Bayerns schönste Eisenbahnstrecke.
Die bayerwaldbahn Gotteszell — Teisnach — Viechtach. 

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Pressemitteilung 1
“D’ WALDBAHN für unsere Region”

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Pressemitteilung 2
20 ARGUMENTE Gotteszell-Viechtach

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Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 19.02.2015

ÖPNV-Kosten nehmen langsam Gestalt an
Der Wirtschafts-Ausschuss des Kreistages will schon in den Haushalt 2015
die Summe von 250.000 Euro einstellen

von Gunther Schlamminger

Viechtach/Regen. Die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs im Landkreis wird Geld kosten. Um dafür gewappnet zu sein, hat der Ausschuss für Wirtschafts-, Umwelt- und Tourismusfragen gestern Nachmittag dem Kreistag empfohlen, schon in den Haushalt 2015 eine Summe von 250000 Euro einzustellen. Damit will man sich Flexibilität ermöglichen, die Umsetzung des neuen ÖPNV-Konzepts im Jahr 2016 eventuell schon im Januar und damit vor Verabschiedung des Haushalts 2016 beginnen zu können.

Festgelegt auf einen konkreten Termin hat sich der Ausschuss gestern allerdings noch nicht. Denn zunächst ging es um die Frage, welche Auswirkungen das Ja der Bürger beim Bürgerentscheid auf die weiteren Planungen haben wird. Dazu hatte Landrat Michael Adam mit Dr. Thomas Huber den Experten von der RBO als Referenten eingeladen, der seit vorigem Jahr am neuen Mobilitätskonzept arbeitet. Huber stellte dem Gremium gestern den Stand der Planungen für den westlichen Landkreis vor, bevor er bis Juni das endgültige Konzept für den gesamten Landkreis Regen vorlegen wird. So seien in diesem Bereich derzeit rund 40 Prozent der Bevölkerung gar nicht oder schlecht an den ÖPNV angebunden. Seine Untersuchungen beruhten auf einer sehr breiten Datenlage, weil inzwischen die vorigen Sommer durchgeführte Haushaltsbefragung und die Bürgerforen ausgewertet seien. Bei Umsetzung seiner Vorschläge wären nur mehr 7,5 Prozent der Bevölkerung nicht an den ÖPNV angeschlossen.

Huber arbeitete sich von Detailfragen hoch zum großen Ganzen. Demnach stellte er zunächst die Kosten vor, die auf den Landkreis für den Bustransfer von 183 Schülern vom Bahnhof Viechtach zum Schulzentrum entstehen würden. Nach seiner Kalkulation sind dies 35000 Euro drei Transfers morgens, mittags und nachmittags. Dazu kämen 9000 Euro für eine Zusatzschleife für den Schulbus Kollnburg, insgesamt also 44.000 Euro. Schüler nach Deggendorf In einem zweiten Schritt stellte er die Buslinie 7042/4142 von Viechtach nach Deggendorf zur Diskussion. Hier fahren derzeit Schüler von Ruhmannsfelden Richtung Deggendorf, für die der Landkreis das Ticket zahlt. Würden diese auf den Zug gezwungen, ergäbe dies ein paar Personenkilometer mehr für die insgesamt im Probebetrieb geforderten 1000 Personenkilometer auf der Bahnstrecke. Allerdings auch zusätzliche Kosten bis 60.000 Euro. Ergebnis: Der Ausschuss will diesen Schülerverkehr zum Start des Probebetriebs vorerst nicht antasten.

Dann betrachtete Huber mehrere Räume genauer, wo es durch die Einführung von Bedarfsbussen zu Verbesserungen kommen sollte. Dabei brachte er viele Details zur Sprache, die als Grundlage für mögliche Ausschreibungen dienen könnten. Seine Preise beruhten auf Erfahrungswerten mit anderen von ihm erstellten Konzepten. Auf Nachfrage nannte er den Landkreis Tirschenreuth, wo es zwar in zwei von ihm kalkulierten Räumen weniger Nachfrage im Betrieb gegeben habe als von ihm angenommen (Huber: "Dort hatte es allerdings außer Schülerverkehr bisher keinen nennenswerten ÖPNV gegeben und die Leute sind dort eher entwöhnt!"). Daneben gebe es dort aber zwei andere Räume, wo die Nachfrage größer als gedacht sei, so dass es sich insgesamt aufhebe.

Am Beispiel Prackenbach schlug er acht zusätzliche Fahrten von Montag bis Freitag vor, samstags neun Fahrten und sonntags sechs Fahrtangebote. Zusätzliche Haltestellen wären in Moosbach-Süd oder Prackenbach-Nord zu empfehlen. Kostenpunkt: 28000 Euro pro Jahr. Ähnlich detailreich blickte er auf Viechtach (27500 Euro), Arnbruck (17500 Euro), Kollnburg (23000 Euro), Achslach (13500 Euro), Böbrach (18500 Euro), Patersdorf (22500 Euro) und Zachenberg mit Ruhmannsfelden (13500 Euro). Zusätzlich erwähnte er jeweils optionale Verstärkerleistungen. Details nach Festlegung des Zug-Fahrplans Die Kreisräte Günther Iglhaut und Thomas Müller forderten, darauf zu achten, dass die Busverkehre genau auf den Zugfahrplan abgestimmt werden sollten. Die genauen Abfahrtszeiten könnten allerdings erst festgelegt werden, wenn der Zugfahrplan steht – "und den legt die Bayerische Eisenbahngesellschaft bei der Ausschreibung fest", verdeutlichte Landrat Adam.

Insgesamt stellte Huber Maßnahmen für Bedarfsbusse in Höhe von 164000 bis 200500 Euro vor, was vom Freistaat mit 70 Prozent bezuschusst werden könnte. Ohne dies bereits genau kalkuliert zu haben, kämen im östlichen Landkreis bestimmt weitere 100000 Euro hinzu, meinte Huber auf Nachfrage. Kreisrat Heinrich Schmidt nannte diesen Kostenrahmen "absolut akzeptabel". Zum weiteren Zeitplan meinte Landrat Adam, dass er das im Juni vorliegende Konzept bis September mit den Kommunen besprechen wolle. Dann könnte der Kreistag im Dezember endgültig grünes Licht geben. Zum Starttermin des verbesserten Mobilitätskonzepts legte sich der Ausschuss gestern noch nicht fest. Elisabeth Pfeffer meinte, nicht weit entfernt vom Probebetrieb im September 2016. Laut Huber wäre ein früherer Starttermin empfehlenswert, um die Eigenständigkeit des Bedarfsbusverkehrs besser betonen zu können. Außerdem werde das neue Angebot für den ganzen Landkreis gelten und nicht nur für die Anrainer des Probebetriebs.

Franz Wittmann konnte sich einen Start im April vorstellen, weil dann die Sommerurlauber schon von der Verbesserung profitieren könnten. Birgit Nistler machte deutlich, dass ein Großteil der genannten Kosten allgemein mit der ÖPNV-Verbesserung und nicht speziell durch den Probebetrieb verursacht seien. Und Edgar Stecher regte an, um den Probebetrieb zum Erfolg zu führen, müssten neben Schülern auch möglichst viele Erwachsene in den Zug einsteigen. Schmunzelnd fügte er hinzu, Kreisräte aus Viechtach könnten den Zug zu Kreistagssitzungen in Regen nutzen.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 13.02.2015

Aufgaben verteilt, damit die Bahn fährt
Politik, Unternehmen und Eltern diskutierten am Runden Tisch in Viechtach sachlich und in guter Atmosphäre

Viechtach. "Am runden Tisch zum Bahnprobebetrieb zwischen Gotteszell und Viechtach wurde am Mittwochabend im Viechtacher Rathaus sehr sachlich und in guter Atmosphäre diskutiert", teilt Heiko Langer mit, der Pressesprecher des Landkreises Regen. Landrat Michael Adam hatte zur Versammlung eingeladen und die Bürgermeister aus dem Altlandkreis Viechtach, die Elternvertreter und Schulleiter der weiterführenden Viechtacher Schulen, Vertreter von RBO und Länderbahn sowie der Vorsitzende des Bahnfördervereins Go-Vit waren gekommen, um die notwendigen Vorarbeiten für einen Probebetrieb zu besprechen.

"Wir wollen vorbereitet sein, so dass der Probebetrieb auch wirklich im September 2016 starten kann und dafür wollen wir nun die Weichen stellen", war die Vorgabe des Landrats und dies war auch die Richtschnur im Gespräch. "Es gab keine lange Rückschau, die Gespräche waren auf die Zukunft ausgerichtet", berichtet Langer von dem nicht-öffentlichen Gespräch im Viechtacher Rathaus. Am Tisch saßen nicht nur Befürworter des Probebetriebs, aber alle Teilnehmer betonten, dass sie den Bürgerwillen umsetzen wollen. "Die Bürger haben am Sonntag mit der Zustimmung für die Kostenbeteiligung des Landkreises im Bürgerentscheid die Weichen pro Bahn gestellt, dies wurde auch von allen Teilnehmern akzeptiert. Natürlich wurde dennoch über den kommenden Schülerverkehr durchaus kontrovers diskutiert", so der Pressesprecher weiter.

Hier habe die Landkreisverwaltung um Abteilungsleiter und Jurist Alexander Kraus aber klar gemacht, dass man sich an die gesetzlichen Vorgaben halten müsse. Deswegen müssten Schüler, die im Umkreis von drei Kilometern zum nächsten Bahnhof leben, grundsätzlich damit rechnen, dass sie am dem Herbst 2016 mit der Bahn nach Viechtach und mit dem Bus ins Schulzentrum gebracht werden. "Im Mittelpunkt der Gespräche stand hier die Frage: Wie machen wir das Beste daraus?" So habe man beispielsweise über andere Abfahrzeiten der Züge zur Mittagszeit oder andere Unterrichtsbeginnzeiten an den Schulen diskutiert. "Hier konnte man aber keine Entscheidungen treffen, da diese entweder bei der Ausschreibung berücksichtigt oder später mit dem Betreiber diskutiert werden müssten", erklärt Langer. Landrat Adam berichtete den Teilnehmern, dass er das Ergebnis des Bürgerentscheides und die damit verbundene zehnprozentige Kostenbeteiligung des Landkreises bereits nach München weitergemeldet habe. Nun warte man darauf, dass dies bestätigt werde.

Eine Sprecherin der Länderbahn betonte, dass das Unternehmen, das im Besitz der Strecke ist, bisher keinen Auftrag habe, die Strecke für den Bahnbetrieb vorzubereiten. Im Unternehmen rechne man aber damit, dass dieser Auftrag in den kommenden Tagen eingehen werde. Dann gelte es, die Bahnhöfe und Haltestellen baulich zu befestigen und auf einem Teilstück der Strecke müssten die Gleise ausgetauscht werden, so die Auskunft der Länderbahn.

Die eigentliche Ausschreibung der Fahrleistungen wird durch die BEG erfolgen, informierte der Landrat und auch hier werde man darauf drängen, dass dies so bald wie möglich erfolgt. Überhaupt gehe man davon aus, dass das Innenministerium und die BEG den angestrebten Zeitplan einhalten werde. Man habe stets gesagt, wenn die Entscheidung im ersten Quartal 2015 falle, dann sei man im Zeitplan für den Start im Herbst 2016. "Wir haben keinen Grund, an diesen Aussagen zu zweifeln", so Heiko Langer. Beschlossen wurde ferner, dass es eine Infrastrukturrunde der Anliegerkommunen, der Länderbahn und des Landkreises geben soll. "Da sollen dann Fragen wie der Gehwegebau, die Verbesserung der Zuwege und die Beschilderung besprochen werden." Andere Planungen und Arbeiten in einigen Kommunen sind bereits in Gang.

Auch in Viechtach laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Derzeit sei man in der Stadt damit beschäftigt, ein Stadtbussystem auszuarbeiten, so dass die Bürger auch innerhalb der Stadt die Bahn gut erreichen können, berichtete Bürgermeister Wittmann. Er betonte, dass man mit dem Stadtbus den Probebetrieb effektiv unterstützen werde. In Ruhmannsfelden plant man zudem einen Gehweg entlang der Kreisstraße REG13, zwischen Sichetweg und Am Lerchenberg. Dieser Gehweg wäre eine deutliche Sicherheitsverbesserung für die Kinder, die entlang der Straße unterwegs sein müssten. Bürgermeister Werner Troiber hofft, dass die Grundstücksverhandlungen bis Juli abgeschlossen sind und dass man dann das Projekt zeitig realisieren könne. Hier sicherte der Landrat seine Unterstützung zu.

Auch bei der RBO bereitet man sich auf den Probebetrieb vor. Zum einen erstellte eine Tochterfirma des Busunternehmens das Nahverkehrsgutachten und plante den Bedarfsverkehr, zum anderen will das Unternehmen die Bürger aus dem gesamten Altlandkreis Viechtach mit dem Bus zur Bahn bringen. Landrat Adam rechnet hier damit, dass man bereits in der kommenden Woche in der Sitzung des Wirtschafts-, Umwelt- und Tourismusausschusses des Kreistages konkrete Vorstellungen aufgezeigt bekomme. Die Elternvertreter trugen in der Runde aber auch noch einmal ihre Sorgen vor. Sie forderten einen sichereren Schulweg, einen Mittagszug, der so fährt, dass die Schüler nicht lange am Bahnhof auf den Zug warten müssten und sie wünschten sich ein Ticket, dass die Schüler zum Bus- und Bahnfahren berechtigt.

Wolfgang Schlüter vom Verein Go-Vit sicherte zu, dass der Verein den Bahnprobebetrieb engagiert begleiten werde. Man werde weiterhin Aktionen, wie zum Beispiel Ausflugsfahrten, machen. Zudem werde man bei den Landkreisfirmen für die Bahn werben und auch Urlaubsgästen wolle man das Bahnfahren schmackhaft machen. Am Ende wussten so alle Teilnehmer, welche Aufgaben sie in den kommenden Wochen angehen müssen, ein Fahrplan wurde erstellt. Nach den ersten Gremiensitzungen will man sich in der großen Runde wieder treffen und weiter gemeinsam am Gelingen des Probebetriebs arbeiten. − vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 12.02.2015

Unabhängige: Bei der Bahn jetzt an einem Strang ziehen
Kreistagsfraktion begrüßt Probebetrieb – Behörden können Mitarbeitern Fahrtkostenzuschuss gewähren

Viechtach. Die Fraktion der Unabhängigen im Kreistag freut sich über die positive Entscheidung der Landkreisbevölkerung zur Aufnahme des Probebetriebs auf der Bahnstrecke Gotteszell – Viechtach.

"Dass alle Kommunen im Altlandkreis Regen sich für den Bahn-Probebetrieb ausgesprochen haben, ist ein Zeichen, dass die Bevölkerung den Wert einer guten Bahnverbindung zu schätzen weiß", so der Fraktionsvorsitzende Heinrich Schmidt, der in vielen Veranstaltungen zusammen mit den Mitgliedern des Vereins Go-Vit landkreisweit für einen positiven Ausgang des Bürgerentscheides gekämpft hat. "Auch die Berufsschüler können von einem Bahnanschluss Viechtachs profitieren", ergänzt Kreisrätin Monika Müller, Studiendirektorin an der Hotelberufsschule in Viechtach. "Um die geforderten Kriterien für den Probebetrieb zu erfüllen, sind aber nun geeignete Maßnahmen notwendig", fordert Schmidt. Der Landkreis und die Gemeinden seien bis zum Beginn des Probebetriebes entsprechend gefordert, die Weichen richtig zu stellen. Die Landkreisbevölkerung müsse dabei gut informiert und eingebunden werden, damit eine weitere Akzeptanz erreicht werden kann.

Voraussetzung hierfür sind ein gut ausgearbeitetes Mobilitätskonzept mit entsprechendem Zubringerverkehr sowie eine akzeptable Regelung der Schülerbeförderung in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, um Härten für einzelne Wegstrecken abzumildern, teilt Schmidt weiter mit. In den Veranstaltungen hätten die meisten Bürgermeister eine entsprechende Unterstützung signalisiert. Die Bedenken der Eltern und Schüler müsse man ernst nehmen. Auch Betriebe und Behörden im Landkreis könnten durch einen Fahrkostenzuschuss ihren Mitarbeitern den Umstieg auf die Bahn schmackhaft machen und so zu einem erfolgreichen Probebetrieb beitragen.

Für den öffentlichen Dienst gäbe es bereits eine entsprechende gesetzliche Regelung: In einer Änderung des Bayerischen Besoldungsgesetzes vom 22. März 2013 hat der Bayerische Landtag beschlossen, Fahrkostenzuschüsse zu gewähren. Somit könnten alle Behördenbedienstete, nicht nur Mitarbeiter im Landratsamt, diese Vergünstigungen für die Benutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel in Anspruch nehmen. Nur durch eine gemeinsame Strategie und entschlossenes Handeln können wir eine Reaktivierung der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach erreichen. Dazu ist es notwendig, dass alle politischen Kräfte an einem Strang ziehen", sagt Kreis- und Bezirksrat Schmidt. − vbb/gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 10.02.2015

Nach dem Entscheid beginnt die Umsetzung
Ministeriums-Sprecherin nennt Start des Probebetriebs im September 2016
"ehrgeizig, aber noch erreichbar"

von Gunther Schlamminger

Viechtach. Am Tag nach dem Bürgerentscheid hat Landrat Michael Adam gestern mit der Umsetzung des Wählervotums begonnen. Zunächst sagte er in einem Schreiben an die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die im Freistaat den Schienenpersonennahverkehr plant und bestellt, verbindlich zu, dass der Landkreis Regen zehn Prozent der Kosten für den zweijährigen Probebetrieb übernehmen wird. Dies war eine Bedingung, die Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann für die Bestellung der Personenzüge gestellt hatte.

Damit liegen nach Adams Einschätzung die Voraussetzungen vor, den Probebetrieb konkret vorzubereiten. Dementsprechend hat er sich gestern auch sofort an die Regentalbahn AG als Eigentümerin der Strecke gewandt. In diesem Schreiben kündigte er an, dass er in den nächsten Wochen zusammen mit seinen Mitarbeitern "mit Hochdruck" daran arbeiten will, den Probebetrieb in das neue ÖPNV-Gesamtkonzept für den Landkreis einzuarbeiten. Gleichzeitig solle mit den Anliegerkommunen, Schulen, Eltern und Verkehrsträgern die Ausgestaltung der künftigen Schülerbeförderung im Altlandkreis Viechtach konkret ausgearbeitet werden. Adam fordert Gespräch zur InfrastrukturUm die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen an der Strecke auf den Weg zu bringen, forderte Adam die Regentalbahn auf, so bald als möglich zu einer Gesprächsrunde dazu einzuladen. Mit den Bürgermeistern der Anliegerkommunen, dem Landratsamt, der BEG und der Landeseisenbahnaufsicht soll besprochen werden, was genau zu tun ist und wer dies anpackt; zu denken ist zum Beispiel an Stabilität des Gleisbetts, Bahnübergänge, Bahnsteige, Parkplätze, Beleuchtung und Unterstellmöglichkeiten.

Ähnlich sieht man die Lage im Bayerischen Verkehrsministerium. Wie Sprecherin Katja Winkler mitteilte, müssten die offenen Fragen im Bereich der Infrastruktur zügig geklärt und dann das Wettbewerbsverfahren eingeleitet werden. Den geplanten Starttermin September 2016 schätzte sie als ehrgeizig, aber noch erreichbar ein, wenn alle Beteiligten zielgerichtet darauf hinarbeiten. Im Bereich des Schülerverkehrs habe der Landkreis Regen "jeglichen Spielraum zur Ausgestaltung". Jedoch bleibe das Ministerium dabei, dass es eine rein fiktive Anrechnung nicht geben werde. Winkler: "Schließlich ist gerade die Ermittlung der tatsächlich bestehenden Fahrgastnachfrage der Zweck des Probebetriebes". Als Vorstand der Regentalbahn AG, die unter dem Markennamen Länderbahn in der Region unter anderem die Waldbahn und die Oberpfalzbahn betreibt, freute sich Gerhard Knöbel als Anbieter der Schieneninfrastruktur sehr auf die Herausforderungen, die jetzt auf sein Unternehmen zukommen. "Wir sehen das Ergebnis als große Chance für die ÖPNV-Planung im Landkreis, so dass ein für den Fahrgast optimales Gesamtkonzept aus Bus und Schiene entsteht", sagte Knöbel. Wer der Anbieter der Schienenpersonennahverkehrsleistung wird und wie die Ausschreibung erfolgt, entscheidet im nächsten Schritt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG).

