wüsste die gute Frau, dass derartige Kosten einer intakten Strecke aus Trassenentgelten/ Stationsgebühren abgedeckt werden. Der Eigentümer der Bahnlinie, die Regentalbahn AG, hat die erforderliche Modernisierung mehrfach zugesagt.
Aber da hört man in München und bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) lieber weg, weil man Steuergelder gern zweckentfremdet einsetzt: Für ein Stellwerk in Vilseck, eine Ausweichstelle in Massing oder ein neues Bahnhofsgleis im großen Regensburger Hauptbahnhof! Auch gibt die BEG tausende von Euros für die Neulackierung von Lokomotiven, Wagen und Werbeauftritten aus. Das sind alles Aufgaben der Deutschen Bahn AG, die aber lieber spart und so fette Gewinne macht, allein im letzten Jahr rund 700 Millionen Euro durch das DB Netz. Mit der Beauftragung von Gotteszell – Viechtach müsste man eine Bahnstrecke der privaten Regentalbahn fördern. Ein Dorn im Auge der DB-Lobbyisten, die bei der BEG ein- und ausgehen? Immer noch können die prognostizierten Fahrgastzahlen nicht von unabhängigen Gutachtern geprüft werden, da sie unter Verschluss liegen. Da hat jemand was zu verbergen? Fürchtet man, dass der Probebetrieb die viel zu niedrig angesetzten Fahrgastprognosen deutlich überschreitet?
Für einen Probebetrieb würde meines Erachtens eine Ertüchtigung der beiden Bahnhöfe Teisnach und Ruhmannsfelden reichen. Auch der Ausbau der Bahnübergänge ist für einen Probebetrieb noch nicht zwingend. Die schnellste Fahrzeit bleibt dann – so wie bisher − bei 35 statt 30 Minuten. Die alternativen Busse sind leider nicht schneller oder attraktiver, wenn sie die Ortszentren anbinden. Das zeigt schon heute ein Blick in die gültigen Linienfahrpläne. Und auch der gewünschte dichtere Takt bedeutet nur eines: Der Freistaat möchte sich aus seiner finanziellen Verantwortung stehlen und den von Abwanderung gebeutelten Landkreis Regen heranziehen. Die örtlichen Busunternehmer könnten die fehlenden Verbindungen ja eigenwirtschaftlich anbieten, aber da können wir lange darauf warten.
Alle Nahverkehrszüge, die in Bayern fahren, bezahlen wir als Steuerzahler. Umgerechnet auf die Region Viechtach/Teisnach erbringen etwa 17 000 Menschen anteilig eine Million Euro pro Jahr. Also genau die Summe, die der Betrieb maximal kosten würde. Was wird damit stattdessen gemacht, Herr Zeil? Der DB AG für den 200 km/h schnellen „München-Nürnberg-Express“ als Regionalzug geschenkt oder für den milliardenschweren zweiten S-Bahn-Tunnel in München gespart (einer reicht noch nicht)! Warum wird dieses Steuergeld aus der Region nicht in die Region investiert?
Im Übrigen würde den Verantwortlichen im Bayerischen Verkehrsministerium öfters ein Blick ins bayerische ÖPNV-Gesetz nicht schaden. Da steht nämlich unter Artikel 2 zu lesen: „Der Eisenbahn- und sonstige Schienenverkehr soll als Grundangebot des öffentlichen Personennahverkehrs ausgestaltet und das übrige Angebot darauf ausgerichtet werden. In den verkehrsfern gelegenen Räumen des Staatsgebiets soll der Eisenbahnverkehr den Anschluss an die verkehrlichen Hauptachsen ermöglichen.“ Wie meinte der niederbayerische Journalist Hannes Burger vor kurzem so treffend: „Im Wald brennt es den Politikern in den Stiefeln, einigen Beamten in Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsressort samt Minister Zeil einen Anschub von hinten zu verpassen, um mehr Interesse an der Region zu wecken.“ Wie wahr, da wäre eine große Demonstration mit vielen Teilnehmern in Stiefeln genau das Richtige.“
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 07.05.2011
ÖDP: Die Bahnstrecke wäre eine sinnvolle Strukturförderung Kreisräte diskutieren mit Hannes Burger
Viechtach. Als bewährter Reden-Schreiber beim Nockherberg-Spektakel ist Redakteur Hannes Burger bekannt. Zeitungslesern ist der Name durch viele Berichte und Kommentare in verschiedenen überregionalen Zeitungen geläufig. Beim Landkongress unter Leitung von Landwirtschaftsminister Brunner war Hannes Burger einer der Referenten, die die Zukunftsperspektiven unseres Raumes Bayerischer Wald beleuchtete.
Nach seinem Referat wollten die ÖDP-Kreisräte mit ihm weiter in die Thematik einsteigen. In einer sehr interessanten Gesprächsrunde wurden zunächst Fakten über den Ist-Zustand diskutiert, danach ein Blick in die Zukunft getan. Der viel kritisierte Bericht des Zukunftsrats ist nicht nur negativ zu sehen. Man müsste jetzt kapieren, dass die Waidler nur dann eine Chance haben, wenn sie sich auf die eigenen Beine stellen statt nur auf Hilfe von außen zu warten. Das vorhandene Potenzial im Bayerischen Wald ist riesig, es muss nur in zukunftsfähigen Ideen auf den Markt gebracht werden.
Doch hier liegt laut Burger oftmals die Krux. Das Kirchturmdenken vieler Kommunalpolitiker behindere manche visionäre Idee. Man müsse vielmehr über Grenzen hinweg Besonderheiten der Region miteinander verknüpfen. So wäre es zum Beispiel sinnvoll das E-Wald-Konzept mit Zielen in Tschechien zu erweitern, Moldaustausee, Krumau und Sumova würden einem Urlaub im Bayerischen Wald mehr Attraktivität verleihen.
