Bayerns schönste Eisenbahnstrecke.
Die bayerwaldbahn Gotteszell — Teisnach — Viechtach. 

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Pressestimmen der Jahre 2009 und 2010

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 29.12.2010

Staatsregierung behält die Zukunft der Regentalbahn im Auge
Zum Ende des Jahres 2010 endet der Bestandsschutz -
Sprecherin der Staatskanzlei schließt Eingreifen nicht aus

Von Gunther Schlamminger

Viechtach. Sorgenvoll blicken rund 100 Beschäftigte der Regentalbahn AG in die Zukunft. Nur bis Ende des Jahres 2010 ist noch vertraglich festgeschrieben, dass ihre Arbeitsplätze in Viechtach erhalten bleiben müssen. Das hatte der Freistaat Bayern im Jahre 2004 beim Verkauf seiner Aktienanteile an den britischen Arriva-Konzern festgelegt. Eine Sprecherin der Staatskanzlei versicherte jetzt gegenüber dem Viechtacher Bayerwald-Boten: „Die Staatsregierung behält die Entwicklung auch in Zukunft im Auge und wird gegebenenfalls reagieren“.

Es ist eine der großen Sorgen, die im Kampf um die Wiederbestellung von Personenzügen zwischen Gotteszell und Viechtach stets mitschwang. Dass im Falle eines Nein des Verkehrsministers die Arbeitsplätze in der Viechtacher Werkstatt im Feuer stehen könnten. Denn bisher fahren fast täglich Triebwagen nach Viechtach zur Inspektion. Wegen des Bestandsschutzes musste dafür auch der seit 1991 nicht mehr mit Personenzügen bediente 25 Kilometer lange Streckenabschnitt erhalten werden. Werkstattverkehr allein würde über 2010 hinaus betriebswirtschaftlich nicht ausreichen, die Werkstatt also über kurz oder lang geschlossen werden, so die Befürchtung unter anderem von Betriebsrats-Chef Friedrich Geier.

Bekanntlich ist es so gekommen, Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) hat sich gegen Personenverkehr auf der Strecke ausgesprochen. Die Gefahr des Verlusts von Arbeitsplätzen hat nach seiner Einschätzung nicht unmittelbar mit dem Personenverkehr zu tun. Vielmehr sei dies allein eine unternehmerische Entscheidung. Regentalbahn-Vorstand Gerhard Knöbel hatte zuletzt stets betont, dass diesbezüglich in seinem Hause noch keine Entscheidung gefallen sei. Jedoch machte er keinen Hehl daraus, dass die Bestellung von Personenzügen ein wichtiger, positiver Entscheidungsfaktor sein könnte.

„Unternehmerische Entscheidungen kann die Bayerische Staatsregierung selbstverständlich nicht vorhersehen“, sagte jetzt die stellvertretende Pressesprecherin des Ministerpräsidenten und der Staatsregierung, Barbara Schepanek, auf Anfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten. Derzeit lägen der Staatsregierung allerdings keine konkreten Anhaltspunkte vor, dass eine Schließung unmittelbar bevorstehe. Die Streckenlast werde auch künftig in die unternehmerische Kalkulation der Regentalbahn AG einfließen. „Die Staatsregierung hofft und erwartet auch ein bisschen, dass das Werk in Viechtach erhalten bleibt“, sagte Schepanek. Letztlich bleibe dies aber immer eine unternehmerische Entscheidung, wenn auch die Staatsregierung im Sinne der Arbeitsplätze bei Bedarf reagieren werde.

Befragt zur Verwendung der rund 60 Millionen Euro, die der Freistaat aus dem Verkauf vor sechs Jahren erlöst hat, sagte die Sprecherin, dass diese Mittel inzwischen aufgebraucht seien. 40 Millionen Euro davon flossen in konkrete Projekte kleiner und mittlerer Betriebe. Wieviel dieser Wirtschaftsförderung direkt nach Viechtach oder zumindest in den Landkreis Regen geflossen sei, könne aus Datenschutzgründen nicht exakt beziffert werden. Daneben seien 12,4 Millionen Euro in den Straßenbau in der Region gesteckt worden, vor allem in Staatsstraßen. Weitere sieben Millionen Euro waren für den Ausbau des Regionalflughafens Hof-Plauen vorgesehen.

Restmittel für die eventuelle Finanzierung von Personenverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell gebe es nicht mehr. Wegen fehlendem Fahrgastpotenzial sehe hier Wirtschaftsminister Zeil auch keine Reaktivierungsmöglichkeit, verweist die Sprecherin der Staatskanzlei auf die bekannte Einschätzung im zuständigen Fachministerium. Zusätzliche Brisanz bezieht die Situation, weil die Deutsche Bahn nach der Übernahme des Arriva-Konzerns im Sommer von der EU aus Wettbewerbsgründen die Auflage erhalten hatte, dessen Deutschlandgeschäft weiterzuveräußern. Laut einer Mitteilung der Bahn von Anfang Dezember soll die italienische Bahn „Ferrovie dello Stato (FS)“ das Zug- und Busverkehrsunternehmen Arriva Deutschland und damit auch die Regentalbahn AG übernehmen. Die Betriebsräte hatten zuletzt die Politik aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass die Bahn in den Verkaufsvertrag einen Bestandsschutz von zwei Jahren für Arbeitsplätze und Tarifstrukturen festschreibt. Laut Agenturmeldungen steht der Verkauf noch unter dem Vorbehalt, dass die Europäische Kommission zustimmt und das Geschäft kartellrechtlich freigegeben wird. Damit sei voraussichtlich im ersten Quartal 2011 zu rechnen.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 22.12.2010

Bahn: Ministerium gibt weitere Erläuterungen
MdB Hinsken schlägt Probebetrieb vor:
Strecke Viechtach - Gotteszell „Attraktion für Tourismus im gesamten Bayerischen Wald“

Von Gunther Schlamminger

Viechtach. Auch eine Woche nach Bekanntwerden der Entscheidung von Staatsminister Martin Zeil, die Wiederbestellung von regulärem Bahnverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell abzulehnen, sind Enttäuschung und Unverständnis über die Vorgehensweise des Ministers in der Region groß. Zeil hatte lediglich mit seinem Kabinettskollegen Helmut Brunner persönlich über seine Ablehnung gesprochen, der Landrat erhielt ein entsprechendes Schreiben mit Datum 15. Dezember. Das seit der ersten Besprechung im Sommer angekündigte zweite Gespräch mit Vertretern aus der Region, in dem die Prognosen und ihre Bewertung vorgestellt werden sollten, fand dagegen nicht statt.

Noch am 1. Dezember hatte der Viechtacher Bayerwald-Bote aus der Pressestelle des Verkehrsministeriums die Information erhalten, dass die Daten in einer Besprechung mit den Vertretern aus der Region vorgestellt werden sollten. Hierzu sei noch kein Termin vereinbart. Auf Basis dieses Gesprächs werde das Bayerische Verkehrsministerium schließlich eine Entscheidung treffen.

Am Montagabend erreichte die Redaktion nun die Information aus der Pressestelle, dass dort nichts über Zusagen zu einem weiteren Gespräch bekannt sei. „Selbstverständlich war es ausgemacht, dass es ein weiteres Gespräch gibt - wenn die neue Prognose vorliegt“, erinnert sich Wanderbahnvereins-Vorsitzender Arnulf Baier noch genau an die erste Besprechung im Sommer 2010. Viechtachs Bürgermeister Georg Bruckner konnte gestern ergänzen, dass das erste Gespräch kurz vor der Diskussionsphase abgebrochen werden musste. Deshalb vertagte man sich auf einen neuen Termin, sobald dann alle Daten vorliegen würden.

MdB Ernst Hinsken hat den Minister nun in einem Schreiben um nähere Auskunft gebeten, welche Grundlagen er für seine Ablehnung herangezogen habe. „Wir waren ja in München, und ich habe mich in mehreren Briefen eingesetzt, da ist es üblich, dass man persönlich informiert wird“, sagte Hinsken in einem Pressegespräch. Zeils Entscheidung hatte der Abgeordnete aber bis Anfang der Woche nur aus der Presse entnommen. Hinsken bat Zeil schriftlich darum, zumindest einem Probebetrieb von zwei bis drei Jahren auf der Strecke zuzustimmen. Schließlich seien die Voraussetzungen zur Nutzung der Bahnstrecke, bis auf kleine Einzelheiten, alle vorhanden, so Hinsken. Und: „Es braucht ja kein neues Gleis verlegt zu werden“. Niemand könne zum jetzigen Zeitpunkt sagen, ob diese dann fahrenden Züge insbesondere von Urlaubsgästen genutzt werden würden. Die Bahnstrecke sei nämlich eine der schönsten überhaupt und dies sei eine Attraktion für den Tourismus im gesamten Bayerischen Wald. Erst nach dem Probebetrieb sollte endgültig entschieden werden, empfiehlt der Bundestagsabgeordnete.

Unterdessen hat die Pressestelle des Bayerischen Verkehrsministeriums auf Anfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten näher erläutert, auf welcher Basis Minister Zeil seine Entscheidung getroffen hat. Demnach lagen ihr Untersuchungen des Potenzials für die Reaktivierung sowie eine ergänzende Untersuchung zum Gäste-Umwelt-Ticket (GUTi) zugrunde. Daraus ergäben sich auf dem vermutlich am stärksten genutzten Abschnitt zwischen Gotteszell und Ruhmannsfelden 310 Reisende täglich. Durch GUTi zwanzig Prozent mehr, also 370. Dies liege unter dem Grenzwert von 1000 Fahrgästen täglich. Wie Minister Zeil dem Landrat schrieb, ist dieser Grenzwert nicht willkürlich gewählt. Vielmehr werde diese Zahl zum Beispiel vom Eisenbahn-Bundesamt genutzt, um die Wirtschaftlichkeit von Eisenbahnstrecken zu beurteilen. Die während der Besprechung im Sommer genannten 530 Fahrgäste bezogen sich auf die Ein- und Aussteiger pro Tag auf der gesamten Strecke. Diese Zahl sei lediglich Grundlage für die Ermittlung der Auslastung, erläuterte die Pressestelle jetzt weiter. Die getroffene Aussage zum vermutlich meist frequentierten Abschnitt Gotteszell - Ruhmannsfelden sollte lediglich verdeutlichen, dass die übrigen Streckenabschnitte noch weiter unter diesem Wert liegen dürften.

Zwei Wochen vor Bekanntwerden von Zeils Entscheidung war die Ausschreibung für die Ostbayernbahnen gestartet worden. Darin hatte es geheißen: „Mangels belastbarer technischer und wirtschaftlicher Daten zur Infrastruktur liegt derzeit keine Ausschreibungsreife für diese Strecke vor.“ Auf Nachfrage wurde nun erläutert, dass seither keine neuen Infrastrukturdaten erhoben wurden. Mit der damaligen Formulierung sei zum Ausdruck gebracht worden, dass auf der heutigen Strecke nicht ohne weiteres Schienenpersonennahverkehr bestellt werden könne. „Untersuchungen zum Umfang notwendiger Investitionen in die Infrastruktur erübrigen sich, da sich abzeichnete, dass das Kriterium einer ausreichenden Fahrgastprognose nicht erreicht würde“, heißt es jetzt aus der Pressestelle. Im übrigen sei mit der Ausschreibung ein um zwanzig Prozent höheres Schienenangebot verbunden. Damit fördere die Staatsregierung einen attraktiven öffentlichen Personennahverkehr in diesem ländlichen Raum. Für Gotteszell - Viechtach sei aber der Bus das wirtschaftlichere Verkehrsmittel. Damit „bekommt die Region ein attraktives und bedarfsgerechtes Verkehrsangebot, das sehr wohl zur Stärkung des ländlichen Raumes beiträgt“, ist man im Verkehrsministerium überzeugt.

Die genannten Kosten von einer Million Euro jährlich für Personenzüge zwischen Viechtach und Gotteszell errechnen sich aus Bestellentgelten an die Verkehrsunternehmen, die der Freistaat bezahlen müsse. Die Pressestelle: „Diese ergeben sich aus einem Betrag je Kilometer multipliziert mit der bestellten jährlichen Verkehrsleistung. Es handelt sich daher um kein Defizit, sondern um das prognostizierte Bestellerentgelt, das ein Zweistundentakt den Steuerzahler pro Jahr kosten würde“. Arnulf Baier, Vorsitzender des Wanderbahn-Vereins, weist dazu darauf hin, dass diese Entgelte für sämtliche Zugkilometer auf allen Strecken anfallen, also keine Besonderheit für die Strecke Viechtach - Gotteszell darstellen. Die Tatsache, dass Minister Zeil Landrat Wölfl über seine Entscheidung ausgerechnet am 15. Dezember informierte, als er seine Ablehnung am Abend in einem Fernseh-Interview in der Sendung „Jetzt red i“ begründete, steht laut Ministerium „in keinerlei thematischem Zusammenhang“. Die Entscheidung sei auf Grundlage der Prognose und der anschließenden fachlichen Bewertung gefallen. Und: „Im Interesse einer transparenten Information war es geboten, das Ergebnis der Prüfungen zeitnah zu veröffentlichen.“

Laut Landrat Heinz Wölfl sollte man sich in Ruhe überlegen, wie man weiter vorgehen könne. „Wir brauchen weiter eine Phalanx hinter unserem Helmut Brunner, wie sie bisher schon bestanden hat“, sagt MdB Ernst Hinsken. Der örtliche Abgeordnete und Kabinettskollege von Martin Zeil gibt sich dagegen bedeckt: „Zunächst ist der Zug abgefahren“. Sprechen könne man aber sicher immer über alles, meint Landwirtschaftsminister Brunner.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 17.12.2010

Wut und Enttäuschung über Minister-Nein zur Bahnstrecke
Örtliche Politiker, Bahnbefürworter und Mitarbeiter der Regentalbahn AG bemängeln fehlende Transparenz der Entscheidung und zweifeln Zahlen an

Von Daniela Albrecht

Viechtach. Eine „Riesensauerei“, „große Enttäuschung“ und „nicht nachvollziehbar“ ist die Entscheidung des Bayerischen Wirtschaftsministers Martin Zeil (FDP), die Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell nicht zu reaktivieren, in den Augen örtlicher Politiker und Bahnfreunde. Wie eine Umfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten gestern ergeben hat, sitzt der Schock bei den Betroffenen in der Region auch einen Tag nach Bekanntwerden des „Minister-Neins“ noch tief.

Wie berichtet, hatte Zeil in einem Brief an Regens Landrat Heinz Wölfl mitgeteilt, dass er aus wirtschaftlichen Gründen eine Reaktivierung der Strecke zwischen Viechtach und Gotteszell ablehnt, weil die „Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs auf dieser Strecke wirtschaftlich angesichts der zu erwartenden Fahrgastzahlen nicht zu rechtfertigen ist“. Die Untersuchung der Fahrgastpotenziale der Strecke hätten ergeben, dass auf dem Abschnitt zwischen Gotteszell und Ruhmannsfelden, dem nachfragestärksten Abschnitt, etwa 310 Fahrgäste pro Tag zu erwarten wären. Zu wenig für Zeil, der eignen Worten zufolge eine „Messlatte von 1000 Fahrgästen pro Tag im Durchschnitt auf der gesamten Strecke“ als Maßstab für eine Reaktivierung zugrunde legt. Diese Messlatte würden die Fahrgastzahlen auch nicht überspringen, wenn man die Auswirkungen des Gäste-Umwelt-Tickets („GUTi“) in die Überlegungen miteinbezieht. Dem gegenüber stünden Kosten von eine Million Euro, die der Freistaat aufbringen müsste dafür, dass Züge im Zweistunden-Takt zwischen Viechtach und Gotteszell verkehren.

„Unverständlich“ sind all diese vom Wirtschaftsminister aufgeführten Zahlen für Arnulf Baier. Der Vorsitzende des Vereins Wanderbahn im Regental war im Juni dieses Jahres mit Vertretern der Region bei Minister Zeil im Wirtschaftsministerium. „Damals wurden uns in einer ersten Fahrgastprognose 530 zu erwartende Fahrgäste mitgeteilt“, erklärte Baier im Gespräch mit dem Viechtacher Bayerwald-Boten. Man habe sich daraufhin verständigt, ein zweites Gutachten zu erstellen mit den zu erwartenden GUTi-Effekten. „Und nun kam dieses Gutachten mit Steigerungen durch GUTi auf 370 Fahrgäste und damit zu einem Ergebnis deutlich unter den ursprünglich prognostizierten 530. Wie kann das denn sein?“, fragt sich der Wanderbahn-Vorsitzende.

Eine Antwort auf viele offene Fragen hätte auch Gerhard Knöbel, Vorstand der Regentalbahn AG, gerne. „Mir fehlt es hier an Transparenz. Die Entscheidung des Ministers ist für mich unverständlich und schwer nachvollziehbar“, sagt Knöbel. Er fordert deshalb, dass die Hintergründe, die zu Zeils „Nein“ zur Reaktivierung geführt haben, erläutert werden; das sei man der Region schuldig. Wie es mit der Strecke zwischen Viechtach und Gotteszell, die sich im Eigentum der Regentalbahn AG befindet, und mit der Werkstatt weitergehe, könne er noch nicht sagen, erklärte der Vorstand der Regentalbahn AG.

Schwerwiegende Konsequenzen für das Instandhaltungswerk in Viechtach befürchtet Friedrich Geier. „Der Minister hat entschieden, dass die Werkstatt möglicherweise stirbt“, meint der Betriebsratsvorsitzende der Regentalbahn AG. Geier ist sichtlich enttäuscht. „So viele haben für eine Reaktivierung der Strecke gekämpft. Politiker haben sich parteiübergreifend eingesetzt, doch es hat trotzdem nicht gereicht, Wirtschaftsminister Zeil zu überzeugen, das ist traurig“, sagte er. Überraschend sei die schlechte Nachricht aus München für ihn aber nicht gekommen. „Ich habe fast schon damit gerechnet, weil die Zeichen aus dem Ministerium für mich in diese Richtung gedeutet haben“, meinte Geier.
Viechtachs Bürgermeister Georg Bruckner dagegen traf die Nachricht aus München völlig unvorbereitet. „Das ist eine Riesenenttäuschung, das Verhalten des Ministeriums halte ich für eine Riesensauerei“, sagte er auf Nachfrage. Beim Gespräch im Wirtschaftsministerium sei man schließlich so verblieben, dass man sich nicht noch einmal zusammensetzt, wenn neue Zahlen vorliegen, die auch das Potenzial von Schülerbeförderung und GUTi mit einbezieht, „wobei es schon damals gut ausschaute“. Die nun genannten Zahlen zweifle er daher an, so Bruckner, weshalb er die Berechnungen anfordern und untersuchen lassen wolle.

Wanderbahn-Vorsitzender Arnulf Baier glaubt nicht, dass Minister Zeil allein wegen der Zahlen eine Reaktivierung der Strecke abgelehnt hat. In seinen Augen ist es dem Wirtschaftsminister vielmehr darum gegangen ist, keinen Präzedenzfall zu schaffen. „Ich denke, das ist einer der Hauptgründe für die Ablehnung“, sagte Baier. Lieber pumpe der Freistaat das gesamte für den Bahnverkehr zur Verfügung stehende Geld in bestehende Strecken, auch wenn die deutlich niedrigere Fahrgastzahlen aufweisen, bevor man auf einer Strecke wie Viechtach - Gotteszell wieder Personenverkehr einführe. Ernüchternd dabei sei zudem, „dass wir dem Freistaat nicht mal eine knappe Million Euro im Jahr wert sind, obwohl er 60 Millionen Euro beim Verkauf der RAG-Aktien aus der Region erlöst hat“, sagte Baier.

Ob für Viechtach nun endgültig der Zug abgefahren ist, wird sich zeigen. Aufgeben wollen die Bahnbefürworter noch nicht. Zumindest eine transparente und nachvollziehbare Erklärung für die Ministerentscheidung fordern sie. Details zu der Fahrgastanalyse und den aufgeführten Zahlen hätte sich auch der Viechtacher Bayerwald-Bote erhofft. Bis Redaktionsschluss lag allerdings noch keine Antwort aus dem Wirtschaftsministerium auf die entsprechende Anfrage vor.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 16.12.2010

Minister lehnt Reaktivierung der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell ab
Martin Zeil (FDP) führt wirtschaftliche Gründe für Entscheidung an - Enttäuschung in der Region

Von Daniela Albrecht

Regen/Viechtach. Sie haben gekämpft, Unterschriften gesammelt, Resolutionen verabschiedet und versandt und Argumente geliefert, doch der Kampf der örtlichen Politiker und der Bevölkerung im Landkreis Regen für eine Wiederaufnahme von regelmäßigen Personenverkehr auf der bestehenden Strecke zwischen Viechtach und Gotteszell war letztlich nicht von Erfolg gekrönt. Gestern hat Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) in einem Schreiben Landrat Heinz Wölfl mitgeteilt, dass er aus wirtschaftlichen Gründen eine Reaktivierung der Strecke zwischen Viechtach und Gotteszell ablehnt.

Zeil schreibt, „dass die Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs auf dieser Strecke wirtschaftlich angesichts der zu erwartenden Fahrgastzahlen nicht zu rechtfertigen ist“. Er bedauere es sehr, „dieses negative Ergebnis mitteilen zu müssen“, so der Wirtschaftsminister. Ihm sei „bewusst, wie sehr sich die ganze Region engagiert und geschlossen für dieses Projekt eingesetzt“ habe. „Angesichts der knappen finanziellen Mittel und der Verantwortung, diese Mittel sparsam und effizient zu verwenden, halte ich die Bestellung von Schienenpersonennahverkehr dennoch nicht für vertretbar“, erklärt der Wirtschaftsminister in seinem Brief.

Das Schreiben ist eine Antwort auf die Resolution, die der Kreistag am Montag einstimmig verabschiedet hatte. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hatte sie dann am Dienstag seinem Kabinettskollegen von der FDP übergeben. In der Resolution hatte der Kreistag seine Enttäuschung über Zeils Entscheidung, die Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach bei der Ausschreibung für die Ostbayernbahnen Anfang Dezember nicht zu berücksichtigen, geäußert und das bayerische Wirtschaftsministerium aufgefordert, die positive Entwicklung der Fahrgastzahlen nach Einführung des Gäste-Umwelt-Tickets (GUTI) in die aktuelle Bewertung miteinzubeziehen und rasch eine Entscheidung für die Reaktivierung der Strecke Gotteszell-Viechtach zu treffen. Zudem war in der Resolution auf Anregung der Viechtacher Kreisrätin Brigitte Baueregger (ÖDP) auch darauf hingewiesen worden, dass das Fahrplanangebot in Ostbayern mit der Neuvergabe ab Ende 2013 um 20 Prozent erhöht werden soll. Verwiesen wurde auch auf die Anstrengungen des Landkreises für den Nahverkehr und die Ankündigung, sich an den Kosten für die Modernisierung der Bahnübergänge zu beteiligen.

All diese Argumente halfen aber nichts mehr. Zeil entschied anhand der Zahlen. Die Untersuchung der Fahrgastpotenziale der Strecke hätten ergeben, dass auf dem Abschnitt zwischen Gotteszell und Ruhmannsfelden, dem nachfragestärksten Abschnitt, etwa 310 Fahrgäste pro Tag zu erwarten wären. Zu wenig für Zeil, der eignen Worten zufolge eine „Messlatte von 1000 Fahrgästen pro Tag im Durchschnitt auf der gesamten Strecke“ als Maßstab für eine Reaktivierung zugrunde legt. Diese Messlatte würden die Fahrgastzahlen auch nicht überspringen, wenn man die Auswirkungen des Gäste-Umwelt-Tickets („GUTi“) in die Überlegungen miteinbezieht.

In den Augen des Wirtschaftsministers ist der Bus zwischen Viechtach und Gotteszell „das deutlich wirtschaftlichere Mittel, zumal mit dem Bus etwa die gleichen Fahrzeiten und eine wesentlich bessere Erschließung der Ortskerne möglich sind“, schreibt Zeil in seinem Brief an den Landrat, in dem er auch nicht auf die Zukunft des Bahnbetriebswerkes in Viechtach eingeht. Seiner Meinung nach hängt die Zukunft der Werkstätte nicht von der Reaktivierung der Bahnstrecke allein ab. „Es mag nicht ausgeschlossen sein, dass eine Reaktivierung die Chancen für den Bestandserhalt des Werkes erhöhen könnte. Die Sicherung des Fortbestands des Bahnbetriebswerkes wird damit jedoch sicherlich nicht verbunden sein. Das ist eine unternehmerische Entscheidung“, betont der Minister.

Die Betroffenheit in der Region war gestern groß. Im Landratsamt herrschte Fassungslosigkeit. „Enttäuschend und ernüchternd“ nannte Landratsamts-Pressesprecher Anton Weghofer das Schreiben des Wirtschaftsministers. Mit so einem „Hammer“ habe man nicht gerechnet, vielmehr bis zuletzt gehofft, dass die Strecke noch ausgeschrieben wird. „Eine Reaktivierung der Strecke wäre eine Stärkung des ländlichen Raumes gewesen, wie sie von der Landesregierung immer propagiert wird“, betonte Weghofer. Da passe so eine Entscheidung nicht.

Mächtig sauer auf seinen Kabinettskollegen Martin Zeil ist Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Er machte keinen Hehl daraus, dass er sehr enttäuscht ist über das „Nein“ des FDP-Kollegen. „Ich hätte mir vom Wirtschaftsminister mehr Sensibilität gegenüber strukturschwachen Räumen erhofft und erwartet, dass nicht nur anhand der nackten Zahlen entschieden wird“, sagte Brunner. Zumal einiges daraufhin deute, dass hier mit zweierlei Maß gemessen werden. Die Strecke Cham-Lam weise täglich auch nur 450 Fahrgäste auf und da überlege man von einem Zweistundentakt auf einen Einstundentakt umzustellen. Über weitere Reaktionen berichten wir gesondert.

Wörtlich schreibt Wirtschaftsminister Martin Zeil an Landrat Heinz Wölfl:

„Sehr geehrter Herr Landrat, mit diesem Schreiben möchte ich Sie über die Entscheidung über die Reaktivierung der Strecke zwischen Gotteszell und Viechtach unterrichten. Ich bitte Sie um Ihr Verständnis, dass die Wiederaufnahme des Schienenpersonennahverkehrs auf dieser Strecke wirtschaftlich angesichts der zu erwartenden Fahrgastzahlen nicht zu rechtfertigen ist. Ich bedauere sehr, Ihnen dieses negative Ergebnis mitteilen zu müssen. Mir ist bewusst, wie sehr sich die ganze Region engagiert und geschlossen für dieses Projekt eingesetzt hat. Angesichts der knappen finanziellen Mittel und der Verantwortung diese Mittel sparsam und effizient zu verwenden, halte ich die Bestellung von Schienenpersonennahverkehr dennoch nicht für vertretbar.

Wie Sie wissen, haben wir die Fahrgastpotenziale der Strecke sorgfältig und unvoreingenommen untersuchen lassen. Diese Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass auf dem Abschnitt zwischen Gotteszell und Ruhmannsfelden, dem nachfragestärksten Abschnitt, etwa 310 Fahrgäste pro Tag zu erwarten wären. Als Maßstab für eine Reaktivierung legen wir eine Messlatte von 1000 Fahrgästen pro Tag im Durchschnitt auf der gesamten Strecke zugrunde. Dieser Maßstab ist nicht willkürlich gewählt. Er wird beispielsweise vom Eisenbahn-Bundesamt genutzt, um die Wirtschaftlichkeit von Eisenbahnstrecken zu beurteilen. Wir wollen alle Reaktivierungswünsche in Bayern fair, gerecht und gleich behandeln. Daher legen wir stets dieses Kriterium für die Wirtschaftlichkeit zugrunde.

Auch die Auswirkungen des Gäste-Umwelt-Tickets des ,GUTi‘, haben wir durch ein unabhängiges Institut ermitteln lassen. Dabei wurden die Nachfragesteigerungen auf den Strecken der Waldbahn ermittelt, mit den Übernachtungszahlen in der Region abgeglichen und das Interesse der Gäste an der kostenlosen Nutzung des öffentlichen Verkehrs abgefragt. Im Ergebnis konnte eine Nachfragesteigerung um etwa 20 Prozent ermittelt werden, die sich nach der Beurteilung des Instituts auch langfristig nicht signifikant erhöhen dürfte. Diese Ergebnisse können leider auch nicht zu einer anderen Beurteilung der Reaktivierung führen. Für den öffentlichen Verkehr zwischen Viechtach und Gotteszell ist meiner Ansicht nach der Bus das deutlich wirtschaftlichere Mittel, zumal mit dem Bus etwa die gleichen Fahrzeiten und eine wesentlich bessere Erschließung der Ortskerne möglich sind. Die Bestellung eines 2-Stunden-Taktes würde immerhin jährliche Kosten von knapp 1 Million Euro verursachen.

Ich habe mir diese Entscheidung gerade auch wegen des Bahnbetriebswerkes in Viechtach nicht leicht gemacht. Sicherlich wird der Unterhalt der Strecke, solange sie nicht anderweitig genutzt wird, den Kosten der Werkstatt zugerechnet. Es mag nicht ausgeschlossen sein, dass eine Reaktivierung die Chancen für den Bestandserhalt des Werkes erhöhen könnte. Die Sicherung des Fortbestands des Bahnbetriebswerkes wird damit jedoch sicherlich nicht verbunden sein. Das ist eine unternehmerische Entscheidung. Die Bestellung von Schienenpersonennahverkehr auf der Strecke kann dabei nur eines von vielen Kriterien sein. Es ist kein geeignetes Mittel, um den Bestand des Bahnbetriebswerkes langfristig zu sichern. Ich hoffe natürlich sehr, dass die Regentalbahn AG das Werk weiter betreibt. Durch unsere umfangreichen Bestellungen von Schienenpersonennahverkehr, gerade auch im ländlichen Ostbayern, haben wir eine Basis für ein gesundes und stetiges Wachstum der Regentalbahn AG geschaffen.

Ich hoffe sehr, dass diese positive Entwicklung in Zukunft auch unter dem neuen Eigentümer der Regentalbahn AG fortgesetzt wird. Die Fachabteilung des Ministeriums ist gerne bereit, Ihnen und den weiteren interessierten Vertretern der Region die Methodik, die Datengrundlagen und die Ergebnisse der ergänzenden Untersuchungen zu den Potenzialen der Strecke vertiefend zu erläutern.

Mit freundlichen Grüßen
Martin Zeil“

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 03.12.2010

Strecke Viechtach - Gotteszell ist nicht Teil der
Ostbayernbahn-Ausschreibung

Ministerium hält sich nachträgliche Aufnahme in Verkehrsvertrag offen -
Fahrgastzahlen werden weiter geprüft

Von Gunther Schlamminger

Viechtach/München. Das Warten auf die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums über die Bestellung von Personenzügen auf der bestehenden Strecke zwischen Viechtach und Gotteszell geht weiter. Wie eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten bestätigte, werden die Fahrgastzahlen weiter geprüft. Dennoch hat das Haus gestern die Ausschreibung für die Ostbayernbahnen herausgegeben - „zunächst“ ohne Gotteszell - Viechtach.