Mit Beginn des Probebetriebs würde die Wanderbahn im Regental vermutlich ihre seit mehr als 20 Jahren selbst gestellte Aufgabe verlieren, die Strecke Viechtach-Gotteszell für Ausflügler zugänglich zu erhalten. Dennoch zeigte sich Vereinsvorsitzender Arnulf Baier gestern zufrieden mit dem klaren Votum. Zumindest in diesem Jahr werde die Wanderbahn planmäßig fahren, eventuell unterbrochen höchstens durch mögliche Baumaßnahmen. Erster Termin ist der 16. Mai. Um der ablehnenden Haltung in den Anliegergemeinden zu begegnen, empfiehlt er neue Gespräche, um konstruktive Lösungen vor allem für den Schülerverkehr zu finden. Den Ausgang positiv bewerteten gestern auf Anfrage auch die überörtlichen Mandatsträger der Region. Laut MdB Alois Rainer (Haibach) haben die Bürger mit dem deutlichen Ja zum Probetrieb eine einmalige Chance genutzt. "Sie haben sich nicht nur für die Reaktivierung einer Bahnstrecke ausgesprochen, sondern auch ein Zeichen gesetzt, dass ihnen die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs wichtig ist", teilt der Abgeordnete mit.

Für einen erfolgreichen Probebetrieb sei aber auch die Berücksichtigung der Anliegerbedenken wichtig, weshalb ihre Stimme bei kommenden Gesprächen weiterhin Gehör finden müsse. Rainer: "Damit zum Starttermin im September 2016 alle Bedenken berücksichtigt werden können, muss nun zügig ein Konzept erarbeitet werden, welches die bisher etablierten Busverbindungen und die reaktivierte Bahnstrecke effizient verbindet und den Altlandkreis Viechtach am öffentlichen Personennahverkehr teilhaben lässt". Der von Landrat Adam für Mittwoch einberufene runde Tisch biete hierfür die beste Möglichkeit. Rainer will sich für E-Mo-Bus einsetzenAngesprochen auf den geplanten E-Mo-Bus, bei dem es sich um elektrisch betriebene Busse in Viechtach und Straubing handelt, meinte der Bundestags-Abgeordnete, dass der Entscheid dafür "ein äußerst positives Signal" gesetzt habe. Rainer: "Ich werde nun schnellstmöglich versuchen, die entsprechenden Hebel in Berlin zu betätigen, um dieses Forschungsprojekt zeitnah in unserer Region verwirklichen zu können."

Glückwünsche an alle Bahnbefürworter und an den gesamten Landkreis Regen hat gestern Bayerns Landesvorsitzender der Grünen, Eike Hallitzky, übermittelt. Für ihn setzt die Zukunft des ländlichen Raumes im ÖPNV die Bahn als Rückgrat voraus. "Der klare Sieg der Bahnbefürworter ist deshalb nicht nur ein großer Gewinn für die Attraktivität des Landkreises Regen als Lebensort, sondern auch ein Auftrag an die Staatsregierung, anders als bisher die Bestrebungen zur Wiederaufnahme von Nahverkehr auf der Schiene bayernweit tatkräftig zu unterstützen", sagt Hallitzky; dies gelte unter anderem auch für die Ilztalbahn zwischen Passau und Freyung.

Brunner: Es war richtig, die Bürger zu fragenDer örtliche Landtagsabgeordnete, Staatsminister Helmut Brunner, nannte den Ausgang des Bürgerentscheids gestern "ein außerordentlich positives Ergebnis". Viele Wähler hätten die Vorteile für die gesamte Region bewertet, so sei es zu dem klaren Ergebnis mit fast zwei Drittel Zustimmung landkreisweit gekommen. Als überdurchschnittlich hoch für einen Bürgerentscheid bewertete er die Wahlbeteiligung von 21 Prozent. Auch im Nachhinein nannte er es richtig, die Entscheidung den Bürgern vorzulegen und nicht durch 60 Kreisräte zu treffen. Nun gelte es, möglichst viele Menschen für den Zug zu begeistern, damit nicht nur der Probebetrieb zum Erfolg geführt, sondern auch ein regulärer Betrieb der Strecke erreicht werden kann. Überaus ernst nimmt Brunner die Sorgen in den Anliegerkommunen. Der Landkreis Regen sei jetzt in der Verantwortung, ein brauchbares Konzept zur Schülerbeförderung zu entwickeln. Die CSU werde sich sehr gerne bei der Suche nach Lösungen einbringen und nach Kräften mitwirken. Er erinnerte dazu an den Flexibus-Vorschlag vom Juni 2013. Die Rufbusse wären nach Auffassung der CSU geeignet, um beispielsweise den Zugbenutzern den Weg von zu Hause zum Bahnhof und vom Bahnhof zum eigentlichen Ziel ihres Ausflugs zu erleichtern.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 09.02.2015

Jubel in Viechtach nach positivem Votum pro Bahn
86 Prozent der Wähler in der Stadt sagten Ja zum Probebetrieb –
Alle anderen Anliegerkommunen der Strecke Gotteszell-Viechtach stimmten mit Nein

von Jörg Klotzek und Gunther Schlamminger

Viechtach/Landkreis. Es war schon fast 19.30 Uhr, als die rund 50 Mitglieder des Bahnfördervereins Go-Vit in lautem Jubel ausbrachen. Endlich war auch die letzte Gemeinde im Landkreis ausgezählt – das Patersdorfer Ergebnis hatte lange auf sich warten lassen. Doch eigentlich wussten schon kurz nach 19 Uhr, als Gastronomentochter Angela Hinkofer im Café ihres Vaters das Viechtacher Ergebnis von der Internetseite des Landratsamtes auf die Leinwand beamte, auch die letzten Skeptiker der Bahnbefürworter: "Das Ding ist durch."

Wolfgang Schlüter: "Ein guter Tag für die Region"

Dr. Wolfgang Schlüter, Vorsitzender des in den letzten Tagen nach eigener Aussage auf gut 200 Mitglieder angewachsenen Fördervereins, sprach von "einem guten Tag für die Region" und einer "Chance für den ÖPNV" im ganzen Landkreis. Die Anspannung war ihm eine Zeitlang anzumerken, doch schon um 18.34 Uhr bilanzierte der promovierte Vermessungs-Ingenieur nüchtern: "Die härtesten Brocken sind ausgezählt." Geiersthal, Ruhmannsfelden, Zachenberg, Teisnach waren zwar wie erwartet mehrheitlich gegen die Wiederbelebung der Bahnlinie, doch schon da lagen die Bahnbefürworter konstant vorne – und das Viechtacher Ergebnis mit der sich bereits am Nachmittag abzeichenden hohen Stimmbeteiligung stand noch aus.

"Es freut mich ganz besonders, dass so viele Gemeinden im Landkreis für die Bahnlinie gestimmt haben", sagte Kreis- und Bezirksrat Heinrich Schmidt (Freie Wähler) bei der Go-Vit-Feier. 17 Kommunen, darunter auch die Städte Regen und Zwiesel, waren mehrheitlich dafür, die sieben Anlieger dagegen: Achslach, Gotteszell, Ruhmannsfelden, Zachenberg, Teisnach, Geiersthal– und ganz spät auch Patersdorf.

Wolfgang Schlüter warf umgehend den Blick nach vorne. Der Probebetrieb, voraussichtlich ab 2016, müsse ein Erfolg und die Bürger müssten "mitgenommen" werden. Auch auf die Kritiker der Bahn ging Schlüter zu: "Die Problematik Schülerverkehr muss zur Zufriedenheit gelöst werden."

Er setze nun voll auf das Gesprächsangebot von Landrat Michael Adam (SPD), der bereits in dieser Woche alle Beteiligten an einen Tisch holen will. "Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen!"

Landrat Michael Adam: "Können jetzt arbeiten"

Der Landkreis-Chef hatte das Ergebnis der Abstimmung in seinem Büro im Landratsamt verfolgt. Er nannte das Ergebnis ein eindeutiges Stimmungsbild aus der Bevölkerung. Wenn auch das gesetzliche Quorum nicht erreicht sei, so sei das Ergebnis doch so deutlich, dass sich damit arbeiten lasse. Schon in den nächsten Tagen wolle er einen konkreten Plan vorlegen, was bis zum Start des Probebetriebs zu tun sei. Aus finanzieller Sicht sei der Zugbetrieb für den Landkreis ein Vorteil. Nun gelte es, den Busbetrieb gut auf die Bahn abzustimmen.

Nach Adams Einschätzung hätte es den Bürgerentscheid nicht gebraucht, wenn man von vornherein klar gemacht hätte, dass es bei der Schülerbeförderung Verlierer geben werde. Auch deshalb habe das Landratsamt im Vorfeld umfassend in drei Elternabenden informiert. "Jeder wusste, was auf ihn zukommt", zeigte er sich gestern Abend überzeugt.

Dass gerade die Anliegerkommunen sich gegen die Bahn ausgesprochen hätten, sei für ihn nachvollziehbar. "Die Schüler hier waren bisher einfach ihre nahe gelegenen Bushaltestellen gewohnt". Nun müsse aber gemeinsam an der Umsetzung des Votums gearbeitet werden. Adam: "Es gilt, im Probebetrieb so viele Mitfahrer wie irgend möglich in den Zug zu bringen". Der Landkreis müsse am Ende deutlich über anderen vergleichbaren Strecken liegen, dann sei ihm auch vor dem Kriterium der 1000 Personenkilometer nicht bange.

Dass dies erreicht werden könnte, bezweifelte Teisnachs Bürgermeisterin Rita Röhrl gestern Abend zum wiederholten Male. Mehrere Anrufe enttäuschter Eltern habe sie bereits erhalten. Ihnen sagte sie zu, dass sie in den kommenden Gesprächen alles tun wolle, um für die Schüler das bestmögliche Ergebnis zu erreichen; "zumindest im Probebetrieb müssen hier noch Ausnahmen möglich sein".

Rita Röhrl: "Leute haben Meinung kund getan"

Die Wahlbeteiligung von 46 Prozent in Teisnach wertete Röhrl als äußerst positiv. "Die Leute sollten ihre Meinung kund tun, da ist es gut, dass sie es auch getan haben", sagte sie. Den ganzen Tag über sei es gut zugegangen in den Wahllokalen. Dass man allerdings gegen die vielen Stimmen aus Viechtach kaum ankommen werde, sei ihr persönlich aber schon im Vorfeld klar gewesen. "Die Arbeit geht jetzt für diejenigen richtig los, die schon immer für die Bahn gewesen sind", sagte Röhrl.

Viechtachs Bürgermeister Franz Wittmann hatte das Ergebnis im Rathaus mit 30 anderen Interessierten erwartet. Via Beamer waren die Zahlen an die Wand projeziert worden. Als das Ergebnis dann feststand, gab es Sekt und allgemeine Freude.

"Die Erleichterung ist bei mir persönlich jetzt sehr groß", sagte Wittmann am Abend. Mit einem Sieg hatte er gerechnet, aber dass er so deutlich ausfallen würde, überraschte ihn sehr. Vor allem freute es ihn, dass das Ergebnis nicht allein durch die Viechtacher Stimmen zusammengekommen sei. Vielmehr hatten auch viele Bürger im unteren Landkreis für die Bahn gestimmt.

Dass die Anliegerkommunen dagegen stimmen würden, sei absehbar gewesen. Vor allem das überdeutliche Teisnacher Ergebnis respektiere er zwar sehr, gleichzeitig warb er dafür, dass die Unterlegenen sich mit der Mehrheit solidarisch zeigen sollten. Zugleich reichte er die Hand für weitere Gespräche: Es gelte nun, für die betroffenen Schüler gute Lösungen zu finden.

Franz Wittmann: "Zug bringt der Stadt Vorteile"

Wenn der Zug dann rollt, erwartet sich Wittmann von der Bahn viele Vorteile für seine Stadt. So steige mit Sicherheit die Mobilität, auch mit mehr Zuzug sei möglicherweise aufgrund der besseren Verkehrsanbindung zu rechnen. Neben dem Erhalt der Arbeitsplätze bei der Regentalbahn erhofft er sich insgesamt einen Schub für mehr Beschäftigung in Viechtach. Und: Auch für den Tourismus gelte es jetzt, gute Angebote mit dem Bahnanschluss für Urlauber zu entwickeln.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 06.02.2015

Fahrgastverband appelliert: Bahnreaktivierung unterstützen
Letzte Streckenreaktivierung hat Fahrgastprognose deutlich übertroffen –
Fahrgastverband Pro Bahn nennt weitere Vorteile

Viechtach. Der Fahrgastverband Pro Bahn bittet die Bürger im Landkreis Regen, am kommenden Sonntag ihre Stimme für die Reaktivierung der Bahnstrecke Viechtach–Gotteszell abzugeben. Eine regelmäßige Bahnanbindung mache die Region attraktiver für Tourismus, Industrie und Arbeitskräfte. Der Probebetrieb biete zudem die einmalige Chance, ein abgestimmtes Nahverkehrskonzept mit der Bahnlinie als Rückgrat zu entwickeln, so dass nicht nur die unmittelbaren Anlieger in Zukunft wettbewerbsfähiger werden, so der Fahrgastverband in einer Presseerklärung. Pro Bahn ist ein unabhängiger und gemeinnütziger Verbraucherverband im Verbraucherzentrale-Bundesverband und vertritt Interessen der Fahrgäste des öffentlichen Fern- und Nahverkehrs.

Gerade für die junge Generation sei es immer wichtiger, dass auch Möglichkeiten angeboten werden, ohne Auto mobil zu sein. "Mit einem Busverkehr, bei dem freitags der letzte Bus vor 20 Uhr in Viechtach ankommt, gewinnt man bei den jungen Menschen keinen Blumentopf", stellt Lukas Iffländer fest, stellvertretender Vorsitzender von Pro Bahn in Bayern. Für eine wieder in Betrieb genommene Bahnlinie würde dagegen der Freistaat den Verkehr bestellen. Dann ist wie auf dem Waldbahnnetz nach Zwiesel und Plattling mit einem Betrieb bis mindestens Mitternacht zu rechnen. Insbesondere die jüngere Kundengruppe ist wichtig für die Zukunft der Region, da aus ihr Studenten für den Technologie Campus in Teisnach und neue Arbeitskräfte gewonnen werden. Für Hochschulen und Arbeitgeber ist es wichtig, diese Generation durch gute Infrastruktur in der Region zu halten. Mit einer Bahnanbindung wird dies deutlich besser gelingen.

Auch im Tourismusbereich ist die Bahnlinie eine Bereicherung, da den Urlaubern eine attraktive Verbindung bis zum Ferienort angeboten werden kann. Gerade internationale Urlauber, die über den Flughafen München anreisen, nutzen die Bahn gerne zu einer entspannten Anreise. Beim Fahrgastverband Pro Bahn sieht man den Probebetrieb als Chance, ein Bahn- und Bus-Angebot aus einem Guss zu entwickeln, wie die vor einem Jahr wieder belebte Bahnlinie zwischen Senden und Weißenhorn (Landkreis Neu-Ulm) zeigte. Dort seien die Fahrgastprognosen deutlich übertroffen worden. Pro Bahn bittet die Bürger im Landkreis eindringlich, sich bei der Abstimmung klar hinter die einmalige Gelegenheit zu stellen, bestehende Infrastruktur zu neuem Leben zu erwecken und ein attraktives Angebot auf die Schiene zu stellen. Iffländer: "Das Projekt geht nicht nur die direkten Anliegergemeinden an, der ganze Landkreis profitiert. Daher bitten wir auch die Bürger aus den Gemeinden, die entlang der Waldbahn bereits gut angebunden sind, sich mit ihrer Stimme dafür einzusetzen, dass Viechtacher und Teisnacher ein ähnlich attraktives Verkehrsangebot erhalten." − vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 06.02.2015

Letzter Infoabend vor dem Entscheid
Viechtachs Bürgermeister Wittmann motiviert Bürger zur Wahl – Probebetrieb mit Pilotcharakter

von Daniel Ober

Viechtach. Zum zehnten und letzten Infoabend hat der Förderverein für nachhaltige Mobilität "Go-Vit" zum Bürgerentscheid über den Bahnprobebetrieb zwischen Viechtach und Gotteszell am Mittwochabend in den Blossersberger Keller nach Viechtach eingeladen. Zu den Referenten zählten neben Vorsitzendem Dr. Wolfgang Schlüter und Kreis- und Bezirksrat Heinrich Schmidt auch Prof. Dr. Thomas Schempf, Geschäftsführer der Ilztalbahn, und Viechtachs Bürgermeister Franz Wittmann.

Vor rund 50 Gästen eröffnete Heinrich Schmidt den Abend und betonte schon vorweg: "Wir sind keine Nostalgiker, die sich einbilden, dass sie eine Bahn brauchen, nur weil es damals auch eine gab." In seinem folgenden Vortrag ging er dann auf die Historie der Bahn in Deutschland ein – von der ersten Bahnfahrt zwischen Fürth und Nürnberg im Jahr 1835 bis hin zu den Auswirkungen der Bahn im Bayerwald am Beispiel Teisnach. In Teisnach seien die Einwohnerzahlen konstant gestiegen, seitdem der Markt gegen Ende des 19. Jahrhunderts an das Bahnnetz angeschlossen wurde. Von da an habe auch die Wirtschaft in Teisnach geblüht. "Teisnach hat sich wesentlich durch die Bahn entwickelt", stellte Schmidt fest. Doch nun würden die Einwohnerzahlen wieder sinken. Um dem entgegenzuwirken, sei eine gute Infrastruktur mit einem plausiblen Mobilitätskonzept ein wichtiger Baustein. So könne man auch die Arbeitskräfte und junge Menschen in Teisnach behalten. Und nicht zuletzt auch Touristen locken.

Bürgermeister Franz Wittmann hielt sich eher kurz und forderte die Anwesenden dazu auf, so viele Bekannte wie möglich für die Wahl zu mobilisieren. Er betonte, dass die Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell Arbeitsplätze bei der Länderbahn in Viechtach erhalten und neu schaffen würde. Zudem sei eine Anbindung an die offene Welt für Viechtach nötig: "Unser Busverkehr existiert nämlich eigentlich fast nicht". Zudem sei die Bahn auch in finanzieller Hinsicht besser als der Express-Busverkehr. "Dass nur Viechtach davon profitiert, ist bei weitem nicht so", wehrte er sich gegen die Kritik aus anderen Gemeinden. Er sprach von einer einmaligen Chance, "und jetzt würden wir wieder den Schwanz einziehen – wir brauchen den Probebetrieb". Und über den Probebetrieb hinaus, so Wittmann, könne man auch zuversichtlich in Hinsicht eines fortlaufenden Bahnbetriebs auf der Strecke sein. Wenn nämlich wieder Wahlen anstehen, würde man das mit den Fahrgastkilometern auch nicht mehr so eng sehen, meinte er.

Nachdem sich der Gastreferent Prof. Dr. Thomas Schempf vorgestellt hatte, erklärte er den Werdegang der Ilztalbahn, die es ähnlich wie die Strecke Viechtach-Gotteszell nicht immer einfach hatte. "Unsere Ausgangslage war viel schlechter, als es ihre ist", sagte er zu den Viechtachern. Doch inzwischen sei die auf rund 50 Kilometern verkehrende Ilztalbahn wieder im Aufschwung. Im Sommer findet an Wochenenden Personenverkehr statt, Güterverkehr gehört inzwischen auch schon zum Tagesgeschäft. Zukünftig will die Ilztalbahn auch in Sachen Holzverkehr wieder eine Option bieten. Schempf stellte manche Parallelen zwischen der Ilztalbahn und der Wanderbahn im Regental heraus und betonte, dass die Reaktivierung der Strecke Viechtach-Gotteszell Pilotcharakter habe für andere Strecken in Bayern, die derzeit deaktiviert sind. Er appellierte, dass "die Monopolstellung des Autos in den Köpfen" endlich geknackt werden müsse und dass dieser Bürgerentscheid die Möglichkeit sei, um "in einer Region, die sich nicht gerade durch hohe Wahlbeteiligung auszeichnet, ein Zeichen zu setzen".