Burger stellte außerdem heraus, dass es nicht reicht, einfach um Hilfe zu schreien, sondern nur mit konkreten Projekten lasse sich das Interesse für unseren Bayerischen Wald in München wecken. Die Wiederaufnahme des Personennahverkehrs auf der Schiene zwischen Viechtach und Gotteszell wäre ein solches Projekt, das wäre eine sinnvolle Strukturförderung. Positive Ansätze gibt es bereits, viele weitere gemeinsame Projekte müssen folgen. Nach mehr als drei Stunden verabschiedeten sich Günther Iglhaut, Brigitte Baueregger, Hermann und Aloisia Pledl von Redakteur Hannes Burger, einem engagierten Großstädter, der mittlerweile ein Waidler geworden ist. vbb
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 05.05.2011
Zeil: Probebetrieb erfordert eine Millionen-Investition Trotz Hinsken-Bitte weiter wenig Hoffnung für Bahnstrecke
Viechtach. Die Ansichten über die Voraussetzungen für einen möglichen Probebetrieb auf der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell liegen zwischen Ernst Hinsken und Martin Zeil offensichtlich weit auseinander. Während der Haibacher Abgeordnete und Vorsitzende des Wirtschafts-Ausschusses im Deutschen Bundestag die vorhandene Infrastruktur „bis auf wenige Einzelheiten“ für einen Probelauf für ausreichend hält, fordert der Bayerische Wirtschaftsminister Investitionen „im siebenstelligen Bereich“, also eine Millionensumme.
Der CSU-Politiker Hinsken hatte sich zuletzt nach mehreren Vorstößen in persönlichen Gesprächen und schriftlich erneut an den FDP-Mann Zeil gewandt. Laut eigener Pressemitteilung hatte er um einen zwei- bis dreijährigen Probebetrieb gebeten. Damit würden belastbare Fakten auf den Tisch kommen, schließlich gebe es hierzu „bisher ja nur Gutachten“. Der Probelauf würde sich nach Hinskens Einschätzung finanziell in tragbaren Grenzen halten, weil auch das Ausbesserungswerk in Viechtach laufend über diese Strecke bedient werde.
Auf Nachfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten teilte jetzt eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministeriums mit, dass Verkehrsminister Zeil bereits bei früheren Anfragen Hinskens darauf hingewiesen habe, dass zwingend erhebliche Mittel in die Stations-Infrastruktur investiert werden müssten, damit diese überhaupt nutzbar werden könnte. So fehle etwa überall ausreichende Beleuchtung, einige Bahnsteige müssten angepasst werden. Erst dann wären die Anlagen überhaupt verkehrssicher. Zudem müssten einige Bahnübergänge technisch gesichert werden. All dies würde voraussichtlich einen siebenstelligen Betrag erfordern und sei aber bereits für einen Probebetrieb Voraussetzung.
Auch im Rahmen seiner kürzlich vorgestellten „Drei-Säulen-Strategie“ zur Förderung der ländlichen Räume als Antwort auf das Gutachten des Zukunftsrates sehe Minister Zeil keine Chance für die Bahnstrecke. Die Sprecherin, die namentlich nicht genannt werden will: „Nach Ansicht des Bayerischen Verkehrsministeriums kann eine leistungsfähige ÖPNV-Versorgung in diesem Fall besser, günstiger und attraktiver durch Busse gewährleistet werden: Busse wären nicht langsamer, könnten in dichteren Takten fahren und direkt die Gemeindezentren ansteuern.“
Der VBB wollte gestern den Bundestags-Abgeordneten Hinsken zu dieser Einschätzung befragen. Über sein Büro in Berlin musste er jedoch ausrichten lassen, dass er sich derzeit in der Delegation von Bundespräsident Christian Wulff auf Südamerika-Reise mit Stationen in Mexiko, Costa Rica und Brasilien befinde. Dort habe er einen zu dichten Zeitplan, um sich eingehend mit der Bahnstrecke befassen zu können. Zurück in Berlin, wolle er sich in der kommende Woche äußern. gsc-
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 30.04.2011
LESERBRIEF Leere Worte
“Da spricht der Wirtschaftsminister von gleichwertigen Bedingungen für alle. Die Arbeit muss zu den Menschen gebracht werden. Der ÖPNV in strukturschwachen Räumen muss mehr unterstützt werden. So zumindest steht es in der Presse vom Donnerstag. Nach unseren Erfahrungen sind es wieder nur leere Versprechen.
Herr Zeil hat gerade im Viechtacher Raum ganz anders gehandelt als er nun in seiner Zukunftsalternative vorgibt. Dem ÖPNV im Landkreis Regen fehlt eine Erweiterung der Waldbahnstrecke von Viechtach nach Gotteszell, eine Strecke von nur 25 km mit intaktem Gleiskörper. Alle Gemeinden und der Kreistag haben sich in einstimmigen Resolutionen dafür ausgesprochen. Die Ausschreibung dieser Erweiterung ist von Minister Zeil erst vor wenigen Wochen abgelehnt worden. Es sollte seiner Meinung nach die einzige wirtschaftliche Bahnstrecke werden. Alle anderen Bahnstrecken in Bayern werden vom Freistaat finanziell bezuschusst.