MdL Staatsminister Helmut Brunner (CSU) verbarg gestern in einer ersten Reaktion die Enttäuschung darüber nicht. Vor allem wurmte es ihn, dass ihn der zuständige Kabinettskollege Martin Zeil (FDP) nicht persönlich vorab darüber informiert habe - „obwohl wir das vereinbart hatten“. Dennoch denkt er positiv und sieht weiter die Chance, dass die Strecke aufgenommen werden könnte; darauf gelte es nun zu bauen und dafür will er sich weiter einsetzen.

Wie berichtet, hatte das Ministerium ursprünglich vor, bis zum Oktober eine weitere Fahrgastprognose für die Strecke auszuwerten. Diese war nötig geworden, weil die im Sommer bekannt gegebene Schätzung von 530 Fahrgästen pro Tag weder Schülerverkehre einbezogen hatte, noch das erwartete höhere Fahrgastaufkommen durch eine Einführung des Gäste-Umwelt-Tickets „GUTi“ mit Urlaubern, die durch ihre Übernachtung Bahnfahren dürften. Gerade der Bereich „GUTi“ birgt enorme Potenziale, ist Staatsminister Brunner überzeugt. Dabei sei klar, dass Feriengäste nur dort Bahn fahren können, wo es auch ein Angebot gibt. Dies beweise die Entwicklung im südlichen Landkreis Regen, wo durch „GUTi“ eine enorme Erhöhung der Fahrgastzahlen erreicht wurde.

War man im Verkehrsministerium Anfang November noch von einer Entscheidung im Laufe dieses Monats ausgegangen, hieß es nun, dass das Gutachten zwar fertig gestellt sei, die Ergebnisse aber noch geprüft werden müssten. Demnächst, so die Ministeriumssprecherin weiter, sollen diese Ergebnisse in einer Besprechung mit den Vertretern aus der Region vorgestellt werden. Hierzu sei noch kein Termin vereinbart. Und: „Auf Basis dieses Gesprächs wird das Bayerische Verkehrsministerium schließlich eine Entscheidung treffen“ - auch dafür ist noch kein Termin bekannt. Die Sprecherin bat zudem um Verständnis, dass ihr Haus die Ergebnisse des Gutachtens erst im Zuge dieser Besprechung veröffentlichen werde und zuvor keine Details daraus mitteilen wolle.

Gleichzeitig schafft das Haus nun Fakten, indem es gestern die Ausschreibung des Paketes „Regionalzüge Ostbayern“ bekannt gegeben hat. Darin enthalten sind neben einem Teilnetz der Waldbahn auch ein Teilnetz der Oberpfalzbahn rund um Cham und ein Teilnetz der Naabtalbahn zwischen Regensburg und Schirnding. Verkehrsminister Martin Zeil erklärt für diese Bereiche, dass er deutliche Verbesserungen für die Fahrgäste erreichen wolle, zum Beispiel durch Reduzierung der Zugtaktung zwischen Regensburg und Cham oder Plattling und Deggendorf auf jeweils eine halbe Stunde. Falls die DB Netz die Strecken ausbaue, sei auch eine Verkürzung des Taktes zwischen Cham und Bad Kötzting bis Lam sowie zwischen Zwiesel und Grafenau vorgesehen.

Die Strecke Gotteszell-Viechtach ist ausgenommen - „zunächst“, heißt es in der Pressemitteilung. Und weiter: „Mangels belastbarer technischer und wirtschaftlicher Daten zur Infrastruktur liegt derzeit keine Ausschreibungsreife für diese Strecke vor. Die Reaktivierung wird hierdurch aber nicht ausgeschlossen, sofern die potenziellen Fahrgastzahlen eine Wiederbelebung der Strecke rechtfertigen. Durch Regelungen im Verkehrsdurchführungsvertrag wird sichergestellt, dass die BEG (Bayerische Eisenbahngesellschaft) im Falle einer Reaktivierung die Verkehrsleistung im Wege eines Anschlussauftrags an den künftigen Betreiber vergeben kann.“

Schlusstermin für die Abgabe von Angeboten für die Ausschreibung ist der 16. Mai 2011. Nachdem die Bindefrist am 21. September 2011 endet, ist wohl noch im Sommer mit einer Entscheidung des Ministeriums zu rechnen. Landrat Heinz Wölfl deutet das Vorgehen des Ministeriums so, dass die Ausschreibung wegen bindender Fristen jetzt erfolgen musste. Dass das Ministerium Vorsorge trifft, die Strecke nachträglich aufzunehmen, bewertet er als gut - „wenngleich es besser gewesen wäre, wenn wir gleich drin wären, denn das wäre gleichbedeutend mit der Entscheidung für Personenverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell gewesen“. Hoffnung setzt Wölfl auf MdL Brunner, der in München viel näher an den Entscheidungen dran sei. Landratsamts-Pressesprecher Anton Weghofer kann sich vorstellen, dass der Kreistag in seiner nächsten Sitzung am 13. Dezember noch einmal deutlich Position bezieht zu diesem Thema.

„Nicht positiv, aber auch nicht negativ“ bewertet Wanderbahn-vereinsvorsitzender Arnulf Baier das Vorgehen des Verkehrsministeriums. „Der Zug ist sicher noch nicht abgefahren“, sagt der Eisenbahnfreund, dessen Verein seit der Einstellung des planmäßigen Personenbetriebs an mehr als 30 Tagen im Jahr Sonderfahrten zwischen Viechtach und Gotteszell anbietet. Unverständlich ist für ihn aber die Formulierung, dass es im Verkehrsministerium an belastbaren technischen und wirtschaftlichen Daten zur Infrastruktur an der Strecke fehlen soll. „Meines Wissens hat die Regentalbahn (als Eigentümerin der Strecke, d.Red.) stets alles geliefert, was das Ministerium gebraucht hat“, sagt der Streckenexperte. Für ihn steht es außer Frage, dass man die Struktur der Strecke soweit ertüchtigen kann, damit sie für regelmäßigen Verkehr geeignet ist - entsprechende Absichten wurden auch von Anliegergemeinden bereits signalisiert.

Laut Regentalbahn-Vorstand Gerhard Knöbel hat sein Unternehmen stets alle angefragten Daten zur Strecke geliefert. Auch für ihn war dieser Satz zur Infrastruktur unverständlich. „Ich habe die BEG schon um Aufklärung in dieser Sache gebeten“, sagte Knöbel gestern Nachmittag. Schließlich stehe sein Unternehmen in stetem Austausch mit der BEG. Prinzipiell sieht Knöbel aber positiv, dass es offensichtlich insgesamt Mehrleistungen auf den Bahnstrecken in Ostbayern geben soll. An der Belebung der Strecke Viechtach-Gotteszell sei sein Unternehmen als Eigentümer weiterhin sehr interessiert.

Wie Staatsminister Helmut Brunner gestern betonte, hat er erst vorige Woche Ministerpräsident Horst Seehofer erneut auf das Thema angesprochen und die Bedeutung des Bahnverkehrs zwischen Gotteszell und Viechtach für die wirtschaftliche Entwicklung der Region unterstrichen. Brunner: „Ich hoffe, dass auch der Kollege Zeil diese strukturpolitischen Erwägungen berücksichtigt“; in den nächsten Tagen will Brunner ein persönliches Gespräch mit seinem Kabinettskollegen zu dem Thema suchen.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 08.11.2010

Bahn: Auch „Jetzt red i “ bleibt dran
Team um Moderator Tilmann Schöberl drehte am Samstag in Viechtach

Viechtach. Es war schon im Frühjahr eine große Genugtuung für alle, die sich um die Wiederbestellung von Personenzügen auf der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell bemühen, dass auch die in der Viechtacher Stadthalle aufgezeichnete BR-Sendung „Jetzt red i“ ihrer Initiative breiten Raum einräumte. Damit ist noch nicht Schluss: Am Samstag drehte ein Team um Moderator Tilmann Schöberl erneut in Viechtach.

Ziel ist es, im Rahmen der Jahresbilanz von „Jetzt red i“ den aktuellen Stand der Bemühungen noch einmal darzustellen; voraussichtlicher Sendetermin ist der 15. Dezember. Erst vorige Woche war der aktuelle Stand zur Sanierung der Hauptschule Viechtach in der Sendung noch einmal aufgegriffen worden.

Wie Wanderbahnvereins-Vorsitzender Arnulf Baier gestern auf Nachfrage mitteilte, war er am Samstag mehrere Stunden mit dem Fernsehteam unterwegs. Zugführer Torsten Schulze steuerte den historischen Wanderbahn-Triebwagen vom Bahnhof Viechtach hinaus bis Gumpenried, damit die Fernsehleute ausreichend Szenen für den Beitrag aufnehmen konnten. Im Zug selbst stand Baier für ein ausführliches Interview mit Tilmann Schöberl zur Verfügung, auch der Zugführer wurde von den Fernsehleuten befragt. Zwischendurch legten alle einen längeren Halt in der Schnitzmühle ein, wo es den Fernsehleuten sehr gut gefallen hat.

Baier freute sich, dass neben der Heimatzeitung (siehe Bericht 06.11.2010) auch der Bayerische Rundfunk weiter Interesse an dem Thema zeigte. Der Vorkämpfer in Sachen Bahnverkehr hofft, dass zur Sendung Mitte Dezember eine positive Entscheidung zur Bahnstrecke aus dem zuständigen Wirtschaftsministerium zu vermelden ist. Vorerst wartet aber auch er gespannt auf das von einem Ministeriumssprecher angekündigte weitere Gespräch mit Vertretern aus der Region zu der aktualisierten Fahrgaststudie. Nach Baiers Einschätzung dürften die Zahlen im Vergleich zu vielen anderen Strecken, die mit Bahnverkehr bedient werden, „ganz ordentlich“ ausfallen. Er hofft, dass Kommunen und Bürger sich weiter so intensiv wie bisher für die Bestellung von Personenzügen zwischen Gotteszell und Viechtach einsetzen.  - gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 06.11.2010

Bahn-Verkehr: Entscheidung lässt noch auf sich warten
Ministerium: Gutachten zur Fahrgastprognose „in Kürze“ fertig -
Weiteres Gespräch mit Vertretern aus der Region geplant


Viechtach. Weiter offen ist die Frage, ob das bayerische Wirtschaftsministerium die Strecke Gotteszell - Teisnach - Viechtach in die anstehende Wiederausschreibung der Waldbahn-Spinne aufnimmt. Im Laufe des November soll das Ergebnis eines weiteren Gutachtens vorliegen, so ein Ministeriumssprecher auf Nachfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten.

Fast ein Jahr nach einem ersten Termin mit Vertretern aus der Region bei Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil gilt es weiter abzuwarten. Landrat, die Bürgermeister der Anliegergemeinden Viechtach, Zachenberg, Ruhmannsfelden und Patersdorf, MdB Ernst Hinsken, Regentalbahn-Geschäftsführer Gerhard Knöbel und Wanderbahnvereins-Vorsitzender Arnulf Baier hatten Mitte November 2009 Listen mit 4587 Unterschriften für die Reaktivierung von planmäßigem Personennahverkehr auf der bestehenden Schiene überreicht. Ziel war und ist es, dass der für den Schienenpersonennahverkehr zuständige Freistaat die für den Zwei-Stunden-Takt zwischen Viechtach und Gotteszell nötigen 165 000 Zugkilometer in das 1,3 Millionen Zugkilometer umfassende Waldbahn-Netz mit aufnimmt. Noch im Herbst soll die entsprechende Wiederausschreibung dieser und weiterer Strecken in Ostbayern durch die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) erfolgen.

Minister Zeil sagte damals, dass sein Haus vor einer Reaktivierung zunächst die Wirtschaftlichkeit der Bahnstrecke überprüfen müsse. Dazu wurde die BEG mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt, das vor allem die Fahrgastpotenziale untersuchen sollte. Ein erstes Ergebnis lag im Juli vor: 530 Fahrgäste täglich würden die Bahn zwischen Viechtach und Gotteszell nutzen; ein Wert, der in der Region als ordentlich bewertet wurde, zumal er das 3,6-fache des bayernweiten Durchschnitts von Fahrgästen pro gefahrenem Bahnkilometer beträgt. Er liegt auch über dem Wert der vergleichbaren Strecke Cham-Lam, wo die Oberpfalzbahn täglich 450 Reisende befördert.

Das Ministerium sah diese Zahl aber skeptisch. Dennoch ließ es sich darauf ein, eine weitere, genauere Untersuchung vor einer endgültigen Entscheidung anzustellen. Bisher war nämlich zum einen unklar, ob der angestrebte Zweistundentakt geeignet wäre, um Schülerverkehre zu übernehmen. Deshalb sind diese Zahlen in die Fahrgastprognose nicht eingerechnet. Zudem blieb noch offen, welche Auswirkungen das im südlichen Landkreis Regen hervorragend angenommene Gäste-Umwelt-Ticket („GUTi“) auf die Fahrgastzahlen haben werde; teilweise, so bisherige Erkenntnisse, hätten sich dadurch die Fahrgastzahlen verdreifacht, wenn die Urlauber mit ihrer Übernachtung automatisch ein Ticket zum kostenlosen Bahntransport lösen.

„Dieses neuerliche Gutachten zur Fahrgastprognose für die Bahnstrecke Viechtach-Teisnach-Gotteszell wird in Kürze fertig gestellt“, teilte ein Ministeriumssprecher jetzt auf Nachfrage mit. Ursprünglich hatte es geheißen, dass dies Ende Oktober vorliegen sollte. Nun rechnet das Ministerium mit den Ergebnissen im Lauf des Novembers. Sobald diese Ergebnisse vorliegen, sei eine weitere, zeitnahe Besprechung mit den Vertretern aus der Region geplant, so der Ministeriumssprecher weiter. Und: „Auf Basis dieses Gesprächs wird das Bayerische Verkehrsministerium schließlich eine Entscheidung treffen. “

Auf Nachfrage teilte das Büro des örtlichen Abgeordneten, Staatsminister Helmut Brunner, mit, dass er in der Sache stets am Ball bleibe und den Kontakt mit den zuständigen Mitarbeitern im Wirtschaftsministerium suche. Staatsminister Zeil habe zudem zugesichert, dass er seinen Kabinettskollegen auf dem Laufenden halte und aktuell über Neuigkeiten informiere. Möglicherweise biete die am Wochenende anstehende Kabinettsklausur eine gute Gelegenheit für ein persönliches Gespräch unter den Ministern. - gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 30.10.2010

GUTi-Erfolg überrollt die Bahn
Auslastung der Busse und Bahnen hat deutlich zugenommen

Regen. Frauenaus Bürgermeister Herbert Schreiner bekam den Erfolg des Gästeservice-Umwelt-Tickets (GUTi) hautnah zu spüren, als er vor kurzem an einem Vormittag per Zug von Frauenau nach Zwiesel fuhr. „Ich habe keinen Sitzplatz mehr bekommen, so voll war es“, berichtete der Bürgermeister in einer Sitzung der Projektgruppe für das Nationalpark-Verkehrskonzept, die jetzt im Landratsamt in Regen getagt hat. GUTi war eines der Themen, die behandelt worden sind.

Das neue Ticket, mit dem Feriengäste aus den Teilnehmergemeinden gratis Bus und Bahn im Gebiet des Bayerwald- Tickets fahren, ist ein Renner, wie auch Günther Neumayer, Geschäftsstellenleiter der Regionalbus Ostbayern (RBO) bestätigen konnte. Besonders die Linien, die zu touristischen Zielen führen, seien sehr gut ausgelastet. Gegenwärtig sind zwölf Gemeinden dabei, Rinchnach und Langdorf sind in Vorbereitung, im kommenden Jahr tritt die Gemeinde Lam (Landkreis Cham) bei, damit erweitert sich das Tarifgebiet um den Landkreis Cham, wie Waldemar Herfellner, Regionalmanager des Landkreises Regen erläuterte. Nebeneffekt des GUTi: Der Verkauf des Bayerwald-Tickets ist rückläufig, es werden rund ein Drittel weniger Bayerwald-Tickets gekauft.

Weil vor allem auf den Linien im Nationalpark-Raum der öffentliche Nahverkehr nach GUTi-Einführung deutlich besser angenommen wird, gibt es in diesem Winter ein verbessertes Angebot, wie Landrat Heinz Wölf erläuterte. Der Landkreis Freyung-Grafenau und die Nationalpark-Gemeinden finanzieren zwei Igelbus-Linien, die von Weihnachten bis Mai bedient werden, der Landkreis Regen finanziert die Verdichtung des Falkensteinbus-Verkehrs, der zwischen Weihnachten und Mai an den Wochenenden verkehren wird. Ganz weit oben auf der Wunschliste der Bürgermeister, von Landrat Wölfl und Regierungspräsident Heinz Grunwald, steht die Verbesserung der Bahnlinie zwischen Zwiesel und Grafenau. Dort verkehren die Züge bisher im Zwei-Stunden-Takt, der Ein-Stunden-Takt soll kommen. Wie Dietmar Schieder von der DB Netz AG erläuterte, scheitert das bisher an der fehlenden Funk- und Signaltechnik sowie an den ungesicherten Bahnübergängen.

Denn wegen der Bahnübergänge muss die Waldbahn so langsam fahren, dass der Stundentakt nicht einzuhalten ist. Die Zugfunk- und die Signaltechnik sollen bis 2013 bereit sein für den Stundentakt, bei den Übergängen sind noch Verhandlungen wegen ihrer Auflassung nötig. Anlieger brauchen die Übergänge oft, um an ihre bewirtschafteten Grundstücke zu kommen, Umwege nehmen sie nur ungern in Kauf. Und die Entschädigung, die die Bahn bei der Auflassung der Übergänge zahlt, sind vielen Betroffen zu niedrig. „Die Situation ist ziemlich verfahren“, wie Zwiesels 2. Bürgermeister Eberhard Kreuzer berichtete. Die Wichtigkeit des Stundentakts betonten auch Frauenaus Bürgermeister Herbert Schreiner und Josef Wanninger, Vertreter des Nationalparks Bayerischer Wald in der Versammlung. In kleinerem Kreis versuchten Landrat Heinz Wölfl, Vertreter der Bahn und die Bürgermeister, eine Strategie für die Verhandlungen zu entwerfen. Das Ziel formulierte Regierungspräsident Grunwald: 2013 sollte der Stundentakt auf der Strecke zwischen Zwiesel und Grafenau Realität werden.

Nicht erfreut waren die Teilnehmer von der Mitteilung, dass es die DB Regio Ostbayern, die ihren Sitz in Regensburg hatte, nicht mehr gibt. Künftig wird der Bahnverkehr im Bayerischen Wald von der DB Regio Nordostbayern betreut, die in Hof sitzt.  - luk

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 23.10.2010

MdB will sich für Bahn einsetzen
Florian Pronold im Gespräch mit Regentalbahn-Betriebsräten

Viechtach/Deggendorf. „Beim Verkauf der Regentalbahn muss die Deutsche Bahn gewährleisten, dass der Betrieb nicht in die Hände einer Finanzheuschrecke fällt“: Diese Forderung formulierte MdB Florian Pronold bei einem Gespräch mit Betriebsräten. Den Zuschlag solle ein seriöser Käufer erhalten, der bereits Erfahrungen im Verkehrsgeschäft habe, damit der Betrieb vernünftig weitergeführt werde. Wenn hingegen an einen Finanzinvestor verkauft werde, sei die Gefahr groß, dass der Betrieb zerschlagen und lukrative Geschäftsanteile weiterverkauft würden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Friedrich Geier, Betriebsratsvorsitzender der Regentalbahn AG und stellvertretender Konzernbetriebsrat Arriva Deutschland und Betriebsratskollege Herbert Lummer kritisierten, dass die Arbeitnehmervertreter über die Verkaufsbedingungen im Unklaren gelassen werden. Die Deutsche Bahn hatte im August das englische Verkehrsunternehmen Arriva nur mit der Auflage übernehmen dürfen, dessen Bus- und Bahngeschäft in Deutschland an Konkurrenten abzugeben. Die Regentalbahn ist Teil von Arriva Deutschland und darf daher aus kartellrechtlichen Gründen nicht im Eigentum der Deutschen Bahn bleiben. Deutschlandweit sind 4000 Beschäftigte betroffen, alleine bei der Regentalbahn rund 350.

„Der Verkauf selbst ist zwar nicht zu verhindern“, betont MdB Florian Pronold. Aber man könne dennoch Sicherheit für die Beschäftigten schaffen, da auch eine Neuausschreibung der Bahnstrecken anstehe, die derzeit von der Regentalbahn betrieben werden: „Die Staatsregierung kann auf die Bayerische Eisenbahngesellschaft Einfluss nehmen, damit die Ausschreibungsbedingungen für die Bahnstrecken so gefasst werden, dass die Tarif- und Sozialstandards auch in Zukunft abgesichert bleiben.“ Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Pronold forderte die bayerische Staatsregierung auf, Lohndumping und Stellenstreichungen zu verhindern. So wäre gewährleistet, dass unabhängig davon, wer die Regentalbahn kaufe, die örtlichen Tarife und Sozialstandards Gültigkeit behielten. Leider sei dies jedoch bislang vom FDP-geführten bayerischen Wirtschaftsministerium abgelehnt worden. „Von Wirtschaftsminister Zeil bekommen die Beschäftigten keinerlei Unterstützung“, kritisiterte Betriebsratsvorsitzender Geier.

Pronold sagte zu, sich in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion für den Bereich Verkehr dafür einzusetzen, dass die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmervertretung gewahrt werden und soziale Standards in die Ausschreibungskriterien aufgenommen werden. „Für den Tourismus hat die Strecke Viechtach - Gotteszell nach wie vor eine wichtige Funktion“, betonten die Betriebsräte Geier und Lummer. Sie befürchten, dass diese Strecke und auch die Werkstatt in Viechtach mit rund 100 Beschäftigten nicht erhalten bleiben, wenn dies nicht in den Ausschreibungsbedingungen festgehalten werde. Die Werkstatt sei durch bestehende Verträge nur bis Ende 2010 in ihrem Bestand gesichert.  - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 20.10.2010

FDP berät über Bahn für Viechtach

Regen. Die Mitglieder des FDP-Kreisverbandes haben bei ihrer nächsten Versammlung die Ergebnisse und Eindrücke von zwei Parteitagen zu besprechen. Den Landesparteitag besuchten Philipp Frankenfeld und Mathias Baur als Delegierte und begründeten den Antrag zur Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach. Beim Bezirksparteitag waren Frankenfeld, Gerhard Glockner und Ludwig Wenzl vertreten. Themen werden auch die gegenwärtige Integrationsdiskussion, Gesundheitsreform und zunehmende außerparlamentarische Auseinandersetzungen sein. Die Zusammenkunft findet am Freitag ab 19 Uhr im Berggasthof Hinhart in Regen statt. - bb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 13.10.2010

Brunner kämpft um die Bahn
Im Kabinett Bedeutung der Strecke für Region und Arbeitsplätze betont

Viechtach. Staatsminister Helmut Brunner hat seine Ankündigung wahr gemacht und gestern während der Sitzung der Bayerischen Staatsregierung in Deggendorf auch die Bedeutung der Bahnlinie Viechtach - Teisnach - Gotteszell für die Region betont.

„Zur Philosophie der E-Mobilität gehört als weitere Infrastrukturmaßnahme auch die Revitalisierung dieser Bahnstrecke“, erläuterte Brunner gestern Nachmittag am Telefon gegenüber dem Viechtacher Bayerwald-Boten seine Argumente. Auch sei zu erwarten, dass durch die erfolgreiche Einführung des Gäste-Umwelt-Tickets („GUTi“) eine Verfünffachung des Fahrgastaufkommens zu erwarten sei, wenn nämlich Urlauber mit ihrer Gästekarte ohne Zusatzkosten in den Zug einsteigen könnten. „Dies sollte das Wirtschaftsministerium bedenken, wenn es Ende Oktober zur abschließenden Bewertung des Fahrgastaufkommens kommt“, sagte Brunner.

Außerdem drängte der aus der Gemeinde Zachenberg stammende Staatsminister und örtliche Abgeordnete darauf, dass sich vor einer endgültigen Entscheidung das Kabinett noch einmal mit der Bahn-Problematik befassen sollte. Schließlich könnte die Staatsregierung mit einer Entscheidung pro Bahnverkehr ihr Ziel der Stärkung des ländlichen Raumes mit konkreten Fakten untermauern.

Brunner hat auch betont, dass die ganze Region hinter diesem Anliegen steht; wie berichtet, haben vom Landkreis über die Gemeinden bis zu Verbänden und in einer Unterschriftenliste auch die Bürger die Wiederaufnahme von planmäßigem Personennahverkehr auf der Schiene unterstützt. Schließlich hat er auch auf die Bedeutung des Arriva-Verkaufs durch die Deutsche Bahn hingewiesen. 2004 hatte der Freistaat die Regentalbahn an den britischen Konzern veräußert. In diesem Sommer kaufte ihn die Deutsche Bahn, sie muss das Deutschland-Geschäft aber aus kartellrechtlichen Gründen weiter verkaufen. Gleichzeitig läuft 2010 die vor sechs Jahren festgeschriebene Arbeitsplatzgarantie aus. Brunner: „Dabei geht es um den Erhalt von 300 Arbeitsplätzen und um eine strukturpolitische Maßnahme.“

Auf konkrete Nachfrage bestätigte Brunner, dass er die Bahn-Problematik selbst ansprechen musste; im Infrastrukturbericht des Wirtschaftsministeriums, den Staatssekretärin Katja Hessel in Vertretung des erkrankten Ministers Martin Zeil vorgetragen hatte, hatte dieses Thema keine Erwähnung gefunden. – gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 09.10.2010

REDAKTIONSTAGEBUCH

Donnerstag. Gespannt blicken wir voraus auf die Sitzung der Bayerischen Staatsregierung am Dienstag in Deggendorf und platzen mitten in die Abstimmungsphase zwischen den einzelnen Ministerien und der Staatskanzlei. Wir wollten schon vorher ausloten, inwieweit Dauerthemen der letzten Monate zur Sprache kommen werden. Während es offensichtlich für das Projekt „Elektromobilität im Bayerischen Wald“, kurz E-Wald, nicht allzu schlecht aussehen dürfte, ist für die Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell wohl nicht mehr als ein Situationsbericht zu den derzeit noch andauernden Prüfungen im Wirtschaftsministerium zu erwarten.

Eingebettet in das größere Thema Arriva-Verkauf durch die Deutsche Bahn (zu Arriva gehört seit 2004 auch die Regentalbahn), steht der Freistaat eigentlich moralisch in der Pflicht, hier für die Region Viechtach aktiv zu werden. Schließlich hatte er als früherer Eigentümer vor sechs Jahren 60 Millionen Euro eingesackt. Und einen Teil davon für die Bahnstrecke zu reinvestieren, dürfte nicht zu viel verlangt sein. Der von der Bahn abgehängten Region und den davon abhängenden Arbeitsplätzen könnte das nur gut tun! - gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 07.10.2010

Belegschaft hofft auf Hilfe aus der Politik
Weiterverkauf der Arriva-Deutschland sorgt für Unruhe bei der Regentalbahn -
Thema für Kabinett in Deggendorf?

Von Gunther Schlamminger

Viechtach. Wenn die Bayerische Staatsregierung kommenden Dienstag in Deggendorf zu einer Kabinett- Sitzung zusammenkommt, wird der zuständige Minister Martin Zeil die Bahnstrecke Viechtach - Teisnach - Gotteszell nicht zum Gegenstand der Tagesordnung machen. Gleichzeitig wachsen in der Belegschaft die Sorgen um die Zukunft der Arbeitsplätze: „Wir hängen völlig in der Luft“, sagt Friedrich Geier, stellvertretender Vorsitzender des Arriva-Konzernbetriebsrats, und fordert Unterstützung gerade auch von der Landespolitik.

Hintergrund der Sorgen ist der anstehende Weiterverkauf des Arriva-Deutschlandgeschäfts, zu dem auch die Regentalbahn gehört. Im Sommer hatte die Deutsche Bahn AG den britischen Verkehrskonzern übernommen, erhielt aber von der Europäischen Union die Auflage, die deutschen Unternehmungen der Arriva-Gruppe aus kartellrechtlichen Gründen weiterzuveräußern. Neben der Regentalbahn gehören dazu auch mehrere Buslinien und auch andere Eisenbahnen. „Wir brauchen mehr Informationen und fordern von der Politik, uns mehr zu unterstützen“, sagt Geier. Ähnlich wie beim Verkauf der Regentalbahn durch den Freistaat Bayern im Jahre 2004 an Arriva sollte auch diesmal in den Vertrag mit dem künftigen Käufer ein Bestandsschutz durch die Deutsche Bahn für die bestehenden Unternehmensteile festgeschrieben werden. Zwei Jahre würden reichen: „Das wäre ausreichend Zeit, damit wir mit dem neuen Eigner über unsere Arbeitsplätze und Tarifstrukturen sprechen könnten“, sagt Geier.

Von Seiten des Konzernbetriebsrates bestehe die Befürchtung, dass der neue Eigner nach einem Jahr aus dem Tarif aussteigt oder sich nur auf lukrative Unternehmensteile konzentriert. Strikt lehnen die Betriebsräte deshalb den Verkauf an so genannte „Heuschrecken“ ab. „Wir unterstützen jedes Konzept, das die bisherige Geschäftstätigkeit fortsetzt und weiterentwickelt, dabei Arbeitsplätze sichert und Tarif- und Sozialstandards einhält“, heißt es in einer Presseerklärung. Auch müssten die Betriebsräte rechtzeitig und vollständig informiert werden, damit ihre Mitbestimmungsrechte bei dem Verkauf gewahrt werden. Doch gibt es dafür nicht mehr unbeschränkt Zeit. Denn: Ende Februar 2011 läuft die Frist für den Weiterverkauf ab, ab diesem Termin würde die EU den Weiterverkauf in Eigenregie durchführen. Laut Geier müsste es deshalb im deutschen Interesse liegen, hier im Vorfeld für den Erhalt der Arbeitsplätze in Deutschland eigene Akzente zu setzen. Geier: „Ich habe bereits an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer geschrieben und erhoffe mir auch Unterstützung von Seiten der Bayerischen Staatsregierung“. Nächste Woche stehe ein Termin im Bayerischen Landtag an.

Vor allem für die rund 100 Arbeitsplätze in Viechtach ist dazu aus Sicht des Betriebsrats die Berücksichtigung der Strecke Viechtach-Gotteszell bei der anstehenden Wiederausschreibung der Waldbahn-Spinne von grundlegender Bedeutung. Einerseits müsste die Regentalbahn wieder zum Zuge kommen, damit die 2012 auslaufenden Fahrtverträge fortgesetzt werden können. Andererseits braucht es die Strecke für die Werkstatt, die nur noch bis zum Jahresende Bestandsschutz aus den Verträgen des Arriva-Verkaufs durch den Freistaat genießt. Wie aus dem Landwirtschaftsministerium zu erfahren war, ist Staatsminister Helmut Brunner als örtlicher Abgeordneter in dieser Sache bereits aktiv geworden und hat gegenüber dem Wirtschaftsministerium auf die Problematik Arriva-Weiterverkauf und soziale Standards hingewiesen. Kollege Zeil hatte dazu versichert, dass die Ausschreibungstermine so bemessen sein würden, dass bis zum Abgabetermin ausreichend Zeit nach dem Arriva-Verkauf sein werde.