Bei Dr. Wolfgang Schlüter kam die gleiche Präsentation zum Einsatz, die auch schon bei den anderen Veranstaltungen gezeigt wurde. Deshalb fasste er sich kurz. Eine Neuigkeit hatte er jedoch vorzubringen. In einer Tabelle stellte er die für die Schülerbeförderung relevanten Abfahrtszeiten von Zug und Bus gegenüber. Dabei stellte er fest, dass diejenigen Schüler, die innerhalb der eineinhalb Kilometer-Grenze vom nächsten Bahnhof entfernt wohnen, kaum Änderungen hinzunehmen hätten und das Haus am Morgen nur um ein paar wenige Minuten früher verlassen müssten. Und er versicherte: "Es gibt Lösungen, den Schülerverkehr noch besser zu machen." Das Landratsamt, die Länderbahn und die Schulen würden dabei zusammenarbeiten. Was den Gegenwind zum Probebetrieb aus Teisnach angeht, hatte Schlüter einige Gegenargumente parat. Er sagte, dass ältere Schüler durchaus den Probebetrieb befürworten würden. Das Schüler-Argument ständig als Kritikpunkt anzubringen, fördere seiner Meinung nach nur eine Schieflage der wichtigen Informationen. Zudem teilte er mit, dass der Freistaat zwei von den drei nötigen Sicherungssystemen an den Bahnübergängen in Teisnach bezahlen würde. Dass die Erschließung des Bahnhofs am Campus möglich ist, davon ist Schlüter fest überzeugt: "Vor 100 bis 150 Jahren haben unsere Väter eine Eisenbahn in einem Sumpfgebiet gebaut, dann werden wir doch wohl einen Fußweg vom Bahnhof zum Campus dort verlegen können."

Zu guter Letzt stellte Dr. Schlüter die Fragestellung des Entscheids noch einmal vor. "Der Text ist schwer verständlich", sagte er hierzu. Doch er sei sich sicher, dass man dennoch guten Gewissens das "Ja" ankreuzen kann. Ehe der Infoveranstaltungs-Marathon sein Ende nahm, gab es noch Raum für Fragen und Anregungen. Nun liegt es am Sonntag bei den Bürgern, sich zu entscheiden.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 05.02.2015

"Vejda mog a nejda"
Ein Herz für Viechtach – Die Waldbahn - ein Wintermärchen

von Konrad Gierl

Viechtach. Das zarte Geschlecht war eindeutig in der Mehrzahl, als sich am Samstagmorgen "Äsnschtoina, Zwieslerer und Rengerer" mit kostenlosem Schnupperticket in der regulären Waldbahn auf den Weg machten, um den vom Schicksal hart geprüften Viechtachern für den Tag der Entscheidung am kommenden Sonntag ein Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht zu geben. In Triefenried kam noch einer hinzu, der hierher gezogen war, weil die "Zijßlen vo Minga" es in zehn Jahren nicht geschafft hatten, dass Viechtach wieder mit der Bahn erreicht werden konnte.

In Gotteszell stieg man dann in eine vorgeheizte und ebenfalls mit großen Panoramafenstern ausgestattete Waldbahn um und schaukelte in froher Erwartung das verschneite Teisnachtal hinunter. Bald grüßte der Wallfahrtsort "Osterbrünnl" vom Gegenhang herüber und an Bachauen entlang und vorbei an den Bahnhöfen von Ruhmannsfelden und Patersdorf erreichte man Teisnach. Und dann kam das Gustostück der ganzen Strecke. Hinter einem kurzen Tunnel öffnete sich das Tal des Schwarzen Regens in seiner ganzen einsamen Pracht. Schneebedeckte Wälder säumten die dunklen Fluten, und die Felsen darin hatten dicke Schneehauben. Im Waggon war es still geworden, alle schauten hinaus in diese Zauberlandschaft. Der Turm der Wallfahrtskirche von Schönau grüßte herunter und kurz vor der Schnitzmühle, wo man sich während des Probelaufs der Bahnlinie zum "Bejzzn" (Entspannen) einfinden könnte, lag am Gegenufer der markante Schwalstein, ein vorspringender Felsen, der daran erinnerte, dass der Fluss in früheren Jahrhunderten, als noch Holz auf ihm gedriftet worden ist, nicht ganz so beschaulich gewesen war.

Viechtach wird gern der "Deckel der Hölle" genannt, weil hier der Schnee sehr schnell weg ist, wenn es im Winter mal zwischendurch ein wenig warm wird. Aber heute hat die Stadt zur Begrüßung noch einmal ihr weißes Hochzeitskleid von der Gebietsreform aus dem Schrank geholt. Auf dem Bahnsteig stand der Gammer Rupert aus Thürnhofen/Grafenwiesen bei Kötzting nebst Gattin und einer ehemaligen Schulkameradin. Der Rupert, ein wilder Wald- und Tourengeher im besten Seniorenalter, der sonst immer "hintumi" über den Brennes und Eisenstein in die heiß geliebten Wälder an der böhmischen Grenz’ fuhr, wollte heute mal erkunden, wie es "voanumi" über Viechtach und Gotteszell ausschaut. Vorerst ging es aber erstmal über die vorderen Spitaltreppen hinauf auf den Stadtplatz. Dort bewunderte man die durch die "Schtenzerblejß" geschaffene Aussicht zur Wacht hinüber, von wo das Krankenhaus etwas "zwieschari" einladend herüberschaute.

Hinter dem barocken alten Rathaus wartete das Handwerkermuseum zu einer Besichtigung auf die Gäste aus dem östlichen Landkreis. Unter einer Glashaube stand die uralte Schreibmaschine des legendären Pfarrers von Schönau, Josef Hoffmann. Er war nicht nur ein begeisterter Ahnenforscher, sondern auch ein begeisterter Religionslehrer gewesen. Die älteren Leute vom "Haas und vo Scheinaa" werden sich erinnern, dass er während des Einübens von Kirchenliedern bei Unaufmerksamkeit recht rabiat werden konnte. Dabei soll es einmal vorgekommen sein, dass er einem schwätzenden Schüler die Gitarre über den Kopf gehauen hat, so dass dieser dann oben aus dem Schallloch herausschaute. Inzwischen war auch der erste Bürgermeister aufgetaucht und entschuldigte sich in zerknirschten Worten für sein Ausbleiben. Und weil die Gäste so tapfer auf ihn gewartet hatten, wurden sie zur Belohnung und zur Stärkung für die Rückfahrt gleich ein paar Häuser weiter ins Café Venus eingeladen. Venus ist die römische Göttin der Liebe, die hier in Gestalt von drei entzückenden Damen aus drei Generationen die Eisenbahnfreunde bediente.

Bei der Rückfahrt nach Bayerisch Eisenstein wäre es beinahe ein wenig eng geworden in der Waldbahn, denn jetzt waren auch die Viechtacher mit von der Partie, und alles wieder ältere Leute, nur dass diesmal die Männer in der Überzahl waren. Die Pensionisten der alten Regentalbahn werden wohl die Gelegenheit wahrgenommen haben, um noch einmal den Ort ihres Wirkens in Augenschein zu nehmen. Am Bahnhof in Bayerisch Eisenstein gingen die einen in das im Ambiente eines historischen Wartesaals gehaltene Café, und die anderen durchstreiften die Museen, wobei der Rupert aus dem "Ketztinger Gai" auf dem Dachboden eines für Skigeschichte entdeckte. "Do kimi nomoi her" meinte er, denn die Zeit bis zur Rückfahrt am späten Nachmittag war ihm für sein Leibthema entschieden zu kurz gewesen. Wenn der Probebetrieb einmal läuft, könnte der Verein sich darum bemühen, dass die Forststraßen entlang des Flusses von Viechtach über Teisnach nach Regen endlich zu einem durchgehenden Rad- und Wanderweg zusammengefasst werden. Das wäre landschaftlich eine ähnlich reizvolle Strecke, wie sie hinter Haidmühle an der oberen Moldau entlang führt, und würde sicher Feriengäste wie Einheimische begeistern. Wobei die Familien zwischendrin an geeigneten Rastplätzen ein kleines Picknick im romantischen und einsamen Tal machen könnten. Und mit der Waldbahn geht es wieder zurück an den Ausgangspunkt – wie im Böhmerwald.

INFO

Die Sonderfahrt hatte der Förderverein für nachhaltige Mobilität im Landkreis Regen vor dem Bürgerentscheid in Zusammenarbeit mit der Länderbahn organisiert. Klaus-Dieter Neumann und Dorothea Haas (Mitglieder von Go-Vit) holten die Reisenden am Bahnhof Regen ab. In Gotteszell wurde (wie im möglichen Probebetrieb geplant) auf den Anschlusszug aus Richtung Plattling gewartet; erst dann fuhr der Zug in Richtung Viechtach ab. Der zweite Teil dieser Sonderfahrt begann am Bahnhof in Viechtach und führte 73 Reisende nach Bayerisch Eisenstein. 60 Interessierte besichtigten die "Naturpark-Welten" im Grenzbahnhof entweder auf eigene Faust oder ließen sich "sachkundig" durch das Ski-Museum führen. Andere wiederum zogen es vor, die Chagall-Ausstellung in den Kuns(t)räumen zu besichtigen. Im neuen Bahnhofscafé war dann immer noch reichlich Zeit für Kaffee und Kuchen, bevor es um 16.44 Uhr wieder zurück in Richtung Viechtach ging. − vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 05.02.2015

Bad Kötztinger Stadtrat spricht sich für den Probebetrieb aus
Bürgermeister: "Optimalste Zug-Verbindung in die Landeshauptstadt"

Bad Kötzting. Ein weiteres Potenzial tut sich für die Bahn-Strecke Viechtach-Gotteszell auf: Für Bad Kötzting ist sie die optimalste Verbindung in die Landeshauptstadt.

Deshalb hat sich der Stadtrat von Bad Kötzting in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für den Probebahnbetrieb Viechtach-Gotteszell ausgesprochen, wie Bürgermeister Markus Hofmann gestern Nachmittag mitteilte. Demnach wäre die Bahnverbindung für Bad Kötzting und seine Bewohner eine Aufwertung der Erreichbarkeit und Anbindung. Studenten und Bürger bestätigten, dass sie die bisherige Verbindung ab Gotteszell bereits in Anspruch nehmen, um zum Beispiel München zu erreichen. Hofmann: "Für Bad Kötzting wäre es somit die zeitlich optimalste Zug-Verbindung in die Landeshauptstadt und wird somit befürwortet. Ferner wäre es ein positives Signal für den ländlichen Raum." −

vbb/gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 05.02.2015

"Geld ist genug da"
Grünen-MdL zur Streckenreaktivierung

Viechtach. "Der Probebetrieb der Strecke Gotteszell-Viechtach ist für die Region eminent wichtig", sagt Rosi Steinberger, Abgeordnete der Grünen im bayerischen Landtag. Dabei wird oft vergessen, dass das Geld für die Finanzierung von Probebetrieb und die dauerhafte Bestellung längst da ist.

Bayern erhält jedes Jahr etwa eine Milliarde Euro für den Schienennahverkehr vom Bund. "Dieses Geld gibt Bayern bei weitem nicht aus", so Steinberger. Jedes Jahr bleibt ein großer Batzen Geld übrig, den die Staatsregierung hortet, um zum Beispiel die zweite Stammstrecke in München finanzieren zu können. Bis einschließlich 2013 seien 428,1 Millionen Euro Haushaltsreste bei den Regionalisierungsmitteln aufgelaufen. Steinberger: "Es kann nicht sein, dass in München ständig von der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse gesprochen wird und dann bleibt das meiste Geld in München liegen". − vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 04.02.2015

Kreistags-CSU verabschiedet Resolution zum Bahn-Bürgerentscheid

Mit dem Zug von Gotteszell aus in Richtung Regen, Zwiesel und Bayerisch Eisenstein funktioniert es bereits seit vielen Jahren: Zugfahrten im Stundentakt mit der Waldbahn. Damit dies künftig auch in Richtung Viechtach möglich wird, hat die CSU-Fraktion bei ihrer Sitzung in Gotteszell einstimmig eine Resolution verabschiedet.

Darin sprechen sich die Mitglieder für ein "Ja" beim Bürgerentscheid am kommenden Sonntag, 8. Februar, aus, um den für die Aufnahme eines zweijährigen Probebetriebs auf der Bahnstrecke zwischen Gotteszell und Viechtach frei zu machen. In dieser Resolution werden neun Argumente aufgelistet, die erklären, weshalb in der Bahnlinie "eine einmalige Chance für den gesamten Landkreis Regen" besteht. Hier die neun Punkte im Wortlaut:

"1. Wenn dieser Probebetrieb erfolgreich ist und die erforderlichen Fahrgastzahlen erreicht werden, wird anschließend auf dieser Strecke ein moderner Zugverkehr im Stundentakt eingerichtet, der täglich zwischen 5 und 23 Uhr verkehrt, in Gotteszell einen Anschluss an die Waldbahn von und nach Deggendorf/Plattling und dort einen Anschluss an den Fernverkehr der Deutschen Bahn herstellt.

2. Dieser Verkehr wird in diesem Fall von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) regulär bestellt, die dafür in voller Höhe die Kosten trägt. Für den Landkreis Regen ist dieser Regelbetrieb nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden.

3. Der Landkreis erhält damit eine weitere Verkehrsachse, die einen erheblichen Beitrag zur angekündigten Mobilitätsverbesserung im ÖPNV leistet. Durch dieses neue und leistungsfähige Verkehrsmittel wird der ÖPNV im gesamten Landkreis Regen optimiert und zudem das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln landkreisweit vereinheitlicht. Diese Vernetzung wird zudem zu einer Entlastung der Bundes- und Staatsstraßen beitragen.

4. Die Reaktivierung der Bahn ist von erheblicher Bedeutung für die mittelfristige Sicherung der Arbeitsplätze im Viechtacher Werk der Länderbahn. Zu den derzeit vorhandenen 77 Arbeitsplätzen dürften etwa 25 zusätzliche Stellen für das Zugpersonal entstehen, das zum Betrieb dieser Strecke erforderlich ist.

5. Die Bahn verbessert die Mobilitätschancen für jüngere und ältere Menschen oder Menschen mit einer Behinderung gleichermaßen. Sie schafft für alle Menschen ohne Auto zusätzliche Möglichkeiten, um Kultur- und Freizeitangebote zu nutzen, Behörden- oder Arzttermine zu erledigen, Freunde oder Verwandte zu besuchen, Einkaufsfahrten oder Tagesausflüge aller Art zu unternehmen – und das mit einem besonders umweltfreundlichen und sicheren Verkehrsmittel!

6. Auch den Berufspendlern, Berufsschülern und Studenten bietet die Bahn neue Möglichkeiten, um an ihre Arbeits- bzw. Ausbildungsplätze und wieder nach Hause zu gelangen (ggf. lassen sich sogar die Kosten für ein zweites Auto in der Familie einsparen).

7. Die Bahn ermöglicht es einerseits Urlaubern und Tagesgästen von außerhalb, Ziele in Viechtach und Umgebung direkt zu erreichen, andererseits wird es auch Reisenden aus Viechtach und Umgebung erheblich erleichtert, zu den großen Fernbahnhöfen oder zum Flughafen München zu gelangen, um ihrerseits Ferienreisen bequem antreten zu können. Ebenso ist mit der Bahn eine weitaus bessere Vernetzung der touristischen Ausflugsziele (Museen, Nationalpark-Einrichtungen, Bäder etc.) innerhalb des Landkreises Regen verbunden.

8. Die Fragen des Schülerverkehrs und insbesondere die Befürchtungen der Eltern deswegen werden von den Unterzeichnern dieser Resolution überaus ernst genommen. Jedoch sind wir davon überzeugt, dass sich in Zusammenarbeit mit den Kommunen bis zur geplanten Aufnahme des Probebetriebs im Sommer 2016 intelligente und für alle Seiten befriedigende Lösungen finden lassen, die diesen Problemen Rechnung tragen.

9. Eine Kombination der Bahn mit einem System von Ruf- bzw. Flexibussen, wie es von der CSU-Fraktion schon im Sommer 2013 angeregt wurde, würde die Mobilitätschancen für die Menschen im Landkreis Regen noch zusätzlich spürbar verbessern."

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 03.02.2015

"Der Probebetrieb hat Signalwirkung für ganz Bayern"
Grünen-MdL Rosi Steinberger verweist auf weitere Bahnreaktivierungen –
"Arbeitsplätze in Viechtach sichern"

Viechtach. Auf den Ausgang des Bürgerentscheides in Sachen Bahnlinie im Landkreis werden am Sonntag viele Menschen im Freistaat blicken. "Der Probebetrieb zwischen Gotteszell und Viechtach hat Signalwirkung für ganz Bayern", sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger dem VBB.

Die Parlamentarierin besuchte gestern auf eigenen Wunsch die Länderbahn-Werkstatt, um die Meinung der dort Beschäftigten zur geplanten Reaktivierung der Regentalstrecke zu hören. Zusammen mit Grünen-Schriftführer Gerd Winklbauer (Kirchaitnach) und Dr. Wolfgang Schlüter vom Bahnförderverein Go-Vit ließ sie sich von Betriebsratsvorsitzendem Ludwig Muhr die Werkstatt des Eisenbahnkonzerns am Viechtacher Bahnhof zeigen. 77 Beschäftigte verdienen dort ihr Geld, davon 45 in der Werkstatt sowie sechs Auszubildende. "Diese Arbeitsplätze wären mittelfristig bei einem Scheitern des Probebetriebs wohl in Gefahr", befürchtet die Abgeordnete. Sie verweist zudem auf ein halbes Dutzend weiterer Vorhaben zu Bahnlinien-Reaktivierungen in ganz Bayern. Würde der Probebetrieb im Altlandkreis Viechtach kommen, bekämen auch diese Vorhaben Oberwasser. Deshalb habe der Freistaat die Hürde von 1000 Fahrgastkilometer pro Jahr eingeführt, erklärt Steinberger, um einen Mindestmaßstab zu haben. Geld wäre genug da, um nicht nur die Bahnlinie von und nach Viechtach wiederzubeleben. Rosi Steinberger: "Der Freistaat bunkert seit Jahren Geld aus Regionalisierungsmitteln des Bundes, das für Bahnlinien verwendet werden muss." Ihre Vermutung: Die Millionen sollen für die Münchner S-Bahn-Stammstrecke verwendet werden. − jkl

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 03.02.2015

CSU ist sich einig: Pro Probebetrieb
"Einmalige Chance für Verkehrsinfrastruktur" – Sitzung des Kreisvorstands mit Ortsvorsitzenden

Geiersthal. Die CSU-Führung im Landkreis empfiehlt, beim Bürgerentscheid am kommenden Sonntag für den zweijährigen Probebetrieb auf der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell zu stimmen. Die Spitzen der Partei sehen darin eine wichtige Infrastruktur-Entscheidung.

Den Bürgerentscheid hatte der Kreistag kurz vor Weihnachten auf den Weg gebracht. Angesichts "der großen Bedeutung dieses Themas für die Region", so formuliert es eine Pressemitteilung des Kreisverbands, habe sich die CSU in einer Sitzung der Kreisvorstandschaft mit den Ortsvorsitzenden noch einmal ausführlich damit auseinandergesetzt. Am Ende stand ein einmütiger Beschluss – ohne Gegenstimmen, wenngleich mit einigen in der Mitteilung nicht näher bezifferten Enthaltungen. Demnach begrüßen die Kreisvorstandschaft der CSU und die Ortsvorsitzenden ausdrücklich die Aufnahme des Probebetriebs auf der Bahnlinie Gotteszell–Viechtach. Er stelle für den gesamten Landkreis eine einmalige Chance dar, die Verkehrsinfrastruktur zu optimieren, die man sich aufgrund der damit verbundenen Konditionen nicht entgehen lassen sollte. Wenn dieser Probebetrieb dann erfolgreich sei und die erforderlichen Fahrgastzahlen erreicht würden, würde auf dieser Bahnlinie danach wieder ein regelmäßiger Schienenpersonenverkehr vergleichbar dem in Richtung Regen, Zwiesel, Bodenmais und Bayerisch Eisenstein aufgenommen werden. In diesem Falle müsste sich der Landkreis weder an den Kosten des zweijährigen Probelaufs noch am anschließenden Regelbetrieb finanziell beteiligen.