Die Arbeit ist bereits bei den Viechtacher Menschen. Ein Fachbetrieb der Regentalbahn, in dem die Waldbahn-Züge gewartet werden, beschäftigt 100 Facharbeiter in Viechtach. Ihre Arbeitsplätze sind durch die Ablehnung der Streckenerweiterung massiv gefährdet. Leider scheinen auch diese Zukunftsversprechen eines obersten Wirtschaftlers wieder nur leere Worte eines maßgeblichen Politikers zu sein.”
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 29.04.2011
Hinsken fordert Bahn-Probebetrieb
Viechtach/Gotteszell. Nach mehrfachen Vorstößen in persönlichen Gesprächen und schriftlich hat sich Bundestagsabgeordneter Ernst Hinsken wegen einer eventuellen Wiederinbetriebnahme der Waldbahn Viechtach - Gotteszell erneut an Martin Zeil, den Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, gewandt. In einer am Freitag an den Viechtacher Bayerwald-Boten geschickten Pressemitteilung erklärte der CSU-Politiker, dass er den FDP-Mann Zeil nochmals eindringlich gebeten habe, probeweise für zwei bis drei Jahre den Personenverkehr Viechtach - Gotteszell wieder zuzulassen.
„Damit kommen belastbare Fakten auf den Tisch. Schließlich gibt es hierzu bisher ja nur Gutachten“, meinte Hinsken. Im Übrigen würde ein solcher „Probelauf“ sich in finanziell tragbaren Grenzen halten, die verantwortbar seien, findet der Bundestagsabgeordnete. Die erforderliche Infrastruktur dafür sei bis auf wenige Einzelheiten vorhanden, weil das Ausbesserungswerk laufend über diese Strecke bedient werde. vbb
Auszug aus einem Artikel des Straubinger Tagblatts vom 29.04.2011
Wo's im Wald brennt Überall gibt es Eisenbahn-Ärger mit Bayerns Verkehrsministerium
Eine regionalpolitische Plauderei von Hannes Burger
Eine recht sichere Bauernregel lautet: "Kommt ein Gewitter im Mai, ist der April vorbei." Der Übergang vom wetterlaunigen April zum wonnigen Mai bedeutet im Bayerwald, dass auch die letzten Skiwanderer auf den Grenzbergen keinen Schnee mehr finden und ihre Stiefel wechseln. In einem Volkslied heißt es dazu: "Mich brennts in meinen Wanderschuhn fort mit der Zeit zu schreiten." Im Wald brennt es beim Frühlingserwachen entlang zweier Bahnstrecken den Politikern mehr in den Stiefeln, einigen Beamten in Bayerns Wirtschafts- und Verkehrsressort samt Minister Zeil einen Anschub von hinten zu verpassen, um mehr Interesse an der Region zu wecken.
Die Meinungen gehen jedoch in den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau auseinander, was es konkret bedeutet, "fort mit der Zeit zu schreiten". So ist der Verein "Wanderbahn im Regental" der von Politikern aller Parteien geteilten Ansicht, dass die 1991 für den Personenverkehr eingestellte Bahnstrecke Gotteszell – Viechtach reaktiviert gehört. Die Gleise der vor 120 Jahren gegründeten Eisenbahn sind intakt; darauf fahren laufend die Züge der "Waldbahn" leer zur Wartung in die Bahnfahrzeug-Werkstätte Viechtach. Zudem nutzen im Sommer an etwa 30 Tagen rund 10.000 Ausflügler die "Wanderbahn" auf dieser Strecke.
Bei der Wiederaufnahme eines regelmäßigen Personenverkehrs auf den 25 Kilometern geht es also nicht um nennenswerte Investitionen. Die Stadt Viechtach und das nahe Teisnach hätten damit Anschluss an das Waldbahn-Netz zwischen Plattling, Zwiesel, Grafenau und Bayerisch Eisenstein bis ins tschechische Spicak. Das heißt: In Plattling hat man Anschluss an die Strecken Passau – München und Nürnberg – Wien.
Nicht nur der Stimmkreisabgeordnete der CSU, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, und Landrat Heinz Wölfl, sondern auch Kreisräte der ÖDP und andere haben sich – auch um Viechtachs Bahnwerkstätte mit rund 100 Arbeitsplätzen zu erhalten – für die Reaktivierung dieses Personenverkehrs bei Minister Zeil eingesetzt. Dem ist aber offenbar nicht bekannt, dass Infrastruktur-Maßnahmen im Verkehrsbereich nicht nur der Bedarfsdeckung dienen sollten, sondern auch der Erschließung und Entwicklung strukturschwacher Gebiete. In den Wilden Westen Amerikas wurden die Eisenbahnen auch nicht gebaut, weil schon so viele Indianer auf den Zug gewartet haben. Aber hier haben viele den Eindruck, dass das Recht auf gleichwertige Lebensbedingungen, das Ministerpräsident Seehofer in die Verfassung aufnehmen will, zuerst einmal dem Wirtschaftsministerium vermittelt werden muss. (…)
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 25.02.2011
"Seehofer muss Taten folgen lassen“ Juso-Kreisverband fordert Reaktivierung der Bahnlinie Gotteszell-Viechtach
Viechtach. „Horst Seehofer muss seinem Versprechen zur Stärkung Ostbayerns nun auch Taten folgen lassen“, fordert die Juso-Kreisvorsitzende Sofia Weihmann. Als Beispiel nennt sie die Reaktivierung der Bahnlinie Gotteszell - Viechtach. „Hier könnte Seehofer zeigen, dass er es ernst meint“, sagt die engagierte Viechtacherin. Die Jusos machten bei ihrem jüngsten Treffen deutlich, dass sie gemeinsam mit allen Befürwortern der Bahnlinie Gotteszell - Viechtach weiterhin für deren Reaktivierung kämpfen werden.