Minister Brunner setzt sich ein

Die Aufnahme von sozialen Standards und Tarifverträgen in Ausschreibungsunterlagen hielt er jedoch nicht für den richtigen Weg. Im Gegenteil: Zeil befürchtete in einem Schreiben an Brunner, das dem Viechtacher Bayerwald-Boten vorliegt, dass mit einer verbindlichen Vorgabe von bestimmten Tarifverträgen die erfolgreiche Unternehmensentwicklung bei der Regentalbahn AG gefährdet werden könnte. Betriebsrat Geier will dennoch weiter kämpfen und hofft auf ein strukturpolitisches Zeichen durch das Kabinett. Denn wie wird ein neuer Eigner mit den enormen Unterhaltskosten für die Strecke umgehen? Zu befürchten ist eine völlige Stilllegung, was wiederum unmittelbare Folgen für die Werkstatt hätte. Geier: „Es wird wohl kaum jemand die Züge auf Lkws zum Reparieren nach Viechtach bringen“.

Auch weil an der Strecke Viechtach - Gotteszell mit dem Technologiecampus Teisnach eine Außenstelle der FH Deggendorf liegt, hatten Beobachter große Hoffnungen auf besagte Kabinett-Sitzung gelegt. Gestern Vormittag sagte aber ein Sprecher des Bayerischen Wirtschaftsministeriums auf Anfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten: „Das Thema wird nächste Woche nicht auf der Tagesordnung stehen“. Derzeit laufen allerdings noch die letzten Absprachen zu den Themen der Sitzung.

Wie Minister Brunner dann gestern Nachmittag telefonisch bestätigte, hat er am Mittwochvormittag in einer Vorbesprechung der Sitzung gegenüber der Staatskanzlei um Behandlung der Themen E-WALD (Elektromobilität im Bayerischen Wald) und Arriva-Verkauf mit Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell gebeten. „Der Ministerpräsident hat signalisiert, dass derartige regionale Themen üblicherweise während der Außentermine angesprochen werden“, sagte Brunner. Dies könnte zum Beispiel unter dem Oberpunkt Infrastrukturmaßnahmen in Niederbayern geschehen. „Sollte dies nicht der Fall sein, will ich nachfragen“, sicherte Brunner zu. Vielleicht klappt es also doch noch, hofft auch der Vorsitzende des Vereins Wanderbahn im Regental, Arnulf Baier, als ein Vorkämpfer für planmäßigen Bahnverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell: „Wenn das Kabinett schon einmal in Niederbayern tagt, dann wäre es doch nahe liegend, wenn auch darüber gesprochen würde“.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 28.09.2010

120 bewegte Eisenbahnjahre
Die Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach wurde 1890 erbaut
und gilt bis heute als eine der schönsten Strecken Bayerns

Von Andreas Geroldinger

Viechtach. Derart direkte Ansagen wären heutzutage wohl politischer Selbstmord. Versierte Staatsführer würden deshalb eher einen diplomatischeren Duktus anschlagen, als dies Friedrich Krafft Graf von Crailsheim im Jahr 1887 getan hat. Eine Bahnstrecke von Viechtach nach Gotteszell? Welch unverfrorene Forderung des Pöbels: „Wenn euch die Bahn so wichtig ist, dann baut sie doch selber!“ Punkt, Aus, Schluss - der königliche Minister hatte gesprochen.

© bayerwaldbahn.de

Über die emotionale Befindlichkeit der Bürger im 19. Jahrhundert lässt sich im Nachhinein schwerlich urteilen. Eines ist jedoch gewiss: Was heute gemeinhin wohl als Provokation bezeichnet wird, wurde damals als Antrieb verstanden. „Dann bauen wir die Strecke selbst“, entschieden die Vertreter des Eisenbahnkomitees, das 1887 vom Gründer der Teisnacher Papierfabrik, Gustav Werner, ins Leben gerufen worden war. Der Startschuss für die Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach war gefallen.

Im ersten Jahr 27 000 Mark Überschuss

Im April 1889 erhielt das Komitee die Konzession für die Strecke; die Aktiengesellschaft „Lokalbahn Gotteszell Viechtach“ wurde gegründet, Anteile im Wert von 1,5 Millionen Mark verkauft. Knapp eineinhalb Jahre später war die 25 Kilometer lange Strecke fertig: Am 20. November 1890 wurde die Bahnverbindung zwischen Viechtach und Gotteszell feierlich eröffnet. Bereits im ersten Jahr erwirtschaftete die Lokalbahn einen stolzen Überschuss von 27 000 Mark. Über 100 000 Fahrgäste nutzten die Strecke, 24 000 Tonnen Güter wurden transportiert, vornehmlich aus der Teisnacher Papierfabrik. Schon bald siedelten sich neue Betriebe an. 1894 baute eine Genossenschaft ein Werk zum Abbruch des Pfahlgesteins; bis zu 300 Tonnen Quarzschotter täglich verließen den Bayerwald per Zug ins Chemiedreieck nach Burghausen oder in die Porzellanmanufakturen in die Oberpfalz. Der Überschuss der Lokalbahn stieg kontinuierlich an. Im Jahr 1900 betrug der Gewinn bereits 75 000 Mark.

Kein geregelter Verkehr im Zweiten Weltkrieg

Zur Jahrhundertwende war man darum bemüht, die Verbindung weiter auszubauen. Ausgerechnet mitten in der Weltwirtschaftskrise in den zwanziger Jahren wurde die Bahnstrecke um 15 Kilometer nach Blaibach verlängert. Am 20. Dezember 1927 feierte ganz Viechtach in einem zweitägigen Fest die neue Bahn; das Viechtacher Tagblatt erschien sogar mit einer großen Festausgabe in Hochglanzpapier. Ein paar Wochen später fusionierte die Viechtacher Lokalbahn mit der Lokalbahn Deggendorf - Metten zur Regentalbahn.

Zur Nagelprobe für die Strecke Gotteszell - Viechtach - Blaibach wurde der Zweite Weltkrieg. Vor allem während der letzten Kriegsjahre gab es keinen geregelten Schienenverkehr mehr. Dafür wurde der Abschnitt zur beliebten Schleichstrecke für Wehrmachtszüge, die sonst zwischen Passau und Regensburg verkehrten. Diese Fahrten mit schweren Flakgeschützen und unzähligen Soldaten beanspruchten die Gleise so sehr, dass sich die Strecke zu Kriegsende in einem bedauernswerten Zustand befand.

Nach dem Krieg kam der Verkehr kurzzeitig vollständig zum Erliegen. Die Amerikaner zogen ins Verwaltungsgebäude in Viechtach ein, der alte Lokschuppen diente zwischenzeitlich als Unterkunft für Not leidende Flüchtlinge. Personenzüge wurden nur für Militärangehörige und auf besondere Anordnung eingesetzt. Als die Amerikaner im Jahr 1946 abzogen, waren Fahrzeuge, Anlagen und Gleise der Lokalbahn noch immer in einem katastrophalen Zustand.

Der Zugverkehr kam dennoch nicht zum Erliegen. Im Gegenteil: Gleise und Anlagen wurden renoviert, der Güterverkehr erholte sich schnell im aufstrebenden Nachkriegsdeutschland. Waren, die in den Bayerwald transportiert wurden, nahmen meist den Weg über Viechtach; die Schiene wurde zum Motor der Industrie. Und im Personenverkehr machte sich der zunehmende Tourismus bemerkbar: Bis zu 500 000 Fahrgäste jährlich nutzten die Strecke Viechtach-Gotteszell.
Anfang der siebziger Jahre änderte sich das Bild: Der Güterverkehr wurde weniger; außerdem beschloss die Deutsche Bahn, Waren nur noch über zentrale Rangierbahnhöfe abzufertigen. Auch der Personenverkehr ging zurück: Ende der achtziger Jahre wurden inklusive der Strecke Lam - Kötzting nur noch 200 000 Fahrgäste gezählt.

Regierung entschied sich gegen die Strecke

Zum Todesstoß für die Bahnstrecke wurde die Sperrung der Blaibacher Brücke wegen Baufälligkeit im Jahr 1991. Im Februar wurde der Abschnitt von Fichtental nach Blaibach stillgelegt, nur zwei Monate später der Personenverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell eingestellt. Die modernen Triebwägen aus Viechtach wurden abbeordert - die Loks wurden auf anderen Strecken gebraucht. In Teisnach verabschiedete sich die Bahn aus dem Ortsbild: Die Gebäude am Bahnhof mussten weichen, ein Teil der Gleise wurde abgerissen. 1994 wurde der Schienennahverkehr vom Bund auf die Länder übertragen. Die Bayerische Staatsregierung entschied sich für den Erhalt des Status Quo: Während andere Strecken modernisiert wurden, blieb Viechtach-Gotteszell auf der Strecke - historisches Pech.

Für Eisenbahnfans eine Tragödie, galt doch die Verbindung als eine der schönsten Bayerns. „Gotteszell-Viechtach“ lag im Sterben, der Tod konnte jedoch verhindert werden: In Eigeninitiative wurden Sonderzüge bei der Regentalbahn geordert. Die „Wanderbahn“ war geboren und ist seitdem etwa 30 Mal pro Jahr zwischen Viechtach und Gotteszell unterwegs. Erhalten blieben auch die Werkstätten der Regentalbahn in Viechtach. 1922 erbaut und 1982 modernisiert, werden dort heute noch die Loks der Regentalbahn gewartet. Aber auch Drittaufträge werden am Viechtacher Bahnhofsplatz verarbeitet. Fast täglich sind zwischen Viechtach und Gotteszell Triebwägen zur Werkstätte unterwegs. Der Zugverkehr läuft, nur ohne Reisende. Wird die Strecke komplett stillgelegt - ein Radweg gilt dabei als wahrscheinlichste Alternative - dann wird auch die Werkstatt in Viechtach mit etwa 100 Arbeitsplätzen Geschichte sein.

Gotteszell - Viechtach soll wiederbelebt werden

Seit gut einem Jahr werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den endgültigen Tod der Bahnverbindung zwischen Viechtach und Gotteszell zu verhindern. Regionale Volksvertreter, Bürger und Bahnfreunde ziehen an einem Strang, um die Entscheidungsträger in München von einer Wiederbelebung der Verbindung „Gotteszell-Viechtach“ zu überzeugen. Die Hoffnung stirbt zuletzt: In Kürze wird die Bayerische Eisenbahngesellschaft die Waldbahnstrecken neu ausschreiben. Dann soll auch Gotteszell-Viechtach in regelmäßigem Takt befahren werden. Eine endgültige Entscheidung trifft das Wirtschaftsministerium. Dort bräuchte es nur sechs Worte: „Die Strecke Viechtach-Gotteszell wird wiederbestellt.“ Denn eines sollte klar sein: Direkte, klare Ansagen bedeuten nicht zwangsläufig politischen Selbstmord. Sie können auch Leben erhalten - wenn sie gut sind.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 25.09.2010

”Prüfung ist noch nicht abgeschlossen“
Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach: Minister antwortet der CSU

Viechtach/Gotteszell. Die von vielen Seiten gewünschte Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach lässt weiter auf sich warten. „Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen“, hat Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil verlauten lassen.

Der Wirtschaftsminister antwortete auf ein Schreiben von Kreisrat Willi Köckeis (Langdorf), der als Vorsitzender der CSU-Kreistagsfraktion im August diesbezüglich an das Wirtschaftsministerium geschrieben hatte. Der Brief von Willi Köckeis im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Staatsminister Zeil, die CSU-Kreistagsfraktion hat sich bei der jüngsten Sitzung nochmals einstimmig und mit Nachdruck für die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach ausgesprochen. Auch die 4500 Unterschriften von Bürgern aus unserer Region geben ein eindeutiges Votum dafür ab. Selbst wenn die Fahrgastzahlen nach der erstellten Potenzialanalyse nicht ausreichend erscheinen sollten, um die Strecke neu zu beleben, müssen neben reinen Wirtschaftlichkeitserwägungen auch strukturpolitische Effekte und der touristische Wert der Bahnlinie berücksichtigt werden. Es könnten rund 100 Arbeitsplätze in den Werkstätten der Regentalbahn in Viechtach gesichert werden. Neues Fahrgäste-Potenzial sehen wir neben dem Tourismus in der Aufnahme des Betriebs einer Außenstelle der Fachhochschule Deggendorf in Teisnach.

Ein starkes neues Argument ist in den vergangenen Wochen hinzu gekommen: GUTi, das Gästeservice-Umweltticket. Die Urlauber bekommen einen elektronisch erstellten Meldeschein, mit dem sie kostenlos sämtliche Busse und Bahnen im Tarifgebiet des Bayerwald-Tickets nutzen können. Wie Landrat Wölfl sowie Projektleiterin Christina Wibmer berichteten, wird dieses Angebot enorm gut angenommen. Die Fahrgastzahlen haben sich demnach seit Einführung von GUTi auf manchen Strecken verdreifacht. Entsprechende Auswirkungen seien auch auf der Strecke Viechtach - Gotteszell zu erwarten. Die Strecke ist gut in Schuss, weil sie regelmäßig von den Zügen der Wanderbahn befahren wird und durch den Werkstattbetrieb optimal von der Regentalbahn AG gepflegt wird. Deshalb fordern wir die Aufnahme in die Ausschreibung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft.

Die Politik in der Region hat sich mit einer Initiative für die Bahn quer über alle Parteien, unterstützt von der gesamten Bevölkerung und den regionalen Medien, uneingeschränkt dafür ausgesprochen. Gerade mit der Wiederbelebung dieser Strecke und der damit einher gehenden Verbesserung des ÖPNV kann die Staatsregierung die viel propagierte Unterstützung des „Ländlichen Raumes“ in die Tat umsetzen. Wir bitten Sie verehrter Herr Staatsminister, sich des dargelegten Themas anzunehmen und zu unterstützen“.

Auf diesen Brief hat Wirtschaftsminister Martin Zeil wie folgt geantwortet:

„Sehr geehrter Herr Vorsitzender, vielen Dank für Ihr Schreiben zur Reaktivierung der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell. Ich kann Ihren Wunsch nach der Reaktivierung der Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach gut nachvollziehen und freue mich natürlich über das Interesse der Region an einem leistungsfähigen ÖPNV. Auch die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bahnbetriebswerk der Regentalbahn in Viechtach nehme ich ernst. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass der langfristige Fortbestand des Bahnbetriebswerks allein von der Reaktivierung der Strecke abhängt. Hierfür spielen andere Faktoren eine mindestens ebenso große Rolle. Ich bitte daher um Ihr Verständnis, dass ich dies deswegen nicht als entscheidendes Kriterium sehen kann.

In der Verantwortung für die sparsame und wirtschaftliche Verwendung öffentlicher Mittel bin ich daher verpflichtet, an erster Stelle den verkehrlichen Nutzen und die Wirtschaftlichkeit einer Neubestellung von Schienenpersonennahverkehr zu prüfen. Wie Sie wissen, ist diese Prüfung noch nicht abgeschlossen. Zu Recht weisen Sie auf die offenbar sehr positiven Effekte des neuen Gästeservice Umwelt-Ticket in der Region hin. Mit Herrn Landrat Wölfl haben wir daher vereinbart, dass die Auswirkungen, die sich durch dieses Angebot in der Region ergeben haben, in dieser Sommersaison ermittelt und in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Ich versichere Ihnen, dass in unserer Entscheidung alle von Ihnen aufgeführten Argumente Eingang finden werden.“ - hl/vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 18.09.2010

GUTi sorgt für Wertschöpfung in der Region
ÖPNV-Konzept ist regional und überregional ein voller Erfolg - Interview mit Christina Wibmer

Zwiesel. In Düsseldorf bei der Preisverleihung des Fahrtziel-Natur Awards der Deutschen Bahn war sie gefragt. Ein paar Tage später in München bei einer Tagung des Deutschen Tourismusverbandes. Es ist zurzeit gar nicht so einfach, einen Gesprächstermin mit Christina Wibmer vom Nationalpark-Verkehrskonzept zu vereinbaren. Das GUTi (Gästeservice Umwelt-Ticket) hält sie ganz schön auf Trab. Aus ganz Deutschland kommen Anfragen für Vorträge über dieses innovative ÖPNV-Konzept. Christina Wibmer ist von dem großen Erfolg selbst überrascht, wie sie im Interview mit dem Bayerwald-Boten verrät.

Man hat den Eindruck, dass alle mit dem GUTi zufrieden sind. Gibt es wirklich nur positive Erfahrungen?

Wibmer: Momentan können wir nur auf Aussagen der Gäste, Eindrücke des Fahrpersonals und eigene Befragungen zurückgreifen. Das alles zeigt aber, dass alle rundum zufrieden sind: Gäste kommen sogar in die Tourist-Infos und bedanken sich für den tollen Service durch das GUTi. Eine Hoteliersfrau aus Grafenau hat vier Wochen nach Einführung von GUTi zu mir gesagt: „Frau Wibmer, das ist das Beste, was uns bisher eingefallen ist!“. Das hat mich schon gefreut. Allgemein bin ich positiv überrascht, wie schnell das GUTi angenommen worden ist.

Gibt es auch bereits messbare Fakten, die den Erfolg belegen?

Wibmer: Die Fahrgastzahlen sind in allen Verkehrsmitteln gestiegen. Diese Eindrücke stammen nicht nur vom Fahrpersonal, sondern auch von Anwohnern, die sich wundern, dass schon mal Fahrgäste in der Waldbahn zwischen Grafenau und Zwiesel stehen müssen. Augenfällig ist auch, dass die im letzten Jahr erstellte Fahrgastpotenzial- Analyse zur Waldbahnnutzung durch GUTi überholt wurde. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat aufgrund der gestiegenen Auslastung in den Zügen neue Zählungen und sogar eine Befragung zur GUTi-Nutzung veranlasst. Das ist gerade vor dem Hintergrund der kommenden Wettbewerbsausschreibung für die Waldbahnzüge wichtig, zum Beispiel für den angestrebten Stundentakt zwischen Zwiesel und Grafenau oder auch für die Wiederbelebung der Strecke Gotteszell - Viechtach. Insgesamt kann man sagen, dass die gesteckten Ziele ganz schnell erreicht wurden und dass teils sogar Nebeneffekte aufgetreten sind, die so nicht erwartet waren.

Welche Nebeneffekte?

Wibmer: Zum Beispiel, dass Urlauber auch bei schlechtem Wetter unterwegs sind und die Waldbahn als Schlechtwetter- Infrastruktur nutzen. Oder dass Gäste schon in den ersten Wochen den Tourist-Infos deutlich sagten, dass sie den Urlaub in der GUTi-Gemeinde verbringen, weil das ursprünglich ausgesuchte Urlaubsziel GUTi nicht anbietet. Die Ausflüge mit Bus und Bahn sorgen außerdem für regen Kontakt der Gäste untereinander. So werden in Mund-zu-Mund-Werbung Ziele weiter empfohlen. Eine Vernetzung und Nutzung des Freizeitangebotes quer durch die gesamte Region ist zu erkennen. Die Nutzung von GUTi sorgt so auch für zusätzliche Wertschöpfung in der Region.

Die Gemeinden zahlen für das GUTi-Angebot 31 Cent Umlagebeitrag pro Übernachtung an die Koordinierungsstelle.
30 Cent davon werden unter den Verkehrsunternehmen aufgeteilt. Gibt es Diskussionen über diesen Abgabebeitrag?

Wibmer: Bei den Gästen nicht. Ich denke, jedem ist bewusst, dass man für 31 Cent normalerweise nicht viel bekommt. Mit GUTi bekommt man aber tägliche Mobilität auf einem Verkehrsnetz von über 1100 Kilometern. Die Gäste sind viel eher bereit, eine höhere Kurtaxe zu bezahlen, weil man einen nennenswerten Gegenwert bekommt.

Die Umlagepauschale müssen alle Gemeinden entrichten, egal wie gut das Verkehrsnetz ausgebaut ist oder wie häufig die Gäste Bus und Bahn nutzen. Haben alle Gemeinden einen Nutzen aus GUTi?

Wibmer: Ein klares Ja. Es ist zwar richtig, dass rund um den Nationalpark und in den Waldbahnorten die besten Verkehrsanbindungen bestehen, aber für fast jeden Ort kann man gut nutzbare Ausflugstouren ausarbeiten. Die Erfahrung zeigt, dass Urlauber kein Problem haben, mit dem Auto zum nächsten Bahnhof oder Haltestelle zu fahren. Darüber hinaus lässt sich GUTi hervorragend für die touristische Werbung nutzen. Denn noch ist diese kostenlose ÖPNV-Nutzung ein klares Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Regionen.

Derzeit sind zehn Kommunen an GUTi beteiligt. Haben bereits weitere Interesse angemeldet?

Christina Wibmer: Ja, zum 1. November wird Mauth und zum 1. Dezember Regen dazu kommen. Besonders erfreulich ist, dass man auch im Landkreis Cham, etwa in Lam und Bad Kötzting, über die kostenlose ÖPNV-Nutzung nachdenkt. Eine GUTi-Nutzung ist dann in Kooperation mit dem Verkehrsverbund im Landkreis Cham angedacht, so dass GUTi wohl über kurz oder lang auf einem noch größeren Verkehrsgebiet möglich sein wird.

Interview: Christina Hackl

 

MÜNCHNER NOTIZEN
Von Alexander Kain

Die erste Kabinettssitzung nach der Sommerpause begann diese Woche mit einer kleinen Feier - Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) hatte just zum ersten Zusammentreffen der bayerischen Minister und Staatssekretäre Geburtstag. „Sekt gibt es da keinen. Es ist nicht üblich, dass man im Kabinett feiert. Der Ministerpräsident sagt halt ein paar Worte“, erzählt Brunner. Horst Seehofer (CSU) habe ihm - eher mehr scherzhaft - angeboten, sich ab 12 Uhr mittags frei zu nehmen, „was natürlich nicht ging“, schmunzelt Brunner. Immerhin habe Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) nachgefragt, was er, Brunner, sich zum Geburtstag wünsche. „Da habe ich gleich was gehabt“, sagt Brunner. „Ich habe ihm gesagt, dass er mir sein Okay als Wirtschaftsminister für eine Bahnlinie schenken könne - von Gotteszell bis Viechtach.“ Da habe Zeil dann doch ein bisschen pikiert geschaut, feixt Brunner.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 11.09.2010

Mit Vollgas in die Bahnausstellung
Im Bahnhof werden Exponate aus 120 Jahren Regentalbahn gezeigt - Ausstellungseröffnung mit 60 Gästen

© www.pnp.de

Auf eine gelungene Bahn-Ausstellung stoßen an: (von links) Staatsminister Helmut Brunner,
3. Landrat Heinrich Schmidt, Landrat Heinz Wölfl, Regentalbahn-Vorstand Gerhard Knöbel
und die frühere Direktionsassistentin Elfriede Leitner.
(Foto: Schlamminger)

Viechtach. Zu einer Demonstration für die Bedeutung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell wurde gestern die Eröffnung der Ausstellung ”120 Jahre Regentalbahn“ im Bahnhof Viechtach. Dazu waren am späten Freitagnachmittag gut 60 Gäste aus Politik, aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Firma sowie Vertreter des Vereins ”Wanderbahn im Regental“ im Bahnhof zusammengekommen.

Vorstand Gerhard Knöbel reihte in seiner Begrüßung bahntechnisch bedeutsame Ereignisse aneinander: 175 Jahre Eisenbahn in Deutschland, Baubeginn Stutttgart 21, 120 Jahre Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell. Mutig und visionär seien die Gründer damals gewesen, die hier eine Schiene verlegt hätten. Dankbar blickte er auf all die Menschen, die das Unternehmen in diesen 120 Jahren durch zum Teil turbulente Zeiten geführt hätten. Persönlich erwähnte er die anwesende Elfriede Leitner aus Ruhmannsfelden, die 1942 als Direktionsassistentin zur Firma gestoßen war. Knöbel dankte dem Wanderbahn-Verein für sein Engagement für die Strecke und allen Mitarbeitern für ihr Engagement für das Unternehmen. Die Ausstellungseröffnung wurde musikalisch untermalt vom Zitherclub Regensburg.

Aktuell fährt die Regentalbahn neben dem Wanderbahn-Netz mit der Oberpfalzbahn, mit der Vogtlandbahn und dem Alex von Oberstdorf bis Prag. In dieser Woche hat das Unternehmen laut Knöbel zudem die Ausschreibung für grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland, Tschechien und Polen gewonnen. Daneben besitze die Regentalbahn drei Werkstätten in Neumark (Sachsen), Schwandorf (Oberpfalz) und in Viechtach, wobei die Viechtacher vom Erfahrungsschatz und dem Leistungsspektrum her die bedeutsamste in der Firmengruppe darstelle. Mit der aktuell anstehenden Ausschreibung der Regionalbahnen Ostbayern geht es aus Sicht Knöbels ganz konkret um den Standort Viechtach: „Die Zukunft von Gotteszell-Viechtach ist die Zukunft des Standorts Viechtach“. Großen Applaus erntete der RAG-Vorstand für die Aussage, dass er sich sicher sei, „dass wir das auch schaffen“.

An diesen kämpferischen Appell schloss Staatsminister Helmut Brunner in seiner Festansprache nahtlos an. Nach dem Dank für die Pionierleistung zur Erschließung des Bayerischen Waldes erwähnte er die Bedeutung der Eisenbahn für wirtschaftlichen Aufschwung. Dies gelte auch heute, um so mehr sei es von enormer Bedeutung, dass die Strecke Gotteszell-Viechtach Teil der Waldbahn-Ausschreibung werde. Damit könnte auch dieser Teil des Landkreises für die Bevölkerung und auch für Touristen wieder interessanter werden. „Da muss rasch Klarheit herrschen“, forderte der Minister; voraussichtlich Ende Oktober würden die aktuell aufbereiteten Fahrgastprognosen vorliegen.

Unverblümt äußerte Brunner seinen Eindruck, dass man im Wirtschaftsministerium derzeit noch mehr Hindernisse als Chancen für die Bahnstrecke sehe. Um so mehr appellierte er an die Anwesenden Mandatsträger, darunter die 1. Bürgermeister aus Viechtach, Böbrach, Geiersthal, Patersdorf, der 2. Bürgermeister aus Zachenberg und der 3. Bürgermeister aus Cham, alle Argumente für die Strecke zu bemühen. Er selbst berichtete von Gesprächen mit Minister Zeil und im Kabinett und brachte das E-Wald-Projekt vor, um das sich die Region derzeit bemühe. Ideal wäre es nach Ansicht des Ministers, wenn der Urlaubsgast mit dem Zug anreist und in Viechtach in das Elektroauto umsteigt, um den Bayerischen Wald zu erleben. Und Brunner schloss: „Es hat schon aussichtslosere Dinge gegeben, die am Ende erfolgreich waren“. Der Ausstellung wünschte er großen Erfolg.

Landrat Heinz Wölfl erwähnte in seiner Ansprache vor allem die positiv zu erwartenden Effekte durch das Gästeservice Umweltticket „GUTi“, mit dem Urlauber kostenlos Zug fahren könnten. Wo es eingeführt sei, seien die Fahrgastzahlen gestiegen, sagte der Landrat; dies werde auch hier gelten. Es schloss sich ein Rundgang durch die Ausstellung und das Betriebsgelände an.  - gsc

INFO
Die Ausstellung „120 Jahre Regentalbahn“ im Bahnhof Viechtach ist heute, Samstag, von 10.30 bis 13 Uhr geöffnet sowie an allen Sonntagen bis 10. Oktober von 12.30 Uhr bis 14.20 Uhr.



REDAKTIONSTAGEBUCH

Freitag: Es war ein Scherz - aber der erntete den meisten Applaus, als Staatsminister Helmut Brunner in seiner Ansprache zur Eröffnung der Bahn-Ausstellung von einem Anruf in der zuständigen Abteilung im Wirtschaftsministerium erzählte. Gestern Nachmittag sagte er zu dem Mitarbeiter, dass es doch sicher im Sinne des Kollegen Zeil sei, wenn er am Abend anlässlich des Bahn-Jubiläums in Viechtach verkünden könne, dass nunmehr feststehe, dass der Bahnbetrieb auf der Strecke Viechtach - Gotteszell wieder aufgenommen werde. „Die Reaktion: zunächst Stille, dann die Antwort: Tun Sie das bitte nicht, es ist ja noch überhaupt nichts entschieden“, erzählte ein hintergründig lächelnder Minister und bat darum, über diese Anekdote mit aller Vorsicht zu berichten. Gleichzeitig appellierte der gelernte Landwirt an alle in der Region, weiter für die Bahnstrecke zu kämpfen - mit allen Mitteln, Argumenten und Aktionen. Und auch mit Bauernschläue, im besten Sinne des Wortes (siehe oben)! - gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 09.09.2010

120 Jahre Bahn
Ausstellung im Bahnhof

Viechtach. Die Eröffnung der Keimzelle der Regentalbahn AG, die 25 Kilometer lange Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach, jährt sich in diesem Jahr zum 120. Mal. Damals 1890 schaffte das aus Privatinitiative entstandene „Eisenbahn-Komitee“ trotz Vorbehalten des Bayerischen Verkehrsministeriums den Bau der Strecke und Bahnhöfe finanziell aus eigener Kraft. Dieses Eisenbahnunternehmen behauptet sich bis heute im Wettbewerb mit anderen Bahnbetreibern erfolgreich.

Aus diesem Anlass gestaltet der Verein Wanderbahn im Regental in Zusammenarbeit mit der Regentalbahn AG eine liebevoll erstellte Ausstellung zur Geschichte und Entwicklung dieser Bahn. Passend findet diese in den Räumen des Viechtacher Bahnhofs ihren Platz, eröffnet wird am Freitagabend mit Ehrengästen. Gezeigt werden bis 21. November neben vielen Exponaten vor allem Fotos vom Bau bis hin zum heutigen Betrieb. Auch auf den vielfältigen Fahrzeugpark und die Viechtacher Bahnwerkstätte wird dabei eingegangen. Thema ist ferner die erhoffte Wiederaufnahme des planmäßigen Personenverkehrs nach Viechtach. - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 21.08.2010

”Der Gleiskörper ist intakt“
Gotteszell-Viechtach: ÖDP-Kreisräte schreiben an Staatssekretärin

Viechtach. Deutliche Worte finden die ÖDP-Kreisräte in einem offenen Brief an Staatssekretärin Katja Hessel im Bayerischen Wirtschaftsministerium. Unter dem „Betreff: Wiederbelebung der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach“ zählen sie eine ganze Reihe von Argumenten auf, die für Personennahverkehr auf dieser Schiene sprechen. Großes Vertrauen haben sie durch die bisherigen Prüfungen aber offensichtlich nicht in die Staatsregierung. Denn: „Wir haben den Eindruck, dass man die vorliegenden Fakten nicht wahrhaben will“.

Die ÖDP-Kreisräte Günther Iglhaut als Fraktionssprecher, Hermann Pledl, Aloisia Pledl und Brigitte Baueregger wenden sich an Hessel, weil sie sich laut einem Zeitungsinterview nach einer Neuordnung der Aufgaben im Wirtschaftsministerium verstärkt um den Tourismus und den ländlichen Raum kümmern wolle. „Gesicht und Ansprechpartner für die touristischen Akteure in Bayern“ wolle Hessel sein, zitiert die ÖDP. Die Kreisräte der ÖDP im Landkreis Regen freuen sich auf den versprochenen Einsatz und wenden sich auch gleich mit einem großen Anliegen an die FDP-Politikerin.