Allerdings werden seitens der CSU auch die Probleme beim Schülerverkehr und vor allem die damit einhergehenden Sorgen der Eltern überaus ernst genommen. Jedoch sei man überzeugt, dass diese Probleme durch ein intelligentes Zubringersystem zu lösen sind. Wortmeldungen zum Bahn-Probebetrieb:

Horst Blüml: Über diesen Probebetrieb sind so viele Fehlinformationen im Umlauf, dass es bei den Aufklärungsveranstaltungen teilweise großer Anstrengungen bedarf, um den Menschen klar zu machen, was wirklich geplant ist. Und dass die Bahnlinie eine einmalige Chance für den gesamten Landkreis bedeutet!

Birgit Nistler: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es außer Viechtach einen anderen Ort in Bayern gibt, wo ein Bahnanschluss von manchen offenbar als Standortnachteil betrachtet wird. Es geht doch nur darum, den Altlandkreis Viechtach bei der Schienenanbindung auf Augenhöhe mit dem Bereich Regen/Zwiesel zu bringen.

Edwin Schedlbauer: Es wäre meines Erachtens die Aufgabe des Landkreises gewesen, für eine faire, sachliche und umfassende Information der Landkreisbürger – beispielsweise durch einen neutralen Flyer an alle Haushalte – zu sorgen.

Dr. Ronny Raith: Das Pro und Contra wird zu einseitig am Schülerverkehr festgemacht, wobei übertriebene Ängste geschürt werden. Die Bahnlinie hat aber auch eine Bedeutung für die Infrastruktur im Landkreis. Sie stellt eine Chance dar, um diese wirklich sinnvoll voranzubringen.

Dr. Stefan Ebner: Ich habe mich in einem Schreiben an mehrere Multiplikatoren – VdK, Senioren, Jugendorganisationen, Tourismus – gewandt und sie darum gebeten, sich eindeutig für die Bahnlinie Gotteszell–Viechtach zu positionieren.

Helmut Brunner: Es geht nicht um eine Alternative Bus oder Bahn, sondern um eine intelligente Vernetzung beider Verkehrsmittel. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich auch für den Schülerverkehr intelligente Zubringerlösungen finden lassen werden. Im Altlandkreis Regen funktioniert das doch auch. − vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 02.02.2015

Treffen der Bahn-Reaktivierer in Viechtach
Verkehrsclub Deutschland und Bahnförderverein Go-Vit hatten
zu Zugfahrt und Meinungsaustausch eingeladen

von Stefan Muhr

Viechtach. Am Samstag haben sich die Vertreter mehrerer Vereine und Aktionsgruppen zur Reaktivierung von Bahnlinien in Plattling und anschließend in Viechtach getroffen, um bei Vorträgen Informationen und Erfahrung auszutauschen, wie die Wiederinbetriebnahme von stillgelegten Bahnlinien gelingen kann. Organisiert hat die Aktion der Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Der Einladung nach Plattling gefolgt waren auch Abgeordnete des Landtags, darunter Staatsminister a.D. Erwin Huber (CSU), Rosi Steinberger und Markus Ganserer (Bündnis 90/Die Grünen), Bernhard Roos (SPD) und Heinrich Schmidt, Bezirksvorsitzender der Freien Wähler in Niederbayern. Nach Referaten, unter anderem zur bereits erfolgten Wiederinbetriebnahme der Ilztalbahn und zur aktuell geplanten Reaktivierung der Bahnstrecke Gotteszell–Viechtach, sowie von Stellungnahmen der Politiker, stellten acht Bürgerinitiativen, die für die Reaktivierung von Bahnstrecken in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen kämpfen, ihre Erfolge, Erfahrungen und aktuellen Entwicklungen vor. Im Anschluss fuhren die Vertreter der Bürgerinitiativen mit der Waldbahn nach Gotteszell. Von dort aus ging es mit einem Triebwagen der Regentalbahn nach Viechtach. In Gotteszell stieg auch Staatsminister Helmut Brunner zu. Im Alten Rathaus begrüßte der stellvertretende VCD-Landesvorsitzende Kurt Bayer rund 50 Gäste.

Nahverkehrsexperte Ulrich Grosse aus Baden-Württemberg stellte eine gelungene Streckenreaktivierung vor. Dabei handelte es sich um die Zugstrecke Senden-Weißenhorn im Landkreis Ulm. Insbesondere wies der Tübinger Nahverkehrberater auf die gelungene Vernetzung von Bus und Bahn am Weißenhorner Bahnhof hin. Geringe Wartezeiten und deutlich verbesserte Mobilität seien durch die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke erreicht worden. Im Probebetrieb der Bahn sei bereits im ersten Jahr die erforderliche Tageszahl von 1000 Fahrgastkilometern mit rund 1800 Bahnfahrern deutlich überschritten worden, sagte Grosse. Mittels Streckenkarten, Bahnliniengrafiken und Zeitplänen demonstrierte der Experte die Erfolge des Projekts. Die Gäste waren spürbar begeistert von dem Vortrag des Tübingers. VCD-Vize Kurt Bayer lobte ihn vor allem wegen der Anschaulichkeit des Referats.

Staatsminister Helmut Brunner fand: "Das Projekt Weißenhorn ist ein exzellentes Beispiel für die Vorteile, die ein funktionierendes ÖPNV-Netzwerk mit sich bringt." Brunner sagte außerdem, dass es deutlich mehr Vor- als Nachteile durch eine Reaktivierung der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach geben werde. "Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass eine optimale Mobilität nur durch ein Zusammenspiel von Bus- und Bahnverkehr erreicht werden kann," sagte der Minister. Für den Bürgerentscheid am kommenden Sonntag hofft Dr. Wolfgang Schlüter vom Verein Go-Vit, dass das Votum positiv ausfällt. "Geringe Kosten, hohe Mobilität und Zufriedenheit bei sowohl Einheimischen als auch Touristen – für mich bringt eine Wiederaufnahme des Bahnbetriebs nach Viechtach nur Vorteile," sagte er.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 31.01.2015

"Es ist vernünftig, wenn der Bahn-Probebetrieb kommt"

Im Vorfeld des Bürgerentscheids zum Bahn-Probebetrieb hält sich der Landkreis mit Informationen zurück. Im Gespräch mit VBB-Redakteur Gunther Schlamminger erläutert Landrat Michael Adam die Gründe dafür und nimmt Stellung zu Schülerverkehr, Fahrgastzahlen und Kosten für einen besseren ÖPNV.

Der Kreistag hat die Entscheidung über den Bahn-Probebetrieb in die Hände der Bürger gelegt, am 8. Februar wird entschieden. Warum kam es zu diesem Schritt aus Ihrer Sicht?

Adam: Es kam zu diesem Beschluss, weil das, worauf wir im Landratsamt schon 2012 hingewiesen haben, eingetreten ist und sich das dann auf die politische Diskussion durchgeschlagen hat: dass es zu Verschlechterungen im Schülerverkehr kommen wird. Die Eltern wurden aktiv, es ging teilweise wirklich heftig zur Sache. Und am Ende wusste die Mehrheit der Kreisräte nicht mehr, wie sich die Lager von Gegnern und Befürwortern des Probebetriebs in der Bevölkerung mehrheitlich verteilen. Deshalb hat am Ende die Kreistagsmehrheit gesagt: Fragen wir die Bürger.

Gut, der Landkreis will also von den Bürgern etwas wissen. Seit dem Kreistagsbeschluss hat er aber keine Informationsveranstaltungen zu den grundlegenden Fakten angeboten. Warum?

Adam: Ich konnte mir gemeinsame, parteiübergreifende Informationsveranstaltungen schon vorstellen, wie einige andere auch. Bei einer Besprechung mit Fraktionssprechern und Verwaltungsspitze setzte sich aber die Meinung durch, dass der Landkreis aufgrund des Sachlichkeitsgebots nicht direkt Stellung beziehen sollte. Das sollte, ähnlich wie bei Wahlen, den politischen und gesellschaftlichen Akteuren vorbehalten bleiben, die das zum Teil ja auch recht intensiv nutzen.

In der öffentlichen Wahrnehmung war der Landrat bis zum Frühjahr in der ersten Reihe der Bahn-Befürworter, dann haben Sie sich zurückgezogen und im Kreistag auch gegen den Probebetrieb gestimmt. Warum?

Adam: Ich bin für den Probebetrieb und habe für meine Begriffe auch nie dagegen gestimmt. Das war doch nur ein taktisches Spielchen im Kreistag, weil der Beschlussantrag auf Durchführung eines Probebetriebs weitergehender war und daher zuerst abzustimmen war als der Antrag auf Abhaltung eines Bürgerentscheids. Wir hatten uns in einer Vorbesprechung mehrheitlich schon auf einen Bürgerentscheid geeinigt, da konnten wir nicht vorab für einen Probebetrieb stimmen, um anschließend für einen Bürgerentscheid über diesen Betrieb zu stimmen. Solche politischen Manöver durchblickt der Bürger, denke ich, schon. Richtig ist, dass ich mit Helmut Brunner und auch Wolfgang Schlüter zusammen immer pro Probebetrieb marschiert bin. Aufgrund bestimmter Vorkommnisse habe ich mich dann aber von meiner Rolle als ambitionierter Befürworter in den Hintergrund verabschiedet.

Können Sie das bitte genauer erläutern?

Adam: Es gab am 5. November – das Datum weiß ich noch genau – eine Veranstaltung in der Viechtacher Stadthalle, wo von Seiten mancher Bahn-Befürworter fast ein Tribunal gegen mich abgehalten wurde, nur weil ich auf die Gesetzeslage der Schülerbeförderung hingewiesen hatte. Und das, obwohl ich mich gleichzeitig nach wie vor für den Probebetrieb ausgesprochen hatte. Das konnte ich nicht mehr gutheißen.

O.K., der Landkreis soll sich also zurückhalten. Gleichzeitig äußern Sie sich aber zum Beispiel regelmäßig in sozialen Netzwerken im Internet zum Thema. Da wollen wir schon Ihre Meinung zur Sache genauer wissen.

Adam: Nur zu!

"Mit dem Ende des Probebetriebs vor der Landtagswahl 2018 sind wir in einer guten Verhandlungsposition." Wenn Sie gestatten, dröseln wir die Person Michael Adam etwas auf: Was also sagen Sie als Landrat zum Bahn-Probebetrieb?

Adam: Aus Sicht des Landrates ist es vernünftig, wenn wir den Bahn-Probebetrieb bekommen. Ein fest getaktetes Zugsystem verbessert unseren ÖPNV zu überschaubaren Kosten. Und wenn er 2018 ausläuft, stehen wir kurz vor einer Landtagswahl und sind dadurch sicher in einer guten Verhandlungsposition, was die mögliche Fortführung des Zugbetriebs angeht.

Was sagt Michael Adam als SPD-Politiker zum Bahn-Probebetrieb?

Adam: In der Sache das gleiche wie der Landrat. In einer Fraktionsbesprechung hat sich bei der SPD die Sichtweise durchgesetzt, dass jeder Kreisrat bei diesem Thema nach seiner persönlichen Überzeugung und örtlichen Herkunft entscheiden muss. Im Zwieseler Winkel sieht man die Frage Bahn-Probebetrieb anders als zum Beispiel in Teisnach oder in Viechtach. Aber auch bei CSU und Freien Wählern gibt es ähnliche Risse quer durch die Fraktionen, das ist also nichts Besonderes.

Was sagt Michael Adam als Bürger dieses Landkreises zum Bahn-Probebetrieb?

Adam: Als Bürger des Landkreises unterliegt meine Meinung dem Wahlgeheimnis.

Schließlich: Was sagt Michael Adam als Präsident des Tourismusverbands Ostbayern zum Bahnanschluss bis Viechtach?

Adam: Für die Urlauber ist es nur wichtig, dass sie ein echtes ÖPNV-Angebot haben. Dem Tourismusverband kann es deshalb eigentlich egal sein, wie der Altlandkreis Viechtach zu einem besseren öffentlichen Nahverkehr kommt. Wichtig ist, dass er besser wird! Denn abgesehen von der Schülerbeförderung ist der ÖPNV im Altlandkreis unterirdisch entwickelt.

"Die Kriterien der Schülerbeförderung gibt uns München vor. Wir setzen das vor Ort lediglich um."Bleiben wir gleich beim Thema Schülerverkehr, einem Hauptpunkt der Bahn-Diskussion, der ja auch Teil der Fragestellung ist. Es heißt, theoretisch seien derzeit rund 300 Schüler betroffen, zum Probebetrieb sollten 150 einsteigen, zuletzt berechnete das Landratsamt, dass bei nicht einmal 50 ein Einsteigen rechtssicher einforderbar wäre. Teilweise soll es zur Verdreifachung der Schulwegzeiten kommen! Viele sagen dazu, die Sorgen der Eltern solle man "ernst nehmen", es ist aber auch die Rede von: "Das Landratsamt muss im Einzelfall gute Lösungen vorschlagen". Wie ist das überhaupt lösbar?

Adam: Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: ,300 Schüler müssen mitfahren, das ist furchtbar!’ Aber ich sage auch nicht, das Landratsamt kann alles lösen. Ich bin innerlich schon irgendwo abgebogen, als von bestimmten Bahnbefürwortern Aussagen kamen, dass die Angelegenheit über Einzelfalllösungen dann schon irgendwie geregelt werden könnte. Prinzip Hoffnung also! Natürlich ist Schülerbeförderung eine Einzelfallentscheidung, aber ich weiß, dass die diskutierten Schulwege rechtlich nicht ‚gefährlich‘ genug sind, um Ausnahmen im großen Stil zu machen. Es ist also unredlich, zu behaupten, die vorhandenen Probleme seien keine! Es gibt hier klare rechtliche Kriterien, die wir übrigens aus München und aus Gerichtsentscheidungen vorgegeben bekommen! Schülerbeförderung ist eine Staatsaufgabe, die wir vor Ort lediglich umsetzen!

Was ich nicht verstehen kann, ist, wenn sich hier einige Bürgermeister aus dem Thema heraushalten. Da fordere ich von allen Realitätsbezug und auch Rückgrat ein! Gleichzeitig muss ich versuchen, meine Mitarbeiter im Amt zu schützen. Sie glauben ja nicht, wie oft wir im Jahr Briefe von Mandatsträgern bekommen, mit dem Tenor, ‚Da müsst ihr was machen bei der Schülerbeförderung von Schüler X‘. Was glauben Sie, was da erst an Briefen kommt, wenn der Probebetrieb läuft! Und hier muss ich sagen, so geht das nicht; Schülerbeförderung ist kein Wunschkonzert! Wir haben deshalb den einzig richtigen Weg gewählt und vorab umfassend informiert, was rechtlich geht und was nicht. Da mussten wir den Bürgern im Vorfeld reinen Wein einschenken.

Manche sind gegen den Probebetrieb, weil er ihnen zu teuer ist. Sogar von einer möglichen Steuerverschwendung war schon die Rede, der Bund der Steuerzahler wurde angeschrieben und hat beim Landkreis nachgefragt. Wie ist Ihre Position zu dieser Aktion?

Adam: Ich bin grundsätzlich ein Freund des Bundes der Steuerzahler. Aber letztlich ist das ein Verein wie der FC Bayern München. Und vor einem Verein mit Sitz in München muss ich als Landkreis nicht vorab mein Vorgehen rechtfertigen– im Vorfeld eines Bürgerentscheids schon gar nicht!

Meine persönliche Meinung ist: Sicher sind bis zu vier Millionen Euro für den Zug mehr Steuergeld als vielleicht 700000 Euro für einen Expressbus. Aber es soll doch keiner glauben, dass der Freistaat, der den Zug bezahlt, das Geld sparen würde. Nein, das würde dann halt woanders ausgegeben und nicht bei uns. Also rein aus Sicht des Landkreises handelt es sich bei dem Bahn-Probebetrieb um keine Steuerverschwendung!

Kritisch wird auch immer die geforderte Fahrgast-Hürde von 1000 Personenkilometern gesehen...

Adam: Die Zahl nenne ich eine politische Verhinderungszahl! Kaum eine Regionalzugstrecke in Bayern erfüllt dieses Kriterium! Da müssten viele Strecken geschlossen werden. Ganz ehrlich: Ich bin überzeugt, dass nach Gelingen des Probebetriebs die gleichen Mitfahrer drinsitzen wie in dem Zug 30 Meter vor meiner Haustür in Bodenmais: Schüler, Ausflügler am Wochenende oder Touristen und ansonsten wenige weitere Mitfahrer.

Entscheidend wird für uns aber sein, dass wir im Probebetrieb so viele Leute wie irgend möglich in den Zug bringen. Ich werde dem Kreistag beispielsweise vorschlagen, im Falle eines Probebetriebs unseren Mitarbeitern auf Wunsch eine Bahnfahrkarte zu finanzieren. Im Einkommensteuerrecht gibt es diese Möglichkeit. Ich rufe auch die Unternehmen im Landkreis auf, solche Maßnahmen zu prüfen. Von den Kommunen erwarte ich sowieso, dass sie hier mitziehen würden.

Zuletzt hat Bayerns Heimatminister Markus Söder von der Stärkung des ländlichen Raumes gesprochen, und die Bahn stünde als Rückgrat des ÖPNV sogar im Nahverkehrsgesetz. Wäre es da aus Ihrer Sicht angebracht, dass der Freistaat die Kosten des Probebetriebs komplett übernehmen würde, also ohne zehnprozentigem Landkreis-Anteil im Falle eines Scheiterns?

Adam: Nichts lieber als das! Aber ich habe mich schon mit meinen Bitten um Nachbesserungen bei Schülerverkehr und Defizithöhe in München massiv verbrannt, da können wir momentan nicht mehr tun. Ich würde zunächst im Probebetrieb auf gute Mitfahrerzahlen setzen. Dann würde ich 2018 mit breiter Brust nach München fahren und sagen: Schaut her, wir haben diesen Zug verdient!

Bleiben wir beim Geld. Es steht noch nicht fest, wie viel der Landkreis für die Verbesserung des ÖPNV im Allgemeinen und den Schienenverkehr im Besonderen ausgeben wird. Wo liegt hier die Schmerzgrenze aus Ihrer Sicht, bzw. was ist wahrscheinlicher: ein sechsstelliger oder doch ein siebenstelliger Euro-Betrag und wie kann sich der Landkreis das leisten?

Adam: Dazu gibt es bisher keine politische Festlegung. Intern rechnen wir mit mindestens 500000 Euro bis zu einer Million pro Jahr, wenn man wirklich eine Angebotsverbesserung will. Um das zu erreichen, sehe ich drei Wege: Erstens ist unumgänglich, dass der Landkreis über die Kreisumlage mehr Geld ausgibt. Zweitens könnten wir es vielleicht schaffen, aus dem Tourismustopf über das gut funktionierende GUTi-System, ähnlich wie im Schwarzwald, Angebotsverbesserungen zu finanzieren, nicht nur eine kostenlose Nutzung für Gäste. Ob der Urlauber 30 Cent oder einen Euro pro Nacht zahlt, ist ihm letztlich egal, wenn er dafür ein hervorragendes Angebot für kostenlosen ÖPNV bekommt. Ich denke da an Zusatz- und Verdichtungsleistungen wie den Falkenstein-Bus, den Wanderbus Hamry oder Skibusse, die wir momentan noch direkt aus dem Kreishaushalt unterstützen. Dieses Geld brauchen wir in Zukunft aber für den Einheimischenverkehr. Drittens kann es aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn wir wegkommen vom starren System mit teilweise nur transportierter Luft hin zu flexibleren ÖPNV-Systemen.

Wenn der Bürgerentscheid vorüber ist: Wann wird denn dann feststehen, wie der ÖPNV im Landkreis verbessert wird?

Adam: Der Bürgerentscheid bringt eine Entscheidung, wie sie klarer nicht sein könnte. Wir haben im Amt bereits zwei Szenarien entwickelt mit Sitzungsterminen und klaren Zeitvorgaben– mit und ohne Zug. Denn auch wenn der Probebetrieb abgelehnt wird, haben wir viel zu tun!

Geht es etwas konkreter?