Der SPD-Nachwuchs im Landkreis Regen kritisiert, dass der bayerische Ministerpräsident kürzlich in Passau zwar vollmundige Versprechungen gemacht habe, die Staatsregierung jedoch nach wie vor bei ihrem strikten Nein zur parteiübergreifend geforderten Wiederinbetriebnahme der Bahnlinie bleibt. Nach Ansicht der Jusos ist es unverständlich, dass man Ostbayern in München häufig vorwerfe, keine klaren, eigenen Zielvorstellungen für die Stärkung des ländlichen Raum zu haben, andererseits aber dann ganz konkrete Vorschläge ablehne. „Die gesamte Region steht hinter der geforderten Reaktivierung, doch das interessiert in München niemanden“, ärgert sich auch der Viechtacher Stadtrat Christian Pinzl.
Und das, obwohl mit Helmut Brunner ein Staatsminister höchstpersönlich für die Wiederinbetriebnahme gekämpft hat“, ergänzt Daniel Hof. Gerade diese Tatsache zeige, wie wenig der ländliche Raum der Staatsregierung in Wirklichkeit bedeute. „Niederbayerischer Staatsminister hin oder her: Wir haben keine Lobby in München“, lautet die nüchterne Bilanz von Tobias Schötz.
„Gerade junge Menschen im Altlandkreis brauchen dringend eine bessere ÖPNV-Anbindung. Es kann nicht sein, dass der Schulbesuch in Deggendorf zur täglichen Weltreise wird“, sagt Jonas Weihmann, der selbst davon betroffen ist. Die Argumentation der Staatsregierung, die Bahnstrecke sei nicht wirtschaftlich zu betreiben, lassen die Jusos nicht gelten: „Kaum eine Bahnlinie ist wirtschaftlich. Hier geht es aber um allgemeine Daseinsvorsorge. Und die darf man nicht auf dem Altar der Wirtschaftlichkeit opfern“, stellt Kreisvorsitzende Sofia Weihmann abschließend fest. vbb
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 05.02.2011
Zweierlei Maß im Bahnverkehr? Ein paar Anmerkungen zu den wiederholt vom Ministerium vertretenen Einschätzungen
Von Gunther Schlamminger
Viechtach. Das Verfahren um die Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell erscheint immer verworrener. Der zuständige Minister spricht immer wieder von Transparenz, aber was er und sein Ministerium verbreiten, erscheint vielfach kaum nachvollziehbar, vielmehr erscheint es sogar so, als würde mit zweierlei Maß gemessen. Dazu sieben Anmerkungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Erstens verlautbart Minister Zeil, dass er die Bahn in Ostbayern stärken will: mehr Züge, bessere Verbindungen. Das gilt aber nur für bestehende Strecken.
Zweitens spricht er von Gleichbehandlung, wenn 1000 Fahrgäste pro Tag gefordert werden. Das gilt dann für Hauptstrecken wie für die letzten Zipfelchen von Nebenstrecken gleichermaßen.
Drittens muss die Strecke Wirtschaftlichkeit beweisen, die sich dadurch ergäbe, dass die Ticketerlöße den Betrieb finanzieren. Gleichzeitig räumt Zeil ein, dass es in Bayern keine Strecke gibt, die ohne Zuschüsse läuft; also ist keine einzige wirtschaftlich im Sinne seiner Definition.
Viertens will der Zukunftsrat aus Ostbayern ein Erholungsgebiet für Ballungsraum-Bewohner machen. Mit dem Zug nach Viechtach fahren können sie dann aber nicht, weil die Streckenreaktivierung abgelehnt wird. Doppelt schlecht für Viechtach als einziger Stadt weit und breit ohne Bahnanschluss.
Fünftens ist es billiger, einen Bus pendeln zu lassen. Klar, der fährt ja auch nicht so oft, der Zug würde im Zweistundentakt neunmal fahren. Das ist viel öfter, Mehrkosten sind deshalb logisch.
Sechstens denken wir an den zweiten S-Bahn-Tunnel, der in München entstehen soll, mit flotter Anbindung zum Flughafen. Drei Milliarden Euro für die Verbesserung einer Verbindung, die schon besteht! Gleichzeitig ist die knappe Million Euro pro Jahr für die Strecke Viechtach - Gotteszell zu teuer.
Siebtens sind in Viechtach 100 Arbeitsplätze bedroht; bei Drei-Personen-Familien würden davon 300 Menschen betroffen. Ginge man vom direkten Übergang zu HartzIV-Leistungen aus, in vereinfachter Rechnung nehmen wir 300 Euro Unterstützung pro Nase in zwölf Monaten. Dann kostet dies den Staat pro Jahr rund eine Million Euro. Ob das eine knappe Million Euro Betriebskosten rechtfertigt?
Wie geht es weiter? Abgeordnete, Kreisräte, Bürgermeister wollen weiter kämpfen. Sie können das, was bisher abläuft zwischen Viechtach und Gotteszell Bahnhof, kaum nachvollziehen.
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 04.02.2011
„Keine Strecke in Bayern ohne Zuschüsse“ Zeil antwortet den Kreistagsfraktionen zur Bahnstrecke − Staatskanzlei leitete Fragen an zuständigen Minister weiter
Viechtach. Nach der Ablehnung von Schienenpersonennahverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell durch den zuständigen Minister Martin Zeil haben die Fraktionen der ödp und der Unabhängigen im Kreistag Regen acht Fragen an die Staatskanzlei geschickt. Deren Leiter, Staatsminister Siegfried Schneider, leitete sie an Zeil zur Beantwortung weiter. Der Viechtacher Bayerwald-Bote dokumentiert im Folgenden Fragen und Antworten aus den jeweiligen Schreiben; wegen der Übersichtlichkeit sind sie in Interview-Form zusammengefasst.