Touristen, die ihren Urlaub im Bayerischen Wald verbringen wollen, seien sicher überwiegend an der schönen Natur interessiert und würden daher auch gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. „Im Landkreis Regen verkehrt die Waldbahn von Plattling nach Bayr. Eisenstein mit Anschluss in den Landkreis Freyung/Grafenau und damit in den Nationalpark Bayerischer Wald. Die Stadt Viechtach und weitere Gemeinden mit zirka 17 000 Einwohnern sind zwar im Landkreis Regen gelegen, aber von einer Anbindung an das Waldbahnnetz derzeit ausgeschlossen. Dabei wäre der Anschluss/die Erweiterung kurzfristig zu ermöglichen. Der Gleiskörper auf der Strecke von Gotteszell nach Viechtach ist nämlich intakt.“ Er werde von der Regentalbahn gewartet und täglich einmal leer von Waldbahnshuttles befahren.

Die ÖDP-Kreisräte erinnern daran, dass sich in Viechtach die Wartungswerkstätten befinden und hier zirka 100 qualifizierte Arbeitsplätze sichern. Außerdem verkehrt an einzelnen Sonntagen zwischen Mai und Oktober zwischen dem Bahnhof Gotteszell und Bahnhof Viechtach die Wanderbahn, die von einem privaten Verein betrieben wird. Die ÖDP schreibt: „Sie haben richtig gelesen, es gibt intakte Gleise und auch Bahnhöfe.“

Die Kreisräte erinnern daran, dass seit letztem Jahr der Antrag aller Gemeinden und Parteien im Landkreis, die Waldbahnstrecke bei der demnächst anstehenden Neuausschreibung um die Strecke von Gotteszell nach Viechtach zu erweitern, mit mehreren Resolutionen dem Wirtschaftsministerium vorliegen. Allerdings haben sie den Eindruck, dass man die vorliegenden Fakten nicht wahrhaben will. „Und das, obwohl Politiker seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholen, dass der ländliche Raum besonders zu fördern ist“.

Auch Hessel habe in ihrem Interview den vollen Einsatz für Tourismus und ländlichen Raum versprochen. Deshalb erhoffen sich die ÖDP-Kreisräte von ihr, dass sie die zuverlässige und einsatzfreudige Politikerin sei, als die sie sich in dem Interview dargestellt habe. „Zu einer nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums angesichts von CO2-Problematik und Energieknappheit gehört unserer Meinung nach auch der Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz. Nichts anderes bitten wir Sie umzusetzen und damit wirklich etwas für die Förderung des ländlichen Raumes zu tun“. - vbb/gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 14.08.2010

Bahn: Das Ziel bleibt weiter im Dunkeln
Ministerium prüft immer noch die Fahrgastzahlen - Strecke Viechtach-Gotteszell heuer 120 Jahre alt

Von Gunther Schlamminger

Viechtach. Im Herbst steht für die Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell ein kleines Jubiläum an: 120 Jahre sind es heuer, dass nach einer Privatinitiative aus der Region im Jahre 1890 die ersten Züge auf dieser 25 Kilometer langen Strecke verkehrten, die bis Teisnach idyllisch unmittelbar am Schwarzen Regen entlang führt. Noch ist nicht klar, ob die Strecke das 125-Jährige erreichen wird.

Zentrale Voraussetzung für das Weiterbestehen ist die Wiederaufnahme von Personenverkehr - „ganz grundsätzlich“, legt sich Gerhard Knöbel fest. Er ist Vorstand der Regentalbahn AG, das ist der Streckeneigentümer. Als solcher und als Eisenbahninfrastrukturunternehmen habe die Regentalbahnbetriebs GmbH zuletzt an mehreren Gesprächen und Besuchen zur Bewertung des Zustands und der notwendigen Investitionen zur Ertüchtigung der Strecke für einen Regelbetrieb teilgenommen.

„Werk ohne Bahn nicht überlebensfähig“

Für Knöbel bedeutet der Regelbetrieb zuallererst ein attraktives ÖPNV-Angebot und damit einen wichtigen Zugang zu neuem Tourismuspotenzial und Standortqualität für die Gemeinden entlang der Strecke. Erst als zweites nennt er gegenüber dem Viechtacher Bayerwald-Boten den Personenverkehr als eine Möglichkeit des Erhalts des Instandhaltungswerks in Viechtach, welches allerdings „ohne Bahnanschluss nicht überlebensfähig sein wird“. Damit bestätigt der Manager die Befürchtungen der regionalen Politiker, dass 100 Arbeitsplätze verloren gehen könnten, falls die Strecke bei der demnächst anstehenden Wiederausschreibung der Waldbahn-Spinne erneut nicht berücksichtigt würde. Nachdem der Freistaat Bayern als Haupteigentümer die Regentalbahn im Jahre 2004 an den britischen Arriva-Konzern verkauft hatte, wurde eine Bestandsgarantie lediglich bis Ende 2010 vertraglich festgeschrieben.

Dazu kommt aktuell ein weiterer Aspekt: Derzeit ist die Deutsche Bahn dabei, den Arriva-Konzern zu übernehmen. Die EU hat dies zwar genehmigt, aber nur unter der Auflage, dass die Bahn das Arriva-Deutschlandgeschäft weiterverkauft; also auch die Regentalbahn. Sollte nun im Zuge der Neuausschreibung die Strecke bereits einbezogen sein, könnte dies für einen Neu-Eigentümer positiv sein, meinen Beobachter. Denn dieser könnte dann auf das bestehende Werk zurück greifen und seine Züge hier warten bzw. die Dienstleistungen des Werks anderen Eisenbahnunternehmen anbieten.

Neue Chancen also für Viechtach? Das für die Bestellung von Regelbetrieb zuständige Wirtschaftsministerium in München gibt sich weiter bedeckt. Zwar liegt die von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft erstellte Fahrgastanalyse vor. Der Öffentlichkeit will man sie aber lieber nicht vorstellen, teilte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage mit. Er bestätigte nur, dass sich die zuletzt im Kreistag genannte Zahl von 530 Personen auf die Gesamtzahl der ein- und aussteigenden Fahrgäste bezieht. Weil unklar sei, ob der vorgesehene Zweistundentakt geeignet sei, Schülerverkehre vom Bus zu übernehmen, seien diese nicht einberechnet. Offen sei zudem noch, ob das Gäste-Umwelt-Ticket („GUTi“) deutliche Mehrverkehre erwarten lasse. „Weitere Fahrgastzählungen sollen hier noch zusätzliche Daten liefern“, so der Ministeriumssprecher. Daneben weist er darauf hin, dass die größte Querschnittsbelastung der anderen Waldbahnstrecken bei rund 400 Personen liegt. „Für die Strecke Gotteszell-Viechtach wird ein geringerer Wert prognostiziert“, heißt es in der Stellungnahme. Wie hoch dieser Wert allerdings ist, bleibt ebenfalls unter Verschluss.

Keine Zahlen zu Vergleichsstrecken

Warum sich die Strecke mit der größten Belastung messen muss? Antwort: „Die Querschnittsbelastung ist nur eine mögliche Vergleichszahl. Die höchsten Werte stellen sich typischerweise vor den Knotenbahnhöfen oder Zentren ein“. Vergleichszahlen, etwa zur Strecke Frauenau nach Grafenau oder Kötzting nach Lam, rückt das Ministerium nicht heraus - „aus Vertraulichkeitsgründen“. Nicht an sich heran lässt das Ministerium auch die Fragen nach der Zukunft der 100 Viechtacher Bahnwerkstatt-Arbeitsplätze. Deren Erhalt hänge nicht unmittelbar mit der Bestellung von Schienen-Personen-Nahverkehr-Leistungen zusammen, glaubt man in München ganz im Gegensatz zu der eindeutigen Position des Regentalbahn-Vorstands. Der Ministeriumssprecher, der übrigens namentlich nicht genannt werden will: „Der langfristige Umfang der Nutzung der Werkstatt wird eine unternehmerische Entscheidung der Regentalbahn bzw. Arriva sein, die von verschiedenen Faktoren, darunter auch die Entwicklung der Geschäftstätigkeit in der Region, abhängen wird.“

Kein Wort darüber, dass der Freistaat Bayern als damaliger Haupteigentümer im September 2004 durch den Verkauf der Regentalbahn AG an Arriva laut damaliger Pressemitteilung aus der Staatskanzlei 60 Millionen Euro eingenommen hat. Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte damals versprochen, die erlösten Mittel in Ostbayern einzusetzen. Wörtlich wurde er von der Staatskanzlei zitiert: „Die Menschen in Ostbayern können sich darauf verlassen, dass wir uns für sie einsetzen und sie nicht im Stich lassen.“ Stolz wurde damals verbreitet, dass Finanzminister Kurt Faltlhauser mit dem Erwerber eine Bestandsgarantie für die Konzernstruktur bis Ende 2010 vereinbaren konnte. Und dann? Im Falle der Neuausschreibung der Waldbahn-Spinne würden die Bewerber die Kosten der Strecke völlig unabhängig von der Werkstatt kalkulieren, „die Nutzung/Übernahme der Werkstatt hängt von anderen Voraussetzungen ab“, lässt sich das Verkehrsministerium heute zitieren.

Verkauf brachte dem Freistaat 60 Millionen

Die Aussagen aus dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie stoßen bei Arnulf Baier, Vorsitzender des Vereins Wanderbahn im Regental und einer der Vorkämpfer für die Wiederaufnahme von Personenverkehr, auf Unverständnis. Nach seiner Einschätzung dürfte es vergleichbare Strecken geben, die weitaus geringere Werte bringen, als die Prognose für Gotteszell-Viechtach vorhersagt. Baier appelliert an alle Entscheidungsträger und Bahninteressierten der Region, sich weiter an das Ministerium zu wenden und das Interesse an der Bahnstrecke zu bekunden. Denn zumindest dies wird in München positiv gesehen: „Das Bayerische Verkehrsministerium begrüßt das Interesse aus der Region am Schienenverkehr“. Allerdings folgt sofort eine Einschränkung: Staatliche Mittel in erheblichem Umfang müssten jährlich eingesetzt werden. Deswegen sei der Freistaat verpflichtet, eine sorgfältige wirtschaftliche Bewertung durchzuführen. Diese Verpflichtung bestehe auch im Hinblick auf andere Reaktivierungswünsche.

Ein Hinweis, der im Wanderbahn-Verein ebenfalls sauer aufstößt. Hier glaubt man nämlich, dass es sich nicht um eine Reaktivierung handelt, sondern um die Erweiterung einer bestehenden Strecke durch Personenverkehr. Immerhin fährt nahezu täglich ein Zug in die Werkstatt, sonntags fährt die Wanderbahn. Damit könnte die Strecke eher mit einer Güterzugstrecke verglichen werden; und so war es zum Beispiel zwischen Hörpolding und Traunreut (Landkreis Traunstein, Oberbayern), wo seit 2006 nach 43 Jahren außer Gütern wieder Personen befördert werden. Dazu das Ministerium: „Hier handelt es sich um eine Verbindung der größten Stadt im Landkreis (20 000 Einwohner) mit der Kreisstadt.“ Die Kosten würden hier unter 100 000 Euro pro Jahr liegen.

Durch die Strecke Viechtach-Gotteszell bekämen die Stadt Viechtach, die Märkte Ruhmannsfelden und Teisnach und die Gemeinden Patersdorf und Böbrach unmittelbaren Bahnanschluss, 16 667 Einwohner wären betroffen. Nimmt man das mit seiner Bebauung unmittelbar an Ruhmannsfelden angrenzende Zachenberg und das unmittelbar an Teisnach angrenzende Geiersthal dazu, kommt man auf 21 065 Einwohner. Und: Nach Zahlen des Wanderbahn-Vereins würde die Strecke 0,15 Prozent der Gesamtkosten des bayerischen Eisenbahnnetzes ausmachen (die Waldbahn macht demnach jetzt 1,2 Prozent aus; weitere Zahlen siehe unten). Wie geht es weiter? Sobald das Ministerium seine weiteren Überprüfungen abgeschlossen hat, soll es eine weitere Besprechung geben, bei der mit Landkreis und Kommunen nochmals über Potenziale und Wirtschaftlichkeit einer Reaktivierung gesprochen werde; dann unter Einbeziehung der „GUTi“-Effekte.

AUSSCHREIBUNG
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft bereitet derzeit die Ausschreibung der zu einem gemeinsamen Wettbewerbsprojekt zusammengefassten Strecken Waldbahn, Oberpfalzbahn, Regionalzüge Marktredwitz-Regensburg vor. Wie die BEG auf Anfrage mitteilt, soll die Ausschreibung „Regionalzüge Ostbayern“ nach den derzeitigen Planungen im Herbst 2010 im europäischen Amtsblatt veröffentlicht werden. Nach Veröffentlichung der Ausschreibung haben die Bewerber etwa fünf bis sechs Monate Zeit, um ein Angebot einzureichen.

 

3,6 Mal mehr Reisende als im Bayern-Durchschnitt
Viechtach-Gotteszell schneidet im Vergleich gut ab

  • Die Bayerische Eisenbahngesellschaft beauftragt die Verkehrsunternehmen mit insgesamt 110 Millionen Zugkilometern jährlich (Stand: 2010). Seit der Bahnreform 1995 und der damit verbundenen Verlagerung der Zuständigkeit für Regionalverkehr auf den Freistaat gab es eine Steigerung um 34 Prozent.
  • An einem Werktag nutzen geschätzte 1,3 Millionen Fahrgäste das Angebot im bayerischen Schienen-Personen-Nahverkehr.
  • Bei der zu einem gemeinsamen Wettbewerbsprojekt zusammengefassten Ausschreibung für die Strecken Waldbahn, Oberpfalzbahn, Regionalzüge Marktredwitz-Regensburg geht es um 4 Millionen Zugkilometer pro Jahr.
  • Der Anteil für das gesamte Waldbahn-Netz liegt bei jährlich 1,3 Millionen Zugkilometer. Für die Strecke Gotteszell-Viechtach kämen (mit Annahme: 2-Stunden-Takt) rund 165 000 Kilometer Betriebsleistung hinzu. Das sind gerade einmal 0,15 Prozent der bayerischen Verkehre.
  • Legt man die vorgenannten Zahlen zugrunde, ergeben sich rechnerisch bayernweit pro Zugkilometer täglich 0,2318 Reisende.
  • Für die Strecke Gotteszell-Viechtach ergeben sich, nach der bekannt gewordenen Zahl von 530 ein- und aussteigenden Fahrgästen, mit dem selben Rechenansatz 0,8528 Reisende täglich.
  • Die Zahlen noch einmal gegenübergestellt heißt das: Auf der Strecke Gotteszell-Viechtach würden täglich rechnerisch 3,6 Mal mehr Passagiere pro gefahrenem Kilometer mitfahren als im Bayern-Durchschnitt; ein gutes Argument für die Einbeziehung in die Waldbahn-Spinne. - gsc

Quellen: www.bayernland-bayern.de; www.ostbayernbahn.de; eigene Berechnungen.

 

REDAKTIONSTAGEBUCH

(...)

Freitag: Seit weit mehr als einem Jahr dauern die Bemühungen um planmäßigen Personenzugverkehr zwischen Gotteszell-Bahnhof und Viechtach an. Nach dem Gespräch im Ministerium kamen die Politiker der Region mit zwiespältigen Gefühlen zurück in die Heimat, hieß es doch, die Prognose für die Strecke ergäbe 530 Fahrgäste. 1000 seien jedoch erforderlich, hieß es. Weil Schülerverkehre und das aufkommende GUTi-Ticket, mit dem Urlauber kostenlos mitfahren könnten, noch nicht eingerechnet waren, wurden weitere Prüfungen zugesagt, ein zweites Gespräch soll folgen. Jedoch liegt die Strecke mit der Prognose schon jetzt gut im Rennen, wie Berechnungen des Viechtacher Bayerwald-Boten ergeben haben (siehe Bericht oben).

Im Ministerium will man bisher die Bedeutung des Personenverkehrs für den Erhalt der rund 100 Arbeitsplätze in den Viechtacher Regentalbahn-Werkstätten nicht so recht erkennen. Wenn auch die agierenden Personen (und Parteien) heute andere sind, gilt es doch, an die Verantwortung des Ex-Eigentümers zu appellieren. Schließlich gehörte die Privatbahn bis 2004 dem Freistaat; und mit den damals erlösten 60 Millionen Euro könnte man den Personenverkehr locker finanzieren! – gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 14.08.2010

Ein GUTi und andere gute Dinge
CSU-Kreistagsfraktion beschäftigt sich mit infrastrukturpolitischen Themen

Viechtach. Nach der Besichtigung der Baustelle des Gymnasiums in Viechtach (wir berichteten bereits) trafen sich die Mitglieder der CSU-Kreistagsfraktion im Gasthaus „Zum Peter“ in Viechtach zu einer Fraktionssitzung. Hauptthema waren dabei laut einer Mitteilung der CSU-Kreisgeschäftsstelle Regen die verschiedensten Infrastrukturmaßnahmen im Landkreis Regen, die bereits verwirklicht wurden oder die auf der Agenda stehen. „Ein wichtiger Schwerpunkt in einem Landkreis, in dem der Tourismus als Wirtschaftsfaktor eine herausragende Rolle spielt, war dabei natürlich die touristische Infrastruktur“, heißt es in der Pressemitteilung.

Ein besonderes „Bonbon“ für die Feriengäste ist dabei mit dem „Gästeservice Umwelt Ticket“, kurz GUTi, gelungen. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Verkehrsunternehmen im Bayerwald-Ticket-Tarifgebiet und der beteiligten acht Gemeinden. Seit 1. Mai - und vorerst in einer Pilotphase bis zum 31. Oktober - bieten die acht Gemeinden Bayerisch Eisenstein, Frauenau, Grafenau, Hohenau, Neuschönau, Schönberg, Spiegelau und St. Oswald-Riedlhütte ihren Gästen eine kostenlose Beförderung auf allen Bahn- und Busverbindungen im Bayerwald-Ticket-Tarifgebiet an.

Aus der bisherigen Kurkarte der Urlauber in diesen Orten wird so zusätzlich eine Fahrkarte, mit der sie kostenlos alle Verkehrsmittel im Bayerwald-Ticket-Tarifgebiet nutzen können. Dadurch wird einerseits das ÖPNV-Angebot durch zusätzliche Fahrgäste gestärkt, zum anderen gewinnt die bisherige Kurkarte erheblich an Wert für den Feriengast. Die Fahrtmöglichkeiten sind vielfältig. Besonders im Nationalpark-Umfeld besteht mit der Waldbahn und den Igelbussen ein sehr gutes Verkehrsangebot. Die Waldbahn und Busse sorgen für die Anbindung von Bodenmais bis Bayerisch Eisenstein. Die bisherige Resonanz ist ganz hervorragend, positive Stimmen kommen sowohl von zahlreichen Feriengästen wie auch von den Verkehrsunternehmen, die zum Teil eine bedeutend höhere Auslastung verzeichnen, und ebenso von den Tourist-Informationen, in denen sich der Publikumsverkehr zum Teil verdreifacht hat. „Inzwischen gibt es auch schon Interesse aus dem Nachbarlandkreis Cham, ebenfalls so etwas auf den Weg zu bringen“, konnte Landrat Heinz Wölfl stolz berichten.

Aber auch ein für ein weiteres Aufsehen erregendes Projekt, das der touristischen Infrastruktur dienen würde, gibt es Chancen: für das Projekt E-WALD für Elektromobilität im Bayerwald. Obwohl der Bayerische Wald nicht den Zuschlag für die Modellstadt Elektromobilität bekommen hat, die Ministerpräsident Seehofer nach einem Besuch in China ins Leben gerufen hat, könnte dieses Projekt vielleicht in einer zweiten Förder-Tranche noch zum Zuge kommen. „Ich will keine übertriebenen Erwartungen wecken, aber ich sehe durchaus noch realistische Chancen“, meinte der CSU-Kreisvorsitzende, Staatsminister Helmut Brunner, der sich weiterhin nachdrücklich für die E-WALD-Initiative bei Ministerpräsident Seehofer und Wirtschaftsminister Zeil einsetzt. Für die Modellstadt hatte es in ganz Bayern rund 100 Bewerbungen gegeben, den Zuschlag erhielt Bad Neustadt, aber es könnten wohl noch weitere Bewerber zum Zuge kommen. „Und ich denke, da liegen wir ganz weit vorne“, ist Brunner zuversichtlich, dass im Herbst dieses Jahres in dieser Frage noch etwas passieren könnte.

In diesen Kontext gehört auch die von der Region mit Nachdruck geforderte Wiederbelebung der Bahnlinie Gotteszell-Viechtach, über die auch in absehbarer Zeit entschieden werden wird. Hier stehen die Signale aus dem zuständigen bayerischen Wirtschaftsministerium zwar noch nicht auf Grün, aber auch hier ist Brunner im steten Kontakt mit seinem Amtskollegen Martin Zeil. Die Kreistagsfraktion beschloss, sich in einem Brief an Wirtschaftsminister Zeil noch einmal vehement für diese Bahnlinie stark zu machen, bei der neben reinen Wirtschaftlichkeitserwägungen auch ihre strukturpolitische Bedeutung und ihr touristischer Wert berücksichtigt werden müssten. Dieser Brief wurde mittlerweile abgeschickt.

(...)  - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 14.08.2010

Mit der Wanderbahn zum Quarzriff
Naturpark fordert Wiederaufnahme regelmäßigen Bahnverkehrs nach Viechtach

Viechtach. Rund fünfunddreißig Naturliebhaber aus nah und fern haben an der Naturpark-Veranstaltung „Vom Tal des Schwarzen Regen zum weißen Quarzriff Großer Pfahl“ teilgenommen.

Von weither reisten manche Teilnehmer an und waren von dem vielfach unberührten Tal des „Schwarzen Regen“, durch das die Bahnstrecke nach Viechtach führt, besonders beeindruckt. Der stellenweise schnell fließende Fluss liegt mit einem stein- und geröllreichen Bett in einem steilen Flusstal.

Am Bahnhof Viechtach begrüßte Heinrich Schmidt, 1. Vorsitzender des Naturparks, die Teilnehmer. Sein besonderer Dank galt den Mitgliedern des Wanderbahn-Vereins, die diese Ausflugsbahnfahrt am Wochenende ehrenamtlich ermöglichten. Dabei forderte der Naturpark-Vorsitzende eine Wiederaufnahme des täglichen Bahnverkehrs im Zweistunden-Takt nach Viechtach. „Eine Anreise mit der Bahn ist nicht nur umwelt- und klimafreundlich, sondern lädt dazu ein, die Natur und Kultur weiter zu erkunden“, betonte Heinrich Schmidt die Bedeutung einer regelmäßigen Bahnverbindung für den Tourismus und versprach das Führungsangebot des Naturparks noch stärker darauf abzustimmen.

(...) - ro

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 12.08.2010

Bahn: Muthmann schaltet sich ein
Freyunger Landtagsabgeordneter schreibt an den Staatsminister Martin Zeil

Viechtach/Freyung. Die Bemühungen um planmäßigen Personennahverkehr auf der Strecke zwischen Gotteszell-Bahnhof und Viechtach haben einen weiteren Fürsprecher. Der Freyunger MdL Alexander Muthmann hat sich an den zuständigen Staatsminister Martin Zeil gewandt und sich ebenfalls für den Erhalt bzw. die Wiederbelebung dieser Strecke ausgesprochen.

Muthmann schreibt, die Wiederbelebung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell berühre aktuell die Gemüter und Interessen der Menschen in der Region in besonderer Weise. Es gehe dabei auch objektiv um die Sicherung einer wichtigen Infrastruktur und einer chancenreichen Wiederbelebung dieser Bahnlinie. „Gerade in Zeiten intensiver Bemühungen, die ländlichen Räume für die Bevölkerung und die Wirtschaft attraktiv zu gestalten, ist die Bahnstrecke neben ihrem objektiven Wert, auch ein besonderer symbolhafter Ansatz, die regionalen Aktivitäten und Bemühungen zur wirtschaftlichen Belebung im Landkreis Regen, auch durch wirksame staatliche Maßnahmen zu unterstützen“, gibt sich Muthmann, der für die Freien Wähler im Landtag sitzt, überzeugt.

Er weist darauf hin, dass sich die Strecke in einem ausgezeichneten Zustand befinde. Deshalb sei für die neuerliche Nutzung mit keinen intensiven Reaktivierungskosten zu rechnen und sie werte die Stand- und Wohnorte entlang dieser Bahnlinie ganz erheblich auf. Für den früheren Freyung-Grafenauer Landrat kommen als mögliche Nutzer für die Bahnlinie eine Reihe verschiedener Personengruppen in Betracht:

  • Alleine der Betrieb der Außenstelle der Fachhochschule Deggendorf in Teisnach fordert eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrswegenetz und eine leichte Erreichbarkeit für die Studierenden.
     
  • Der Bayerische Wald ist eine Tourismusregion und viele Menschen in dieser Region leben von dieser Einnahmequelle. Durch eine gute Erreichbarkeit der einzelnen Ferienorte können auch neue Zielgruppen angesprochen werden und mit neuen Werbestrategien umweltverträgliche Arrangements beworben werden. Gerade das neu etablierte Gästeservice-Umweltticket (GUTi) lässt erwarten, dass weitere Urlauber für die Nutzung solcher Bahnstrecken gewonnen werden können.
     
  • Natürlich profitieren vor allem die dort wohnenden Bürgerinnen und Bürger von einer guten Anbindung. Besondere Erwähnung sollte hier die immer größer werdende Gruppe der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger finden, denen durch diese Bahnanbindung die Teilnahme am öffentlichen Leben erhalten bleibt, aber auch Schüler, Studenten, Arbeitnehmer und Familien haben ein Anrecht auf eine gute Infrastrukturerschließung, nicht nur in den Ballungsräumen.
     
  • Auch arbeitsmarktpolitisch ist die Wiederbelebung der Strecke von besonderer Bedeutung. Sollte diese Streckenführung nicht in die Ausschreibung aufgenommen werden, sind 100 Arbeitsplätze und in etwa 10 Ausbildungsplätze dieser auf zusätzliche Arbeitsplätze angewiesenen Region gefährdet.

Am Ende wendet sich Muthmann, dessen Heimatstadt Freyung seit der jüngsten Reform zum Regener Landtagswahlkreis gehört, persönlich an den Staatsminister: „Sehr geehrter Herr Minister Zeil, ich bitte Sie, alle Ihre Möglichkeiten zu nutzen, um den Ausbau der Bahnstrecke Viechtach-Teisnach-Gotteszell und eine Wiederbelebung, zu erreichen. Die Region würde Ihnen für eine solche Reaktivierung sehr dankbar sein und vor allem davon auch großen Nutzen haben“. - vbb/gsc

DIE STRECKE ERLEBEN
Wer die 25 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Viechtach und Gotteszell-Bahnhof selbst einmal vom Zug aus erleben will: Auch an den nächsten Sonntagen fährt der Verein „Wanderbahn im Regental e.V.“ in seinem historischen Triebwagen auf dieser Strecke. Abfahrt ist bis Ende August in Viechtach um 10.20, 13.25 und 16.20 Uhr; ab September bis 10. Oktober eine Fahrt weniger. Haltepunkte sind in Schnitzmühle, Gstadt, Nußberg-Schönau, Gumpenried-Asbach, Böbracher Tunnel, Teisnach, Patersdorf, Ruhmannsfelden, Gotteszell. Alle Fahrkarten sind im Zug erhältlich. Nähere Infos unter www.wanderbahn.org im Internet.

 

Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 11.08.2010

Die Viechtacher suchen Anschluss
Wanderbahn-Verein will regulären Zwei-Stunden-Takt für 25 Kilometer lange Strecke -
derzeit fahren nur an 30 Tagen im Jahr Sonderzüge

von Max Hägler

Viechtach - In Viechtach und in Gotteszell träumen sie: Von 'Anne' und 'Marie' und von 'Hans dem Großen'. Es sind die Namen der Lokomotiven, die hier die Menschen durch den Bayerwald kutschierten. Bis die Bahn im April 1991 ihren Betrieb einstellte und die Strecke aus dem Netzplan nahm. Die Viechtacher wollen diese Entwicklung zurückdrehen. Mit Nachdruck kämpfen sie in diesem so pittoresken wie abgeschiedenen Teil Bayerns um einen neuen regulären Anschluss an das Schienennetz im Zweistundentakt. Ungewöhnlich sind Bemühungen um die Reaktivierung stillgelegter Strecken nicht, es gibt etwa überall im Land Museumsbahnen. Und derzeit mühen sich nach Auskunft des bayerischen Wirtschaftsministeriums im Freistaat etwa zehn Regionen um die Wiederaufnahme eines Takt-Fahrbetriebs. Aber oft sind Gleisanlagen marode, Schwellen verrottet und Signalanlagen funktionieren nicht. Die Viechtacher haben dagegen einen Vorteil: Ihre Strecke wird immer noch genutzt. An etwa 30 Tagen im Jahr fährt der Verein Wanderbahn mit Sonderzügen auf den Gleisen. Und auch die kommerzielle Waldbahn, eine Tochter des Unternehmens Arriva, nutzt die Strecke: In Viechtach ist das Ausbesserungswerk der Waldbahn angesiedelt, 100 Bahnarbeiter warten hier die Triebwagen.

'Die Strecke ist in Schuss, und wir wollen, dass sie wieder in den Fahrplanbetrieb aufgenommen wird', sagt Andreas Fried, Vorstandsmitglied des Wanderbahn-Vereins. Im Gegensatz zu anderen Regionen, die sich um Reaktivierung bemühen, etwa im Ilztal bei Passau, teilt die Lokalpolitik diese Forderung parteiübergreifend. Ende Juli hat der gesamte Viechtacher Stadtrat entsprechend an Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) appelliert. Dazu müsste der Staat in der kommenden Ausschreibung des Streckenbereichs auch die 25 Kilometer südlich von Viechtach aufnehmen. In diesem Jahr werden die Unterlagen veröffentlicht, im Jahr 2013 wird der Bereich der Waldbahn neu vergeben. Doch derzeit ist ungewiss, ob von da an auch die Linie nach Viechtach bedient wird. Nur 530 Menschen am Tag würden die Bahn wohl nutzen, dem stehen Kosten von jährlich rund 1,3 Millionen Euro gegenüber. Die Viechtacher haben deshalb nachgelegt und lassen auch noch Touristenzahlen einrechnen. Und sie argumentieren strukturpolitisch: 'Wir könnten die Abwanderung junger Leute mildern, wenn sie eine vernünftige Verkehrsanbindung zu ihren Arbeitsplätzen hätten, etwa nach Plattling oder Deggendorf', sagt Fried.

Zur Strukturpolitik gehört letztlich auch das Eisenbahnwerk in Viechtach. Dessen Bestandsgarantie läuft Ende des Jahres aus. Würde die Strecke in den Taktbetrieb aufgenommen, wäre der Erhalt des Werkes und der Arbeitsplätze wahrscheinlicher, hoffen sie im Bayerwald. Im Ministerium kennt man die Argumente - und wägt ab. 'Noch ist keine Entscheidung gefallen', sagte ein Sprecher auf Anfrage.

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Süddeutschen Zeitung, Max Hägler)

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 24.07.2010

Bahn: Alle Parteien an einem Strang
Weiterer Brief aus Viechtach an den Wirtschaftsminister

Viechtach. In einer für Viechtach seltenen Einmütigkeit haben alle im Stadtrat vertretenen Fraktionen und weitere in der Stadt aktive Parteien in einem gemeinsamen Schreiben an den Bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil um die Wiederbelebung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell gebeten. Neben strukturpolitischen Gründen weisen sie noch auf eine Besonderheit hin: Die Strecke ist gut in Schuss und alleine deshalb mit andernorts laufenden Bemühungen um Bahnverkehr nicht zu vergleichen.