Adam: Schon in der Woche nach dem Entscheid werde ich zu einem Runden Tisch einladen. Das neue Mobilitätsgesamtkonzept für den Landkreis muss dann im Laufe des Jahres auf Basis des Bürgerentscheids fertig gestellt und in allen Gremien und Gemeinden besprochen werden, damit wir es alle in die Haushalte 2016 einplanen können. Über die Details werde ich noch am Abstimmungsabend informieren. Es geht also umgehend los!

Betrachten wir die Sache grundsätzlich: Könnten Regen, Zwiesel oder Bodenmais auf ihren Bahnanschluss verzichten, oder anders gefragt: Welche Bedeutung hat ein Bahnanschluss für den Landkreis Regen?

Adam: (denkt lange nach) Ich beantworte das zunächst einmal aus Bodenmaiser Sicht: Unsere Gäste fahren von hier gerne mit der Bahn in den Nationalpark. Den Wert des Anschlusses an die große Bahnwelt sehe ich hier eher symbolisch. Schüler, Touristen, Alte, Führerscheinlose, Leute die zum Arzt oder ins Krankenhaus wollen– für die hat die Bahn sicher ihren Wert. Für Viechtach sehe ich da mehr Vorteile, denn die Stadt liegt nahe an Gotteszell und damit am ‚großen Bahnnetz‘ dran.

Die feste Vertaktung bringt sicher allgemein Vorteile. Aber dass zum Beispiel mein Haus oder mein Grundstück wegen eines Bahnanschlusses mehr wert sein soll, wie manche behaupten– das sehe ich nicht. In Regen und Zwiesel, zwischen den Städten oder auch nach Deggendorf mag es auch Pendler geben. Wenn einer aber in Kollnburg wohnt, ob der dann aber zu Rodenstock nach Regen mit Bus oder Zug fährt? Das weiß ich wirklich nicht, da bin ich eher skeptisch. Die Kunst wird letztlich nur sein, den Zug im Probebetrieb so vollzupacken, wie es nur irgendwie geht, damit am Ende der Freistaat zahlt.

"Das Ergebnis des Bürgerentscheids werde ich tatsächlich durchsetzen – egal wie es ausgeht!"Noch einmal konkret zum Bürgerentscheid: Die Fragestellung erscheint manchen zu kompliziert. Warum hat nicht die Frage: "Wollen Sie den Probebetrieb Viechtach-Gotteszell?" mit Antwortmöglichkeit "Ja" oder "Nein" gereicht?

Adam: Dass sich Bürger darüber wundern, ist verständlich. Aber die Fragestellung ergibt sich zum Teil aus der Historie. Wir wollten beim Schülerverkehr auf das Gesetz verweisen, um der Forderung nach lauter Einzelfallregelungen vorzugreifen. Außerdem können wir nicht entscheiden, ob die Bayerische Eisenbahngesellschaft den Probebetrieb bestellt. Nur die Frage, ob sich der Landkreis mit zehn Prozent beteiligen würde und damit den Betrieb ermöglicht, ist für uns relevant. Die Fragestellung darf juristisch nicht angreifbar sein.

Was wünschen Sie sich für den 8. Februar und wie wird der Abend der Abstimmung im Landratsamt ablaufen?

Adam: Die Bürger können die Ergebnisse live via Internet verfolgen. Im Landratsamt wird es keine Wahlparty geben, denn die Musik spielt in Viechtach. Wenn das Ergebnis feststeht, wird Wahlleiterin Petra Zöls es in einem Amtszimmer bekannt geben. Danach gebe ich meine schon erwähnte Presseerklärung mit dem Zeitplan für das weitere Vorgehen ab.

Am Ende wünsche ich mir, dass jeder Bürger Verständnis dafür hat, dass ich das Ergebnis des Bürgerentscheides dann auch tatsächlich durchsetzen werde, egal wie es ausgeht!

INFO

Der Freistaat Bayern hat dem Landkreis Regen zugesagt, einen zweijährigen Bahn-Probebetrieb auf der 25 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Gotteszell-Bahnhof und Viechtach zu bestellen. Hauptbedingung ist: Die Region muss zehn Prozent der Kosten übernehmen, falls die geforderte Anzahl von 1000 Personenkilometer an einem Werktag außerhalb der Schulferien nicht erreicht wird. Am 8. Februar sind die Bürger des Landkreises Regen aufgerufen, in einem Bürgerentscheid über den Landkreis-Anteil an den Kosten und damit über den Bahn-Probebetrieb abzustimmen.

Die Fragestellung lautet: "Sind Sie dafür, dass der Landkreis Regen den von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) angedachten zweijährigen Probebetrieb zur Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Gotteszell–Viechtach mit einem Kostenbeitrag von 10% des diesbezüglichen Gesamtaufwandes ermöglicht und auf dieser Strecke die Kostenfreiheit des Schulweges nach den gesetzlichen Maßgaben sicherstellt?" Es kann "Ja" oder "Nein" angekreuzt werden.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 29.01.2015

LESERBRIEFE

Solidarität zeigen mit dem Nachbarlandkreis

"Ich bitte die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Regen um Solidarität und Hilfe für den Probebetrieb der Bahn von Gotteszell nach Viechtach aus folgenden Gründen:

Weil politisch Verantwortliche entweder aus Desinteresse nichts unternommen, oder weil sie es verschlafen haben, warte ich zusammen mit vielen anderen Bürgern im angrenzenden Landkreis Cham, genauer im Gebiet zwischen Lam und Miltach und den angrenzenden Gemeinden, seit Anfang der 70-er Jahre vergeblich auf eine attraktive Bahnverbindung nach München. Fahrzeiten zwischen dreieinhalb und vier Stunden gegenüber zirka zweieinviertel Stunden mit dem Auto sind Standard. Diese lange Fahrzeit könnte sich mit einem attraktiven Bahnfahrplan ab Viechtach erheblich verbessern. Zurzeit sind alle Reisenden aus diesem Gebiet gezwungen, mit dem Auto nach Gotteszell zu fahren oder sich dorthin bringen zu lassen, um eine Stunde Fahrzeit einzusparen. Von Zwiesel aus erreicht man den Münchner Raum in 2,5 Stunden und zwar im Stundentakt. Ich bin bewegungseingeschränkt und daher ist der Bus keine gleichwertige Alternative zur Bahn. In ganz Bayern ist die Zahl der Bahnfahrgäste in den letzten Jahren um 60 Prozent gewachsen. Es geht wohl mehr Menschen so wie mir. Außerdem kostet ein attraktives Busnetz auch viel Geld.

Auch bei uns wollte der ehemalige Kötztinger Bürgermeister Theo Zellner den Bahnbetrieb von Kötzting nach Cham stilllegen, aber als Landrat hat er dann später erfolgreich versucht, über den VLC möglichst viele Fahrgäste auf die Bahn zu bringen. Dem Beispiel könnte auch der Landkreis Regen folgen. Ich kann es nicht verstehen, warum wegen des eventuellen Defizits nur gejammert, aber nicht um Fahrgäste aus dem Nachbarlandkreis geworben wird, die Zahl der Bahnfahrer könnte erheblich gesteigert werden. Zu den Schülern möchte ich anmerken, dass Kinder aus Lam auch fast eineinhalb Stunden, manche noch länger unterwegs sind. Diese Schüler sind meines Wissens auch nicht dümmer als die Schüler, die nur 15 Minuten unterwegs sind. Aus vorgenannten Gründen bitte ich um solidarische Zustimmung mit einem Ja zum Probebetrieb der Bahn zwischen Viechtach und Gotteszell. Wir hätten damit auch eine attraktivere Verbindung des Kötztinger/Chamer Bereichs mit der Region Regen und zum Beispiel nach Passau".

Adolf Hofer, Bad Kötzting

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 28.01.2015

LESERBRIEFE

Das Bahn-Geschenk einfach ausprobieren

Zu den Berichten über den Bahn-Bürgerentscheid im Viechtacher Bayerwald- Boten:

"Egal, wo man außerhalb unserer Region hinkommt, werden wir belächelt. Da bekommen wir vom Freistaat Bayern eine Bahnlinie im Wert von rund 3,5 Millionen Euro als Geschenk und wir überlegen, ob wir dieses Geschenk annehmen sollen. Wir entscheiden über einen Probebetrieb! Warum probieren wir es nicht einfach? Ein Bahnanschluss ist für jeden Ort eine Bereicherung. Und zur Verbesserung unseres ÖPNV im Altlandkreis Viechtach brauchen wir die Bahnlinie als Rückgrat kombiniert mit flexiblen Zubringerbussen. Die Bestellung der Bahnlinie kostet den Landkreis Regen nichts. Nur wenn der Probebetrieb nicht erfolgreich ist, wird der Landkreis mit 200.000 bis 400.000 Euro zur Kasse gebeten. Eine geplante Expressbuslinie von Viechtach nach Gotteszell im Stundentakt, die dann favorisiert wird, wenn der Bürgerentscheid negativ für die Bahn ausgeht, kostet den Landkreis Regen auf alle Fälle rund 450.000 Euro jährlich. Und das ohne Zubringerbusse! Wie soll sich das der Landkreis Regen auf Dauer leisten?

Sicher sind die Sorgen der Eltern für ihre Kinder ernst zu nehmen, doch ich bin mir sicher, dass diese Probleme zu lösen sind. Die Bahn mit Stundentakt bietet den Schülern bei Unterrichtsausfall, verkürzter bzw. verlängerter Nachmittagsunterricht, Freistunden am Morgen, Ferienzeit usw. auch viele Vorteile. Nach dem Schulabschluss besteht dann für Studium und Ausbildung Anschluss an das Schienennetz nach Deggendorf, Regensburg, München, und das im Stundentakt! Außerdem sollten wir nicht außer Acht lassen, dass knapp 80 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, darunter viele Väter mit Kindern. Sind es uns diese nicht wert, für die Bahnlinie zu stimmen? Am 8. Februar geht es um einen Bahnprobebetrieb! Probieren wir es einfach!"

Andrea Hartmannsgruber, Geiersthal

 

"Teisnach keine Insel": Plädoyer für die Bahn

"Leute, seid ihr von Sinnen! Ihr könnt durch die Bahn nur gewinnen! Der Staat will euch was schenken, und ihr habt plötzlich Bedenken? Es wird dann alles Mögliche hinterfragt. Es gilt noch immer was der Volksmund sagt: 'Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul!' Andernorts wäre die Begeisterung groß und ein Jubelsturm der Bevölkerung bräche los, wenn etwa im Umland von München eine Ortschaft von der S-Bahn erschlossen würde. Nur bei uns sieht man darin zunächst eine Bürde? Die schöne Natur, die Schienen; das alles ist ja schon da. Es fehlt eigentlich nur noch auf dem Stimmzettel euer freudiges 'Ja'. Auch habt ihr Bürgermeister und Landratskandidaten die Bahn alle gewollt. Nun sind die Wähler am Zug und dürfen bestimmen, was ihr sollt. Ja, jahrelang habt ihr für die Bahn gestritten, jetzt ward ihr am Ziel und ihr lasst euch bitten. Alles ist euch plötzlich zu viel. Wollt ihr das Geschenk anscheinend nicht mehr? Den öffentlichen Bahnverkehr? (...)

Hier fehlt manchmal der Weitblick und man betreibt Kirchturmspolitik, so dass sich nach langem Streit allermeist der Standpunkt des anderen als Gesichtskreis mit mit dem Radius Null erweist. Was bei der Sache am meisten schockiert, es wird ja im Probebetrieb nur etwas probiert und schon wird alles im Vorfeld blockiert. Probebetrieb, das will heißen: Bevor wir gleich anfangs die Reißleine reißen, ist erst der Betrieb zu erproben. Dann erst wird man das Ergebnis tadeln oder loben. In Teisnach scheint man vom jetzigen technischen Fortschritt und Wohlstand verblendet. Doch was ist, wenn sich das Blatt einmal wendet? Wir sind leider oft zukunftsblind und erkennen unsere Engel erst, wenn sie vorbeigeflogen sind. Es sei das Augenmerk auf etwas anderes gelenkt, was besonders schwer wiegt und mir deshalb am Herzen liegt und woran scheinbar niemand denkt: Es sind die zahlreichen Toten und Verletzten im Autoverkehr, die speziell in unserer Region jährlich im Straßenverkehr geschehen, von den Sachschäden ganz abgesehen. Mit der Bahn kommt die Wende!

Die Volksfestbesucher und die Teisnacher Gastwirte werden sich freuen. Es kämen wieder die alten Gäste und Stammtischbrüder, vor allem die treuen. Auch unser Minister, der Brunner Helmut, findet einen Bahnanschluss nicht nur gut, vielmehr will er den Plan mit Eifer verfolgen, nach seinen Worten ,mit Herzblut‘, weil ihm seine Heimat am Herzen liegt und deren Erhalt alles andere überwiegt. Ich möchte allen Bahnskeptikern zurufen, nach all den Problemen, die andere schufen, nach dem Blabla, verbringt nicht die Zeit damit, Hindernisse zu suchen! Vielleicht ist ja keines da! Mein Anliegen mit diesem Gedicht: Sprecht miteinander und streitet euch nicht. Was für Viechtach eine Wohltat ist, kann doch für Teisnach kein Übel sein. Schließlich existiert keine Gemeinde für sich allein. Die Region gehört doch zusammen! Niemand soll hier den anderen verdammen! Gerne schrieb ich die Worte ans Teisnacher Rathaus mit einem schwarz-rot-goldenen Pinsel: ,Teisnach ist keine Insel!‘"

Helmut Thome, Drachselsried

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 27.01.2015

Patersdorfer Skepsis: "Erst muss die Schülerbeförderung geklärt werden"
Information und Diskussion zum Bahn-Bürgerentscheid – 60 Zuhörer im Gasthof Kargl

Patersdorf. Sorgen um die Sicherheit des Schülerverkehrs prägen die Sicht Patersdorfs auf den Bahn-Probebetrieb. In einem überaus sachlich gehaltenen Vortrag ohne jegliche Polemik ging Dr. Wolfgang Schlüter vor über 60 Zuhörern im vollbesetzen Gasthof Kargl eingangs auf die Grundsätze des privaten Energieverbrauchs ein, wo die Mobilität auf dem Land einen erheblichen Teil einnimmt.

Zuvor konnte CSU-Ortsvorsitzender Xaver Seidl neben 1. Bürgermeister und Kreisrat Willi Dietl eine Reihe von Gemeinderäten und auch Gäste aus den Nachbarorten begrüßen. Xaver Seidl und anschließend auch Bürgermeister Dietl betonten nochmals, dass für die Gemeinde Patersdorf größtenteils die bis dato völlig ungeklärte und unbefriedigend erscheinende Schülerbeförderung zu den weiterführenden Schulen in Viechtach zu den strittigen Punkten gehören. Dies könne man derzeit nicht akzeptieren, obwohl man dem Bahnbetrieb sonst sehr viele gute Seiten abgewinnen könne. In die gleiche Kerbe schlug auch 2. Bürgermeister Richard Kauer. Bürgermeister Dietl meinte seinerseits, man sollte lieber die Fahrgastzahlen reduzieren, damit Schulkinder nicht ungesichert auf Bundesstraßen zum Bahnhof gehen müssen. Dies könne er als Gemeindeoberhaupt nicht verantworten. Seidl betonte, dass das Gesetz zur Schülerbeförderung in diesem Fall an der Lebensrealität vorbei geht.

Wolfgang Schlüter schloss sich dem an und meinte, dass der sichere Schulweg im Interesse des Landkreises sein muss und man sich dann auch um Zubringermöglichkeiten bemühen sollte. Dazu sei aber jetzt wertvolle Zeit verstrichen und bis zum Bürgerentscheid nicht mehr darstellbar. Nahezu alle Anwesenden waren sich einig: Wenn das Problem der Schülerbeförderung behoben wäre, gäbe es eine große Zustimmung zum Bahnprobebetrieb. Schlüter ließ in seinem Vortrag in die zu erwartende Zukunft des Personenverkehrs blicken. Dazu dürfe sich der Altlandkreis nicht alleine auf die Straße verlassen, weil die Infrastruktur dem Zuwachs in absehbarer Zeit nicht mehr gewachsen ist. Die Ballungsräume ließen erahnen, was auch bei uns zu erwarten ist und dort gebe es Schienenverkehr. "Hinzu kommt, dass die Situation im Altlandkreis Viechtach derzeit, im Gegensatz zum Bereich Regen, schlecht organisiert ist", führte Schlüter weiter aus. Abstimmungen seien kaum vorhanden oder funktionieren nicht.

Dass man jetzt mit dem Probebetrieb eine einmalige Chance habe, ist laut Schlüter insbesondere Staatsminister Brunner und Landrat Adam zu verdanken. Die im schlechtesten Fall beim Scheitern des Probebetriebes zu erwartenden kurzfristigen Kosten von bis zu 400000 Euro erschienen deutlich günstiger, als die dann drohenden Kosten von bis zu 600000 Euro für eine alternative Expressbuslinie, die dem Landkreis langfristig bleiben würden. Schlüter ging nochmals auf die Schülerbeförderung ein und meinte, dass angesichts der großen Chance einer stündlich fahrenden Zuglinie dies in den Griff zu bekommen sein müsse. Schon alleine der deutlich angenehmere Reisekomfort spreche eindeutig für die Bahn, und die Bahn koste den Landkreis nichts, wenn der Probebetrieb erfolgreich verläuft. Lebhafte, aber auffallend faire DiskussionIn einer lebhaften und auffallend fairen Diskussion gab es dann verschiedene Wortmeldungen, die sich insbesondere nochmals um die Schülerbeförderung drehten, wo man aber durchaus einer Meinung war. Elternbeiratsvorsitzende Daniela Marchl brachte ihre Bedenken vor und forderte noch mehr Aufklärung.

Thomas Dietl erntete Beifall mit der Bemerkung, dass die Mütter ihre Kinder mit dem Auto auch zur Bushaltestelle fahren würden, wenn diese nur 100 Meter entfernt ist. Dann könnten diese auch gleich zum Bahnhof fahren. Karl Leidl, früher selber hauptamtlicher S-Bahn-Fahrer in München, warf ein, dass es auch in München lange Warte- und Reisezeiten gibt. Walter Marchl wollte noch wissen, wie denn die Arbeiter von der geplanten Bahnverbindung profitieren können. Wolfgang Schlüter beruhigte ihn mit den Worten, dass der Shuttleverkehr erst aufgebaut werden kann, wenn der Probetrieb konkret sei. Darüber hinaus führte Schlüter aus, dass bei erfolgreichem Probebetrieb die Bahnhöfe vom Freistaat zu renovieren sind, was im Fall Patersdorf sehr notwendig wäre. Dies betonte auch Bürgermeister Dietl. Gleiches gelte auch für den Zugang zum Bahnhof und die dortigen Parkmöglichkeiten.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 27.01.2015

LESERBRIEFE

Bahnfahrt zur Schule war eine schöne Zeit

"Um eine weiterbildende Schule zu besuchen, musste ich vor 55 Jahren drei Kilometer zur nächsten Bahnstation laufen und dies oft bei eisiger Kälte. Geschadet hat es mir nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall. Heute denke ich gerne an diese Zeit zurück. Auf dem Weg konnten wir über viele Dinge sprechen, nicht nur, was die Schule betraf. Im Frühjahr, Sommer und Herbst begleiteten uns die Düfte der Natur auf dem Schulweg. Die gute halbe Stunde der Gehzeit machte uns nicht aus. Bei guter Witterung fuhren wir mit dem Rad. Es musste sein.

Im Zug machten wir Bekanntschaft mit den anderen Schülern, welche oft noch von weiter her kamen. Die etwas älteren Schüler haben uns bei den nicht erledigten Hausaufgaben geholfen und erklärt. Vieles blieb aus den Erfahrungen des gegenseitigen Austausches und Mitteilungen im Kopf gespeichert, bis heute. Das Bahnfahren machte Spaß. Unterwegs fragten wir uns die Vokabeln und Formeln gegenseitig ab. So wurde das notwendige Lernen praktiziert und der Schulstoff wiederholt. In einem Schulbus ist das Abschreiben nicht möglich. Schön und lehrreich war diese Zeit. Teile dieser Freundschaften sind bis heute bestehen geblieben und die Ereignisse haben einen bleibenden Wert hinterlassen, an die ich gerne zurück denke. So viel zur Schulbeförderung mit der Bahn. Was im Bus mit Geschaukel, Gedrängel und Lärm nicht möglich ist."