Sind seit dem Übergang der Zuständigkeit für den SPNV stillgelegte Bahnstrecken in Bayern für den Personenverkehr reaktiviert worden? Wenn dies der Fall ist, um welche Bahnlinien handelt es sich?
Zeil: (...) Der einzige echte Fall einer Reaktivierung ist die Stichstrecke zwischen Hörpolding und Traunreut. Auf der Bahnstrecke Bayreuth−Weidenberg wurde der SPNV nach zeitweiser Stilllegung wieder aufgenommen. Hier handelt es sich um keine echte Reaktivierung, weil die Strecke nie förmlich und offiziell außer Betrieb genommen wurde.
Wurden bei diesen reaktivierten Bahnstrecken alle Kriterien des bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums zur Bestellung von SPNV-Leistungen erfüllt?
Zeil: Im Fall der Strecke Bayreuth−Weidenberg wurde das Fahrgastpotenzial nicht überprüft, da es sich um eine Strecke handelt, die bei der Regionalisierung zum Bestand der bayerischen Regionalstrecken gezählt wurde. Im Fall der zwei Kilometer langen Stichstrecke nach Traunreut wurde angesichts des atypischen Falles nur eine überschlägige Bewertung des Fahrgastpotenzials durchgeführt, die im Nachhinein als zu optimistisch zu werten ist.
Wie hoch muss ein Fahrgastaufkommen sein, damit SPNV-Leistungen bestellt werden?
Zeil: Als Maßstab für eine Reaktivierung legen wir eine Messlatte von 1000 Fahrgästen pro Tag im Streckenquerschnitt auf der gesamten Strecke zugrunde. Dieser Maßstab ist nicht willkürlich gegriffen. Er wird beispielsweise vom Eisenbahn-Bundesamt genutzt, um die Wirtschaftlichkeit von Eisenbahnstrecken zu beurteilen. Damit haben wir ein klares Kriterium, nach dem alle Regionen transparent und gleich behandelt werden.
Mit welcher Methode werden derzeit die Fahrgastzahlen im Bestand ermittelt?
Zeil: Aktuelle Fahrgastzahlen im SPNV in Bayern werden durch regelmäßige Zählungen ermittelt. In Ausschreibungen werden die Bieter für SPNV-Leistungen zu regelmäßigen Fahrgastzählungen verbindlich verpflichtet. Die Analyse der Ticketverkäufe ist für die Ermittlung der Fahrgastzahlen völlig ungeeignet, da der Anteil der so genannten relationslosen Tickets (beispielsweise Bayern-Ticket, Abonnements) dazu viel zu groß ist.
Mit welcher Methode werden die Fahrgastzahlen auf derzeit nicht befahrenen Strecken ermittelt?
Zeil: Fahrgastpotenziale werden mit verkehrswissenschaftlichen Methoden erarbeitet. In jedem Fall liegt die Erhebung der Strukturdaten der betroffenen Region zugrunde. Das betrifft insbesondere die Wohnbevölkerung, die Arbeitsplätze und die Schulstandorte. Auf dieser Grundlage wird mit wissenschaftlich abgesicherten Erfahrungswerten, die auch die Qualität eines neuen Angebots berücksichtigen, ermittelt, wie hoch das Verlagerungspotenzial auf das neue Angebot ist.
Werden bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung auch andere Kriterien und Leistungen (der Erhalt von Arbeitsplätzen, strukturschwache Gebiete, Tourismus und Umweltkriterien) ausreichend berücksichtigt?
Zeil: (...) Bei der Konzeption der SPNV-Angebote spielen alle von Ihnen genannten Kriterien durchaus eine Rolle. Als Kriterien für eine Reaktivierung einer Bahnstrecke sind sie allerdings nicht geeignet. So wäre ein positiver Einfluss auf die Wirtschaftsstruktur einer Region nicht messbar und nicht qualifizierbar. Vielmehr muss die Frage lauten, ob die Eisenbahn in einer bestimmten Region das geeignete Verkehrsmittel ist. Das bedeutet ja nicht, dass Regionen ohne SPNV schlecht mit öffentlichem Nahverkehr versorgt sein müssen. Bei einer eher geringen Nachfrage wird oft die Busbedienung wirtschaftlicher, umweltgerechter und sogar flexibler und damit attraktiver sein.
Wie viele Bahnstrecken außerhalb der Ballungsgebiete arbeiten wirtschaftlich und schreiben „schwarze Zahlen“?
Zeil: Wenn alle Kosten des Betriebs einer Bahnstrecke über die Fahrgeldeinnahmen finanziert werden könnten, wäre diese Bahnstrecke wirtschaftlich. Wegen der relativ hohen Gebühren, die für die Nutzung der Infrastruktur anfallen, gibt es in Bayern keine SPNV-Strecke, die ohne staatliche Zuschüsse betrieben wird.
Wie hoch ist das derzeitige Defizit beim Münchner Verkehrsverbund MVV und wie viel muss der Freistaat Bayern hier aus Landesmitteln mitfinanzieren?