Das Schreiben beginnt mit dem Hinweis, dass 1. Bürgermeister Georg Bruckner vom letzten Fachgespräch in München im Ministerium zur Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell und der dort vorgestellten Potentialanalyse berichtet hat. „Deshalb wendet sich jetzt nochmals der gesamte Stadtrat sowie die Parteien in Viechtach mit diesem Schreiben an Sie, um die feste Unterstützung für die Wiederbelebung der Bahnstrecke Viechtach- Gotteszell zu bekräftigen. Denn es stehen, was ja in der politischen Tagesarbeit nicht so häufig vorkommt, überparteilich alle uneingeschränkt zu einem erneuten Anschluss Viechtachs an die Bahn. Unserer Ansicht nach sprechen sehr viele gute Gründe für diese Wiederbelebung und damit Aufnahme in die Ausschreibung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft:

Wir wissen, dass die Potentialanalyse nicht den von der BEG angestrebten Wert erreicht hat. Wir betrachten uns dennoch als einen ganz speziellen Sonderfall, der auch nicht als Präzedenzfall für sonstige Reaktivierungs- und Aktivierungsversuche von Bahnstrecken missbraucht werden kann. In Viechtach hängen rund 100 Arbeitsplätze des Ausbesserungswerkes der Regentalbahn daran. Und das in einer strukturschwachen Region, in der Arbeitnehmer nicht so ohne weiteres zum nächsten Arbeitgeber vor Ort wechseln können. Sollte die Strecke nicht in die Ausschreibung aufgenommen werden, stehen diese Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Unsere Schüler und Jugendlichen wären eigenständiger und flexibler - auf dem Weg zur Schule und Arbeit, aber auch in ihrer Freizeit. Es bringt Komfort für die Studenten der Hochschule Deggendorf und deren Außenstelle in Teisnach. Feriengäste würden sich verstärkt für Viechtach entscheiden, wenn sie ohne Auto anreisen, aber auch ohne Auto die Natur und Ruhe des bayerischen Waldes in ihrem Urlaub genießen können. Arbeitnehmer - wir haben eine hohe Ein- und Auspendelquote in unserer Region - könnten auf den Zug umsteigen, eventuell auf ihr Zweitauto verzichten. Insbesondere im Winter eine beliebte Alternative.

Die Erreichbarkeit der touristischen Attraktionen des Bayerischen Waldes wäre auf einen Schlag optimiert. Wir würden sofort von den neuen Wegen des Landkreises Regen zur Steigerung der Attraktivität der Region und des ÖPNV (Stichwort GUTi - Gästeservice Umweltticket, kostenlose ÖPNV-Nutzung) profitieren. In den Gemeinden, die GUTi nutzen, kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Bahnreisenden. Energieknappheit und damit verbundene prog- nostizierte hohe Energiekosten in der Zukunft unterstützen den Umstieg auf den Zug bzw. den ÖPNV zudem in Zukunft.

”Intakte Strecke“

Und eines unserer Hauptargumente: Wir sprechen nicht von einer lange stillgelegten und damit maroden Strecke. Wir sprechen von einer sehr intakten Strecke, weil regelmäßig von den Zügen der Wanderbahn befahren und natürlich durch den Werkstattbetrieb optimal von der Regentalbahn AG gepflegt. Dass es eine der schönsten Bahnstrecken ist, wissen Sie sicherlich bereits.

Sehr geehrter Herr Staatsminister, bei allem Verständnis für gerechte, ökonomische und effiziente Entscheidungen bitten wir Sie dennoch, in diesem Falle die aufgeführten Argumente und die Benachteiligung des ländlichen Raumes im Bereich des öffentlichen Schienen-Nahverkehrs entsprechend zu gewichten und zu berücksichtigen. Geben Sie uns die Chance, uns auch schienentechnisch wieder „an die Welt“ anzuschließen. Bevölkerung und politische Vertreter der Region stehen voll und ganz hinter diesem Projekt. Sie werden es Ihnen danken.“

Der Brief ist unterzeichnet von 2. Bürgermeisterin Birgit Nistler. Für die Unabhängigen hat unterschrieben Toni Alt, für die CSU Alois Pinzl, für die Freien Wähler Georg Hirtreiter, für die FDP Phillip Frankenfeld, für die ÖDP Brigitte Baueregger und für die SPD Luwdig Ernst. - vbb/gscFormularende

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 21.07.2010

Einzige Stadt ohne Bahnanschluss
Werbegemeinschaft Viechtach schreibt offenen Brief an Minister Zeil

Viechtach. Die Bemühungen um die Wiederaufnahme der Strecke Viechtach-Gotteszell in die Waldbahnspinne haben weitere Unterstützer gefunden. In einem offenen Brief haben Werbegemeinschaft-Vorsitzender Roman Liebl und Geschäftsführerin Karen Widmann den Bayerischen Verkehrsminister Martin Zeil um die Wiederbestellung von regulärem Zugverkehr auf der Strecke gebeten.

Eine ganze Reihe von Gründen nennen die Vertreter der Viechtacher Geschäftswelt, die für einen regulären Bahnanschluss Viechtachs sprechen; unter anderem weisen sie darauf hin, dass Viechtach die einzige Stadt im Bayerischen Wald sei, die derzeit ohne Bahnanschluss auskommen muss. Der Brief an den Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie Martin Zeil im Wortlaut:

„Mit diesem Schreiben möchten wir deutlich machen, dass die Werbegemeinschaft Viechtach die Bemühungen um die Erweiterung der jetzigen Waldbahnstrecke um den Abschnitt Viechtach-Gotteszell ausdrücklich unterstützt. Die Neuauflage der Strecke wäre ein positives Signal für die Stadt Viechtach und unsere gesamte Region. Die Anbindung an das Schienennetz der Bahn ist für die Belebung der Einkaufsstadt Viechtach sowie für die wirtschaftliche Entwicklung von Viechtach und der gesamten Region von hoher strukturpolitischer Bedeutung. Jahrelang wurde unsere Region beim Schienenpersonennahverkehr benachteiligt. Viechtach ist bisher die einzige Stadt im Bayerischen Wald, die keinen Bahnanschluss hat. Dies darf nicht länger anhalten!

Es ist höchste Zeit, dass gewählte Volksvertreter in München dem Auftrag der Bürger und Fahrgäste nachkommen! Starke, parteiübergreifende Willensbekundungen gab es bereits genügend. Staatsminister Helmut Brunner unterstützt das Vorhaben ebenso wie MdB Ernst Hinsken, Landrat Heinz Wölfl, Vizepräsident der Fachhochschule Professor Dr. Sperber, Bürgermeister, Kreisräte, Gemeinderäte und Vorsitzende der Fraktionen. Während des Bundestagswahlkampfes 2009 kam es zu einer einzigartigen, Partei übergreifenden Übereinkunft, um für dieses Projekt gemeinsam zu kämpfen. Hierfür hat es in allen politischen Gremien Resolutionen pro Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach gegeben. Auch lagen in Viechtach, wie auch in vielen betroffenen Orten an verschiedenen Stellen Unterschriftslisten aus, in denen die Bürger ihren Willen erklären konnten.

Mit 4587 Unterschriften haben Bürger und Fahrgäste ein überraschend eindeutiges Votum abgegeben. Weitere Maßnahmen zur Unterstützung dieses Zieles sind in Vorbereitung. Die Politik in der Region hat sich mit einer Initiative für die Bahn quer über alle Parteien, unterstützt vom Verein Wanderbahn und den regionalen Medien, uneingeschränkt dafür ausgesprochen. Die Vorteile der Bahn sind vielfältig. Die touristische Attraktivität der Region Bayerischer Wald und damit auch die Belebung des Einzelhandels in Viechtach hängt entscheidend von der Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ab. Besonders wichtig ist dies für Tagesausflugsgäste, aber auch für Besucher, die längere Urlaubsaufenthalte planen, ebenso wie für den Besuch einmaliger Events und Konzerte, gerade auch für ältere Feriengäste, die ohne Auto anreisen möchten.

Auch der finanzielle Aspekt spielt eine Rolle. Nicht wenige Bürger nutzen heute Angebote der Bahn, wie z.B. das Bayernticket, mit dem man sehr preiswert im Regionalverkehr durch ganz Bayern fahren kann. Auf dem Weg nach Viechtach wäre die bisher extra zu bezahlende Anreise vom nächsten Bahnhof also schon im Preis enthalten. Die demografische Entwicklung immer mehr älterer Bürger erfordert ein leistungsfähiges Bahnnetz auch „in der Fläche“. Der Bahnanschluss ist daher auch eine wichtige soziale Frage, ein Gebot vorausschauender Politik und notwendig, um die Abwanderung in die Ballungsräume zu stoppen! Für die Ansiedlung neuer Firmen ist eine leistungsfähige Anbindung auf Straße und Schiene nach wie vor der wichtigste Standortvorteil. Zudem ist die Bahn ein ökologisch wertvolles Verkehrsmittel.

Wir bitten Sie dringend, sich mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für die Wiederaufnahme der 25 Kilometer langen Bahnstrecke von Gotteszell über Teisnach nach Viechtach einzusetzen.“ - vbb/gcs

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 16.07.2010

Der Kampf um die Bahn geht weiter
Kreistag für Wiederaufnahme der Linie Viechtach-Gotteszell - Prognose: Täglich 530 Fahrgäste

Viechtach/Zwiesel. Die Signale für eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell stehen derzeit nicht auf Grün. Die im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellte Potenzialanalyse hat ein Fahrgastaufkommen ergeben, das aus Sicht des Ministeriums nicht ausreicht, um die 1991 stillgelegte Linie neu zu beleben.

Darüber informierte Landrat Heinz Wölfl die Kreisräte bei der Sitzung am Mittwoch in Zwiesel. Er machte aber deutlich, dass man seitens des Landkreises weiter auf die Wiederaufnahme des Schienenbetriebs drängen werde. Es gehe nicht nur um die Stützung der rund 100 Arbeitsplätze in den Werkstätten der Regentalbahn in Viechtach, sondern ganz allgemein um strukturpolitische Aspekte. Wölfl kündigte weitere Gespräche an; insbesondere will man über Minister Helmut Brunner dessen Kabinettskollegen Martin Zeil die Argumente der Region nochmals nahe bringen.

Ein starkes neues Argument ist in den vergangenen Wochen hinzu gekommen: GUTi, das Gästeservice-Umweltticket. Derzeit bieten neun Gemeinden aus der Region ihren Feriengästen diesen Service an: Die Urlauber bekommen einen elektronisch erstellten Meldeschein, mit dem sie kostenlos sämtliche Busse und Bahnen im Tarifgebiet des Bayerwald-Tickets nutzen können. Und wie Landrat Wölfl sowie Projektleiterin Christina Wibmer bei der Kreistagssitzung berichteten, wird dieses Angebot enorm gut angenommen. Die Fahrgastzahlen haben sich demnach seit Einführung von GUTi auf manchen Strecken verdreifacht. Entsprechende Auswirkungen seien auch auf der Strecke Viechtach-Gotteszell zu erwarten - so dürfte die Argumentation aussehen.

Die Viechtacher Kreisrätin Brigitte Baueregger (ödp) verwies darauf, dass laut Prognose 530 Fahrgäste pro Tag die Linie Viechtach-Gotteszell nutzen würden; das sei deutlich mehr als auf manchen anderen Strecken. Die Kreisräte, die ja bereits vor einem Jahr die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs gefordert hatten, unterstrichen diesen Wunsch nun nochmals. Einstimmig beschlossen sie, dass die Staatsregierung „nachdrücklich ersucht“ werde, die Neubelebung der Strecke zu ermöglichen.

Als weiterer Befürworter der Bahnstrecke hat sich inzwischen der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband zu Wort gemeldet. Im Namen des Kreisverbandes Regen-Viechtach hat gestern der Viechtacher Hotelier Josef Schmaus folgendes Schreiben an den bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil gerichtet:

„Sehr geehrter Herr Minister, als Vermieter im Viechtacher Land möchten wir uns in die aktuelle Diskussion um die Wiederbelebung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell einbringen. Eine direkte Bahnanbindung bis nach Viechtach wäre für die Tourismusbranche der Region von enormer Bedeutung. Aktuell werden Vermietungsbetriebe im Viechtacher Land deutlich benachteiligt, da Bahnreisende aufgrund der schlechten bzw. nicht vorhandenen Anbindung oftmals auf einen Urlaub bei uns verzichten. Dass aber deutliches Interesse von Bahnreisenden an einem Aufenthalt bei uns im Viechtacher Land besteht, belegen die schriftlichen und telefonischen Anfragen. Vor allem ältere Gäste bzw. auch Familien würden gerne mit dem Zug zu uns kommen, entscheiden sich dann aber für einen anderen Ort, den sie unmittelbar mit der Bahn erreichen können.

Gäste, die aktuell mit der Bahn bis nach Gotteszell reisen und meist direkt von uns Vermietern am Bahnhof abgeholt werden müssen, sehen sich dann mit dem Problem konfrontiert, dass sie das touristische Angebot des Bayerischen Waldes mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nutzen können. Dies gilt vor allem auch für die Gäste der drei Campingplätze im Viechtacher Land, die mittlerweile fast ausschließlich mit Wohnmobil anreisen. Aber auch viele Autoreisende würden, ausgehend von Viechtach, den Bayerischen Wald gerne umweltfreundlich mit der Bahn erkunden. Wir appellieren daher ausdrücklich an Sie, eine Wiederbelebung der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell aus touristischen und wirtschaftlichen Gründen für unsere Region zu unterstützen.“

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 05.06.2010

Bahnverkehr: Die Entscheidung rückt näher
Verkehrsministerium wertet derzeit Fahrgastanalyse aus - Gespräch mit Vertretern der Region soll folgen

Von Gunther Schlamminger

Viechtach. Nur wenig dringt derzeit nach außen in Sachen Bemühungen um die Wiederbestellung von regulärem Zugverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell-Bahnhof. Knapp ein Jahr nach dem Startsignal durch eine Info-Fahrt für politische Mandatsträger der Region scheint die Euphorie der ersten Wochen verflogen. Doch eine Bestandsaufnahme zeigt: Hinter den Kulissen wird weiter fleißig um den Bahnbetrieb gekämpft.

Es war eine denkwürdige Veranstaltung, die der Verein „Wanderbahn im Regental“ im Juni 2009 federführend veranstaltet hat. Rund 70 Mandatsträger aus der Region fuhren von Viechtach über Teisnach, Patersdorf und Ruhmannsfelden nach Gotteszell-Bahnhof und wieder zurück. Dabei waren auch der örtliche Landtagsabgeordnete Staatsminister Helmut Brunner, MdB Ernst Hinsken - und Landrat Heinz Wölfl, der sich am Ende in einem leidenschaftlichen Appell an sämtliche betroffene Gemeinden wandte mit der Bitte um Resolutionen zur Unterstützung der Wiederbestellung von regulärem Bahnverkehr auf der Strecke. Hintergrund der Aktion war die anstehende Wiederausschreibung der Waldbahn-Spinne durch den für den Zugnahverkehr zuständigen Freistaat Bayern. Die Bemühungen zielten dahin, dass die rund 25 Kilometer lange Strecke zwischen Gotteszell-Bahnhof und Viechtach, die nie stillgelegt wurde, sondern zum Zeitpunkt der Erstausschreibung wegen anderer Gründe einfach nicht mehr bedient worden war, wieder in die Waldbahn-Spinne aufgenommen wird. Nahezu täglich fahren Züge zur Inspektion in die Viechtacher Werkstätten der Regentalbahn.

Im Sommer 2009 fassten Kreistag und Gemeinderäte entsprechende Beschlüsse. Parallel wurden Unterschriften gesammelt. Mehr als 4500 Unterstützer trugen sich ein, die Listen wurden im November 2009 während eines Spitzengesprächs in München an den zuständigen bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) überreicht. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte jetzt auf Anfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten, dass die damals geforderte Analyse des Fahrgastpotenzials der Strecke nunmehr im Ministerium vorliege und dort ausgewertet werde; zum Inhalt des Gutachtens machte der Sprecher keine Angaben. Nur so viel war zu erfahren: Sobald die Ergebnisse vorliegen, sollen diese gemeinsam mit Vertretern der Region und der Regentalbahn erörtert und bewertet werden. Ziel ist, den Bewertungsprozess noch vor der Ausschreibung der übrigen Waldbahn-Spinne abzuschließen. Dieser Streckenabschnitt werde voraussichtlich im Spätsommer ausgeschrieben. Der örtliche Abgeordnete Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ließ dem VBB über einen Sprecher mitteilen, dass er sich erst kürzlich bei seinem Kabinettskollegen Zeil für die Bahnstrecke Gotteszell - Viechtach eingesetzt und ihn gebeten habe, in die Entscheidung auch das Engagement der Region sowie strukturpolitische Überlegungen einzubeziehen sowie Einzelheiten mit Vertretern der Region zu besprechen.

Ins selbe Horn stießen gestern bei einem Redaktionsgespräch auch die Vertreter des Vereins „Wanderbahn im Regental“, Arnulf Baier und Andreas Fried. Seit der Info-Fahrt vor einem Jahr habe die Bahninitiative zielgerichtet an dem Thema gearbeitet. Als grundsätzlich positiv bewerteten beide die gründliche Arbeit im Ministerium. Baier und Fried betonten gestern noch einmal, dass nach ihrer Ansicht die Wiederbestellung von Zugverkehr nicht an den Kosten scheitern könne (0,15 Prozent der Gesamtkosten des bayerischen Eisenbahnnetzes). Außerdem gelte es, die Besonderheiten der Strecke zu bedenken: Sie befinde sich nämlich in Privatbesitz (Regentalbahn), und vor Ort sei für den Gewinner der Streckenausschreibung sogar eine Werkstätte zur Wartung des Zugmaterials vorhanden.

Mehr noch: Mit der Aufnahme des Teilabschnitts in die Ausschreibung könnte der Freistaat nach Einschätzung der Vereinsvertreter beim derzeit anstehenden Weiterverkauf des Regentalbahn-Besitzers Arriva für einen neuen Eigentümer Fakten geschaffen werden, die in einer Infrastruktur sichernden Maßnahme für Ostbayern gipfeln könnten. Es entstünde ein Bahnanschluss für 17 500 Bürger in einer Stadt, zwei Märkten und zwei Gemeinden, und rund 100 Arbeitsplätze in den Viechtacher Werkstätten können erhalten bleiben. Gespannt warten Baier und Fried nun auf die Ergebnisse des Gesprächs mit Vertretern aus der Region im Wirtschaftsministerium.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 28.05.2010

Bahnverkehr: FDP holt nächsten Unterstützer in den Zug
Verkehrsexperte Horst Friedrich lässt sich für Wiederbelebung der Strecke Viechtach-Gotteszell begeistern

Viechtach. Den Besuch von Horst Friedrich, Vorsitzender der beiden FDP-Fachausschüsse für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in Bayern und des Bundes, nutzte FDP-Kreisvorstandsmitglied Philipp Frankenfeld zu einer Vorstellung der besonderen Verkehrsituation im Bayerischen Wald. Der langjährige Bundestagsabgeordnete (1990 bis 2009) wurde besonders mit dem Anliegen der Wiederaufnahme von regulärem Zugverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell-Bahnhof bekannt gemacht. Er zeigte sich sehr gut informiert und bewies großen Sachverstand.

Während der Kontrollfahrt eines Triebwagens der Waldbahn erläuterten auch Kurt Schwab und Klaus Schwimmbeck von der Regentalbahn AG das Anliegen der Bahninitiative, die Wiederaufnahme eines regelmäßigen Personennahverkehrs zwischen den Orten zu erreichen, sowie die Besonderheiten der Strecke im Hinblick auf nötige Maßnahmen, wenn dort der Verkehr wieder aufgenommen würde. Die Besuchergruppe ließ sich von der landschaftlichen Schönheit der 18,9 Kilometer langen wahren Bilderbuchstrecke zwischen Viechtach und Teisnach beeindrucken und befasste sich mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten und den Erwartungen an die Politik. Friedrich ist neben dem niederbayerischen FDP-Chef Dr. Andreas Fischer MdL der zweite Liberale innerhalb weniger Tage, der sich für das Bahnprojekt begeistern ließ. - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 25.05.2010

Positives Signal für die Region
FDP setzt sich für Wiederaufnahme der Bahnstrecke ein

Böbrach. Die niederbayerischen Liberalen setzen sich für die Wiederaufnahme der 25 Kilometer langen Bahnstrecke von Gotteszell über Teisnach nach Viechtach ein. „Die Neuauflage der Strecke wäre ein positives Signal für die Region“, forderte der FDP-Bezirksvorsitzende Dr. Andreas Fischer, MdL, nach einer Mitteilung der Partei bei der Bezirksvorstandssitzung am Freitag in Bröbrach. Interessant wird diese Forderung für die Region vor allem deshalb, weil Fischer ein Parteifreund des Bayerischen Wirtschaftsminister Dr. Martin Zeil ist, der als Verkehrsminister für die Wiederbestellung des Eisenbahnverkehrs zuständig ist.

Wie die FDP weiter mitteilt, sollte nach ihren Vorstellungen ein „Runder Tisch“ aus Vertretern des bayerischen Wirtschaftsministeriums, des Landkreises, allen betroffenen Gemeinden und der Regentalbahn AG zusammentreten. Zum Start komme nach Ansicht von Experten ein 2-Stunden-Takt mit täglich je neun Fahrten in Frage. Die Gesamtfahrzeit von Gotteszell nach Viechtach beträgt nach Testfahrten rund 35 Minuten. Neues Fahrgäste-Potenzial sehen die Liberalen neben dem Tourismus in der Aufnahme des Betriebs einer Außenstelle der Fachhochschule Deggendorf in Teisnach. Der reguläre Personenverkehr auf der Strecke von Gotteszell nach Viechtach ist bekanntlich seit 1. Mai 1991 eingestellt. Heute verkehren hier täglich Fahrzeuge, die zur Werkstätte der Regentalbahn in Viechtach überführt werden. Ursprünglich war die Strecke am 10. November 1890 eröffnet worden. In Gotteszell besteht Anschluss an die Deutsche-Bahn-Strecke der Waldbahn nach Plattling und nach Bayerisch Eisenstein bzw. Tschechien. - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 09.04.2010

Vier Staatsminister stellten sich den Fragen der Viechtacher Bürger
In der BR-Sendung „Jetzt red i“ blieben die Regierungsmitglieder konkrete Antworten schuldig -
Wanderbahn: Zeil wartet auf Fahrgastanalyse

Von Andreas Geroldinger

Viechtach/München. Vier Staatsminister befassten sich am Mittwochabend mit den Problemen der Viechtacher Bürgerinnen und Bürger. In der Live-Sendung des Formats „Jetzt red i“ im Bayerischen Fernsehen nahmen die hochrangigen Politiker Stellung zu den Anliegen, die die Viechtacher bei der Aufzeichnung in der Stadthalle Mitte März vorgebracht hatten. Zahlreiche Themen hatten die BR-Verantwortlichen ausgewählt, mit denen sie die Landespolitiker konfrontierten. Klare Aussagen blieben aber Mangelware. Eines wurde deutlich: Ein Großteil der Themen, die die Viechtacher bewegen, kann nur von den verantwortlichen Stellen vor Ort geklärt werden.

Mit Wirtschaftsminister Martin Zeil, Umwelt- und Gesundheitsminister Markus Söder, Kultusminister Ludwig Spaenle und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner waren vier Hochkaräter aus der Staatskanzlei ins Studio 1 nach Unterföhring gekommen. „Das ist auch für unsere Sendung eine hochrangige Besetzung“, bemerkte Redakteurin Ruth Petscharnig. „Lösungen für die Anliegen der Bürger in Viechtach“, versprach Moderator Andreas Bönte zu Beginn der Sendung. Mit einem Einspieler zum Kanalbau wurde der Themenkatalog eröffnet. (....)

© www.pnp.de

Angeregter Plausch: (von rechts) Wirtschaftsminister Martin Zeil mit
Bürgermeister Georg Bruckner und Wanderbahn-Chef Arnulf Baier.

Zum Thema Zugverbindung zwischen Gotteszell und Viechtach wandte sich Moderator Bönte eindringlich an Wirtschaftsminister Martin Zeil. „Sie sind in der Pflicht“, sagte Bönte. Die große Überraschung blieb aber aus: Zeil, der zum ersten Mal bei „Jetzt red i“ zu Gast war, vermied konkrete Aussagen. „Wir haben das Thema vorbesprochen“, sagte der Wirtschaftsminister. Nun gelte es die Untersuchung zum Fahrgastpotenzial abzuwarten. „Danach müssen wir uns zusammensetzen.“ Schwerpunkt der Runde dürfte dann die Finanzierung des Projekts werden, ließ Zeil durchblicken. Der Nachfrage von Bönte, ob bei einem derartigen „Kulturgut“ die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen müsse, wich Zeil aus: „Da sind uns die Hände gebunden.“ Ob’s klappt oder nicht, hänge zunächst von der Fahrgastanalyse ab, betonte Zeil. „Aber wir sind ja alle Optimisten.“ (....)

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 22.03.2010

Kein Blatt vor den Mund genommen
Aufzeichnung der BR-Sendung „Jetzt red i“ in der Stadthalle -
Bürger reden vor laufender Kamera über ihre Anliegen

Viechtach. Ein paar Zettel als Spicker, eine Schulbank mit zwei Stühlen oder Zahlen und Fakten über die Zahl der Versetzungsgesuche von Finanzbeamten und Polizisten - auf ihren großen Auftritt vor laufender Kamera haben sich die Bürgerinnen und Bürger gut vorbereitet. Für die Aufzeichnung der BR-Sendung „Jetzt red i“ am Freitagabend in der Viechtacher Stadthalle wollten sie gerüstet sein. Und die Vorbereitungen haben sich gelohnt.

Rund zweieinhalb Stunden lang haben sich Bürgerinnen und Bürger aus Viechtach und Umgebung von der Seele geredet, was ihnen stinkt. Die Themenpalette war vielfältig. Ohne große Scheu vor den vielen Kameras und dem Mikro sprachen die rund 30 Redner unter anderem über fehlende Studienplätze für den doppelten Abiturjahrgang 2011, die Sorgen und Nöte der Landwirte und Fischer, mangelnde finanzielle Unterstützung freischaffender Künstler, die Unterversorgung mit Ärzten auf dem Dorf und den katastrophalen öffentlichen Personennahverkehr.

Kräftig getrommelt für einen Bahnanschluss
Passend dazu trommelten ödp-Kreisrätin Brigitte Baueregger, Regentalbahn-Betriebsratsvorsitzender Fritz Geier und Arnulf Baier, der Vorsitzende des Vereins „Wanderbahn im Regental e.V.“, kräftig für die Wiederaufnahme eines planmäßigen Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell. „Wir sind Stiefkinder, die Zugwelt fängt für uns erst in Gotteszell an“, monierte Baueregger. Doch das müsse sich ändern. Das Potenzial sei da. Baueregger und ihre Mitstreiter berichteten, wie wichtig die Bahn für die Region sei - für den Tourismus, weil dann Urlauber mit der Bahn anreisen könnten und für die Menschen vor Ort. Allen voran für die Mitarbeiter der Werkstätte und der Arriva-Verwaltung in Viechtach, deren Arbeitsplätze in Gefahr seien, wenn die Bahnstrecke nicht in die Ausschreibung komme. An die Arbeit sollen sich deshalb nun Ministerpräsident Horst Seehofer, der „Ostbayern zur Chefsache“ gemacht habe, das Bayerische Wirtschaftsministerium und die Bayerische Eisenbahngesellschaft machen. „Für Mitte bis Ende April 2010 wurde uns die Fahrgast-Analyse zugesagt, die brauchen wir“, erklärte Baier und dann solle die Strecke ausgeschrieben werden, forderten die Drei. Dem schloss sich auch Bürgermeister Georg Bruckner an: „Für die Stadt Viechtach wäre ein Bahnanschluss essentiell und für die Region ist es wichtig, dass der Betrieb der Werkstätte aufrecht erhalten wird.“

(....) Welches der rund 16 während der Aufzeichnung behandelten Themen in der Livesendung am Mittwoch, 7. April, um 20.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen zur Sprache kommt, steht noch nicht fest. Auch möglich ist nach Angaben von Ruth Petscharnig, Redakteurin der Redaktion Bürgersendungen, dass einzelne Aspekte aus Viechtach in Bilanzsendungen und “Jetzt-red-i-Spezials” gesendet werden.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 09.03.2010

Zeil: „Wir tun, was wir können“

Viechtach/Straubing. Bei einer bahnpolitischen Veranstaltung gestern in Straubing, zu der MdB Ernst Hinsken eingeladen hatte, war auch die gewünschte Wiederaufnahme des öffentlichen Bahnverkehrs zwischen Viechtach und Gotteszell Thema. „Zahlreichen Mitbürgern liegt die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf dieser Strecke besonders am Herzen“, sagte Hinsken. Hier sei die Bahn gefordert, sich dieses Anliegen positiv anzunehmen. Auch Regens Landrat Heinz Wölfl und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sprachen sich bei dem Treffen für die Reaktivierung der Strecke aus. Konkrete Zusagen aber erhielten sie beim Gipfel nicht. Wirtschaftsminister Martin Zeil erklärte: „Wir sind in guten Gesprächen.“ Ohne konkret zu werden, versprach er: „Sie dürfen versichert sein, dass wir im Rahmen der Möglichkeiten alles tun werden.“ -

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 25.02.2010

“Jetzt red i“ kommt nach Viechtach
Aufzeichnung am 19. März in der Stadthalle - Sendetermin am 7. April

Viechtach. Die Entscheidung ist gefallen: ”Jetzt red i“, die beliebte Bürgersendung des Bayerischen Fernsehens (BR), kommt nach Viechtach. Das teilte Ruth Petscharnig, verantwortliche Redakteurin, gestern auf Nachfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten mit.

Aufgezeichnet wird am 19. März ab 19 Uhr in der Stadthalle; die Sendung läuft am 7. April um 20.15 Uhr im BR. Dass die Redaktion auf Viechtach aufmerksam geworden ist, sei einem Zufall zu verdanken, erläuterte Tourismusbeauftragte Monika Häuslmeier. BR-Moderator Tillmann Schöberl habe beim letztjährigen Bürgerfest von der Bahnproblematik in Viechtach erfahren und sich sehr interessiert gezeigt. Vor etwa drei Wochen habe dann der BR bei der Stadt angefragt.