Anneliese Leutner, Regen

 

Nicht alle Bürger haben ein Auto

"Liebe Frau Röhrl, ich bin schockiert. Warum? Sie wollen mir doch wohl nicht sagen, das Sie all die kleinen Kinder zur Bahn befragt haben. Lächerlich. Ich verstehe Ihre Sorgen, dass die Kinder zur Schule kommen müssen. Sie sind seit langem Bürgermeisterin von Teisnach und haben es bis jetzt nicht geschafft, dass die Bürger, die kein Auto haben, anständig von Teisnach nach Viechtach kommen. Ich habe schon einiges erlebt und wohne in Viechtach. Sie versprechen, dass es ein anständiges Konzept mit den Bussen gibt. Nur für die Schüler? Wir sind auch noch da.

Ich fuhr von Deggendorf um 17.15 Uhr nach Viechtach, fragte den Fahrer: ‚Sie fahren nach Teisnach, dort muss ich ja umsteigen.‘ Dieser meinte: ‚Ja, Sie können auch in Patersdorf umsteigen‘. Was er nicht sagte, dass ich von Teisnach nicht mehr weg komme, denn als wir in Teisnach ankamen, fuhr der Bus nach Viechtach zurück nach Patersdorf. Ich fragte ganz entsetzt: ‚Was ist denn das?‘ Da meinte er: ‚Ich hab ihnen doch gesagt, Sie können in Patersdorf umsteigen.‘ Der Bus fuhr auf dem Rückweg aber den Bahnhof Teisnach nicht mehr an. Das ist eine Frechheit, die Busbetriebe müssten sich doch abstimmen. Also musste ich auf den nächsten Bus von Deggendorf warten. Es haben nicht alle Bürger ein Auto, damit diese anständig nach Hause kommen. Dafür sind Sie mitverantwortlich, dafür haben Sie aber keine Zeit – Sie müssen ja den Probebetrieb boykottieren. Also denken Sie nicht nur an die Schüler, auch viele Jugendliche wollen die Bahn."

Marianne Wille, Viechtach

 

Bahn kann Regulator für die Zukunft sein

"Am Samstag habe ich mit meinen Eltern an der von Go-Vit angebotenen Bahnfahrt von Viechtach nach Regensburg teilgenommen. Es war eine gute Entscheidung der Verantwortlichen für die Fahrt, diese so zu gestalten, als hätten wir auf der Strecke Viechtach - Gotteszell einen fahrplanmäßigen Verkehr. Alles bei dieser Fahrt war sehr gut organisiert, aber nichts inszeniert. Mein Fazit daraus ist: Probeverkehr gelungen, nun lasst uns Taten sehen für den folgenden Zwei-Jahres-Probeverkehr auf dieser Strecke. Mit mir und meinen Eltern haben 153 Personen an dieser Fahrt teilgenommen. Ich bin in Teisnach zugestiegen, meine Eltern schon in Viechtach abgefahren. Meine Eltern berichteten mir, mit welcher Vorfreude über 120 Personen die Abfahrt in Viechtach erwarteten.

Bei einigen älteren Mitfahrern konnte man feuchte Augen erkennen. Denn aus ihrer Kinder- und Jugendzeit sind sie des Öfteren diese Strecke gefahren. In Teisnach stiegen mit mir zirka 20 Personen in den Zug ein. Ich hörte bei der Einfahrt des Doppelzuges einen Frau sagen: ,Dies sollte sich unsere Bürgermeisterin einmal ansehen und mitfahren‘. Im Übrigen habe ich aufmerksam beobachtet, dass bei der Einfahrt des Zuges in Teisnach nur die Straße am Kreisverkehr gesperrt, und sofort nach dem Halt am Bahnhof wieder freigegeben wurde. Dies geschah auch bei der Ausfahrt. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass hier ein Verkehrschaos beim stündlichen Regelverkehr entstehen würde.

Aufgefallen ist mir aber auch, dass der ehemalige Lokschuppen für die Papierfabrik fein säuberlich verräumt wurde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich meine, dieser Lokschuppen hätte sicherlich auch als Denkmal der Eisenbahngeschichte erhalten werden können. Während der Fahrt wurden auch Informationen zur Entstehung der Bahnlinie Viechtach - Gotteszell gegeben. Meine Hochachtung verdienen die vor über 100 Jahren geleisteten Anstrengungen, um das damalige ‚Viechtreich‘ zu modernisieren. Ein kleines Sahnehäubchen bekamen alle 153 Mitfahrer mit der zweistündigen Stadtführung in Regensburg geboten. Gerade hier konnte man mitnehmen, wie dieses Weltkulturerbe der UNESCO von den Stadtvätern gehegt und gepflegt wurde. Ein Lehrbeispiel für alle, die eine Reaktivierung einer funktionieren Bahnstrecke wünschen. Dabei möchte ich nicht so verstanden wissen, dass ich an allem Alten hänge, aber geht es darum, das Alte zu modernisieren und auch für die die nächsten Generationen zu erhalten (...).

Die Straße ist heute den Anforderungen (siehe Verkehr auf der B85 und B11) nicht mehr gewachsen. Die Eisenbahn kann ein guter Regulator für die Zukunft sein. Entscheidungen der Vergangenheit für Stilllegungen von Strecken sind nicht immer überall zurücknehmbar. Aber für die Strecke Gotteszell-Viechtach gilt dies nicht. Deshalb bitte darum: Kreuzen Sie das ‚Ja‘ beim Bürgerentscheid an. Bei allen Vorbehalten, die teilweise vielleicht berechtigt sind, wie der Schülerverkehr, bin ich aber überzeugt davon, dass es immer Lösungen gibt, die die Mehrheit der Abstimmungsberechtigten zufrieden stellen werden."

Rene Mögelin, Furthof

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 26.01.2015

Großes Interesse an Zugfahrten
Rund 150 Bürger fuhren mit Go-Vit nach Regensburg

Von Stefan Muhr

Viechtach. Mit zwei Sonderfahrten haben die Verantwortlichen des Vereins für nachhaltige Mobilität zwischen Gotteszell und Viechtach, kurz Go-Vit, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Chance eröffnet, nach Regensburg zu fahren oder Party zu machen – mit dem Zug beziehungsweise im Zug.

Am Samstagmorgen haben sich etwa 120 Kinder und Erwachsene am Bahnhof versammelt, um mit einem Regioshuttle der Waldbahn nach Plattling und von dort aus nach Regensburg zu fahren. Um 8.30 Uhr ging es am Viechtacher Bahnhof los. In Teisnach stiegen zirka 30 Fahrgäste zu, so dass in Plattling insgesamt 143 Erwachsene, neun Kinder und ein Hund in den Agilis-Zug nach Regensburg umstiegen. In Regensburg erklärten Stadtführer den in fünf Gruppen aufgeteilten Bürger die Geschichte der Stadt. Gegen Abend fuhr man wieder zurück in den Bayerwald.

Für Jugendliche und junge Erwachsene wurde am Samstagabend ein Disco-Zug angeboten, der zwischen Gotteszell und Viechtach verkehrte. Mit Freibier und Musik von "Morz Des Soundsystem" konnten die zwischen 17- und 27-Jährigen vorglühen, um nach der Fahrt im Café Hinkofer in Viechtach und im Casa in Ruhmannsfelden eigens organisierte Parties zu besuchen.

Am Sonntagvormittag trafen sich dann 16 Mitglieder des Go-Vit-Vereins im Café Hinkofer, um über die beiden Fahrten und kommende Termine zu diskutieren. Vorsitzender Wolfgang Schlüter bezeichnete die Regensburg-Fahrt und den Disco-Zug als vollen Erfolg. Für die Regensburg-Fahrt habe er sogar 150 Bürgern absagen müssen. Die Nachfrage habe den Rahmen gesprengt. Die Zugsause, die in Kooperation mit der Zapelbu.de Viechtach stattfand, war ebenfalls gut besucht. Der vordere Wagen war voll, der hintere Wagen war gut zur Hälfte gefüllt, hieß es. In den kommenden Tagen will Go-Vit in Regen, Bayerisch Eisenstein, Gotteszell und Teisnach Infoveranstaltungen zur Bahnstrecken-Reaktivierung abhalten. Eine Abschlussveranstaltung soll am 4. Februar in Viechtach stattfinden.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 24.01.2015

Zugfahrt ruft Erinnerungen wach
Bürgermeister Franz Wittmann fährt mit 120 Senioren im Zug nach Teisnach

Viechtach. Über 120 Senioren sind am Donnerstagnachmittag auf Einladung der Stadt Viechtach mit Bürgermeister Franz Wittmann in zwei vom Wanderbahnverein bereitgestellte Triebwagen eingestiegen. Sie wollten die Sonderfahrt von Viechtach bis Teisnach und wieder zurück auf keinen Fall versäumen.

Zu den Senioren aus der Stadt Viechtach gesellten sich Bewohnerinnen und Bewohner des Caritas Elisabethenheimes und des BRK-Pflegezentrums. Zwar war der hohe Einstieg bei den inzwischen in die Jahre gekommenen Eisenbahnwagons für die älteren Herrschaften etwas beschwerlich, aber mit Hilfe der Begleiter des Caritasverbandes und des Roten Kreuzes schafften es alle wohlbehalten in das Zugabteil. Zusätzlich begleiteten die Helferinnen des BRK-Frauenarbeitskreises um Leiterin Carola Spahner die Sonderfahrt und sorgten so für eine gute Betreuung der Mitreisenden während der Fahrt. Mit einer kleinen Verspätung startete Zugführer Thorsten Schulze vom Wanderbahnverein die Dieselmotoren. Nach einem kräftigen Tuten des Zugsignalhornes gab Zugbegleiter Wilfried Daschner das Kommando zum Start. Im gemütlichen Tempo setzte sich der Triebwagen in Richtung Haid am Sand in Bewegung. Die Reisenden hatten während der Fahrt genügend Zeit, die herrliche Regentallandschaft zu bewundern und so manche Erinnerung wach werden zu lassen.

So erzählte Helga Schießl davon, dass sie zur Viechtacher Grundschule immer mit der Bahn gefahren sei und sie die Diskussion der Eltern heute nicht ganz verstehe. Sie verstehe auch nicht, warum die Eltern ihre Kinder jeden Meter fahren müssen. Einmal, so erzählt sie weiter, sei sie bei einem Ausflug des Wald-Vereins vom Viechtacher Bahnhof nach Gumpenried mitgefahren, um dort eine Wanderung nach Neunußberg mitzumachen. Urplötzlich stoppte der Triebwagen auf Höhe der "Ameisensiedlung", so nannte man damals die neu entstandenen Häuser in der Dr. Schellerer-Straße. Kurz darauf stellte sich heraus, dass der Grund für den Zwischenhalt ganz unspektakulär war. Hannelore und Max Haas, die in dieser Siedlung wohnten, wollten auch noch gerne mitfahren und stiegen mitten auf der Strecke, direkt unterhalb ihres Wohnhauses, zu. Auch Maria Kasparbauer aus Altnußberg würde die Wiedereröffnung des Bahnbetriebes Viechtach – Gotteszell sehr begrüßen und den Zug dann auch möglichst oft benutzen, genauso wie Betty Gräfe, die früher immer zum Heidelbeeren- und Himbeerenzupfen von Viechtach nach Gstadt oder Gumpenried gefahren ist. Antonie Biebl erinnerte sich daran, dass sie jeden Tag mit dem Zug zu ihrer Arbeitsstelle bei der Hypo-Vereinsbank nach Deggendorf gefahren ist.

Josef Bielmeier (85) aus Gstadt und Peter Holzfurtner (87) aus Grubhof waren sich allerdings bei der Bahndiskussion nicht ganz einig. Während Bielmeier für die Wiedereröffnung des Bahnbetriebes stimmen will, weil es den nach seiner Erinnerung schon vor 100 Jahren gegeben hat, zeigt sich Peter Holzfurtner eher besorgt, dass die geforderte Anzahl von Bahnreisenden nicht erreicht wird. "Und dann kürzen sie uns wieder die Rente", meinte der Senior, weil das Ganze ja irgend jemand bezahlen muss. Interessante Zahlen hatte Dieter Seipel, ein passionierter Bahnfahrer, parat. So ging die Bahnstrecke Viechtach–Gotteszell nach dreijähriger Bauzeit am 10. November 1890 in Betrieb. Die weiterführende Strecke nach Blaibach wurde wegen der angeblich maroden Bahnbrücke im Februar 1991 gesperrt. "Die Brücke gibt es aber immer noch", stellte Seipel verärgert fest. "Seit 2009 kämpfen und bemühen wir uns um die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell und haben den Zug bis heute immer noch nicht auf die Schienen gebracht", kritisierte ein sichtbar enttäuschter Bahnexperte.

Bürgermeister Franz Wittmann, der von Abteil zu Abteil ging, freute sich über die große Anzahl der mitreisenden Senioren und wies immer wieder darauf hin, wie schön doch Zugfahren auf dieser herrlichen Strecke sei. Die Senioren bat er darum, dass sie auf jeden Fall am 8. Februar ihre Stimme abgeben sollen. Er war dafür, für einen Bahnbetrieb zu stimmen. Bei der Rückfahrt stoppte der Zug auf Höhe des AdventureCamps Schnitzmühle, wo die Senioren noch zu einer Kaffeepause eingeladen wurden, bevor es mit dem Zug wieder zurück zum Viechtacher Bahnhof ging.

− eds

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 24.01.2015

Nein zu Zwangsgästen im Zug contra Mobilität für alle
Auf der Suche nach Gründen für und gegen den Bahn-Probebetrieb:
VBB-Redaktionsgespräch zum landkreisweiten Bürgerentscheid am 8. Februar

Nach jahrelanger Diskussion über das Thema sind am 8. Februar alle Bürger im Landkreis eingeladen, über den Bahn-Probebetrieb zwischen Viechtach und Gotteszell abzustimmen; der Kreistag hat dazu eine etwas komplizierte Fragestellung beschlossen. Frau Röhrl, Sie haben auf diesen Weg gedrängt. Warum?

Röhrl: Ich wollte Dampf aus der Diskussion nehmen, vor allem Eltern fühlten sich ungefragt, jetzt fühlen sie sich ernst genommen. Okay, die Fragestellung ist wunderschönstes Juristendeutsch, aber ich denke, jeder versteht, worum es geht.

Schlüter: Selbstverständlich akzeptiere ich diesen Weg über den Bürgerentscheid. Aber persönlich bin ich enttäuscht, weil sich meiner Meinung nach der Kreistag aus der Verantwortung gestohlen hat. Das Thema ist so komplex und vielschichtig, und in der Öffentlichkeit wird die Diskussion zu sehr eingeengt.

Sie spielen sicher auf die Schülerbeförderung an.

Schlüter: Ja, denn das ist für mich nur ein Teilaspekt. Sich darauf zu fokussieren, greift zu kurz.

Röhrl: Aber die Eltern machen sich große Sorgen. Wir haben ein sehr gutes, funktionierendes System mit vielen wohnortnahen Bushaltestellen und kurzen Wegezeiten. Wenn der Zug kommt, müssen die Schüler einsteigen; die haben gar keine Wahl. Da verdoppeln sich für viele die Wegzeiten, für manche dauert der Schulweg dann sogar noch länger. Sie müssen zu Fuß weitere Strecken zum Bahnhof gehen als jetzt zum Bus. Das kann man nicht als Nebenargument betrachten.

Röhrl: "Der Schulweg dauert im Zug viel länger"

Schlüter: Wer heute betroffen ist, ist es vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr. Es geht außerdem nicht um Grundschüler, sondern um Realschüler, Gymnasiasten und Berufsschüler. Spätestens wenn die Pubertät mit zwölf Jahren einsetzt, werden sie froh sein, wenn sie durch den Stundentakt des Zuges mehr Möglichkeiten haben. Im übrigen gibt es für den Schülerverkehr klare gesetzliche Vorgaben, die auch jetzt schon im Landkreis eingehalten werden müssen. Für längere Wegezeiten muss es Lösungen geben, da zähle ich auf die Einzelfallprüfung. Für mich geht es in der Frage aber um viel mehr: um eine Entscheidung für die nächsten Jahrzehnte.

Röhrl: Nach dem Prinzip Hoffnung auf die Einzelfallprüfung zu setzen, ist kein gangbarer Weg. Wenn das Gesetz das vorschreibt, dann muss das Kind Zug fahren. Die möglichen Härten können wir ganz einfach dadurch vermeiden, dass wir auf den Zug verzichten.

Welche Erfahrungen haben Sie denn persönlich mit dem Zugfahren auf dieser Strecke?

Schlüter: Ich bin früher beruflich oft mit dem Zug von Viechtach abgefahren, auch heute bin ich gerne damit unterwegs, kann aber nicht mehr in Viechtach einsteigen. Zum Beispiel freue ich mich immer, wie gut die Waldbahn Richtung Zwiesel angenommen wird.

Röhrl: Ich bin als Schülerin selbst mit dem Zug nach Viechtach gefahren. Das war in der Rückschau sicher wunderschön, aber die Romantik will ich heute nicht verallgemeinern. Im Gegenteil: Auch damals mussten Mitschüler zum Beispiel bis aus Kaikenried zu Fuß zum Bahnhof gehen, das war nicht so schön. Wir haben heute eine deutliche Verbesserung mit dem Bussystem, da sollten wir nicht in die Vergangenheit zurückgehen.

Bleiben wir kurz bei der Vergangenheit: Im Mai 1991 fuhr der letzte Personenzug auf der Strecke...

Röhrl: Ja, weil kaum mehr einer mitgefahren ist. Es gab weniger Nutzer und immer weniger Züge. Und in all den Jahren hat den Zug keiner vermisst.

Schlüter: Ich gebe zu, damals hat der ÖPNV keine Rolle gespielt. Wir sind aber in einer Zeit, wo sich das radikal ändert. Viele Familien werden sich künftig das Zweitauto nicht mehr leisten können. Die Ressourcen werden knapp, das Umweltbewusstsein steigt. Zudem hat sich die Finanzierung verändert: Früher musste das Unternehmen mit den Fahrpreisen auskommen. Heute gibt es die Bestellerentgelte, die der Bund vom Freistaat für den Nahverkehr erhält. Über die Bayerische Eisenbahngesellschaft fließt das Geld dem Betreiber zu. Da sind ausreichend Mittel im Topf, und warum sollte das nur in andere Regionen fließen. Wir sollten unseren Anteil daraus erhöhen.

Röhrl: Ich entscheide das nicht ausschließlich mit Blick auf das Geld. Der Landkreis wird für die Verbesserung des ÖPNV auf jeden Fall mehr Geld in die Hand nehmen müssen. Aber allein wenn der Probebetrieb scheitert, kann uns das bis zu 400000 Euro im Jahr kosten. Dieses Geld sollten wir anderweitig einsetzen; so, dass es dem Bürger mehr Vorteile bringt.Schlüter: Dass der Probebetrieb scheitert, ist nicht ausgemacht. Vielmehr liegt das dann an den Bürgern und wie sie die Bahn annehmen. Ich persönlich glaube, wir schaffen das. Vor den geforderten 1000 Personenkilometern habe ich jedenfalls keine Angst.

Einig: Am 8. Februar alle zur Abstimmung gehen! Der Landkreis hat in seinem Mobilitätsgutachten als Alternative zum Zug einen Expressbus Viechtach-Gotteszell im Stundentakt näher betrachtet.

Röhrl: Das ist ein Angebot des Landrats für eine schnelle Anbindung von Viechtach zum Bahnhof Gotteszell. Das auszuprobieren, sträube ich mich nicht. Ich glaube aber, dass das nicht der Brüller wird. Wenn, dann nur zu bestimmten Zeiten: Morgens, mittags, abends vielleicht. Oder am Wochenende für heimfahrende Studenten oder Ausflügler. Da müsste man sicher nochmal drüber nachdenken.

Schlüter: Wir haben in jedem Verkehrssystem Stoßzeiten. Laut Gutachten braucht der Bus 28 Minuten, das bezweifle ich. Der Zug braucht sicher länger, dafür fährt er auch Teisnach an. Und auch der Expressbus fährt nicht alle Dörfer an und bräuchte Zubringerbusse. Eines ist aber für mich klar: Im Bus werde ich niemals die 1000 Fahrgäste zusammenbekommen, da fehlt es schon am Komfort.