Zeil: Die Frage nach dem Defizit des MVV, also aller öffentlichen Verkehrsmittel im Großraum München, lässt sich nicht beantworten. Der innerstädtische Verkehr wird von der Münchner Verkehrsgesellschaft bzw. den Stadtwerken München betrieben. Anders als im Falle des Schienenpersonennahverkehrs erfolgt durch die Landeshauptstadt München keine Bestellung von Verkehrsleistungen bei der MVG gegen Entgelt. Ich nehme an, Sie interessierten sich bei dieser Frage in erster Linie für die Münchner S-Bahn. Auch in diesem Fall bezahlt der Freistaat Bayern ein so genanntes Bestellerentgelt an die DB Regio AG, das ausreicht, um die Differenz zwischen den Kosten des Betriebs und den erzielbaren Fahrgeldeinnahmen auszugleichen.
vbb/gsc
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 04.02.2011
Antworten aus München unbefriedigend Auch nach Zeils Erläuterungen wollen ödp und Unabhängige weiter für die Bahn-Strecke kämpfen
Von Gunther Schlamminger
Viechtach. Drei Wochen hat es gedauert, bis am Mittwoch die Antworten aus München auf die weiteren Anfragen der Kreistagsfraktionen von ödp und Unabhängigen zur Frage der Wiederbestellung von planmäßigem Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Viechtach und Gotteszell eingetroffen sind. Geantwortet hat der für Verkehr zuständige Staatsminister Martin Zeil (FDP), der zuletzt im Dezember die Wiederbestellung von Personenzügen bereits in einem Schreiben an Landrat Heinz Wölfl abgelehnt hatte. Seine Antworten halten die Kreisräte für unbefriedigend, teilweise würden sie, zumindest nach Ansicht von Heinrich Schmidt, an den Fragen vorbei gehen.
Vor allem stößt Schmidt sauer auf, dass die für die Region wichtigen weiteren Aspekte der Strecke für den Minister keine Rolle spielen und er sich weiterhin hinter den zu erwartenden Fahrgastzahlen versteckt. „Dass wir die geforderten 1000 Fahrgäste täglich in unserem ländlichen Raum nie erreichen können, lag doch von Anfang an auf der Hand“, versteht auch Günther Iglhaut die Argumentation in der Staatsregierung nicht. In dieser Frage muss man doch nicht nur das Jetzt betrachten, sondern zwanzig oder vierzig Jahre nach vorne schauen“, sagt Heinrich Schmidt. Angesichts steigender Benzinpreise und schwindender Ölvorräte müsse man alternative Verkehrsplanungen anstrengen. Der bloße Verweis auf Busverbindungen könne hier nicht genügen. Vielmehr „wird der Bahn aus meiner Sicht eine entscheidende Bedeutung zukommen“, ist der 3. Landrat überzeugt. Interessant sei für ihn auch die Aussage Zeils, dass es in Bayern keine Bahnstrecke gibt, die ohne staatliche Zuschüsse auskommt. Warum dann der hiesige ländliche Raum abgehängt bleiben soll, ist ihm weiter unverständlich.
„Wir haben nun einmal besondere Rahmenbedingungen, und auf die wird weiter keine Rücksicht genommen“, versteht auch Günther Iglhaut nicht. Viel werde geredet zur Unterstützung des flachen Landes, aber außer der ZBS-Ansiedlung in Viechtach und der FH-Außenstelle in Teisnach fällt ihm nichts ein. „Hier hätten wir ein weiteres konkretes Projekt, das man unterstützen könnte“, sagt Iglhaut. Fraktionskollegin Brigitte Baueregger weist darauf hin, dass hier über die Fahrgastzahlen eine Gleichbehandlung des ländlichen Raumes mit Ballungszentren hergestellt wird − überall seien 1000 gefordert. Jedoch habe gerade auch der Zukunftsrat eine unterschiedliche Bewertung von Ballungszentren und ländlichen Räumen nahe gelegt. „Das passt doch alles nicht zusammen“, sagt sie.
Gestern Nachmittag haben Jugendliche ihre Position zur Bahnstrecke auch vor den südwild-Fernsehkameras deutlich gemacht. Da müsse der Freund als Taxi zum Bahnhof Gotteszell herhalten, abends komme man aus Viechtach nur mit dem Auto weg. Der Bus sei zudem keine Alternative − „der fährt nur zweimal, am Morgen und am Abend“. Auch Verwandtenbesuche könnte man bequem mit dem Zug organisieren. Bürgermeister Georg Bruckner verwies auf die parteienübergreifende Initiative pro Bahn und forderte Minister Zeil auf: „Legen Sie endlich konkrete Zahlen auf den Tisch, damit wir offen debattieren können“. Völlig außen vor lässt Minister Zeil weiterhin die Frage der Zukunft der rund 100 Arbeitsplätze der Regentalbahn in Viechtach. „Die Staatsregierung müsste doch alles dafür tun, dass die erhalten bleiben“, meint Heinrich Schmidt. Der Erhalt der Strecke könnte nach seiner Ansicht durch Bestellung von Schienenverkehr positiv beeinflusst werden. Und dies könnte dann sicherlich nach der derzeit laufenden Abwicklung des Verkaufs der Regentalbahn von einem neuen Eigentümer Anerkennung finden.
Auch die Bedeutung der Strecke für den Tourismus gelte es viel mehr zu würdigen, ist Schmidt überzeugt. Seiner Meinung nach ist damit zu rechnen, dass in Zukunft noch mehr Urlauber als heute mit der Bahn anreisen. Die Einbindung der Strecke in das E-Wald-Projekt würde sicher weitere Potenziale erschließen. Dies sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die drei Kreisräte wollen bei diesem Thema weiter am Ball bleiben. Nach einer internen Besprechung zur Bewertung von Zeils Antworten kann sich Schmidt vorstellen, auf die anderen Kreistagsfraktionen zuzugehen und sie in das weitere Vorgehen einzubinden. Schmidt: „Wir müssen in dieser Sache weiter am Ball bleiben und alle eng zusammenstehen“.
