Bayerns schönste Eisenbahnstrecke.
Die bayerwaldbahn Gotteszell — Teisnach — Viechtach. 

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Warum mindestens 1.000 Fahrgäste?

Die Zahl von mindestens 1.000 Fahrgästen pro Tag ist eine vom bayerischen Ministerium willkürlich erfundene Grenze, die viele andere Strecken in Bayern heute nicht erreichen. Nach dieser Logik müsste der Verkehr dort schon seit Jahren ruhen. In anderen Bundesländern begnügt man sich mit weitaus realistischeren Grenzwerten. In Niedersachsen liegt er zum Beispiel bei nur 600. Hier sollte die Regionalpolitik ansetzen und kritische Fragen an den bayerischen Ministerpräsidenten stellen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die vom Bund überwiesenen Regionalisierungsmittel für ÖPNV auf Schienen mehr als ausreichend sind. Auch ist es unsinnig, bei einem Probebetrieb den ganzen Schülerverkehr zeitweise und befristet auf die Bahn zu verlegen. Ohne weiteres wäre es möglich gewesen, die geforderte Zahl ohne Schüler niedriger anzusetzen. Leider hat sich dabei gerade der Landrat von Regen nicht ausreichend informiert und unzureichend verhandelt. Wie sonst kann man sich auf 10% Beteiligung einlassen, ohne die genaue Summe in ihrer Höhe zu kennen?

Wer bezahlt sichere Bahnübergänge?

Dafür gibt es das Eisenbahnkreuzungsgesetz, das Drittelung der Kosten vorsieht. Nur wenn eine stark befahrene Straße auf stark befahrene Gleise trifft, sind Ampeln und ggf. Halbschranken nötig. Erst wenn die Festlegung dafür getroffen wurde, sind die Kosten wie folgt aufzuteilen: 1/3 durch Regentalbahn, 1/3 der für NE-Bahnen zuständige Freistaat und 1/3 von dem jeweiligen Straßenbaulastträger. Das kann der Bund, der Kreis oder die Gemeinde sein. Im Falle von Teisnach kommen so höchstens fünfstellige Euro-Beträge zusammen. Bei einem Stundentakt sind die Ampeln zwei Mal zwei Minuten rot. Wie es da in einem unbedeutenden Kaff zu Autostaus kommen soll? Das wissen nur die Götter. Und Bürgermeisterinnen, die die Bahngleise aus ihrem Ort heraus haben wollen.

Was, wenn der Probebetrieb scheitert?

Erst einmal nicht viel. Der Status Quo wird beibehalten und so werden auch weiterhin nur sonntags die musealen Fahrten der Wanderbahn im Regental stattfinden. Die Alternative eines flächendeckenden Busverkehrs wird nicht finanzierbar sein. Mit viel Glück schafft man es im Landratsamt Regen, mehr Fahrten der Busse auf heutigen Linien zu finanzieren. Bald aber wird man merken, dass der Busverkehr nicht ausreichend von den Menschen angenommen wird. Kein Rollstuhl, kein Kinderwagen, kein großes Gepäck passt da hinein. Keine Toilette, bei Schnee und Eis kein Vorankommen auf den Straßen. Vor allem keine Vernetzung mit der Waldbahn, wo man umsteigen könnte. Die Busse, die heute von Deggendorf nach Viechtach fahren, halten nicht am Bahnhof in Gotteszell! Auch ist es niemand ernsthaft zuzumuten, in einem völlig überfüllten Schulbus mit zu fahren, wie in den Fahrplänen aber angeboten. Am Ende wird auch die Regentalbahn den Standort Viechtach und damit die Bahnstrecke aufgeben wollen.

Wie könnte ein Radweg daraus werden?

Die Bahngleise zu entfernen und einen Radweg darauf zu bauen, ist nicht so einfach, wie sich manche Politikerin aus der Provinz das vorstellt. Sollte eine Bahntrasse an eine Gemeinde verkauft werden, so kann sie noch lange nicht die Gleise darauf entfernen. Erst bedarf es einem Entwidmungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt. Dabei werden Bahnbetreiber in ganz Europa angefragt, ob sie Interesse daran haben, einen Zugverkehr auf dieser Strecke durchzuführen. Falls ja, muss der Eigentümer der Bahnlinie diese laufend instandhalten oder sogar viel Geld für den Austausch von Gleisen investieren. Im Falle von Gotteszell - Viechtach sind Bahnbetreiber bekannt, die die Strecke weiter befahren wollen. Und es gibt einen sehr umkämpften Präzedenzfall, die Wiehltalbahn im Rheinland, die durch höchstrichterliches Urteil ihren Erhalt bestätigt bekam.