Bayerns schönste Eisenbahnstrecke.
Die bayerwaldbahn Gotteszell — Teisnach — Viechtach. 

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Warum wurde die Bahn 1991 eingestellt?

Wegen zu wenigen Fahrgästen? Nein, da auch vergleichbare Strecken, wie z.B. nach Grafenau nachweislich weit weniger Reisende zählten. Der Grund für die Einstellung war im Wesentlichen ein anderer. Näheres erfährt man, wenn man in alten Zeitungen blättert. Dazu muss man wissen, dass diese Strecken der privaten Regentalbahn AG gehören, deren große Aktienmehrheit früher der bayerischen Staat besaß.

Mitte Dezember 1990 gab es eine Sitzung des Aufsichtsrates der Regentalbahn AG in München. Zum 6-köpfigen Gremium zählten je ein Vertreter der Deutschen Bundesbahn, des bayerischen Wirtschafts- und des Finanzministeriums, zwei Arbeitnehmer der RAG und MdL Josef Niedermayer für die Stadt Viechtach. Für Bus- und Bahnverkehr benötigte die RAG nach Kalkulation von Vorstand Willi Höppner Zuschüsse in Höhe von 2,8 Mio. DM, während der Freistaat nur 1,8 Mio. DM zusicherte. Höppner stellte daher einen Antrag auf Einstellung des Verkehrs zwischen Viechtach und Blaibach. Dieses Ansinnen wurde infolge gleicher Anzahl von Stimmen Pro/Kontra abgelehnt.

Zurück gehende Fahrgastzahlen waren dem schlechten Fahrplanangebot zu verdanken, das Vorstand Höppner ganz bewusst nicht verbessern wollte. Von Viechtach aus verkehrten im letzten Fahrplan (Winter) von Montag bis Freitag nur jeweils drei Züge nach Gotteszell bzw. Blaibach, an Samstagen nur jeweils zwei und an Sonntagen gar keiner mehr. Hinzu kam, dass man Fahrgäste in Viechtach mehrere Stunden warten ließ, wenn sie von Gotteszell nach Blaibach oder umgekehrt kommen wollten. Anfang der 1990er Jahre wiesen allerdings alle Nebenbahnen im Bayerischen Wald ähnlich dünne Fahrplanangebote auf.

Der eigentliche Grund für die Stilllegungspolitik des Vorstands Höppner lag in der absehbaren Beauftragung 1992 von Nahverkehrsleistungen durch den Freistaat Bayern auf der DB Strecke von Cham nach Waldmünchen. Auf ausdrückliches Drängen der Deutschen Bundesbahn, die hier mangels Rentabilität nicht mehr fahren wollte. Ein Jahr später folgten Zwiesel – Grafenau und Zwiesel – Bodenmais. Dafür benötigte die RAG Fahrzeuge, die sie kurzfristig und dauerhaft nur verfügbar hatte, wenn sie den Betrieb auf eigenen Linien einstellte. Denn um 1990 gab es in Deutschland noch keinen Markt für moderne Triebwagen und der Bau neuer Fahrzeuge wäre nur beim Kauf einer größeren Stückzahl mit Lieferung nach mehreren Jahren möglich gewesen.

Anfang 1991 standen der Regentalbahn sechs einsatzbereite Triebwagen zur Verfügung. Drei wurden für Lam – Cham und Schülerzug Lam – Kötzting, zwei für Gotteszell – Blaibach benötigt, einer war Reserve (im gleichen Jahr an eine Werksbahn verkauft). Dann im Jahre 1993 fuhren drei Triebwagen auf den Zwieseler Nebenstrecken, einer zwischen Cham und Waldmünchen und einer zwischen Lam und Cham. Der erwähnte Kötztinger Schülerzug wurde nun von einer Diesellok mit vorhandenen Wagen übernommen. Für Vorstand Höppner zeigte die neue Lösung sehr angenehme persönliche Vorteile. Seine Tantiemen aus den ausgehandelten Zugleistungen verschafften ihm bald ein Spitzengehalt. Und dem Freistaat den Vorwurf eines Selbstbedienungsladens, des “Geld-Regentals”.

Mitarbeiter und Bewohner hingegen wurden so mehrfach bestraft: Gehälter wurden nicht erhöht, der Zugverkehr ganz eingestellt und das 1889 gegründete und sehr traditionsreiche Unternehmen im Jahre 2004 für 60 Millionen Euro verkauft. Von den Erlösen sah die Region dagegen nichts. Damals hatte man es versäumt, einen zeitgemäßen ÖPNV einzufordern.