Vergangenen Donnerstag machte sich Redakteurin Petscharnig, ein Bild vor Ort - und war begeistert. „Das ist wirklich sehr schön hier“, sagte Petscharnig, als sie die Stadthalle als möglichen Aufzeichnungsort unter die Lupe nahm. Mit einigen kleinen und einfachen Veränderungen, merkte sie damals an, könne die Halle mehr als fernsehtauglich gestaltet werden. „Jetzt red i“ ist eine der beliebtesten Sendungen des Bayerischen Rundfunks. Unter dem Motto „Sagen was Sache ist“ besucht die Redaktion einmal im Monat einen Ort in Bayern, um sich dort der Probleme der Bürger anzunehmen und gemeinsam mit Politikern und Verantwortlichen nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

In Viechtach hat das schon geklappt: Beim Besuch der Bürgersendung 1977 war die inzwischen leider verstorbene Edeltraud Apfl so vehement für MS-Kranke eingetreten, dass ein Jahr später die Gründung des MS-Stützpunktes Patersdorf folgte. Vielleicht funktioniert Ähnliches auch dieses Mal. - age/gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 13.02.2010

(Viechtacher Ortsvorsitzender der SPD fordert die Bahn)

(....) Ortsvorsitzender Ernst berichtete von seiner Teilnahme am Vortrag „Geschichte und Zukunft der Bahn im Regental“. Er habe sich als Zuhörer wieder erinnert, wie „wir als Kinder beim Verladen der Viehtransporte zuschauten, wie wir als Mitglieder der Wasserwacht die Gäste der „Gläsernen Züge“ verpflegten, welche bei Betriebsausflügen in Viechtach Station machten, auch die Nikolausfahrten mit unserer Tochter fielen mir wieder ein“, schwärmte der Ortsvorsitzende. „Viechtach darf nicht ohne Bahn bleiben“, so seine Forderung. Eine große Chance sehe er im Tourismus, aber auch im Güterverkehr, weil die Straßen entlastet werden müssten.

Die Viechtacher SPD werde sich für die Erhaltung der Bahnstrecke weiter aktiv einsetzen, bekräftigte Ernst. Dieses Versprechen hat auch Bürgermeister Bruckner gegeben, der aus Termingründen nicht an der Versammlung teilnehmen konnte. (....)

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 03.02.2010

LESERBRIEF: “Die Bahn darf nicht vergessen werden!”

Zu den Berichten über die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs im Viechtacher Bayerwald- Boten:

„In den letzten Tagen haben ja ausnahmsweise einmal nicht nur das Auto und die Probleme mit dem Winterdienst Beachtung in unserer Zeitung gefunden. Der eine oder andere erinnert sich mit den Berichten doch wieder an die Bahn, die einmal die wichtigste Erschließungsmaßnahme für die Region war. Aber das ist ja lange her!

Der TV-Bericht vom Montag in Bayern 3 hat den Initiativen zur Wiederinbetriebnahme sicher gut getan. Die Befürworter, offensichtlich auch unser Bürgermeister, sind mit Kommentar in Wort und Bild zur Würdigung gekommen. Eines hat aber gefehlt: Der Bericht vermittelte den Eindruck, dass die historischen Triebwagen nach Wiederaufnahme die Fahrten nach Viechtach durchführen sollen. Das ist nicht der Fall, denn dann sollen doch die modernen Triebwagen der Waldbahn zum Einsatz kommen.

Ein besonderer Dank in dieser Hinsicht gilt den Herren Baier und Fried vom Verein Wanderbahn im Regental, die sich im Interesse der Region mit einem ausgefeilten Exposeé (wurde am 23. Januar im Rathaus vorgestellt) riesige Mühe gemacht haben. Kein Kommunalpolitiker hätte das erstellen können. Man glaubt es kaum: Es gibt schon einen Fahrplan!

Schade nur, dass eine eventuelle Wiederaufnahme noch Jahre dauert. Hoffentlich haben dann die Bürger an der Strecke Gotteszell - Viechtach die Bahn nicht ganz vergessen! Die Gefahr ist groß, denn das Auto dominiert immer mehr und gar mancher weiß noch nicht einmal, dass es stündlich Züge von Gotteszell nach Plattling und weiter in alle Richtungen gibt. Ich benutze diese bei jeder Reise. Das Auto bleibt in Gotteszell oder zu Hause in der Garage.“

Dieter Seipel, Viechtach

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 29.01.2010

Neues Forum für die Bahn-Initiative
BR-Magazin „Unkraut“ dreht auf der Strecke Viechtach-Gotteszell

Von Gunther Schlamminger

Viechtach. Die Initiative um die Wiederbestellung von regulärem Bahnverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell zieht immer weitere Kreise: Das Bayerische Fernsehen dreht seit gestern mit einem Team des Umweltmagazins „Unkraut“ auf der Strecke und macht die Bemühungen damit bayernweit bekannt.

Durch die Schneefälle der letzten Tage ist eine traumhafte Winterkulisse entstanden - „ideal für unsere Dreharbeiten“, sagte der für die Sendung verantwortliche Redakteur Dieter Lehner. Am Mittwoch reiste er zusammen mit Regisseur Wolfgang Völker an, fuhr die Strecke ab und suchte die Orte aus, an denen gestern und heute gedreht werden sollte. Los ging es am Vormittag am Bahnhof in Viechtach. Das sechsköpfige Fernseh-Team weist Lokführer Friedrich Geier ein, dann fährt der historische Triebzug exakt zum richtigen Zeitpunkt von links ins Bild, während Moderator und Redaktionsleiter Hartmut Stumpf in das Thema der „Unkraut“-Sendung einführt. „175 Jahre Eisenbahn: Unter Dampf und Strom“ lautet der Titel der Ausgabe, die am kommenden Montag, 1. Februar, auf Sendung geht. Stumpf spricht von den Vorzügen des Bayerischen Waldes wie Holz, Granit, Glas und Erholung und leitet über auf die Bedeutung der Eisenbahn, um diese Güter abzutransportieren, aber auch, um Touristen umweltfreundlich in die Region zu bringen.

Bedeutung für die Region
Zwischen Filmbeiträgen zu Themen wie der Bahngeschichte allgemein, der Zugspitzbahn, dem Alpentransit von Gütern über die Schiene oder den Rückzug der Bahn aus der Fläche in Oberfranken kommt Moderator Stumpf immer wieder auf der Bahnstrecke zwischen Viechtach und Gotteszell ins Bild. Gespräche führt er zum Beispiel am früheren Haltepunkt Gstadt mit Bürgermeister Georg Bruckner. Der erzählt von Kindheitserinnerungen als Schüler auf dieser Bahnstrecke, berichtet von dem enormen Druck aus der Bevölkerung für die Wiederbelebung der Strecke mit regulären Zügen und betont die hohe Bedeutung einer Anbindung an die Eisenbahn für die Tourismusregion. Außerdem lobt der Bürgermeister die Vorzüge der schönen Landschaft am Schwarzen Regen, die der Fahrgast vom Fenster aus bewundern kann. „Wir waren für unsere Sendung auf der Suche nach einer schönen Bahnstrecke und sind so auf Viechtach gestoßen“, berichtet BR-Redakteur Dieter Lehner in einer Drehpause. Denn ein Ziel der Sendung sei es stets auch, die Zuschauer auf schöne Gegenden in Bayern aufmerksam zu machen und diese damit zu einem Besuch in dieser Region zu ermuntern.

Für das Umweltmagazin interessant war die Strecke dann zusätzlich, als während der Recherchen die Bemühungen um die Wiederbestellung von regulären Zügen deutlich wurden. „Die Bahn ist ja ein ökologisch wertvolles Verkehrsmittel - also passen diese Bemühungen genau zum ökologischen Konzept unserer Sendung“, sagt Lehner. Auf der Suche nach einem Ansprechpartner stieß man dann auf den Wanderbahn-Verein und die Regentalbahn. So lag es auch nahe, den Wanderbahn-Vereinsvorsitzenden Arnulf Baier zu befragen. Neben den Aktivitäten des Vereins auf der Strecke berichtet er auch vom historischen Triebwagen, den der Verein im Sommer für seine sonntäglichen Ausflugsfahrten benutzen kann, während der Zug aus den fünfziger Jahren im Winter von der Regentalbahn als Schneeräumgerät auf der Strecke gebraucht wird.

Ein weiterer Gesprächspartner war gestern Nachmittag Naturpark-Vorsitzender Heinrich Schmidt, der als Experte über die Schönheit der Landschaft und die am Regenfluss vorherrschende Tier- und Pflanzenwelt befragt werden sollte. Den im Magazin „Unkraut“ üblichen Schwenk zum für die Region typischen Essen will das Fernsehteam heute bei den Nielsen-Brüdern im Adventure Camp Schnitzmühle einfangen.

Fahrgastanalyse ist in Arbeit
Bürgermeister Georg Bruckner freute sich über die zusätzliche Aufmerksamkeit durch das Fernsehen für das große Anliegen zum Bahnverkehr in der Region. Via Fernsehen nahm er die Bayerische Staatsregierung in die Pflicht, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen und den für Viechtach und die anliegenden Gemeinden wichtigen Bahnverkehr auch aus ökologischen Gründen wiederzubeleben. In München ist die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) derzeit dabei, die nach der Übergabe der knapp 5000 Unterschriften aus der Region an Verkehrsminister Martin Zeil im November angeforderte Fahrgastanalyse zu erstellen. Dies bestätigte Sandra Kelz von der BEG-Pressestelle auf Nachfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten. Derzeit warte man auf die Ergebnisse einer Verkehrserhebung, in die das Fahrgastpotenzial aus Einwohnern, Beschäftigten, Schülern und Tourismus einfließe. Die Wirtschaftlichkeit, so Kelz weiter, hänge aber nicht nur von der Fahrgastzahl ab, sondern vor allem von Erlösen und Kosten. Ergebnisse der Studie würden voraussichtlich Mitte 2010 vorliegen.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 30.01.2010

Besucherrekord mit der Bayerwaldbahn
Naturpark fordert regulären Zugbetrieb nach Viechtach - Vortrag in der Umweltstation

Viechtach. Über ein volles Haus freuten sich die Veranstalter des Vortrags über die Geschichte und Zukunft der Bahn im Regental nach Viechtach. Auch viele Verantwortliche aus Politik und Gesellschaft folgten der gemeinsamen Einladung des Naturparks und des Vereins „Wanderbahn im Regental“.

Heinrich Schmidt, 1. Vorsitzender des Naturparks, begrüßte die rund 75 Zuhörer in der Umweltstation Viechtach im Dachgeschoss des Alten Rathauses. Als Leiter der Umweltstation wies er eingangs auf die aktuellen Bemühungen zur Reaktivierung dieser Bahnstrecke hin: „Eine Wiederaufnahme eines regelmäßigen Bahnverkehrs nach Viechtach ist eine wichtige Forderung von Landkreis, Kommunen und des Naturparks“, betonte er. Und: „Eine Anreise mit der Bahn ist nicht nur umwelt- und klimafreundlich, sondern lädt auch dazu ein, die Natur weiter zu erkunden“.

Die Vorstände des Wanderbahnvereins, Andreas Fried und Arnulf Baier, berichteten über die Bahnstrecke von Gotteszell nach Viechtach. Diese gilt als eine der landschaftlich reizvollsten Bayerns und verläuft ab Teisnach durch das wildromantische Regental. Mit einem Rückblick auf die 120-jährige Geschichte dieser Eisenbahn begann der Vortrag. Im Jahr 1890 wurde die Bahnstrecke von Gotteszell nach Viechtach als private Lokalbahn nach nur einjähriger Bauzeit eröffnet. Ein Eisenbahn-Komitee mit Lokalpolitikern, Fabrikanten, geistlichen und gesellschaftlichen Würdenträgern hatte den für die Region so wichtigen Verkehrsanschluss auf den Weg gebracht. Diese gemeinsame Selbsthilfe war in Bayern beispielhaft.

Durch das Flusstal des Schwarzen Regens
Die Bahntrasse verlief durch die Flusstäler des Schwarzen Regens und der Teisnach. Mit der Streckenführung entlang der Fließgewässer sparte man sich große Höhenunterschiede und gewaltige Erdbewegungen. Damit waren fast keine Brücken und Einschnitte erforderlich, lediglich ein kurzer Tunnel wurde an einer Engstelle bei Böbrach gebaut. Diese landschaftsgebundene Bauweise bedingt auch heute noch einen vergleichsweise geringen Instandhaltungsaufwand. Ab 1928 betrieb die Regentalbahn AG diese kleine Regionalbahn. In der Blütezeit nutzten mehrere hunderttausend Fahrgäste im Jahr diese privatwirtschaftlich betriebene Eisenbahn. Die Zahl der Reisenden ging jedoch stetig zurück, so dass 1991 der tägliche Personenverkehr eingestellt wurde. Im Jahr 2004 verkaufte der Freistaat Bayern seinen Aktienbesitz an der Regentalbahn AG an den britischen Arriva-Konzern und erlöste damit 60 Millionen Euro.

Seit 1991 bietet der Verein „Wanderbahn im Regental“ einen Ausflugsverkehr an Wochenenden an und befördert heute mit ehrenamtlicher Arbeit jährlich über 10 000 Fahrgäste. „Viele Wanderer, Kanu- und Radfahrer nutzen dieses Angebot, das gerade von Bahn- und Naturfreunden aus Nah und Fern gerne angenommen wird“, berichtete Arnulf Baier, 1. Vorsitzender des Wanderbahn-Vereins. „Im Juni letzten Jahres haben wir eine Sonderfahrt für Politiker organisiert, bei der neben Bundes- und Landtagsabgeordneten auch Bürgermeister und Landräte teilnahmen.

Dabei wurde eine Wiederaufnahme des täglichen Bahnverkehrs im Zwei-Stunden-Takt und eine Erweiterung des Waldbahnnetzes über Teisnach nach Viechtach gefordert“, erläuterte er den Ausgangspunkt zu den aktuellen Diskussionen. Im November letzten Jahres setzten sich Vertreter der Region in München bei einem Treffen mit dem zuständigen Wirtschaftsminister Martin Zeil für die heimische Bahnlinie ein. „Die ganze Region zieht an einem Strang“, freute sich Arnulf Baier und hofft auf einen Erfolg des Vorhabens. Der Wanderbahnverein hat detaillierte Vorschläge für die neue so genannte „Bayerwaldbahn“ von Gotteszell nach Viechtach erarbeitet, die von Andreas Fried dargestellt wurden. Ein integrierter zweistündiger Taktverkehr könnte täglich neun Zugfahrten von etwa 5 bis 23 Uhr ermöglichen.

Täglich neun Zugfahrten
Mit schrankengesicherten Bahnübergängen und den spurtstarken Triebwägen der Waldbahn ist eine Fahrzeit von rund 30 Minuten zu erwarten. „Vielleicht könnte auch die Tradition der „Touristiker-Züge“, die Urlauber unmittelbar bis zu ihrem Zielort bringen, wieder aufgenommen werden“, meinte Fried. Der Referent verwies dabei auch auf die positiven Erfahrungen mit dem letztjährigen „Weihnachtsexpress“ in Bodenmais. Abschließend bedankte sich Heinrich Schmidt bei den beiden Referenten für ihre interessanten Ausführungen und überreichte ihnen ein kleines Präsent. „Eine Integration der Bahnstrecke nach Viechtach in das Waldbahnnetz wäre ein zukunftsweisendes Projekt, mit dem auch die regionale Wirtschaftskraft und der sanfte Tourismus gefördert werden könnte“, betonte der Naturparkvorsitzende Schmidt. „Damit könnte der Freistaat Bayern seiner Verantwortung gerecht werden, wieder einen kleinen Teil des Verkaufserlöses für die Regentalbahn in die Region zurückzubringen“. - ro

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 30.01.2010

REDAKTIONSTAGEBUCH

Samstag/Donnerstag. Das Thema Bahn brennt der Region weiter auf den Nägeln. Das beweist schon die große Resonanz auf den Vortrag der Vereine „Wanderbahn im Regental“ und „Naturpark Bayerischer Wald“, der am Samstag in der Pfahl-Infostelle im Alten Rathaus Besucherrekord für einen Naturpark-Vortrag verzeichnete (Anm. siehe oben). Dies ist erfreulich. Viel wichtiger für die Initiative für planmäßigen Zugverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell aber ist die Antwort, die wir von der Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) diese Woche erhalten haben.

Bekanntlich wird bei der BEG eine Analyse erstellt, ob besagte Strecke wirtschaftlich betrieben werden kann. Ein positives Ergebnis ist Grundvoraussetzung dafür, dass der bayerische Verkehrsminister Martin Zeil den planmäßigen Zugverkehr im Zuge der Neuausschreibung der Waldbahn-Spinne wieder bestellt. Und hier gilt es hellhörig zu werden: Hatte es zunächst geheißen, im Herbst 2009 müsste bestellt werden, war nach dem Gesprächstermin mit Vertretern aus der Region beim Minister im November davon die Rede, dass das Ergebnis der Analyse im Frühjahr 2010 vorliegen soll. Nun sagt die BEG dem Viechtacher Bayerwald-Boten, das Ergebnis der Analyse werde im Sommer vorliegen. Alle Mandatsträger der Region sollten aufpassen, dass es am Ende nicht plötzlich heißt: Jetzt liegt zwar das Ergebnis vor, aber für eine Berücksichtigung in der Bahnbestellung ist es nun leider zu spät. Die Forderung ist klar: Das Verfahren muss offen bleiben, bis das Ergebnis der Analyse vorliegt. - gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 12.01.2010

LESERBRIEF: “Auch die Bahn ist ein Verkehrsmittel!”

Zu den Artikeln „6,4 Millionen für Bundesstraßen“, erschienen am 6. Januar 2010, und „Mehr Power auf den Bundesstraßen“, erschienen am 22.12.2009 im Viechtacher Bayerwald- Boten:

„Seit 1991 verkehren auf der Bahnlinie von Gotteszell nach Viechtach keine planmäßigen Züge mehr. Die Bahninitiative engagiert sich, um die Wiederaufnahme des Zugverkehrs zu erreichen. Mit Unterschriften haben mehrere tausend Menschen ein Votum für das Verkehrsmittel Bahn abgegeben. Laut Artikel vom 22. Dezember lädt der Landtagsabgeordnete, Staatsminister Helmut Brunner, alljährlich zum Jahresende die Bürgermeister des Landkreises Regen und Verkehrsexperten zu einer Verkehrskonferenz. Bei dieser Verkehrskonferenz am 21. Dezember in Patersdorf wurde ein weiterer Ausbau der Bundesstraßen 85 und 11 in den nächsten drei Jahren befürwortet. Laut Artikel vom 6. Januar wurden in den vergangenen fünf Jahren für diese beiden Bundesstraßen 6,4 Millionen Euro ausgegeben.

Aber die Bahn wurde mit keinem Wort erwähnt. Jahrelang wurde unsere Region beim Schienenpersonennahverkehr benachteiligt. Dies darf nicht länger anhalten! Zudem stehen rund 100 hoch qualifizierte Arbeitsplätze der Regentalbahn in Viechtach auf dem Spiel! Laut diversen Zeitungsberichten von 2009 haben die Bürgermeister von Viechtach, Teisnach, Ruhmannsfelden, Zachenberg, Geiersthal, Patersdorf, Arnbruck, Kollnburg und andere für die Wiederaufnahme der Bahnstrecke plädiert. Auch die Stadt Regen hat laut Zeitungsbericht vom 14. Juli 2009 die Wiederaufnahme der Strecke Viechtach - Gotteszell befürwortet. Wieso wurde bei der Verkehrskonferenz die Wiederaufnahme der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell von keinem der Anwesenden ins Gespräch gebracht? Auch die Bahn ist ein Verkehrsmittel und sollte Inhalt einer Verkehrskonferenz sein. Oder steht ein Vorzeigeprojekt der Staatssregierung in Sachen Privatisierung vor seinem spektakulären Ende?

Es ist höchste Zeit, dass gewählte Volksvertreter in München dem Auftrag der Bürger und Fahrgäste nachkommen! Wo sonst gibt es noch diese starke Willensbekundung für ein Infrastrukturprojekt?“

Josef und Ilse Fuchs, Schulstraße 3, Geiersthal

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 01.12.2010

Bahnübergänge ertüchtigen: Der Landkreis ist dabei

Regen. Eine Bedingung für die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs zwischen Gotteszell und Viechtach ist die Aufrüstung der Bahnübergänge. Für den fahrplanmäßigen Verkehr auf dieser Strecke reicht die Ausstattung der Übergänge nicht aus. Geschätzte Kosten für die Verbesserung der Signaltechnik, der Schranken an den Übergängen: rund 1,4 Millionen Euro. Die Kosten werden dabei gedrittelt. Ein Drittel übernimmt der Verkehrsträger, ein Drittel der jeweilige Träger der Straßenbaulast, ein Drittel der Bund oder das Land.

Auch der Landkreis Regen ist betroffen, da zwei Kreisstraßen die Bahnlinie kreuzen, für die Kreisstraßen ist der Landkreis Träger der Baulast und muss damit ein Drittel der Ausbaukosten tragen. „Schätzungen gehen davon aus, dass auf den Kreis Kosten von 160 000 Euro zukommen“, sagte Kreiskämmerer Franz Baierl vor dem Kreistagsausschuss für Wirtschafts-, Umwelt- und Tourismusfragen. Baierl erwähnte aber auch, dass die 160 000 eher niedrig geschätzt seien. Landrat Heinz Wölfl meinte, dass es ein Signal für die mögliche Wiederinbetriebnahme der Strecke sei, wenn der Landkreis sich bereit erklärt, Mittel für die Verbesserung der Übergänge bereitzustellen. Die Ausschuss-Mitglieder sahen das genauso und stimmten einstimmig für die finanzielle Beteiligung des Landkreises. - luk

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 21.11.2009

REDAKTIONSTAGEBUCH

Donnerstag:
Viel Optimismus ist zu spüren nach dem Gespräch beim Wirtschaftsminister über die Möglichkeiten zur Wiederaufnahme eines planmäßigen Bahnverkehrs zwischen Viechtach und Gotteszell. Zu Recht, denn wer hätte vor einem halben Jahr gedacht, dass man sich in München überhaupt Zeit nehmen würde für die Region, noch dass man im Ministerium das Anliegen unvoreingenommen prüfen werde. Das ist ein eindeutiger Etappensieg!

Darauf gilt es nun aufzubauen. Jetzt muss die Bayerische Eisenbahngesellschaft überzeugt werden, dass nicht allein Fahrgastzahlen entscheiden dürfen. Noch viel mehr hängt am Zug: Chancen für den Tourismus, Entwicklungsmöglichkeiten für Berufspendler, Alternative zum Auto, Arbeitsplätze an den Bahnhöfen und nicht zuletzt bei der Regentalbahn. Die entscheidenden Monate im Kampf für täglichen Zugverkehr haben jetzt begonnen. Glück auf und weiter so! - gsc

 

Pressemitteilung-Nr. 911293 des Bayerischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums vom 18.11.2009

Zeil: „Zahl der Fahrgäste entscheidend für Reaktivierung“

MÜNCHEN. Gestern fand im Bayerischen Verkehrsministerium ein Arbeitsgespräch zur Reaktivierung der Bahnlinie Gotteszell – Viechtach statt. Neben Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil nahmen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Vertreter der Region an dem Treffen teil. Zeil: „Wir brauchen in den Regionen Bayerns einen gut funktionierenden Schienenpersonennahverkehr. Deshalb werden wir die Wirtschaftlichkeit der Reaktivierung der Bahnstrecke von Gotteszell nach Viechtach unvoreingenommen prüfen.“

Beide Minister begrüßten das Engagement der Region für den umweltfreundlichen Schienenpersonennahverkehr. Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner betonte die Bedeutung des Projekts für die Region bei der Übergabe einer Unterschriftenliste. Brunner: „Die 4 587 Unterschriften zeigen den großen Rückhalt für das Projekt bei den Menschen vor Ort.“

Ob die Wiederaufnahme der Strecke möglich sei, hänge in erster Linie von der Anzahl der zu erwartenden Fahrgäste ab. Deshalb werde die Bayerische Staatsregierung eine Untersuchung des Fahrgastpotenzials unterstützen. Erste Ergebnisse seien im Frühjahr 2010 zu erwarten. „Die Region, die die Reaktivierung wünscht, muss die Daten über die nötigen Infrastrukturinvestitionen weiter konkretisieren. Denn ganz ohne Ertüchtigungsmaßnahmen wird es sicherlich nicht gehen“, so Zeil. Dies gelte vor allem für Bahnübergänge und Stationen, die zum Teil noch ohne Beleuchtung seien. „Wenn sich die Investitionen nicht über die laufenden Einnahmen refinanzieren lassen, muss die Region bereit sein, hier einzuspringen“, betonte Zeil abschließend.

© Bayerisches Wirtschaftsministerium

von links nach rechts: Bürgermeister Ruhmannsfelden, Josef Brunner, Bundestagsabgeordneter Ernst Hinsken, Bürgermeister Patersdorf, Willi Dietl, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Landrat Heiz Wölfl, Verkehrsminister Martin Zeil, Bürgermeister Viechtach, Georg Bruckner, Bürgermeister Zachenberg, Michael Dachs,  Vorstand der Regentalbahn AG, Gerhard Knöbel und 1. Vorsitzender der 'Wanderbahn im Regental e. V.' Arnulf Baier

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 12.10.2009

Bahninitiative verspürt Optimismus
Freude über breite Unterstützung - Nächste Schritte besprochen

Viechtach. Einige Mitglieder der Bahninitiative zur Bestellung von planmäßigem Zugverkehr auf der Strecke Gotteszell-Teisnach-Viechtach haben sich im Gasthof Schnitzmühle getroffen, um den gegenwärtigen Stand der Aktivitäten zu besprechen.

Die Unterschriftensammlung ist beendet, der Rücklauf der Listen ist jedoch noch nicht abgeschlossen, insbesondere aus den Viechtacher Nachbargemeinden stehen sie noch aus, war das Ergebnis einer ersten Bestandsaufnahme. Es sieht derzeit so aus, als ob mehrere 1000 Unterschriften gesammelt werden konnten. Man zeigte sich seitens der Bahninitiative begeistert über den Zuspruch der Bevölkerung. Dies sei auch eine Bestätigung für das Vorhaben.

Die vom Wirtschaftsministerium geforderten Zahlen zur Finanzierung der notwendigen Maßnahmen liegen vor (der Viechtacher Bayerwald-Bote berichtete). Das Engagement vereint die anliegenden Kommunen in beeindruckender Weise, waren sich die Mitglieder der Initiative einig. Der Einsatz sei über die verschiedenen politischen Parteien hinweg beispielhaft; Mandatsträger aus der Region setzen sich ein, Kontakte zur Staatsregierung und ins Wirtschaftsministerium wurden aktiviert, um zu erreichen, dass Viechtach wieder per Bahn erreichbar ist.

Argumente pro Bahn und mögliche Bedenken von Seiten des Ministeriums wurden nochmals erörtert. Damit bereitet die Bahninitiative den nächsten Schritt vor: Das Gespräch mit der zuständigen Stelle im Wirtschaftsministerium. In Antwort auf ein Schreiben an den Wirtschaftsminister Martin Zeil wurde von diesem jüngst das Angebot zu einem Gespräch mit allen Beteiligten wiederholt. Nachdem bereits andere Bahnstrecken, die sich in weniger intaktem Zustand befunden haben, wieder an den Verkehr angeschlossen wurden und die Strecke Gotteszell-Teisnach-Viechtach einen sehr kleinen Anteil am gesamten Schienenverkehr im Freistaat hat und allein vom Einsparungspotential durch Kostenverringerung finanzierbar sein dürfte, sehen die Initiatoren dem Gespräch zuversichtlich entgegen.

Die Aussicht auf den Erhalt der rund 100 Arbeitsplätze bei der Regentalbahn in Viechtach und die Chance, einen Ausbau des derzeit nur minimalen öffentlichen Personennahverkehrs zu erreichen, sieht die Initiative damit recht positiv. Dass Bedarf besteht, zeigt schon allein die Auslastung der Züge, die von der Wanderbahn im Sommer betrieben werden. Auf deren Internetseite
www.bayerwaldbahn.de können Interessierte weitere Informationen sowie bisher erschiene Presseartikel nachlesen.  - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 07.10.2009

Wandern im Viechtacher Land hat Spaß gemacht
Tourismusverband zieht zufrieden Bilanz - Fortsetzung geplant

Viechtach. Erstmals hat der Tourismusverband Viechtacher Land neben den wöchentlich geführten Wanderungen einen Wander-Saisonauftakt im Frühling und eine Herbstwanderwoche unter dem Motto „Indian Summer in Bayerisch Kanada“ veranstaltet. „Und das mit großem Erfolg!“, teilte gestern Monika Häuslmeier vom Tourismusverband mit. Aus diesem Grund laufen auch schon jetzt die Planungen und Vorbereitungen für das Jahr 2010 an. „Ich hätte mir nie gedacht, dass eine geführte Wanderung so informativ, unterhaltsam und kurzweilig sein könnte!“ So lautete das Fazit einer begeisterten Teilnehmerin aus Oberbayern, die am Sonntag beim Abschluss der Herbstwanderwochen dabei war. Normalerweise nur mit dem Ehemann in Bayerns (alpinen) Bergen unterwegs, hat die sportliche Wanderin jetzt den Bayerischen Wald für sich als Wandereldorado entdeckt.

„So oder ähnlich erging es vielen der knapp 180 Teilnehmer, die sich an den verschiedenen Wanderungen beim Saisonauftakt im Frühling oder bei den gerade zu Ende gegangenen Herbstwanderwochen beteiligt hatten“, berichtete Monika Häuslmeier. Das Programm hatte auch für jeden Wanderfreund viel zu bieten: Vom gemütlichen Dorfrundgang über „Wald, Wild, Wissen“ mit dem Förster bis hin zur wahren Klettertour auf den Großen Falkenstein im Nationalpark. Auch Kunst, Kultur und Historie kamen nicht zu kurz, so zum Beispiel bei der Themenführung „Die Kelten im Viechtacher Land“. Zu den „Top 5“ gemessen an der Teilnehmerzahl zählten beim Auftakt im Frühjahr die Abendwanderung am Großen Pfahl sowie die Eröffnung des Goldsteigzubringers zum Pröller (1048 Meter). Bei den Herbstwochen beliebt war die Stadtführung „Viechtach erleben“, die Nationalparkwanderung zum Großen Falkenstein (1315 Meter) sowie die Abschlussveranstaltung am vergangenen Sonntag, bei der die Wanderfreunde nach einer Fahrt mit der Wander- bahn von Viechtach nach Gumpenried am Schwarzen Regen entlang durch „Bayerisch Kanada“ wanderten.

So vielfältig das Wanderangebot war, so bunt gefächert war auch die Zusammensetzung und die Herkunft der Wanderfreunde: Neben Urlaubsgästen, die ihren Aufenthalt mit einer Wanderung bereicherten und sich kurzfristig vor Ort dafür entschieden, hatten andere Teilnehmer bewusst während der Wanderwochen gebucht und waren bei (fast) jeder Tour dabei. Naturfreunde aus Niederbayern und der Oberpfalz waren ebenso mit von der Partie wie einheimische Wanderer, vom (Grundschul-)Kind bis zum rüstigen Senioren reichte die Palette.