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 14.01.2011
Bahnbefürworter kämpfen weiter Nach Zeils „Nein“ zur Reaktivierung der Strecke Viechtach-Gotteszell: Offener Brief der ödp und Unabhängigen an die Staatskanzlei
Von Daniela Albrecht
Viechtach. Das „Nein“ von Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) zur Wiederbestellung von regelmäßigen Personenschienenverkehr auf der Strecke Viechtach - Gotteszell erhitzt weiter die Gemüter. Führende Politiker der Unabhängigen und der ödp haben sich nun zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Weiterkämpfen.
ödp-Kreisrätin Brigitte Baueregger, ödp-Kreistragsfraktionsvorsitzender Günther Iglhaut und 3. Landrat Heinrich Schmidt (Unabhängige) haben nun einen offenen Brief an die Bayerische Staatskanzlei geschrieben. Darin fordern sie Antworten auf offene Fragen zur Entscheidung Zeils ein. Gestern ging der Brief in die Post. In einem Gespräch mit dem Viechtacher Bayerwald-Boten erläuterten die drei Kommunalpolitiker ihre Beweggründe und wie sie weiter vorgehen wollen. Dabei machten Brigitte Baueregger, Günther Iglhaut und Heinrich Schmidt deutlich, dass sie sich nicht damit abfinden wollen, dass der Zug für Viechtach abgefahren sein soll. Sie monieren die „stiefmütterliche Behandlung der Region“.
„Die Regierungsparteien reden von Unterstützung des ländlichen Raums und propagieren dazu auch noch groß im Internet irgendwelche Programme und wenn es dann darauf ankommt, eine Entscheidung für den ländlichen Raum zu treffen, dann wird gekniffen“, schimpft 3. Landrat Heinrich Schmidt. Ins gleiche Horn bläst auch ödp- Fraktionsvorsitzender Günther Iglhaut. Er könne sich noch gut daran erinnern, dass Ministerpräsident Horst Seehofer im Januar 2008 bei einem Besuch in Viechtach ein Versprechen abgegeben hatte. „,Wenn konkrete Projekte für den ländlichen Raum initiiert werden, dann werde ich das unterstützen‘ hat er gesagt, und dann das“, ärgert sich der Geiersthaler.
Wie berichtet hatte Wirtschaftsminister Martin Zeil am 15. Dezember in einem Schreiben an Landrat Heinz Wölfl mitgeteilt, dass er die Wiederbestellung von regulärem Bahnverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell ablehnt. Das seit der ersten Besprechung im Sommer angekündigte zweite Gespräch mit Vertretern aus der Region, in dem die Prognosen und ihre Bewertung vorgestellt werden sollten, fand nicht mehr statt, obwohl noch am 1. Dezember aus der Pressestelle des Verkehrsministeriums die Information kam, dass die Daten in einer Besprechung mit den Vertretern aus der Region vorgestellt werden sollten und erst auf Basis dieses Gesprächs sollte schließlich eine Entscheidung fallen. Auch das ärgert Baueregger, Iglhaut und Schmidt. Es würden Versprechungen gemacht, die nie gehalten werden. Ähnlich verhalte es sich mit den Zusagen, die damals beim Verkauf der Regentalbahn durch den Freistaat an den britischen Konzern Arriva gemacht wurden, monierte 3. Landrat Heinrich Schmidt. Damals sei signalisiert worden, dass ein Teil der erlösten Mittel wieder in die Region fließt. „Und zwar nicht in Form von Wirtschaftsförderung, vielmehr hat man erwartet, dass das Geld wieder in Infrastrukturmaßnahmen fließt“, betont der Unabhängigen-Politiker. Doch davon könne keine Rede sein.
Deswegen wollen die drei Bahnbefürworter Zeils Entscheidung nicht einfach auf sich beruhen lassen. In ihrem Schreiben an die Staatskanzlei, das Iglhaut und Schmidt an Staatsminister Siegfried Schneider adressiert haben, sind acht Fragen aufgelistet, um deren „zeitnahe Beantwortung“ die Briefeschreiber bitten. Sie wollen unter anderem wissen, ob seit dem Übergang der Zuständigkeit für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) stillgelegte Bahnstrecken in Bayern für den Personenverkehr reaktiviert worden sind und wenn ja, um welche Bahnlinien es geht. Ferner interessiert sie, ob bei diesen reaktivierten Bahnstrecken alle Kriterien des bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums zur Bestellung der SPNV-Leistungen erfüllt wurden, wie hoch ein Fahrgastaufkommen sein muss, damit SPNV-Leistungen bestellt werden und mit welcher Methode derzeit die Fahrgastzahlen im Bestand beziehungsweise nicht befahrenen Strecken ermittelt werden.
Antwort erhoffen sich die drei aber vor allem auf die Frage, ob bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung auch andere Kriterien wie der Erhalt von Arbeitsplätzen, strukturschwache Gebiete, Tourismus und Umweltbelange berücksichtigt werden und darauf, wie viele Bahnstrecken außerhalb der Ballungsgebiete wirtschaftlich arbeiten beziehungsweise wie hoch das derzeitige Defizit beim MVV ist und wie viel Geld der Freistaat dafür zur Verfügung stellt. Denn nach Ansicht der drei Politiker werde mit zweierlei Maß gemessen. Dass Niederbayern bei der Bestellung von Nahverkehr gegenüber allen anderen Regierungsbezirken deutlich benachteiligt wird, hat auch Eike Hallitzy festgestellt. Der Grünen- Landtagsabgeordnete sicherte im Gespräch mit dem Viechtacher Bayerwald-Boten zu, eine mögliche Landtagsanfrage der Freien Wähler zu unterstützen, die Heinrich Schmidt bei seinen Parteikollegen anregen wird. „Ich unterstütze jede Initiative, die die Bestellung von Personenverkehr zum Ziel hat“, erklärte der Grünen-Politiker.