Röhrl: Zur Vergleichbarkeit des Komforts hat man aber schon Niederflurbusse betrachtet! Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass die Fahrgastzahlen erreicht werden könnten. Meiner Meinung nach brauchen wir eine Struktur mit Bussen plus Bedarfslinien. Die Notwendigkeit der Schiene sehe ich einfach nicht. Das ist mir zu starr und unflexibel. Ich würde diese Meinung nur überdenken, wenn es die Direktverbindung weiter über Blaibach nach Cham gäbe. Aber das ist ja nicht der Fall.

Von Seiten der Regentalbahn hieß es, der Personenzugbetrieb wäre ein wichtiger Baustein dafür, dass die Arbeitsplätze in der Viechtacher Bahnwerkstatt erhalten werden könnten.

Röhrl: Mir hat das noch niemand plausibel genug erklärt. Das hat doch die letzten 20 Jahre auch tadellos funktioniert, warum sollte das plötzlich nicht mehr gehen?

Schlüter: Meines Wissens sind die Auftragsbücher noch zwei Jahre lang gefüllt. Dann wird es irgendwann eine betriebswirtschaftliche Rechnung: Trägt sich die Überführung noch? Wenn hier Personenzüge hinführen, wäre eine gute Auslastung für die schwere Instandsetzung geregelt. Es geht um 77 Arbeitsplätze am Standort, dazu kämen gut zwei Dutzend, die im Falle des Zugbetriebs als Zugführer oder Zugbegleiter neu eingestellt würden. Das hält Kaufkraft von gut drei Millionen in der Region; einige der Arbeiter würden dann bestimmt wegziehen, um zum Beispiel in der nächstgelegenen Werkstatt in Schwandorf zu arbeiten.

Röhrl: Dass wir immer bestrebt sein müssen, Arbeitsplätze zu erhalten, da stimme ich völlig zu. Aber da sehe ich eher den Freistaat in der Pflicht, dass er dies dem Betrieb ermöglicht.

Schlüter: Wenn die Region den Schienenverkehr nicht will, sehe ich die Konkurrenzfähigkeit der Firma in Frage gestellt. Es ist eine wichtige Aufgabe, dass sie hier bleibt.

Röhrl: Solche Zusammenhänge gehören nicht in diese Diskussion hinein. Das ist nicht fair, denn das liegt allein in der Entscheidung der Firma und nicht bei uns. Da muss im Zweifel ein Minister her und das lösen. Die Frage des Schülerverkehrs ist für mich die entscheidende. Das sind 150 Zwangsfahrgäste im Probebetrieb und bis zu 300 im Dauerbetrieb.

In allgemeinen Untersuchungen heißt es auch, dass Pendler gerne Zug fahren würden.

Röhrl: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass einer zum Beispiel von Blossersberg zunächst eine halbe Stunde zum Bahnhof nach Viechtach geht, dann mit dem Zug nach Teisnach fährt und von dort wiederum zu Fuß zu seiner Firma. Der ist dann eine Stunde unterwegs, mit dem Auto zwanzig Minuten! Bei Rohde& Schwarz haben sich in einer Umfrage nur vier von 1600 Beschäftigten gemeldet, dass sie den Zug nutzen würden. Auch die Viechtacher Betriebe sind ja nicht direkt neben dem Bahnhof angesiedelt. Da frage ich mich schon, wie die Leute da hinkommen. Es zählt ja heute überwiegend die Zeit, und da sehe ich einfach keine Chance für den Zug. Eine Nutzung durch Pendler ist illusorisch. Und ich sage: Den Schaden, den die Schülerbeförderung darstellt, wiegen die Vorteile für Pendler nicht auf!

Schlüter: Der Trend zum ÖPNV ist ein allgemeiner. Wenn sich auch heute nicht viele melden, glaube ich trotzdem, dass im Laufe von Jahren mehrere umsteigen würden, weil sie sich dann die Kosten für den Zweitwagen sparen. Zudem haben die Betriebe eine direkte Anbindung in die Metropolen, zum Flughafen. Auszubildende könnten mit dem Zug zum Arbeitsplatz kommen.

Schlüter: "Im Bus fehlt es am Komfort"

Röhrl: Auch da sehe ich Grenzen. Wenn einer aus Moosbach in das Regener Gewerbegebiet Metten muss: Nicht einmal der könnte den Zug nutzen, weil die Wege zum Bahnhof zu weit sind. Wenn die Bahn wirklich so entscheidend für die Wirtschaft wäre, dann wären Zwiesel und Regen im Landkreis führend. Da sehe ich aber eher uns in Teisnach, sicher auch Viechtach als besser aufgestellt an.

Schlüter: Auch im Blick auf den demographischen Wandel ist ein Bahnanschluss hilfreich!

Röhrl: Auch diesen Mehrwert sehe ich nicht.

Schlüter: Ich kann im Zug lesen und reise entspannt.

Röhrl: Reisen ist etwas völlig anderes. Wir reden hier, wie ich vor Ort schnell von A nach B komme.

Auch das Argument Nutzen für den Tourismus durch eine Zuganbindung wird häufig genannt.

Schlüter: Der Urlauber schaut ins Internet, ob er mit dem Zug hinkommt. Wenn es in Viechtach und Teisnach Bahnhöfe gibt, dann hat das unbestritten Vorteile.

Röhrl: Wir schieben doch nur den Endbahnhof ein paar Kilometer weiter. Bis Kaikenried, Kollnburg oder Neunußberg kann der Urlauber auch dann nicht fahren. Da muss er immer umsteigen in einen Bus. Entscheidend ist, dass der Anschluss passt und pünktlich fährt. Die Länge der Busweiterfahrt spielt dann keine große Rolle mehr.

Schlüter: Ich sehe das anders. Die Schiene hat allgemein im ÖPNV einen hohen Stellenwert. Der Zug ist großräumig, behindertengerecht und umweltfreundlich. Darauf achtet der Urlauber. Sehen Sie nur, wie gut das mit dem GUTi läuft, das birgt enormes Potenzial auch im Altlandkreis Viechtach (GUTi ist das Gäste-Service-Umwelt-Ticket, mit dem Urlauber ohne Zusatzkosten unter anderem in der Waldbahn fahren können, Anm. der Redaktion). Noch dazu ist die Schiene bereits da und wir können sie als Entwicklungsachse nutzen. Auf den Stundentakt kann ich mich einstellen. Dazu braucht es dann ein Zubringersystem. Wir kommen mit dem Zug nicht nur besser in die Welt hinaus, sondern von außen kommt man auch besser zu uns herein.

Röhrl: Die Schiene ist starr; für unsere Weiler mit den weit verstreuten Siedlungen ist der Bus das viel flexiblere Verkehrsmittel.

Frau Röhrl, Sie haben gesagt, dass Sie in Teisnach mit dem Zug enorme Verkehrsprobleme befürchten.

Röhrl: Wir haben hier Kreisstraßen und Staatsstraßen Richtung Arnbruck und Bodenmais mitten im Ort mit 10000 Fahrzeugen täglich. Um den Verkehr im Fluss zu halten, haben wir in den vergangenen Jahren Kreisverkehre gebaut, getrennte Geh- und Radwege, Überquerungshilfen. Das würde mit stündlich fallenden Schranken wieder zunichte gemacht. Würde die Bahnlinie über die Viechtacher Mönchshofstraße verlaufen, hätten die hier die gleichen Probleme.

Schlüter: Wenn der Zug fährt und viele umsteigen, dann hätten Sie weniger Autos im Ort. Gerade Teisnach hätte doch viele Vorteile mit der stündlichen Anbindung sowohl Richtung Deggendorf, als auch Richtung Viechtach.

Röhrl: In Teisnach aber sind wir durch die Bahn massiv städtebaulich behindert.

Was wünschen Sie sich für den Bürgerentscheid am 8. Februar?

Röhrl: Ich wünsche mir, dass die Bürger das Angebot der Mitbestimmung nutzen und zahlreich teilnehmen. Und egal, wie es ausgeht, als Demokraten werden wir das Ergebnis akzeptieren und dann diskutieren, wie es weitergeht.

Schlüter: Die Menschen sollten abstimmen und sich dabei darüber im Klaren s
ein, dass sie eine Weichenstellung für die nächsten Jahrzehnte, mindestens für die nächste Generation treffen.

Das Redaktionsgespräch moderierte und protokollierte Redakteur Gunther Schlamminger.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 23.01.2015

LESERBRIEF
Ja zum Probebetrieb sichert Arbeitsplätze

Zum Artikel "Regentalbahn präsentiert Werkstatt als Kompetenzzentrum" am 22. Januar im Viechtacher Bayerwald-Boten:

"Den aufgestachelten Gegnern des Bahnprobebetriebs ist es anscheinend völlig egal, dass bei einer Ablehnung zirka 80 Arbeitsplätze in der RAG-Werkstatt und Verwaltung in Viechtach mittelfristig betroffen sein werden, dazu käme noch das zusätzliche Zugpersonal für den erforderlichen Bahnbetrieb Gotteszell-Viechtach. Nicht zu vergessen die Familienmitglieder der Betroffenen. Dass eine Bahnstrecke von 25 Kilometer nur zur Zuführung von Triebfahrzeugen zu Wartungsarbeiten und gelegentlichen Sonderverkehr durch die Wanderbahn nicht zu halten sein wird, ist aus Sicht eines gewinnorientierten Unternehmens wie die unter dem Unternehmen Netinera agierende Regentalbahn verständlich. Eine leistungsfähige, zentrale Werkstatt ist mit dem Standort Schwandorf seit 2007 vorhanden.

Dank damals ‚weitsichtiger Politiker‘ und des RAG-Vorstandes wurde 1991 die Bahnstrecke Viechtach-Blaibach (weiter nach Schwandorf) als zweite Zuführungsstrecke zur Werkstatt nach Viechtach stillgelegt und damit der Bau der Schwandorfer Werkstätte begünstigt. Die Vorteile eines vertakteten Bahnbetriebs mit Anschluss in Gotteszell an das Waldbahn- und DB-Netz wurden bereits mehrfach und ausführlich erläutert und in Infoabenden dargestellt. Der einzige Grund der Ablehnung des Probebetriebes ist der Schülerverkehr, der ernst genommen werden muss und mit einer intelligenten Bahn-Bus-Vernetzung auch machbar ist.

Das Aufhetzen von davon betroffenen Eltern ist (...) nicht förderlich, unmündige Kinder als Bahngegner in den Vordergrund zu stellen, geradezu lächerlich. Vermutlich soll nach dem Willen der Bürgermeisterin Teisnach schienenfrei und autogerecht ausgebaut werden. Ein regelmäßiger Zugverkehr stünde dem im Weg. Verlorene und nicht entstehende Arbeitsplätze in den Nachbargemeinden sind anscheinend egal, Teisnach ist dank namhafter Unternehmen davon nicht betroffen.

Die Waldbahnlinien nach Eisenstein, Bodenmais und Grafenau waren lange Zeit ebenfalls Sorgenkinder der Region, konnten aber durch Vertaktung, attraktive Preise und Triebfahrzeuge sowie das GUTi an Fahrgastzahlen enorm zulegen. Einzelne schwächer besetzte Züge und geringere Nachfrage in bestimmten Jahreszeiten sind in einem Taktsystem unvermeidlich. Die Übernahme der Betriebsführung der Waldbahnstrecken durch die Regentalbahn im Dezember 2013 kann man nur als Gewinn bezeichnen. Eingesetzte Fahrzeuge, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Service und Freundlichkeit des Personals sowie ein attraktives Preisangebot sind bestens. Darum ein Ja zum Bahnprobebetrieb Gotteszell-Viechtach, sonst ist der Zug im wahrsten Sinne endgültig für Viechtach und die qualifizierte RAG-Werkstätte abgefahren."

Hans-Jürgen Hackl, Zwiesel

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 22.01.2015

Regentalbahn präsentiert Werkstatt als Kompetenzzentrum
Geschäftsführer Kronstein führt MdB Alois Rainer und Go-Vit durch die Werkhallen –
Personenzüge ein wichtiger Baustein für die Wirtschaftlichkeit

Viechtach. Beeindruckt von der Bandbreite der Viechtacher Eisenbahnwerkstatt hat sich gestern Nachmittag der Bundestagsabgeordnete Alois Rainer bei einem Betriebsrundgang gezeigt. Gleichzeitig nutzte er den Termin, um sich zum wiederholten Male klar als Befürworter des Probebetriebs auf der Strecke Gotteszell - Viechtach zu positionieren.

Der Geschäftsführer aller Länderbahn-Werkstätten, Andreas Kronstein, führte den Politiker zusammen mit stv. Werksmeister Martin Wittmann, Betriebsrats-Vorsitzendem Ludwig Muhr und Länderbahn-Projektleiter Ostbayern Daniel Große-Verspohl durch die Werkhallen. Zusammen mit Rainer informierten sich auch Kreisrat Heinrich Schmidt und eine Abordnung des Mobilitäts-Vereins Go-Vit um dessen Vorsitzenden Wolfgang Schlüter über die aktuelle Auslastung des Betriebs. Sie sahen, dass derzeit zwei Reisezugwaggons (ein Speisewagen und ein Alex-Personenwagen) zur Instandsetzung in der Werkstatt aufgebockt sind. Drehgestelle werden untersucht und repariert, die Gummi-Lauffläche auf Radreifen aufgezogen. Auch "Power-Packs" von Triebwagen, das sind Motoren und Antriebsachsen inklusive Getriebe und Kühlung, oder auch Lokomotiven werden repariert. Daneben befinden sich Lackier- und Sandstrahlhalle, die auch Fremdaufträge abwickeln; zum Beispiel wurden zuletzt Mörtelsilos für eine Baufirma lackiert.

Kronstein erläuterte, dass es in Viechtach seit 1923 eine Bahn-Werkstatt gibt. Viechtach sei in der 1989 gegründeten Regental-Fahrzeugwerkstätten GmbH das Werk1, es folgen Werk2 in Neumark/Sachsen, Werk3 in Schwandorf, dann die kleinere Werkstatt in Zwiesel und der Außenstützpunkt Lam. Insgesamt seien in der Werkstatt Viechtach 45 Mitarbeiter beschäftigt, inklusive Verwaltung sind es 77 Arbeitsplätze am Standort. Dazu kommen sechs Auszubildende zum Industriemechaniker, demnächst erstmals ein Mädchen. Spontaner Kommentar Rainers dazu: "Das ist gut so!"

Auf Nachfrage sagte Kronstein dann, dass er den Probebetrieb befürworte, dass dieser aber nicht unmittelbar Voraussetzung für den Betrieb der Werkstatt sei. Jedoch bildeten regelmäßige Personenzüge einen wichtigen Mosaikstein für die Wirtschaftlichkeit des Standortes, die er jedes Jahr neu auf den Prüfstand stelle. Die Mitarbeiter, neben Industriemechanikern auch Schlosser und Elektriker, seien flexibel und durch zusätzliche Schulungen hoch qualifiziert – ein Kompetenzzentrum im Werkstattverbund der Länderbahn. Außerdem trat er dem Gerücht entgegen, dass der Standort Zwiesel für Viechtach eine Konkurrenz sei: Dieser biete eine völlig andere Bandbreite.

MdB Alois Rainer meinte, es wäre mehr als schade, falls dieses Know-How für die Region verloren ginge. Schon allein deshalb unterstütze er den Probebetrieb uneingeschränkt. Die Sorgen der Eltern durch die Verlagerung des Schülerverkehrs auf die Schiene erkannte er an, jedoch sei er sicher, dass hier Lösungen gefunden werden könnten. Sollte der Zug abgelehnt werden, werde es keinen Minister mehr geben, der hier Zusagen machen werde. Den Zugverkehr zu erhalten, sei deshalb neben intakten Straßen eine Grundvoraussetzung für die positive Entwicklung einer Region und von großer Bedeutung für den gesamten Landkreis.

− gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 21.01.2015

Bahnbefürworter informierten in der Gemeinde Böbrach
Etwa 30 Zuhörer bei Vortrag von Heinrich Schmidt und Dr. Wolfgang Schlüter –
Appell, am 8. Februar zur Wahl zu gehen

Böbrach. Gut 30 Gäste hatten sich im Gasthof Bayerwald eingefunden, um sich über die Problematik bei der Einführung des Bahnprobebetriebs auf der Strecke Viechtach–Gotteszell informieren zu lassen. Referenten und Gesprächspartner waren Kreisrat Heinrich Schmidt und Dr. Wolfgang Schlüter, Vorsitzender des Bahnfördervereins "Go Vit".

Schmidt erwähnte, dass dies bereits die dritte Infoveranstaltung in Böbrach sei und zeigte in einem interessanten Rückblick die Historie der Bahnentwicklung im Bayerischen Wald auf, insbesondere auch in Teisnach mit seiner Papierfabrik. Wer sich tiefer mit der Geschichte vertraut machen wolle, könne das bestens im Museum des renovierten Bahnhofs Bayerisch Eisenstein visuell nacherleben. Wolfgang Schlüter untermauerte mit auf Leinwand projizierten Schaubildern seinen Vortrag. Unverständnis zeigte er dafür, dass sich nach der anfänglichen Euphorie plötzlich Gemeinden wie Teisnach von dem Projekt verabschieden wollen. Dabei werde völlig außer Acht gelassen, dass Ältere, Jugendliche und Leute ohne Fahrzeug benachteiligt seien. Der ÖPNV sei im Altlandkreis Viechtach inhomogen, es müsse an Verbesserungen gearbeitet werden. Das Gäste-Umweltticket Guti habe Akzeptanz bei Urlaubern und sei in vielen Gemeinden bereits eingeführt. Auch Viechtach sei inzwischen beigetreten und Kollnburg und Bodenmais werden folgen. "Mit Guti sind 1000 Fahrgäste zu schaffen", ist Schlüter überzeugt. Im Übrigen sei Bayern das einzige Bundesland, das 1000 Fahrgäste pro Tag verlange.

In der anschließenden lebhaften Diskussion war vor allem die Schülerbeförderung ein Thema mit zu weiten Wegen zum Verkehrsmittel. Schmidt versuchte zu beruhigen und meinte, es werde keine Härtefälle geben. Unverständnis wurde auch laut über das Begehren von Schulkindern in Teisnach, den Probebetrieb zu unterbinden. Viele Kinder seien ja noch nicht einmal im Schulalter und danach kämen sie erst einmal in die Grundschulen. Von den 150 demonstrierenden Kindern vom Samstag dürften wohl die wenigsten derzeit von Beförderungsproblemen betroffen sein, meinte er. Schlussendlich verwiesen die Referenten eindringlich auf den Wahltermin am 8. Februar, dessen Ausgang von größter Bedeutung für den Altlandkreis wäre. Eine weitere Chance für die Reaktivierung der Bahnstrecke werde es nie mehr geben, so Heinrich Schmidt und Wolfgang Schlüter. − mi

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 19.01.2015

Gute Gründe für den Bahn-Probebetrieb aufgezeigt
Infoabende mit Dr. Wolfgang Schlüter und Heinrich Schmidt in Prackenbach und Kollnburg zum anstehenden Bürgerentscheid am 8. Februar

Prackenbach/Kollnburg. Zu Informationsabenden zum Thema Bahn-Probebetrieb haben Kreis- und Bezirksrat Heinrich Schmid und der Verein Go-Vit zusammen mit den örtlichen Bürgermeistern Andreas Eckl aus Prackenbach und und Josefa Schmid aus Kollnburg eingeladen.

Sowohl in Prackenbach, wo 40 Zuhörer gekommen waren, als auch in Kollnburg, wo rund 20 Besucher anwesend waren, referierte Dr. Wolfgang Schlüter vom Förderverein für nachhaltige Mobilität "Go-Vit" über die Vorteile einer Bahnanbindung. Einige der Interessenten in Prackenbach waren zunächst voreingenommen. Sie lehnten die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell ab. Doch Schmidt und Schlüter konnten sie von den Vorteilen einer Bahnverbindung überzeugen.