Spaß gemacht hat es nicht nur den Teilnehmern, sondern auch den Organisatoren vom Tourismusverband und den Wanderführern, die den Gästen die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten des Bayerischen Waldes gerne vorstellten. Durch das Engagement der versierten Wanderführer im Viechtacher Land wurden die Wanderwochen überhaupt erst möglich gemacht, namentlich sind das allen voran Dietmar Müller und Hans Obermeier aus Viechtach, die auch an den allgemeinen Planungen intensiv beteiligt waren und die meisten Touren führten, sowie Evelyn und Gust Wittenzellner (Kollnburg), Maria Beenen (Viechtach), Franz Scharnagl (Kollnburg), Thomas Kapfhammer (Kollnburg), Albert Schötz (Viechtach/ Schönau) und Walter Raith (Viechtach). „Nachdem die ersten Viechtacher Wanderwochen derart gut angenommen wurden, laufen die Planungen bereits für das Wanderangebot im kommenden Jahr“, blickt Häuslmeier nach vorne. Fest stehe bereits, dass rund um den Maifeiertag wieder der Saisonauftakt stattfinden wird und dass der Goldene Herbst Ende September/Anfang Oktober wieder mit attraktiven Wandertouren bereichert werden soll. - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 03.10.2009

Bahn-Initiative: Brunner organisiert Termin mit Zeil
CSU-Chefin Nistler zitiert aus Schreiben des Abgeordneten

Viechtach. So einhellige Zustimmung über Parteien und Gemeinden hinweg hat kaum ein Thema bisher erfahren. „Die Reaktivierung der Bahnstrecke Viechtach-Teisnach-Gotteszell genießt in der Region höchste Sympathie“, schreibt CSU-Ortsvorsitzende Birgit Nistler in einer Pressemitteilung.

Auch der örtliche Abgeordnete Staatsminister Helmut Brunner habe sich von Beginn an hinter das Projekt gestellt und sich für die Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell engagiert. „Für den Herbst hat er einen Termin mit seinem Kollegen aus dem zuständigen Wirtschaftsministerium, Staatsminister Martin Zeil, in die Wege geleitet“, berichtet Nistler. Eine Delegation aus Vertretern der anliegenden Gemeinden und der Regentalbahn, Landrat Heinz Wölfl und der Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken solle dabei unterstützen, die Bedeutung dieser Strecke für die Region darzulegen. So zitiert die Viechtacher CSU-Ortsvorsitzende aus einem Schreiben Brunners an sie, die sich auch im Namen der betroffenen Bürgermeister an Brunner gewandt hatte.

Der Ausbau der Infrastruktur mit der ökologisch vorteilhaften Variante Bahn ist auch von der Bevölkerung angenommen, wie mehrere Tausend Unterschriften beweisen. Der Viechtacher Stadtrat, aber auch die betroffenen Bürgermeister und Gemeinden haben ihre Unterstützung bekundet und bereits die Bereitschaft signalisiert, die notwendigen finanziellen Mittel locker zu machen. Damit wäre nicht nur, wie bereits mehrfach berichtet, eine der landschaftlich schönsten Bahnstrecken Deutschlands wieder bestens genutzt, durch Anwohner und Touristen, sondern auch eine Standortsicherung für die Beschäftigten der Regentalbahn vorbereitet.

„Hoffen wir, dass sich die Staatsregierung überzeugen lässt“, schreibt Nistler. Auch der Leiter der Staatskanzlei, Minister Siegfried Schneider, habe sich nach seiner Rede in Viechtach von ihr über die Bahn ins Bild setzen lassen. Eine genaue Prüfung durch das Wirtschaftsministerium und die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft ist nach Nistlers Ansicht jetzt notwendig. Ein entsprechendes langfristiges Finanzierungskonzept mit belastbaren Zahlen sei dafür Voraussetzung. Nistler: „Alle Beteiligten - Landkreis, anliegende Gemeinden sowie der Streckeneigentümer, die Regentalbahn AG, müssen sich dazu jetzt nicht nur Gedanken machen, sondern sich auch eindeutig positionieren“. - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 29.09.2009

Initiative für Bahnverkehr: Der Minister ist informiert
Philipp Frankenfeld spricht mit FDP-Kollegen Martin Zeil

Viechtach/Passau. Neben der überparteilichen Initiative für die Wiederbestellung von planmäßigem Bahnverkehr von Gotteszell nach Viechtach und ihren Gesprächen mit Vertretern der anliegenden Gemeinden gehen die Bemühungen auch auf anderer Schiene weiter.

FDP-Bundestagskandidat Philipp Frankenfeld hatte mit dem für Bahnverkehr zuständigen Mitglied der bayerischen Staatsregierung, seinem FDP-Kollegen Wirtschaftsminister Martin Zeil, bereits im Frühjahr gesprochen und ihm vom Vorhaben der Bahninitiative berichtet und ihn zu Beginn der Ferien per Brief über den damaligen Zwischenstand informiert. Am Rande einer Parteiveranstaltung in Passau konnte er dem Minister vorige Woche nochmals von den jüngsten Ergebnissen berichten und ihn darauf vorbereiten, dass in absehbarer Zeit die Bemühungen und die Vorschläge aus der Region zur Wiederaufnahme des Zugverkehrs in schriftlicher Form im Ministerium übergeben werden.

Wie Frankenfeld mitteilte, gab er dem Minister dabei auch ein Schreiben mit, in welchem die Finanzierung erläutert wird, wie sie sich nach Besprechung der Beteiligten darstellt. Beigefügt waren auch weitere Informationen über die Strecke und Fotos von Zugfahrten auf der Strecke. - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 26.09.2009

Mit mutiger Entscheidung aus dem Tunnel
Initiative für planmäßigen Bahnverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell geht in die entscheidende Phase

Von Gunther Schlamminger

Viechtach/Gotteszell. Drei Monate nach dem Startschuss der Initiative für die Wiederaufnahme von planmäßigem Bahnverkehr auf der Strecke Viechtach – Teisnach – Gotteszell hat der Hauptinitiator, der Verein Wanderbahn im Regental, weitere Hausaufgaben erledigt. Als nächstes geht es laut Vorsitzendem Arnulf Baier um den erfolgreichen Abschluss der Unterschriftenaktion: Noch bis Sonntag besteht die Möglichkeit, sich in die in der Tourist-Information Viechtach aufliegenden Listen einzutragen. "Wir haben den ganzen Sommer über sehr viel positiven Zuspruch für unser Vorhaben erhalten", erläuterte Wanderbahn-Vorsitzender Arnulf Baier in einem Redaktionsgespräch auf Einladung des Viechtacher Bayerwald-Boten. Viele der Urlaubsgäste, die sonntags mit dem historischen Triebwagen der Wanderbahn auf der 25 km langen Strecke verkehrten, aber auch Kanufahrer hätten die Initiative begrüßt. Etliche Einheimische, die den Bahnverkehr noch von früher kennen, hätten sich gemeldet und ihre positiven Erinnerungen an den Zug nach Viechtach aufgewärmt.

Besonders freute es Baier, dass die Kommunen entlang der Strecke und darüber hinaus die vom Landrat während der Infofahrt für Mandatsträger am 20. Juni angeforderten Resolutionen für die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs an das zuständige Wirtschaftsministerium eingereicht hätten. In der Antwort stellt das Ministerium zwei wesentliche Forderungen auf: eine finanzielle Beteiligung aus der Region und die Erstellung einer Prognose über die zu erwartenden Fahrgastzahlen, so stellvertretender Pressesprecher Wolfgang Schmid auf Anfrage des Viechtacher Bayerwald-Boten. Laut Schmid verfolgt der Freistaat bei der Reaktivierung von Bahnstrecken allgemein eine zurückhaltende Linie. Den betroffenen Kommunen habe man Gespräche zu dieser Thematik angeboten.

Die Gesprächsbereitschaft wertet Baier positiv. Und ergänzt: "Wir haben bereits ein Gespräch mit Regentalbahn und Anlegergemeinden zu diesem Thema geführt". Demnach wären an den sechs Bahnübergängen rund 1,4 Millionen Euro zu investieren: Bruckmühle, Bahnhof Ruhmannsfelden, Grandmühle, Teisnach Mitte, Teisnach Volksfestplatz (hier vereinfachte Ausführung durch Kopplung mit Übergang Mitte möglich), Teisnach Kreisverkehr. Pro Übergang müsse man laut Baier mit 250 000 Euro rechnen. Gemäß Eisenbahnkreuzungsgesetz teilen sich die Kosten auf in drei Drittel: eines muss die Regentalbahn als Eigentümerin der Strecke tragen, ein Drittel der jeweilige Straßenbaulastträger und ein Drittel der Freistaat als Verantwortlicher für nichtbundeseigene Bahnen.

Im Klartext: auf den Freistaat kämen 540 000 Euro zu, auf die Regentalbahn 460 000 Euro, auf den Landkreis 160 000 Euro, auf den Markt Ruhmannsfelden und die Gemeinde Geiersthal jeweils 80 000 Euro und auf den Markt Teisnach 50 000 Euro. "Damit ist klar: Die Region wird sich an den Kosten, wie gefordert, beteiligen", so Baier. Daneben müssten nach einer Kostenschätzung der Regentalbahn zwei Millionen Euro in die Strecke investiert werden. Der Anteil von insgesamt 2,5 Millionen Euro für die Regentalbahn könne über regional übliche Trassenentgelte und Stationsgebühren refinanziert werden, die der Besteller von Bahnverkehr, also die Bayerische Eisenbahngesellschaft, zu tragen hätte.

Bleibt das Problem der Potenzialprognose. Obwohl Baier davon ausgeht, dass genügend Fahrgäste aus der Region Viechtach/Teisnach mit 17500 an der Strecke wohnenden Einwohnern vorhanden wären, befürchtet er: "Wenn wir die Prognose wirklich brauchen, verlieren wir zu viel Zeit". Deshalb hat er sich umgehört und Argumente gegen diese Notwendigkeit gesammelt. "Als 2006 beschlossen wurde, dass die Waldbahn bis nach Spicak weiterfährt, habe ich von einer Prognose auch nichts gelesen", sagt er. Auch sei zum Beispiel in Steinhöring ein Bahnhof für 6,8 Millionen Euro aus Mitteln der Bayerischen Eisenbahngesellschaft gebaut worden – "für diese Summe könnten wir zehn Jahre fahren".

Nach Ansicht des Wanderbahn-Chefs ist jetzt vielmehr eine mutige politische Entscheidung gefragt. Damit würde auch die Privatisierungspolitik des Freistaats gestärkt. Schließlich hatte man beim Verkauf der Regentalbahn AG an den Arriva-Konzern nur eine Bestandssicherung bis 2010 vereinbart und könnte mit dem Beschluss pro Bahnverkehr 100 Arbeitsplätze in Viechtach auch über diesen Termin hinaus sichern. "Die Region hat ihre Hausaufgaben gemacht", sagt Arnulf Baier und hofft, dass sich bis zum Abschluss der Unterschriftaktion noch viele Bürger eintragen. Außerdem sollten Listen, die noch irgendwo ausliegen, bis Sonntag in der Tourist-Info Viechtach vorbei gebracht werden. Baier rechnet mit mit mehreren tausend Unterstützern. Und damit will er sich dann nach München aufmachen und sie persönlich im Wirtschaftsministerium überreichen.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 23.09.2009

Von der Rodelbahn bis zur Strauß-Ausstellung
JU-Kreisverband Regen mit MdB Ernst Hinsken auf „Aktivtour“ unterwegs

Viechtach/Landkreis. Eine „Aktivtour“ mit dem Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken unternahm am vergangenen Samstag der JU-Kreisverband Regen. Ziel der Veranstaltung war es, bei den sechs verschiedenen Stationen den ganzen Nachmittag über sich mit den unterschiedlichsten Gruppierungen zu treffen und über möglichst viele Themen zu diskutieren.

© www.pnp.de

Wahlkampfstation Bahnhof: MdB Ernst Hinsken (Mitte) und die JU-Mitglieder am Viechtacher Bahnhof, wo Arnulf Baier (rotes Hemd) über die Situation der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach aufklärte.
(Foto: P. Zens)

Erster „Aktivpunkt“ war die Sommerrodelbahn in Grün bei Sankt Englmar, die einzige Station außerhalb des Landkreises. Dort bekam die ungefähr 30-köpfige JU-Truppe um ihren Kreisvorsitzenden Stefan Ebner Unterstützung durch ein professionelles Wahlkampfteam, das die Landesleitung aus München samt Wahlkampfbus stellte. Miteinander verteilte man an einem Infostand Flyer, Kulis und weiteres Infomaterial zur Bundestagswahl. Zusammen mit Ernst Hinsken suchte die JU das Gespräch mit den Gästen und diskutierte intensiv das Thema Tourismus.

Bei der nächsten Station am Viechtacher Bahnhof gab der Vorsitzende des Vereins Wanderbahn im Regental e.V., Arnulf Baier, den Nachwuchspolitikern eine Einführung zur Situation der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach. Der Verein, viele Organisationen und Privatpersonen kämpfen derzeit für die Wiederaufnahme der Trasse in den Bahnverkehr. Damit hätte Viechtach nicht nur eine Anbindung im Nah- und Fernverkehr, sondern auch die Arbeitsplätze der Reparaturwerkstatt der Regentalbahn sowie der Verwaltung könnten gesichert werden. Ernst Hinsken versprach, sich ebenfalls für die Wiederaufnahme der Strecke einzusetzen. (....) Insgesamt war die innovative Tour mit Ernst Hinsken ein voller Erfolg. An sechs unterschiedlichen Stationen konnte man mit vielen Personen ins Gespräch kommen und etliche Probleme diskutieren. - pz

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom  17.09.2009

Bahnverkehr nach Gotteszell: Jetzt stehen Fachgespräche an
Erhebung einer Potenzialprognose nötig - CSU stolz auf „Region des Jahres“

Drachselsried/Viechtach. Die Aktionen um die Wiedereinführung eines regelmäßigen Bahnverkehrs zwischen Gotteszell und Viechtach hat jetzt auch die CSU-Kreisvorstandschaft einhellig begrüßt.

Die große positive Resonanz in der Bevölkerung will man auch im CSU-Kreisverband unterstützen, hieß es nach einer Mitteilung des Kreisverbands während der jüngsten Vorstandssitzung in Drachselsried. Landrat Heinz Wölfl machte dabei deutlich, dass alle betroffenen Kommunen und auch der Kreistag Regen positive Stellungnahmen bzw. Resolutionen abgegeben hätten und es nun darauf ankomme, die entsprechenden Sondierungsgespräche mit den zuständigen Fachstellen im Ministerium zu führen.

Notwendig sei für eine positive Bewertung durch das Wirtschaftsministerium die Erhebung einer „Potenzialprognose“ und die Hochrechnung des zu erwartenden Fahrgastaufkommens. Landrat Heinz Wölfl und Staatsminister Helmut Brunner wollen diese Gespräche in den nächsten Wochen in München führen. Ziel sei es, so der Landrat, eine ähnlich attraktive Zugverbindung wie zwischen Zwiesel und Gotteszell auch für die Region Teisnach - Viechtach zu installieren. - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom  22.08.2009

Mit der Wanderbahn zum weißen Quarzriff
Naturpark fordert Wiederaufnahme des Bahnverkehrs

Viechtach. Rund zwanzig Naturliebhaber aus Nah und Fern haben an der Naturpark-Veranstaltung „Vom Tal des schwarzen Regen zum weißen Quarzriff am Großer Pfahl“ teilgenommen. Sogar aus München reisten Teilnehmer an und fuhren mit der Wanderbahn von Gotteszell nach Viechtach. Das meist unberührte Tal des „Schwarzen Regen“, durch das die Bahnstrecke führt, beeindruckte die Teilnehmer besonders. Der stellenweise schnell fließende Schwarze Regen war mit seinem stein- und geröllreichen Flussbett im Bereich Gumpenried vom Zug aus schön zu sehen, so dass diese Fahrt für die Teilnehmer ein Naturerlebnis war.

Am Bahnhof in Viechtach begrüßte Heinrich Schmidt, 1. Vorsitzender des Naturparks, die Wanderfreunde. Sein besonderer Dank galt den Mitgliedern des Wanderbahn-Vereins, die auch diese Ausflugsbahnfahrt ehrenamtlich ermöglichten. Der Naturpark-Vorsitzende forderte in diesem Zusammenhang eine Wiederaufnahme des täglichen Bahnverkehrs auf der landschaftlich sehr reizvollen Strecke. „Wir brauchen diese attraktive Bahnstrecke, um vor allem auch Familienurlauber in unsere schöne Region zu holen“, so Schmidt. Er versprach, das Führungsangebot des Naturparks noch stärker mit dem öffentlichen Personennahverkehr abzustimmen.

Anschließend wanderten die Teilnehmer vom Stadtzentrum auf den Pfahl-Steig zum Großen Pfahl. Naturpark-Gebietsbetreuer Matthias Rohrbacher führte die Gruppe. Am Naturweiher bei der Sporer Quetsch legte die Gruppe eine kleine Rast ein und beobachtete Wasservögel. Vorbei am Schaubienenstand ging es weiter zum Quarzriff am Großen Pfahl. Der Quarzfelszug ist nicht nur das landschaftliche Wahrzeichen von Viechtach, sondern als bayerisches und nationales Geotop ein erdgeschichtliches Naturdenkmal mit überregionaler Bedeutung. Erstaunt waren die Teilnehmer der Wandergruppe über das bunte Farbenspiel an manchen Felspartien. Grünlich leuchtende Schwefelflechten überdauern neben blaugrauen Silikatfelsflechten auf den stellenweise rostrot überlaufenen Quarzfelsen. Weiter wanderte die Gruppe zum bis zu 40 Meter tiefen Steinbruch und zu den heute restaurierten Steinbruchgebäuden. Zum Abschluss der Wanderung nahmen einige als Andenken ein Quarzmineral am so genannten „Klopferplatz“ mit - nur hier ist die Mitnahme der Quarze im Naturschutzgebiet erlaubt.         - ro/vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 20.08.2009

JU macht sich für die Bahn stark
Brief an Ministerpräsident Seehofer - Bitte um Unterstützung

Viechtach. Nachdem sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Gemeinden im Landkreis Regen sowie der Landkreis für eine Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen Viechtach und Gotteszell ausgesprochen haben und eine Unterschriftenaktionen gezeigt hat, dass die Bevölkerung hinter diesen Plänen steht, macht sich nun auch die Junge Union im Landkreis Regen für einen Linienverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell stark.

In einem Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer, der auch an Wirtschaftsminister Martin Zeil, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Europaabgeordneten Manfred Weber, Bundestagsabgeordneten Ernst Hinsken, Landrat Heinz Wölfl und Bezirksrat Olaf Heinrich gegangen ist, appelliert JU-Kreisvorsitzender Stefan Ebner an die politischen Mandatsträger, „ihre Stimme für die Wiederbestellung der Bahnstrecke zu erheben, Kräfte zu bündeln und entsprechende Schritte zu unternehmen, um diesem Ziel näher zu kommen.“

Er begründet den Vorstoß damit, dass die Förderung und Unterstützung des ländlichen Raumes kein Lippenbekenntnis sein dürfe. „Eine gute Infrastruktur ist für die Lebensfähigkeit des ländlichen Raumes unersetzlich, um den Menschen vor Ort Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen und eine Abwanderung insbesondere von jungen Menschen in Metropolregionen zu verhindern“, schreibt Ebner. Neben guten Straßen und intakten Busverbindungen sei eine funktionierende Bahnverbindung, die zu einer verbesserten Anbindung der Region an das übrige Schienennetz führt, wichtig.

„Die bestehende Strecke ist nach wie vor in gutem Zustand. Wenngleich sich die Stationen teilweise in einem für den Personenverkehr nicht ausreichenden Zustand befinden und Beleuchtungen fehlen, so ist damit zu rechnen, dass sich die Kosten für Erneuerungen in überschaubarem Rahmen halten“, erklärt der JU-Kreisvorsitzende. Gerade auf diesem Streckenabschnitt sei ein gut funktionierender Personenverkehr durch die Anbindung an das Netz der Bundesbahn von regionaler Bedeutung, weil dadurch die FH-Außenstelle in Teisnach mit der Bahn erreichbar wäre. Auch touristische Gesichtspunkte dürften nicht außer Acht gelassen werden. „Einerseits, weil eine Nachfrage der Touristen nach einer Anbindung Viechtachs über den Zugverkehr existiert, andererseits, weil die Schienenführung entlang des Regenufers die Zugfahrten zu einem besonderen Naturerlebnis werden lassen“, schreibt Ebner.

Zudem führt er die zirka 100 Arbeitsplätze bei der Regentalbahn in Viechtach an. Sie könnten durch eine Wiederbelebung der Strecke gesichert werden. „Sollte die Strecke nicht ausgeschrieben werden, besteht die Gefahr, dass die Werkstätten in Viechtach geschlossen werden“, so der JU-Kreisvorsitzende weiter. Die Firma Arriva habe sich beim Kauf der Aktien der Regentalbahn gegenüber dem Freistaat Bayern verpflichtet, das Werk mindestens sechs Jahre weiter zu betreiben. Diese Frist laufe im Jahr 2010 aus, „so dass berechtigte Sorgen um diese Arbeitsplätze bestehen“. - dal/vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 13.08.2009

Die FPD bemüht sich um die Bahn

Viechtach. Der FDP-Bundestagskandidat Philipp Frankenfeld hat den bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil um Unterstützung bei der geplanten Wiedereröffnung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell gebeten. Bereits beim Landesparteitag der FDP in Bayreuth hatte der Bundestagskandidat aus Viechtach seinen Parteifreund Zeil auf dieses Thema angesprochen.

Nun hat Frankenfeld ein offizielles Schreiben an das Wirtschaftsministerium in München gerichtet und den Minister um Unterstützung gebeten. „Unterstützen Sie die Iniitative der Bürger mit einem Treffen in unserer Region“, schreibt Philipp Frankenfeld. Er erwähnt dabei auch die derzeit laufende Anhörung in dieser Angelegenheit und die Unterschriftenaktion für eine Wiedereröffnung der Bahnstrecke. Zugleich lädt Frankenfeld den Wirtschaftsminister im Namen des FDP-Kreisverbandes Regen ein, sich bei einer Bahnfahrt vor Ort über das Anliegen zu informieren. – hl

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 08.08.2009

Arbeitskreis Bahn bleibt aktiv

Viechtach. In der Stadtratssitzung in dieser Woche informierte Bürgermeister Georg Bruckner über weitere Aktivitäten in punkto Wiedereröffnung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell. Am vergangenen Samstag hatte sich im Rathaus wieder der Arbeitskreis Bahn getroffen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Als nächster Schritt soll mit Arriva (frühere Regentalbahn) abgestimmt werden, welche Investitionen für Schienennetz und Bahnübergänge notwendig sind. Darüber hinaus braucht man vom künftigen Betreiber die Zusage, dass die Bahnlinie über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten wird. - (...) - hl

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 30.07.2009

Gemeinderat Kollnburg: Info und Anträge

Kollnburg. Einen umfangreichen Bericht über aktuelle Angelegenheiten gab Bürgermeisterin Josefa Schmid in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Für die Waldbahn
Mit 14:1 Stimmen beschloss der Gemeinderat, dem Beispiel zahlreicher anderer Gemeinden zu folgen und die Wiederbelebung der Bahnstrecke Viechtach - Gotteszell ebenfalls mit einer Resolution ausdrücklich unterstützen zu wollen. Bürgermeisterin Schmid betonte, wie wichtig diese Bahnanbindung für die Gemeinde und die gesamte Region sei. Deshalb dürfe man jetzt diese einmalige Chance keinesfalls ungenutzt verstreichen lassen.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 28.07.2009

Im Gemeinderat Arnbruck notiert
Anfragen

Auf Anregung von Gemeinderat Josef Achatz unterstützt der Gemeinderat das Vorhaben, die Bahnlinie Viechtach - Gotteszell wieder in Betrieb zu nehmen. (....)

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 23.07.2009

Kreistag unterstützt Bahn-Pläne
Resolution geht diese Woche ans Wirtschaftsministerium

Viechtach/Zwiesel. Der Kreistag hat sich während seiner Sitzung in Zwiesel mit der Initiative zur Wiederbelebung der Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach beschäftigt und dabei einhellig seine Unterstützung bekundet.

SPD-Sprecher Franz Köppl wollte wissen, ob bei einer Wiederbelebung der Stecke der Schülerverkehr vom Bus auf die Schiene verlegt werde und regte an, hier mit den Eltern im Vorfeld Gespräche zu führen, um Ärger zu vermeiden. Landrat Heinz Wölfl sagte, ein Umsteigen der Schüler vom Bus in die Bahn müsse zumutbar sein. „Wir wollen mit der Bahnstrecke aber Verbesserungen und nicht Verschlechterungen erreichen“, sagte Wölfl.

Unterstützung für die Bahnstrecke Gotteszell-Viechtach signalisierten auch CSU-Sprecher Willi Köckeis und sein Fraktionskollege Horst Blüml. „Der Wunsch nach dieser Bahnstrecke ist groß und jetzt bietet sich die einmalige Chance ihn Realität werden zu lassen“, meinte Blüml und bat den Kreistag um ein entsprechend positives Signal. Einstimmig wurde schließlich die Resolution zur Unterstützung des Vorhabens beschlossen. Wie Pressesprecher Anton Weghofer gestern mitteilte, ist das Schreiben an das Wirtschaftsministerium inzwischen im Entwurf fertig und soll noch in dieser Woche verschickt werden. Darin bittet der Kreistag den Minister, auf die Bayerische Eisenbahngesellschaft einzuwirken, damit diese bei der Neuauschreibung des Bahnverkehrs im Jahre 2010 diesen Teilabschnitt mit aufnimmt. Im Jahre 2013 könnte dann frühestens planmäßiger Zugverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell-Bahnhof rollen.

Nach Ansicht des Landkreises stellt die Strecke eine attraktive Erweiterung des Waldbahnnetzes dar. Hinweisen werde man laut Weghofer auch auf die Bedeutung der Strecke für den Tourismus und den Erhalt von rund 100 Regentalbahn-Arbeitsplätzen in Viechtach. Auch Klimaschutzgedanken und die landschaftliche Attraktivität gelte es zu berücksichtigen. Schließlich könnte für die Wiederbelebung auch die Schaffung einer FH-Außenstelle in Teisnach eine Rolle spielen, sagte Weghofer. Die letztgültige Formulierung sollte im Rahmen einer internen Besprechung im Landratsamt am gestrigen späten Nachmittag festgelegt werden. - chr/gsc

© www.pnp.de

Teilnehmer der Info-Fahrt zur Wiederbelebung der Bahnstrecke steigen in Bahnhof-Gotteszell
aus einem Waldbahn-Zug, rechts Landrat Heinz Wölfl. (Foto: Schlamminger)

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom  23.07.2009

Einstimmig für Bahnverkehr
Kurzberichte aus dem Ruhmannsfeldener Marktgemeinderat

Waldbahn-Resolution und Unterschriften
Einstimmig entschied sich das Gremium, eine Resolution zur Wiederaufnahme des Bahnbetriebs zwischen Gotteszell-Bahnhof und Viechtach ab 2014 zu unterschreiben. Subventionen seien laut Bürgermeister Josef Brunner natürlich erforderlich, aber bedeutsame Gründe wie etwa Arbeitsplätze, Tourismus und nicht zuletzt der Teisnacher FH-Standort sprächen einfach für einen positiven Beschluss, wie ihn auch der Kreistag gefasst habe. Zudem sollen in den örtlichen Geschäften, Banken und auch bei der Gemeinde selbst Unterschriftenlisten aufgelegt werden. Eine gute Gelegenheit, ihre Unterstützung kund tun zu können, haben die Ruhmannsfeldener auch beim Bürgerfest am Wochenende: Auch dort wird jeder Stand eine Liste bereit halten. Weitere Informationen gibt’s unter bayerwaldbahn.de und regen.bund-naturschutz.de.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 21.07.2009

KURZ NOTIERT
Zugverkehr: 94 Prozent sagen „Chance nie so groß wie jetzt“

Viechtach. Als großen Ansporn, mit den Bemühungen um die Wiederaufnahme von planmäßigem Zugverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Viechtach und Gotteszell-Bahnhof nicht nachzulassen, wertet der Vorsitzende des Vereins „Wanderbahn im Regental“ das Ergebnis der PNP-Online-Umfrage zu diesem Thema. Mit Beginn 10. Juli hatten wir zehn Tage lang um Antworten auf folgende Frage gebeten: „Zur Wiederaufnahme des öffentlichen Bahnverkehrs zwischen Viechtach und Gotteszell ab 2014 verabschieden Gemeinderäte Resolutionen, Unterschriften werden gesammelt. Wie ist das Vorhaben zu bewerten?“

Bis zum Einstellen der Abstimmungsmöglichkeit am gestrigen Montag haben 167 User im Internet eine Antwort angeklickt. Davon sagten 94 Prozent: „Alle sollten mitmachen, denn die Chance war nie so groß wie jetzt.“ Je drei Prozent entschieden sich für die Antworten „Probieren kann man es ja, aber ob es klappt, ist fraglich.“ bzw. „Ich halte mich raus, weil ich kein Zugfahrer bin.“ Vorsitzender Arnulf Baier nannte dies gestern ein gutes Ergebnis, das ihm zeige, dass die Bevölkerung Interesse an dem Vorhaben hat. Ende Juni hatte der Verein im Rahmen einer Info-Fahrt für politische Mandatsträger der Region den Startschuss für die Bemühungen um eine Wiederbelebung von Zugverkehr gegeben (unser Bild zeigt den Waldbahn-Zug vor der Abfahrt am Bahnhof Viechtach). Seither haben mehrere Gemeinderäte beschlossen, im zuständigen Wirtschaftsministerium die Bestellung von Zügen auf der Strecke zu fordern.

Wie Baier weiter informierte, reagieren neben den Einheimischen auch viele Urlaubsgäste positiv auf die Bemühungen. Denn seit Beginn der Aktion sammelte sein Verein in der Wanderbahn, deren historische Züge zwischen Viechtach und Gotteszell-Bahnhof pendeln, an jedem Sonntag an die 150 Unterschriften für die Wiederbestellung von Zugverkehr. Anfang August will der Verein Zwischenbilanz ziehen und dann voraussichtlich die Firmen in der Region um weitere Unterstützung des Vorhabens bitten. - gsc/F.:gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 17.07.2009

Online-Umfrage: Die meisten sagen Ja zum Bahnverkehr

Viechtach. Am Wochenende hat der Viechtacher Bayerwald-Bote im Internet eine Online-Umfrage zu den derzeit laufenden Bestrebungen zu einer Wiederbelebung eines planmäßigen Zugverkehrs auf der Bahnstrecke von Gotteszell-Bahnhof nach Viechtach gestartet (unser Bild zeigt ein Waldbahn-RegioShuttle im Bahnhof Gotteszell). Die Frage lautet: „Zur Wiederaufnahme des öffentlichen Bahnverkehrs zwischen Viechtach und Gotteszell ab 2014 verabschieden Gemeinderäte Resolutionen, Unterschriften werden gesammelt. Wie ist das Vorhaben zu bewerten?“ Bis Donnerstagnachmittag haben 126 User ihre Stimme abgegeben. Davon klickte eine große Mehrheit (94,4 Prozent) die Antwort „Alle sollten mitmachen, denn die Chance war nie so groß wie jetzt.“ 3,2 Prozent wählten „Ich halte mich raus, weil ich kein Zugfahrer bin.“ Für die dritte mögliche Antwort „Probieren kann man es ja, aber ob es klappt, ist fraglich.“ entschieden sich 2,4 Prozent.  - gsc/F.: gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 14.07.2009

Stadtumbau-West-Programm Regen
Resolution für Wiederaufnahme der Bahnlinie Gotteszell - Viechtach

Regen. Mit 12:6 Stimmen hat der Stadtrat eine Resolution verabschiedet, die die Fraktion der Grünen/Bündnis 90 angeregt hatte. In der Resolution unterstützt die Stadt Regen die überparteiliche Initiative zur Wiederaufnahme des Bahn-Linienverkehrs zwischen Gotteszell und Viechtach. Eine mahnende Stimme kam von Fritz Treml (SPD), der zu bedenken gab, dass die Wiedereinrichtung dieser Linie möglicherweise dazu führt, dass die ÖPNV-Mittel für die Stadt ein bisschen niedriger ausfallen würden, wenn mehr Linien und Strecken bedient werden müssten.