Wörtlich an Staatsminister Siegfried Schneider schreiben Günther Iglhaut und Heinrich Schmidt:
Sehr geehrter Herr Staatsminister Schneider, auf Ihrer Internetseite „Ziele bayr. Verkehrspolitik“ der Bayr. Staatsregierung stellen Sie plakativ dar, dass eine gesicherten Mobilität für Wirtschaft und Gesellschaft einen hohen Stellenwert hat. Im gleichen Text verweisen Sie auf die große Bedeutung der gesicherten Mobilität für die Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsstandortes und für Wohlstand und Beschäftigung der Bevölkerung. Im Bereich des Eisenbahnverkehrs handeln seit 1996 die Bundesländer und damit auch der Freistaat Bayern eigenverantwortlich für den SPNV. Die Kreistagsfraktionen der ÖDP und der Unabhängigen ersuchen Sie um zeitnahe Beantwortung folgender Fragen:
1. Sind seit dem Übergang der Zuständigkeit für den SPNV stillgelegte Bahnstrecken in Bayern für den Personenverkehr reaktiviert worden? Wenn ja, um welche Bahnlinien geht es? 2. Wurden bei diesen reaktivierten Bahnstrecken alle Kriterien des bayr. Wirtschafts- und Verkehrsministeriums zur Bestellung der SPNV-Leistungen erfüllt? 3. Wie hoch muss ein Fahrgastaufkommen sein, damit SPNV-Leistungen bestellt werden? 4. Mit welcher Methode werden derzeit die Fahrgastzahlen im Bestand ermittelt? 5. Wie werden mögliche Fahrgastzahlen auf derzeit nicht befahrenen Strecken ermittelt? 6. Werden bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung auch andere Kriterien wie der Erhalt von Arbeitsplätzen, strukturschwache Gebiete, Tourismus und Umweltbelange berücksichtigt? 7. Wie viele Bahnstrecken außerhalb der Ballungsgebiete arbeiten wirtschaftlich und schreiben ,schwarze Zahlen‘? 8. Wie hoch ist das derzeitige Defizit beim MVV und wie hoch ist der finanzielle Beitrag des Freistaates für den Münchner Verkehrsverbund?
Für eine zeitnahe Beantwortung unserer Fragen bedanken wir uns im Voraus. Mit freundlichen Grüßen, Günther Iglhaut, Fraktionsvorsitzender ödp und Heinrich Schmidt, Fraktion Unabhängige
Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 08.01.2011
LESERBRIEF Weiterhin auf das Auto angewiesen
Zu den Berichten über die Bahn im Viechtacher Bayerwald-Boten:
„Mit einer Mail ans Wirtschaftsministerium am 28. Juli hatte auch ich mich für die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs auf dieser Strecke eingesetzt. Noch vor Weihnachten wurde dem Landkreis Regen mitgeteilt, dass die Strecke in der neuen Ausschreibung für Ostbayern nicht enthalten ist. Der Viechtacher Bayerwald-Bote hat das den Bürgern der Region mitgeteilt und ich nehme an, dass diese Ablehnung aus ,Wirtschaftlichkeitsgründen’ durch Herrn Minister Zeil auf herbe Kritik gestoßen ist.
Herr Minister Zeil hat der Stadt Viechtach und den Bürgern der Region damit keinen Gefallen getan. Ich bedauere es außerordentlich, dass ich jetzt im Rentenalter nicht die Bahn benutzen kann, sondern weiter auf das Auto angewiesen bin. Mit dem Bus kommt man nicht zu den gewünschten Zeiten nach Gotteszell. Es ist deprimierend, dass dafür alleine wirtschaftliche Gründe aufgeführt werden. In der Politik werden nicht nur Millionen, sondern sogar Milliarden verschleudert, siehe das Debakel um die Bayerische Landesbank. Für den Verlust ist allerdings die damals allein herrschende CSU verantwortlich. Für den neuen Skandal bei der LB, bei dem sich ein Ex-Vorstand so einfach einmal 50 Millionen Euro unter den Nagel gerissen hat, hätte man die Strecke 50 Jahre lange bedienen können. Ich rechne gar nicht aus, wie viel Jahre das bei 3,5 Milliarden gewesen wären!
Ich bin kein Verehrer der CSU, aber wahrscheinlich hätte ein CSU-Wirtschaftsminister doch anders entschieden. Unsere Region hat halt das sicher einmalige Pech, dass gerade jetzt ein gelber Minister im Kabinett sitzt. Bei den derzeitigen Umfragewerten für die FDP wird das, wie auch wahrscheinlich im Bund, eine einmalige Sache gewesen sein. Garantiert ist bei den nächsten Landtagswahlen, dass dann der ,gelbe Spuk’ in Bayern wieder vorbei ist. Ob ich überhaupt noch einmal wählen gehe, ist sehr fraglich. Alle Politiker sind machtgeil und nur auf ihren Vorteil bedacht. Der Bürger interessiert sie überhaupt nicht und ich hoffe, dass das noch viele andere Wähler auch irgendwann begreifen. Politikverdrossenheit nennt man das - und die ist von den Politikern hausgemacht.
Für mich stellt sich jetzt die Frage, wie lange ich in Viechtach noch leben kann. Als alter Mensch, dem irgendwann die Fähigkeit fehlt, sich mit dem Auto fortzubewegen, kann ich es mir nicht vorstellen. Es gibt viele Regionen, die für den älteren Menschen mit öffentlichem Verkehrsmitteln besser erschlossen sind.“
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