Heinrich Schmidt blickte einleitend auf die Anfänge der Bahn bis in der Zeit um 1860 zurück, als im Königreich Bayern die ersten Eisenbahnen gebaut wurden. Auf Grund der Initiative von örtlichen Persönlichkeiten und Unternehmern wurde der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Ostbahnen am 25. November 1872 die Genehmigung zum Bau der Bahnstrecke Plattling – Bayerisch Eisenstein erteilt. 1874 wurde mit dem Bau begonnen und 1877 die Stecke in Betrieb genommen. "Durch den Bau der Papierfabrik in Teisnach im Jahre 1881 erkannte man immer mehr die Notwendigkeit einer Bahnanbindung von Viechtach über Teisnach nach Gotteszell", berichtete er. Da der Bayerische Staat kein Geld zur Verfügung stellte, sei nur die Eigeninitiative geblieben. 1889 sei zur Finanzierung der Bahnstrecke die Aktiengesellschaft "Lokalbahn Gotteszell – Viechtach AG " gegründet worden. Der Bau dieser Bahnstrecke sei für die Entwicklung der Papierfabrik und der Gemeinde Teisnach von großer Bedeutung gewesen. Zur damaligen Zeit hatte der Betrieb 350 Arbeitskräfte, heute sind es immerhin auch noch etwa 200.

Schmidt stellte in seinem Vortrag klar heraus, welch große Auswirkungen eine Bahnanbindung für die Region, den Landkreis und die Gemeinden hat, und zeigte die vielen Vorteile einer Bahnverbindung auf, etwa die Mobilität für die Bürger, eine Verbesserung des Tourismusangebotes sowie die Nutzung eines umweltverträglichen Nahverkehrs und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Viechtach, denn während derzeit in der Werkstattzentrale der Regentalbahn 77 Arbeiter beschäftigt sind, würden bei der Bahnanbindung weitere 25 neue Arbeitsplätze geschaffen. "Wir erwarten, dass alle Gemeinden im Landkreis gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden sind und so an einer positiven Entwicklung teilnehmen", sagte Schmidt. Deshalb hätten sich mehrere Kreisräte und der Verein Go-Vit entschlossen, in Infoveranstaltungen die Bevölkerung über den Wert der Bahn für unsere Region zu informieren.

Prackenbachs Bürgermeister Andreas Eckl fand es sehr gut, dass sich die beiden Männer für die Aufklärung zur Verfügung stellen, da bei den Bürgern noch immer eine gewisse Unsicherheit vorhanden sei. "Wir müssen uns für den Altlandkreis Gedanken machen", meinte Eckl und stellte fest, dass dieser Probebetrieb für die Region ein Vorteil sei, wenn man bedenke, "dass unter anderem gerade für Schüler, Berufspendler, Behinderte und für den Tourismus die Bahn das ideale Verkehrsmittel darstellt". Wirtschaftlich gesehen entstehen bei einem erfolgreichen Probebetrieb für den Landkreis beim Betrieb der Bahn keine Kosten. Sollte die Bahn nicht reaktiviert werden können, müsse die Kosten für einen verbesserten öffentlichen Nahverkehr der Landkreis tragen, die er in Form der Kreisumlage auf die Gemeinden umlegen würde, wusste Eckl zu berichten. Deshalb sei beim Bürgerentscheid eine Zustimmung für den Probebetrieb die richtige Wahl.

Dr. Schlüter, der Vorsitzende des Fördervereins für nachhaltige Mobilität zwischen Gotteszell und Viechtach, merkte an, dass sich 2009 alle Kommunen des Landkreises an die Regierung in München gewandt hätten mit der Forderung "Wir brauchen die Bahn". Auch Minister Helmut Brunner habe sich dafür eingesetzt. So wurde ein Probebetrieb angeboten. Doch nach einem Kreistagsbeschluss stimmen nun die Bürger am 8. Februar 2015 über den Probebetrieb ab. Der Probebetrieb im Stundentakt von Viechtach nach Gotteszell soll bei einem Ja im Bürgerentscheid von 2016 bis 2018 stattfinden. Schlüter ging in seinem Vortrag außerdem auf den Klimawandel, Umweltschutz und Umweltbelastung, die Infrastruktur und den Bahnverkehr im Bereich Regen-Zwiesel-Bodenmais-Frauenau ein. Während dort die Igel-Buslinie floriere und die Menschen mit Bayerwaldticket, GUTI und mit Waldbahnticket reisen können, hätten die Menschen im Altlandkreis Viechtach immer noch eine schlechte Anbindung, so dass die Bürger zur Pkw-Nutzung gezwungen seien.

Damit der Probebetrieb erfolgreich ist, müssen 1000 Personenkilometer erreicht werden, andernfalls muss der Landkreis einen Eigenanteil von 10 Prozent der Kosten schultern. Schlüter ist optimistisch, dass die Fahrgastzahlen erreicht werden können, da Touristen mit dem GUTI-Ticket den Zug auf einer der reizvollsten Bahnstrecken Deutschlands nutzen können. Der in diesem Zusammenhang oft angesprochene Schülerverkehr ist für den Redner nur ein Aspekt, der mit den Gemeinden lösbar sei. Für Prackenbach etwa biete die Bahnanbindung mehr Mobilität für Kinder, Jugendliche, Behinderte und Senioren und bedeute für Betriebe mehr Wettbewerbsvorteile. Sie sei unter anderem zwingend notwendig für Azubis und Mitarbeiter ohne Führerschein. Letztendlich wirke sie einer Abwanderung entgegen und fördere die Zuwanderung.

Kollnburgs Bürgermeisterin Josefa Schmid betonte in ihrer Rede die Wichtigkeit eines Bahnanschlusses für den Tourismus im Viechtacher Land. Die Stadt Viechtach sei die einzige Stadt im gesamten Bayerischen Wald, die nicht direkt mit dem Zug erreichbar ist. "Dies stellt einen erheblichen Wettbewerbsnachteil für die Urlaubsregion dar. Viele Urlaubsgäste entscheiden sich im Vorfeld für eine andere Region, da ihnen eine Zuganreise nur bis Gotteszell mit anschließenden Bus- oder Taxitransfer zu beschwerlich beziehungsweise zu umständlich wäre", betonte sie. Kaufkraft und Wertschöpfung gingen somit verloren. Und diese Tendenz werde sich ohne Bahnanschluss zukünftig noch verstärken, da schon heute viele Großstädter kein eigenes Auto mehr besitzen und generell Urlaubsfahrten mit der Bahn unternehmen. Wie ihre Bürgermeisterkollegen des Viechtacher Landes sieht Schmid die Region auch deshalb benachteiligt, weil "ohne die Zuganbindung in Viechtach und Umgebung auch nicht die Möglichkeit" bestehe, die "diversen Reiseangebote der Deutschen Bahn wie das Bayern-Ticket oder regionale ÖPNV-Angebote in das regionale Tourismusmarketing zu integrieren und somit ökologisches Reisen zu fördern. Unter anderem aus diesem Grund sprach sie sich für den Bahn-Probebetrieb aus, über den sowohl in Kollnburg als auch in Prackenbach nach den Reden noch ausgiebig diskutiert wurde.

− mh/vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 19.01.2015

150 Eltern und Schüler sagen Nein zur Bahn
Bahngegner demonstrieren in Teisnach gegen einen Bahn-Probebetrieb –
Für Beibehaltung der Busbeförderung

Teisnach. Auch von Nieselregen und winterlicher Kälte haben sich am Samstagnachmittag rund 150 Bahngegner, in erster Linie betroffene Schüler und deren Eltern, aber auch eine ganze Reihe älterer Menschen, nicht abhalten lassen: Sie äußerten in Teisnach öffentlich ihren Unmut über die geplante Reaktivierung der Bahnstrecke Gotteszell – Viechtach und die damit verbundene Mehrbelastung für die Schulkinder auf dem Weg zu den weiterführenden Schulen in Viechtach.

Der Tenor war einhellig: Die Kinder sollten sich auf das Lernen konzentrieren können und nicht stundenlang durch die Heimat gondeln. Sollte beim Bürgerentscheid am 8. Februar der Probebetrieb eine Mehrheit finden, müssen viele Kinder laut den Bahngegnern täglich rund zwei Stunden für den Schulweg investieren. Das Konzept sieht vor, die Beförderung der Schulkinder vom ortsnahen Bus auf die weit entfernte Bahn umzustellen. "Jeder Erwachsene könne selbst entscheiden, ob er die Bahn nutzen möchte oder nicht. Nur die Kinder werden gezwungen. Das kann nicht sein", sagte der Geiersthaler Gemeinderat Thomas Gierl. Laut Gesetz sei ein Fußmarsch von bis zu drei Kilometern für ein Schulkind zumutbar. "Und das bei Wind und Wetter und mit einer Schultasche am Rücken, die sieben oder acht Kilogramm wiegt."

Bereits Ende Juli habe die Geiersthaler Bürgervertretung in öffentlicher Sitzung klar Stellung bezogen: "Der Gemeinderat Geiersthal ist grundsätzlich gegen die Beförderung der betroffenen Schüler mit der Bahn." Die Entscheidung fiel mit 13:2-Stimmen eindeutig aus. Dafür plädierten in namentlicher Abstimmung lediglich Günther Iglhaut und Josef Hartmannsgruber. "Auch die Teisnacher Bürger haben sich in einer Bürgerversammlung gegen das Vorhaben ausgesprochen", sagte Bürgermeisterin Rita Röhrl. Der öffentliche Personennahverkehr könne mit einem modernen Bussystem wesentlich verbessert werden. Entgegen den weiten Wegen zum nächsten Bahnhof seien Bushaltestellen flächendeckend vorhanden und auch für Kinder, Kranke und Ältere wesentlich leichter erreichbar.

"Zudem sollte nicht vergessen werden, dass bei einem Scheitern des Probebetriebs der Landkreis Regen mit mehreren hunderttausend Euro zur Kasse gebeten wird", sagte Rita Röhrl. Für die Ortsdurchfahrt Teisnach erwarte sie bei einem regelmäßigen Bahnverkehr außerdem enorme Wartezeiten an den beiden Bahnübergängen. Diskutiert wurde außerdem eine mögliche Alternative, sollte der Bahnbetrieb kommen. Da den Betroffenen bei einem unzumutbar langen Schulweg – über zwei Stunden am Tag – ein Schülerbeförderungszuschuss vom Landkreis zusteht, könnte eine eigene Buslinie von Teisnach über Geiersthal nach Viechtach zur Wendeplatte im Schulzentrum eingerichtet werden, hieß es.

− gi

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 17.01.2015

ÖDP: Einmalige Chance nicht vertun
Kreisvorstandschaft fordert Mobilitätskonzept auf Basis der Bahnlinie

Geiersthal. Was im Landkreis Tirschenreuth funktioniere, solle nach Meinung der ÖDP auch im Landkreis Regen möglich sein: ein Mobilitätskonzept, das allen Bürgern eine erhebliche Verbesserung der Lebensqualität garantiert. Der Bürgerentscheid am 8.Februar war dem gemäß das Hauptthema der Mitgliederversammlung beim Kramerwirt in Geiersthal.

Wie funktioniert die Mobilität in dem oberpfälzer Landkreis? Kreisrätin Brigitte Baueregger berichtete von einem ausführlichen Gespräch mit dem ÖPNV-Sachbearbeiter im Tirschenreuther Landratsamt. Konzeptentwickler dort wie auch im Landkreis Regen ist Dr. Thomas Huber von der RBO. Rückgrat der Mobilität ist die Bahn mit einem Stundentakt. Regelmäßige Zubringerverkehre bringen die Bevölkerung auch aus kleineren Gemeinden zu diesen Hauptlinien. Ein so genanntes "Baxi-System" ermögliche Bürgern nach einem Anruf auch Mobilität weg von und hin zu ganz kleinen Orten. Nun gehe es darum, so die ÖDP-Kreisräte, dass nicht nur im Altlandkreis Regen das Rückgrat Bahn existiere, auch im mobil vernachlässigten Altlandkreis Viechtach müssten gleiche Voraussetzungen geschaffen werden. Daher sollten die Bürger in ihrem eigenen Interesse am 8. Februar für den Probebetrieb entscheiden. Dann könnte bis zum Herbst 2016 auch im ganzen Landkreis das Tirschenreuther Erfolgsmodell entwickelt und angewandt werden.

Sollte sich die Bevölkerung gegen den Bahnprobebetrieb entscheiden, kämen auf den Landkreis für den ersatzweise angedachten Expressbus im Stundentakt geschätzte 600.000 Euro jährlich zu – ohne Kosten für Zubringerlinien. Wegen dieser hohen Kosten für den Expressbus befürchten die ÖDP-Mitglieder bei schwacher Auslastung nur einen kurzzeitigen Betrieb dieser Linien. Das Mobilitätskonzept als kurzes Strohfeuer müsse verhindert werden. Man wolle ein nachhaltiges und dauerhaftes Konzept, das gehe nur mit einem Bahnstundentakt als Basis. Wie die ÖDP weiter berichtet, übernehme die Finanzierung wie bei allen bayerischen Bahnstrecken – auch bei den vorhandenen Bahnstrecken im Landkreis Regen – der Freistaat Bayern. Solle man sich dieser millionenschweren Förderung nach jahrelangen Kampf wirklich verweigern?, fragen die Kommunalpolitiker.

Gegenüber dem Viechtacher Bayerwald-Boten brachte Kreisrätin Brigitte Baueregger ihr Unverständnis zum Ausdruck, warum Landrat Michael Adam nach der Anfrage des Bundes der Steuerzahler noch nicht klargestellt habe, dass es sich beim Bahnbetrieb gerade um keine Steuerverschwendung handele. Die Kreisräte erinnerten daran, dass im Jahr 2009 der gesamte Kreistag sowie Bürgermeister mit ihren Gemeinderäten in Resolutionen die Reaktivierung der Linie von Viechtach nach Gotteszell gefordert hatten. Aufgrund dieser partei- und gemeindeübergreifenden Willensbekundung damals habe Minister Helmut Brunner fünf Jahre lang für seinen Wahlkreis auf dieses Ziel hin gearbeitet. Blamabel wäre es, wenn nun kurz vor dem Ziel der Landkreis diese einmalige Chance ablehnen würde.

Unverständlich sei vor allem der Kampf der Gemeinde Teisnach gegen die Bahn, teilen die ÖDP-ler weiter mit. Der Aufsteigerort mit Campus und zukunftsgerichteter Industrie bekäme jetzt auch noch eine Straßenbahn. In Großstädten fahre die Tram im Fünf- und Zehn-Minuten-Takt, ohne dass der Verkehr zusammenbricht. Dass die Teisnacher für ihren Ort das schlimmste Verkehrsszenario befürchten, können die ÖDP-ler nicht nachvollziehen.

− vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 17.01.2015

Bahn-Probebetrieb: Bürger stellen Weichen
Landkreisweiter Entscheid am 8. Februar: Bürgermeister und Gemeinderäte aus dem Viechtacher Land sind pro Bahn

von Gunther Schlamminger

Viechtach/Regen. Drei Wochen noch, dann findet der erste landkreisweite Bürgerentscheid statt. Am 8. Februar will der Kreistag von den Bürgern in allen 24 Gemeinden wissen, ob sich der Landkreis am Bahn-Probebetrieb auf der Strecke Viechtach - Gotteszell beteiligen soll. Pünktlich zum Start der Briefabstimmung haben sich sechs 1.Bürgermeister und 48 Gemeinderäte aus dem Viechtacher Land gestern pro Bahn positioniert. Die Entscheidung sei zukunftsweisend, weil Personenzüge einen Mehrwert für die Region darstellten, schreiben sie in einem offenen Brief.

Grundsätzliches Ziel des Landkreises Regen ist es, den öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis, vor allem auch im Raum Viechtach, zu verbessern. Laut Mobilitätsgutachten ist ein Konzept mit regelmäßigen Personenzügen, wie es zwischen Regen, Zwiesel und Bodenmais bereits existiert, auch für das Viechtacher Land am kostengünstigsten: Die Kosten für den Zug trägt grundsätzlich der Freistaat. Zugverkehr ist die billigere VarianteDie Alternative zum Bahnanschluss wäre für Viechtach ein Expressbus als Anschluss an den Bahnhof in Gotteszell, der den Landkreis pro Jahr rund 600.000 Euro kosten würde. Weil nun der bayerische Verkehrsminister Joachim Herrmann zunächst nur einen zweijährigen Probebetrieb für Viechtach-Gotteszell zugesagt hat und vom Landkreis dafür zehn Prozent der Kosten verlangt, wären im Falle des Scheiterns des Probebetriebs laut Schätzungen mindestens 200.000 Euro pro Jahr, maximal 400.000 Euro pro Jahr aus der Region zu bezahlen, also immer noch weniger als für den Expressbus, sagte gestern Nachmittag Viechtachs 3. Bürgermeister Christian Zeitlhöfler, als er den Offenen Brief übermittelte. Darin erläutern Franz Wittmann (Viechtach), Josefa Schmid (Kollnburg), Andreas Eckl (Prackenbach), Werner Blüml (Böbrach), Johann Hutter (Drachselsried) und Hermann Brandl (Arnbruck) die Vorteile des Anschlusses an das Schienennetz für ihre Gemeinden. Zudem würde Teisnach mit seinem zentralen Zustieg im Stundentakt sowohl an Viechtach, als auch an Deggendorf angebunden.

Kreistag hat Ja zur Bahn empfohlenDen Unterzeichnern ist klar, dass die Veränderung des Status Quo immer Vor- und Nachteile bringe; eine Anspielung sicher auf die Befürchtungen einiger Eltern, dass ihre Kinder mit dem Umsteigen auf die Bahn Nachteile hätten oder Gefahren auf dem Schulweg ausgesetzt wären. "Am Ende muss man sich jedoch dafür entscheiden, was für die Mehrheit der Bürger am besten ist". Auch der Kreistag habe den Mehrwert der Bahn erkannt und nach dem Ja zum Bürgerentscheid mit großer Mehrheit den Bürgern ein Ja zum Bahn-Probebetrieb empfohlen. So würde der Bahnanschluss die kulturellen Angebote Regens, Zwiesels und Viechtachs miteinander verbinden, die Kreiskrankenhäuser mit ihren unterschiedlichen medizinischen Schwerpunkten würden besser vernetzt. Schüler und Studenten erhielten eine flexiblere Gestaltung der Ausbildung und Freizeit. Viele Stadtbewohner würden heute auf ein Auto verzichten und kämen leichter in die Heimat. Auch für eine alternde Gesellschaft biete die Bahn einen Zugewinn. Fazit des Schreibens: "Ein ÖPNV mit der Bahnlinie Gotteszell-Viechtach kombiniert mit Zubringerbussen erzeugt eine neue Mobilitäts- und Entwicklungsachse mit starken Synergieeffekten und ökonomischen Gewinnen. Wenn wir die historische Chance beim Bürgerentscheid nicht nutzen, werden wir keine weitere mehr erhalten!"

Unterzeichner des Briefes

Viechtach: 1. Bürgermeister Franz Wittmann, 2. Bürgermeister Hans Greil, 3. Bürgermeister Christian Zeitlhöfler, Stadträte Benjamin Striegan, Alois Pinzl, Manfred Augustin, Walter Weihmann, Helmut Preiß, Christine Hagengruber, Georg Bruckner, Edwin Schedlbauer, August Wanninger, Anton Alt, Stefan Brücklmayer, Ludwig Ernst, Sepp Frisch, Birgit Nistler, Walter Schlicht, Belinda Kufner, Robert Pangerl, Hans Wühr.

Kollnburg: 1. Bürgermeisterin Josefa Schmid, 3. Bürgermeister Josef Klimmer, Gemeinderäte Herbert Preuß, Werner Wilhelm, Edith Steinbauer, Hermann Graßl, Franziska Englmeier, Johann Reiner, Thomas Kapfhammer, Robert Wolf.

Prackenbach: 1. Bürgermeister Andreas Eckl, Gemeinderäte Peter Kuhn, Alfons Krieger, Franz Pongratz, Eberhard Preiß, Reinhold Högerl.

Böbrach: 1. Bürgermeister Werner Blüml, Gemeinderäte Franz Muhr, Josef Weindl, Josef Trauner, Josef Arweck, Heinrich Trauner, Helmut Hagengruber, Christian Klampfl, Erich Aschenbrenner, Seniorenbeauftragter Peter Haug.

Geiersthal: Gemeinderäte Günter Iglhaut, Josef Hartmannsgruber.

Arnbruck: 1. Bürgermeister Hermann Brandl.

Teisnach: Marktrat Horst Blüml.

Drachselsried: 1. Bürgermeister Johann Hutter.

Ruhmannsfelden: Markträte Michael Vogl, Heinrich Gierl.