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 13.07.2009

Auch Patersdorf will wieder Bahnverkehr

Patersdorf. Bürgermeister Willi Dietl konnte zur jüngsten Gemeinderatssitzung alle Gemeinderäte, seine Mitarbeiter und fünf Zuhörer begrüßen. Einstimmig befürwortete das Gremium die Bemühungen um die Wiederaufnahme des Zugverkehrs Gotteszell-Viechtach ab 2014. Verschiedene bedeutsame und wichtige Gründe sprächen dafür, wie Anbindung der Gemeinde an das Schienennetz, die Ankurbelung des Tourismus und die wichtigen Arbeitsplätze in Viechtach, hieß es. Die Resolution geht an das Bayerische Wirtschaftsministerium.

 

Artikel der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 11.07.2009

REDAKTIONSTAGEBUCH

Donnerstag: Sind die heute veröffentlichten Aussagen aus dem Wirtschaftsministerium zum Bahnverkehr nun ermutigend oder eher ernüchternd? Tatsache ist, dass der vom VBB um eine Stellungnahme gebetene Sprecher klar gemacht hat, dass das Ministerium die Anliegen aus der Region diskutieren wird. Das heißt zumindest: Die Bemühungen sind nicht chanchenlos. Dennoch haben die Aussagen den Wanderbahn-Verein aufgewühlt und zu einer Stellungnahme bewogen (s.o.). Es gilt also weiterhin, möglichst viele Kräfte zu mobilisieren, damit eine möglichst breite Meinungswelle auf die Landeshauptstadt zurollt. Dazu gehören sicherlich die Resolutionen der Gemeinderäte. Dazu gehört die noch laufende Unterschriftenaktion. Dazu gehören aber auch Firmen und Institutionene, die ebenfalls in Briefen ihre Argumente für einen regulären Bahnverkehr von Gotteszell Bahnhof über Teisnach bis Viechtach äußern sollten.

Die Welle muss so viel politische Kraft erreichen, dass das Wirtschaftsministerium am Ende gar nicht anders kann, als dieses kleine Teilstück freizugeben. Denn eines hat die Vergangenheit mit dem Schienenpersonennahverkehr gelehrt: Fahrgäste gibt es nur, wenn es einen Zug gibt. Und nicht umgekehrt.  -gsc

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 11.07.2009

„Ministerium kennt offensichtlich die Besonderheiten der Strecke nicht“
Im Zug von Viechtach nach Gotteszell:
Äußerungen aus Wirtschaftsministerium stoßen beim Verein „Wanderbahn im Regental“ auf Unverständnis


Viechtach. Nicht verstehen können die Verantwortlichen des Vereins „Wanderbahn im Regental“ einige Aussagen des Pressesprechers des Wirtschaftsministerium zu den Bestrebungen, wieder einen regulären Zugbetrieb auf der Strecke Viechtach-Gotteszell aufzunehmen (wir berichteten am Donnerstag). Vorsitzender Arnulf Baier und Andreas Fried haben uns dazu folgende Anmerkungen zukommen lassen:

„Bei der ,ins Auge gefassten Reaktivierung einer Bahnstrecke’ kennt der Pressesprecher des Bayerischen Wirtschaftsministeriums offensichtlich nicht die spezifischen Besonderheiten der Bahnlinie Gotteszell-Viechtach. Anders als bei anderen Vorhaben in Bayern befindet sich diese Strecke nicht in der Hand von Kommunen oder Zweckverbänden, sondern ist Eigentum der privaten Regentalbahn AG und steht täglich uneingeschränkt in Betrieb. Es geht auch nicht um das Wiedererwecken einer Eisenbahn aus dem Dornröschenschlaf, sondern um die Erweiterung der von Waldbahn-Zügen bisher befahrenen Gleisstrecken bis nach Viechtach. Bereits im Mai 2006 wurde das Netz der Waldbahn um einige Kilometer von Bayerisch Eisenstein ins tschechische Spicak erweitert. Warum also nicht endlich auch nach Viechtach?

Die ,Finanzierung zur Ertüchtigung der Bahnstrecke typischerweise aus der Region’ erweckt den Eindruck, als sei dies Sache der Kommunen entlang der Bahnstrecken. Dabei gibt es hier klare gesetzliche Regelungen: die Modernisierung von Bahnsteigen und Wartehäuschen (mit staatlicher Förderung) ist, ebenso wie die Instandhaltung der Gleise, Sache des Eigentümers Regentalbahn AG. Hierfür kann das Unternehmen Trassen- und Stationsgebühren in selbst bestimmbarer, angemessener und mindestens kostendeckender Höhe verlangen. Über zehn Jahre Laufzeit steht dafür ein fast zweistelliger Millionenbetrag zur Verfügung. Für das Umfeld von Stationen können die Kommunen (mit staatlicher Förderung) Verbesserungen, wie z.B. Park&Ride Parkplätze schaffen, sie müssen es aber nicht! Für die Sicherung einzelner Bahnübergänge mit Halbschranken gilt das Eisenbahnkreuzungsgesetz mit Kostenaufteilung für die drei Beteiligten Regentalbahn, Freistaat Bayern (da Privatbahngleise) und Straßenbaulastträger (Freistaat oder Landkreis oder Gemeinde). Der Anteil für den Straßenbaulastträger ist zudem noch zuschussfähig.

Die geforderten ,Begradigungen’ einer bekanntermaßen kurvenreichen Bahnstrecke und die Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h gehen an der Realität völlig vorbei. Im Freistaat Bayern gibt es (nach Informationen des Wanderbahn-Vereins, Anm. d. Red.) seit Beginn der Regionalisierung 1994 kein einziges Beispiel für Streckenbegradigungen eingleisiger Bahnlinien zur Fahrzeitminimierung. Selbst beim aufwändigen Ausbau der Waldbahn-Infrastruktur (Gleise, Ausweichstellen, Bahnsteige) im Jahre 2003 sind keine Begradigungen der Strecke erfolgt. Wieso sollen nun für unsere Strecke deutlich höhere Maßstäbe angelegt werden als zum Beispiel für die beiden Zweigstrecken nach Bodenmais und Grafenau? Im Übrigen: Bereits jetzt kann ein Waldbahn-Triebwagen die Strecke in 35 Minuten zurücklegen. Mit neu gesicherten Bahnübergängen, wo Züge bisher nur Schritttempo fahren, lassen sich 30 Minuten erreichen. Das ist die Fahrzeit, die auch der schnellste Linienbus benötigt. Noch schneller ist weder sinnvoll noch für die Fahrgastnachfrage zwingend erforderlich.

Die Aussage zu einem ,relativ anspruchsvollen Betriebsprogramm mit attraktiven Fahrzeiten’, das angeblich ,unter Umständen auch erhebliche Investitionen in die Strecke erforderlich mache’, ist aus Sicht der Experten nicht nachvollziehbar. Der bisher vorgeschlagene Zweistundentakt ist ein Minimalangebot an Zugfahrten und auch z.B. zwischen Zwiesel und Grafenau üblich. Nur ein einziger Zug soll zwischen Gotteszell und Viechtach täglich hin- und herfahren, ohne dass eine einzige Weiche verstellt werden muss. Es gibt keinen einfacheren Betriebsablauf.

Ein Zug soll pendeln: „Einfacher geht es nicht“
Der Erhalt der Bahn-Werkstätte in Viechtach ist entgegen der Ansicht von Pressesprecher Schmid tatsächlich wesentlich von der Verkehrsbestellung zwischen Gotteszell und Viechtach abhängig. Bisher müssen Waldbahn-Triebwagen werktags leer zur Werkstätte nach Viechtach fahren. Das verursacht hohe Kosten. Wird das Waldbahn-Streckennetz erweitert, kommt jedes Fahrzeug - planbar - als bestellter Zug mit Fahrgästen hierher. Auch wenn Arriva Regentalbahn den Auftrag nicht erhalten sollte, kann die Werkstätte dennoch ihre Serviceleistungen anderen Bahnbetreibern anbieten. Dazu ist sie gemäß Eisenbahninfrastrukturbenutzungsverordnung (§ 10) sogar verpflichtet. Überwiegend blieben also die Viechtacher Arbeitsplätze erhalten. Ein Neubau einer Werkstätte an anderer Stelle des DB-Streckennetzes wäre dann nach unserer Einschätzung mit Sicherheit teurer. Eine Stilllegung der modernen Fahrzeugwerkstätte der Regentalbahn AG wäre auch deshalb unverantwortlich, da der Bau mit erheblichen öffentlichen Mitteln durch den Freistaat Bayern gefördert wurde.

Es ist schade, dass der Pressesprecher des Bayerischen Wirtschaftsministeriums bereits im Vorfeld verbale Hürden aufbaut, die auf sehr wackeligen Beinen stehen. Wenn das Unternehmen Arriva Regentalbahn entscheidet, den Standort im Bayerischen Wald aufzugeben, dann ist nämlich eines der Vorzeigeprojekte bayerischer Privatisierungen, also der 2004 erfolgte Verkauf der Regentalbahn um 60 Millionen Euro an den englischen Arriva-Konzern, nachhaltig gescheitert. Nach dem Verlust des Personenzugverkehrs 1991 würde die Region Viechtach/Teisnach mit einem Ende der traditionsreichen Regentalbahn und ihrer 100 Arbeitsplätze ein zweites Mal massiv benachteiligt.“  - vbb

 

Ausgabe der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 10.07.2009

LESERBRIEF
Waldbahn – eine wunderbare Idee!”

Zum Artikel „Stadt legt vor: Einstimmig für Bahnbetrieb“ am 1. Juli im Viechtacher Bayerwald- Boten:

„Die Anbindung der Orte Teisnach und Viechtach durch die Erweiterung der Waldbahnstrecke im Abschnitt Gotteszell-Viechtach halte ich für sehr sinnvoll. Stadträtin Müller erklärte, ‚Viechtach ist ein weißer Fleck im Bahnnetz’ und das sehe ich ebenso. Für Besucher, Wandertouristen und vor allem für die Senioren unter den Bayerwald-Urlaubern, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen müssen, ist es eine wunderbare Idee. Wenn ich den Artikel von Daniela Albrecht richtig verstanden habe, ist die Umsetzung der Idee ohne Probleme möglich. Die Verantwortlichen im Bayerischen Wirtschaftsministerium erkennen hoffentlich die Wichtigkeit für die Region.“

Marion Rübner, Erich-Kästner-Straße 46, 64572 Büttelborn, Klein-Gerau

 

Artikel der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 09.07.2009

Geiersthal will wieder Zugverkehr
Gemeinderat beschließt Resolution an das Wirtschaftsministerium

Geiersthal. Neben der Verabschiedung des Haushaltsplans 2009 befasste sich der Gemeinderat Geiersthal am Montagabend mit weiteren Tagesordnungspunkten. Der Gemeinderat beschloss, die Bemühungen zur Erweiterung der Waldbahnstrecke um den Abschnitt Viechtach-Gotteszell zu unterstützen und in einer Resolution an das Bayerische Wirtschaftsministerium die weitreichende Bedeutung der Wiederaufnahme des Linienverkehrs darzustellen. Insbesondere sieht Geiersthal Verbesserungen in der Infrastruktur für die an der Strecke liegenden Gemeinden und positive Signale für den Tourismus und den öffentlichen Personennahverkehr. Besonders wichtig ist dem Gremium auch die Sicherung der Arbeitsplätze in den Viechtacher Werkstätten der RAG.

 

Artikel der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 09.07.2009

Bahnverkehr: Ministerium hört die Signale
Resolutionen und Unterschriften pro Bahnverkehr Viechtach-Gotteszell: Ministerium wird darüber diskutieren

Von Gunther Schlamminger

Viechtach. Die Region klopft am Stellwerk und will die Weichen neu justieren: Nach dem Startschuss für ein Bemühen um die Wiederbelebung des Zugverkehrs zwischen Viechtach und Gotteszell-Bahnhof durch den Verein „Wanderbahn im Regental“ haben die ersten Gemeinderäte Resolutionen an das Wirtschaftsministerium beschlossen. Dort ist man hellhörig geworden. Ein Sprecher bestätigte dem Viechtacher Bayerwald-Boten: Selbstverständlich würden alle Maßnahmen, die für die jeweiligen Regionen Bedeutung haben, beim Freistaat vorgestellt und diskutiert.

Derzeit ist noch alles offen. Laut einem Eintrag auf der Internet-Seite der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaates den Zugverkehr bestellt, wird das Waldbahnnetz ab dem Jahr 2014 einem neuen Bewerber zugeteilt. Eine Entscheidung, wann das Waldbahn-Netz ausgeschrieben wird, sei aber noch nicht getroffen, sagte jetzt Wolfgang Schmid von der Presseabteilung des Bayerischen Wirtschafts- ministeriums, dem die BEG zugeordnet ist. Schmid: „Typischerweise erfolgt eine Ausschreibung etwa vier Jahre vor dem geplanten Termin der Betriebsaufnahme“.

Ministerium fordert Geld aus der Region
Das deckt sich mit den Informationen der Wanderbahn, dass nämlich jetzt noch Zeit ist, aus der Region eine eindeutige Willensbekundung in Richtung Landeshauptstadt zu entsenden. Denn der Freistaat ist Aufgabenträger für den Eisenbahnverkehr und entscheidet daher über die Verteilung der Geldmittel. In diese Entscheidung würden dann alle Maßnahmen einfließen, die für die jeweiligen Regionen Bedeutung haben, etwa in den eigens dafür eingerichteten Regionalkonferenzen der BEG. Zu große Euphorie darf zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht aufkommen. Denn der Freistaat ist zwar für die Bestellung der Leistungen im Schienen-Personen-Nahverkehr zuständig - nicht jedoch für die Errichtung oder Ertüchtigung von Infrastruktur. Der Pressesprecher: „Daher kann eine Reaktivierung der Bahnstrecke nur ins Auge gefasst werden, wenn eine Finanzierung der Ertüchtigung typischerweise aus der Region zur Verfügung gestellt wird“. Dies sei die grundsätzliche Haltung des Wirtschaftsministeriums bei allen Reaktivierungswünschen. Konkret heißt das, dass man in München nach einer überschlägigen Prüfung davon ausgeht, dass „mit nennenswertem finanziellen Bedarf“ zu rechnen ist. Schmid führt als Beispiele Stationen und Bahnübergänge an. Und: „Ein relativ anspruchsvolles Betriebsprogramm mit attraktiven Fahrzeiten würde unter Umständen auch erhebliche Investitionen in die Strecke erforderlich machen“.

Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zitierte während der Wanderbahn-Infofahrt am 20. Juni aus einem Schreiben des Wirtschaftsministeriums. Demnach wünsche man Begradigungen der Strecke, um eine Fahrzeit zu minimieren, was den Bahnbetreibern ein Lächeln abrang. Schließlich ist die 25 Kilometer lange Strecke entlang der Flussbette von Teisnach und Schwarzem Regen gebaut, wo es für Begradigungen aufgrund des Geländes keine Spielräume gibt. Außerdem wären Bahnübergänge mit Schrankenanlagen zu errichten. Dazu schlug der Wanderbahnverein eine Finanzierungsmöglichkeit vor, die sich zum Teil selbst tragen könnte. Zum einen gehört die Strecke der Regentalbahn, ist also in Privatbesitz. Würde der Freistaat hier Bahnverkehr bestellen, erhielte das Unternehmen vom künftigen Gewinner der Ausschreibung Trassen- und Stationsgebühren. Diese würden so bemessen sein, dass über den Ausschreibungszeitraum von zehn Jahren genügend Mittel zur Modernisierung zur Verfügung sind.

Unterschriftenaktion läuft weiter
Die Gemeinden müssten sich nach Ansicht des Wanderbahn-Vereins nur im Einzelfall an neuen Bahnübergängen beteiligen; im Boot wären zum Beispiel bei Staatsstraßen der Freistaat oder bei Kreisstraßen der Landkreis. Auf eigenen Wunsch könnten sie aber das Umfeld der Haltestellen attraktiver machen. Wenig verständnisvoll äußerte sich Pressesprecher Wolfgang Schmid zu der Frage, ob die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs sich positiv auf den Erhalt der Zug-Werkstätten in Viechtach mit rund 100 Arbeitsplätzen auswirken könnte. „Der langfristige Umfang der Nutzung der Werkstatt wird eine unternehmerische Entscheidung der Regentalbahn bzw. Arriva sein, die von verschiedenen Faktoren, darunter auch die Entwicklung der Geschäftstätigkeit in der Region, abhängen wird“, so Pressesprecher Schmid. Während sich also das FDP-geführte bayerische Wirtschaftsministerium zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen will, hat sich der FDP-Bundestagskandidat Philipp Frankenfeld bereits positioniert: Nachdem er an der Info-Fahrt teilgenommen hatte, unterstützt er die noch laufende Unterschriftenaktion für den Bahnverkehr. Mehr als 300 Personen haben am Wochenende am Rande des Bürgerfestes allein in der Tourist-Info unterschrieben. Die Listen liegen weiter im alten und im neuen Rathaus und in einigen Geschäften aus. Wer noch Listen braucht, kann sich an die Tourist-Info wenden.

 

Artikel der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 04.07.2009

Signal pro Bahn aus Teisnach
Marktrat unterstützt Initiative zur Wiederaufnahme des Zugverkehrs

Teisnach. Nach der Stadt Viechtach hat sich am Donnerstag auch der Marktrat Teisnach mit den Bemühungen um eine Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen Viechtach und Gotteszell beschäftigt. Das Gremium votierte einstimmig dafür, ein Signal zu setzen „Pro Bahn“.

„Der Markt Teisnach unterstützt die Initiative zur Wiederaufnahme des regulären Schienenverkehrs zwischen Viechtach und Gotteszell“, lautet die Stellungnahme des Marktes. Dem Beschluss vorangegangen war eine Diskussion über die Bahn und die Konsequenzen für Teisnach, wenn wieder regelmäßig Züge zwischen Viechtach und Gotteszell fahren. Horst Blüml (CSU) berichtete dem Marktrat von der Infoveranstaltung des Vereins „Wanderbahn im Regental“ und warb für deren Initiative. Einige Vorbehalte äußerte Bürgermeisterin Rita Röhrl, die sich letztlich aber für die Initiative aussprach - aus Solidarität mit dem Ausbesserungswerk in Viechtach. „Mir geht es in erster Linie darum, dass die 100 Arbeitsplätze erhalten bleiben“, sagte sie. Diese seien in Gefahr, wenn Arriva die Ausschreibung nicht gewinne und kein Zug mehr zur Reparatur nach Viechtach fahre.  - dal

 

Artikel der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 02.07.2009

Mit einer Unterschrift für den Bahnverkehr
Parteiübergreifende Aktion beim Viechtacher Bürgerfest

Viechtach. Mit einer parteiübergreifenden Unterschriftenaktion wollen Mitglieder der CSU, SPD, Unabhängigen und FDP in Viechtach ihrer Forderung nach einer Wiederaufnahme des regulären Bahnverkehrs zwischen Viechtach und Gotteszell Nachdruck verleihen und haben die „Parteiübergreifende Initiative für die Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell“ ins Leben gerufen.

In seiner Sitzung am Montagabend hatte der Viechtacher Stadtrat beschlossen, eine Resolution an das Bayerische Wirtschaftsministerium zu richten, in der deutlich gemacht wird, dass die Stadt Viechtach die Bemühungen um die Erweiterung der jetzigen Waldbahnstrecke um den Abschnitt Viechtach-Gotteszell ausdrücklich unterstützt. Die Unterschriftenaktion ist nun ein weiterer Schritt. Damit will die Initiative, die vertreten wird durch 1. Bürgermeister Georg Bruckner sowie die Kreisräte beziehungsweise Stadträte Brigitte Baueregger, Stefan Ebner und Monika Müller sowie Philipp Frankenfeld (FDP), Kandidat für den Bundestag, die Bürger dazu aufrufen, sich für den Bahnverkehr zwischen Viechtach und Gotteszell stark zu machen. Denn: Die Bahnstrecke von Viechtach nach Gotteszell, so die Initiatoren der Unterschriftenaktion, sei intakt. Das Waldbahnnetz von Plattling nach Bayrisch Eisenstein müsse nur um diese Strecke erweitert, genauer gesagt im Jahr 2010 neu bestellt werden. Dann könnten auch die Bewohner von Viechtach und Umgebung sowie die Urlaubsgäste wieder am Bahnverkehr teilnehmen, nachdem sie momentan erst in Gotteszell in den Zug steigen können.

Ein weiterer Aspekt, der nicht außer Acht gelassen werden dürfe, seien die etwa 100 Arbeitsplätze in Verwaltung, Werkstatt und Zugverkehr in Viechtach. Sie wären mit einem Bahnanschluss Viechtachs gesichert. Und auch die Studenten der Fachhochschule Teisnach könnten mit dem Zug anreisen, wie das an allen anderen FH-Standorten Bayerns die Regel ist, heißt es weiter auf der Unterschriftenliste. Den Text dafür haben Stefan Ebner und Brigitte Baueregger aufgesetzt. Die Initiative hofft auf rege Beteiligung an der Aktion. Je mehr Bürgerinnen und Bürger unterschreiben, desto besser. Mit ihrer Unterschrift fordern die Unterzeichnenden, „die Bestellung der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell und versichern, dass sie auch am Zugverkehr teilnehmen werden“. Die Unterschriftenlisten liegen ab Freitag, 3. Juli, in der Tourist-Information Viechtach (Altes Rathaus) sowie in verschiedenen Geschäften aus. Auch an verschiedenen Ständen des Bürgerfestes können sich die Befürworter der Bahnstrecke in die Liste eintragen. Die Liste in der Tourist-Information liegt während der gesamten Bürgerfest-Dauer aus. Die Tourist-Information ist am Bürgerfest-Wochenende täglich von 10 bis 22 Uhr besetzt. - dal

 

Artikel der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 01.07.2009

Stadt legt vor: Einstimmig für Bahnbetrieb
Resolution an das Bayerische Wirtschaftsministerium beschlossen
Stadtrat für Erweiterung des Waldbahnnetzes

Von Daniela Albrecht

Viechtach. „Nächster Halt, Viechtach, bitte links aussteigen“, diese Durchsage soll ab 2013 in den Zügen zu hören sein, dafür macht sich die Stadt Viechtach stark. Geschlossen sprach sich der Stadtrat in seiner Sitzung am Montagabend als erste Kommune im Landkreis dafür aus, die Bemühungen um die Erweiterung der jetzigen Waldbahnstrecke um den Abschnitt Viechtach-Gotteszell zu unterstützen. In einer Resolution an das Bayerische Wirtschaftsministerium will die Stadt deutlich machen, dass ein Bahnanschluss Viechtachs wichtig ist - für die Stadt und die gesamte Region.

Auf Antrag der Unabhängigen war das Thema „Bahnanschluss“ von Bürgermeister Georg Bruckner auf die Tagesordnung der Stadtratssitzung genommen worden. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn: „Jetzt, wenn überhaupt, besteht die Möglichkeit, dass die Strecke wiederbelebt wird, weil das jetzt von der Waldbahn bediente Streckennetz 2013 vom Bayerischen Wirtschaftsministerium neu bestellt wird“, erklärte Unabhängigen-Stadträtin Monika Müller, die den Antrag für ihre Gruppierung eingebracht hatte. Zusammen mit weiteren Stadträten, darunter 2. Bürgermeisterin Birgit Nistler, hatte sie an einer Infoveranstaltung des Vereins „Wanderbahn im Regental“ teilgenommen, in der Vereins-Vorsitzender Arnulf Baier bei Abgeordneten, Bürgermeistern, Kreisräten, Stadt- und Gemeinderäten und bei Landrat Heinz Wölfl für das Vorhaben warb, das Wirtschaftsministerium zu überzeugen, die Bahnstrecke zwischen Viechtach und Gotteszell in das Bahnnetz aufzunehmen und Bahnverkehr zu bestellen.

„Viechtach ist ein weißer Fleck im Bahnnetz. Mit dem Anschluss an die Bahnstrecke würde Viechtach gleichzeitig mit dem Streckennetz der Deutschen Bahn verbunden werden“, erklärte Müller. Sie machte deutlich, dass die Zeit dränge, bis Ende 2009 müsse dem Wirtschaftsministerium deutlich gemacht werden, dass es notwendig sei, dass die Strecke wieder von der Bahn bedient werde. Und noch einen weiteren Aspekt sprach sie an. „Wir müssen uns dafür aussprechen, damit die 100 Arbeitsplätze am Viechtacher Bahnhof erhalten bleiben“; denn wenn die Strecke nicht mit ausgeschrieben werde, könnte das Werk in Viechtach geschlossen werden. „Arriva hat sich beim Kauf der Aktion verpflichtet, das Werk sechs Jahre weiterzubetreiben. 2010 läuft diese Frist aus.“Hinzu komme, dass auch für viele Touristen ein Bahnanschluss wichtig ist und auch die Bevölkerung, die immer älter werde, künftig wohl verstärkt auf die Eisenbahn setzen werde.

Mit ihrem Vorstoß war Müller sowohl CSU-Stadtrat Stefan Ebner, als auch der SPD-Fraktion zuvor gekommen. Auch sie hatten bereits einen entsprechenden Antrag in Arbeit. Dementsprechend vielen auch die Wortmeldungen in der Stadtratssitzung aus. Nacheinander unterstrichen auch Bürgermeister Georg Bruckner, CSU-Fraktionssprecher Edwin Schedlbauer und SPD-Stadtrat Walter Weihmann, wie wichtig der Bahnanschluss wäre und dass es das Bestreben aller sei, mit einer Resolution an das Bayerische Wirtschaftsministerium Flagge für den Bahnverkehr zu zeigen. Einstimmig votierte deshalb das Gremium für den Antrag und die geplante weitere Vorgehensweise. So wird nun ein von Stefan Ebner zusammen mit ödp-Kreisrätin Brigitte Baueregger vorformulierter Text für die Resolution in der Stadtverwaltung ausgearbeitet, die dann von allen Fraktionen getragen ans Wirtschaftsministerium gesandt wird.

 

Artikel der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 27.06.2009

REDAKTIONSTAGEBUCH

Samstag: Als Träumer, zumindest aber als wirklichkeitsfremd galten bis vor einer Woche alle, die sich für einen regulären Zugverkehr auf der Bahnstrecke Viechtach-Gotteszell eingesetzt haben. „Dauert eh viel zu lang“, hieß zum Beispiel ein beliebtes Argument; im Vergleich zum Auto also sei ein Zug viel zu langsam. Am Samstag aber braucht der Waldbahn-RegioShuttle VT 28, der auf Bitten des Wanderbahnvereins politische Prominenz zur Probefahrt kutschiert, nur 38 Minuten zwischen Gotteszell Bahnhof und Viechtach - und das, obwohl einige Übergänge wegen des derzeit seltenen Fahrbetriebs nur schlecht gesichert sind und der Zug diese deshalb fast in Schrittgeschwindigkeit passieren muss.

Nach den positiven Aussagen der Politik am Samstag gibt diese Fahrzeit den Befürwortern enormen weiteren Auftrieb, sagt Vereins- Vorsitzender Arnulf Baier. „Wenn die Bahnübergänge ausgebaut sind, halte ich eine Fahrzeit von gut 30 Minuten für realistisch“; und das reicht schon nahe an die Zeit heran, die man für eine Autofahrt einkalkulieren muss. Übrigens: In der Aufregung hatten die Veranstalter vergessen, selbst auf die Uhr zu schauen. „Super, dass der Redakteur des Viechtacher Bayerwald-Boten aufgepasst hat und das auch geschrieben hat“, sagt Baier.

Wie geht es jetzt weiter? Zunächst ist die politische Szene am Zug, um ein eindeutiges Signal zu geben. Einstimmige Beschlüsse in den Gremien sind das Ziel; am Montag schon kann die Stadt Viechtach vorlegen, denn für die Stadtratssitzung hat der Bürgermeister auf Antrag der Unabhängigen den Beschluss über eine entsprechende Resolution auf die Tagesordnung gesetzt. Auch Unternehmen oder die in Teisnach entstehende FH-Außenstelle könnten sich anschließen und Bahnbetrieb befürworten. Der Verein hat sich angeboten, auf Wunsch in den Gremien zu informieren oder entsprechende Schreiben zu sammeln. Zum Jahreswechsel dann ist der Freistaat (Wirtschaftsministerium) dran, denn er ist es, der über die Bayerische Eisenbahngesellschaft den Zugbetrieb im Bayerwald neu bestellen wird. Wenn die Strecke dann Teil der Ausschreibung ist, kann frühestens ab 2013 wieder Zugbetrieb bis Viechtach rollen. - gsc

 

Bericht der Passauer Neuen Presse "Bayerwaldbote" vom 22.06.2009

Ja zum Zugverkehr Viechtach-Gotteszell
Info-Fahrt des Wanderbahn-Vereins begeistert 70 Teilnehmer -
Ganze Region soll jetzt an einem Strang ziehen

Von Gunther Schlamminger

Viechtach/Gotteszell. Es wäre eine super Sache, wenn das klappen würde: Diese Aussage war immer wieder zu hören, als der Verein „Wanderbahn im Regental“ am späten Samstagnachmittag politische Mandatsträger aus der Region mit dem Zug von Viechtach nach Gotteszell-Bahnhof und wieder zurück gebracht hat. Zwischen den Fahrten beeindruckte Andreas Fried mit den vom Verein zusammengetragenen Informationen zur Strecke.

Gespannte Erwartung herrschte auf dem Bahnsteig. Zwar befördert die Wanderbahn seit der Einstellung des planmäßigen Verkehrs 1991 an rund 30 Terminen im Jahr 10 000 Fahrgäste auf der Strecke Viechtach-Gotteszell-Bahnhof, aber sie tut dies in historischen Triebwagen. Jetzt fährt der moderne RegioShuttle VT 28 mit Waldbahn-Lackierung vor, sein Name ist „Zelezna Ruda“, und bringt Abgeordnete, Landrat, Bürgermeister, Kreisräte, Stadt- und Gemeinderäte zum Staunen. „Ah, wie schön“, heißt es mehrmals, als sich der Zug am Regenfluss entlang schlängelt.

Für FH, Urlauber und Einheimische
Vereins-Vorsitzender Arnulf Baier ist klar, dass vor allem der erste Abschnitt zwischen Viechtach und Teisnach für Feriengäste interessant ist. Schon jetzt transportiert er viele Kanufahrer und Wanderer. Die weitere Strecke aber könnte aufgrund des entstehenden FH-Standortes in Teisnach vor allem für Studenten und die dort ansässigen Firmen Bedeutung erlangen. „Wir müssen es schaffen, dass das Wirtschaftsministerium die Bahnstrecke in das Waldbahnnetz aufnimmt und Bahnverkehr bestellt“, sagen Baier und Andreas Fried während des Zwischenstopps im Gasthof Hacker neben dem Gotteszeller Bahnhof. Rund eine Stunde lang erläutert Fried hier die Vorteile des Bahnbetriebs auf dieser Strecke, und verhehlt auch nicht, dass vor allem an einigen Bahnübergängen und Haltepunkten investiert werden müsste. Dies könne der Streckenbesitzer aber finanzieren, denn der Betreiber des voraussichtlich für zehn Jahre zu vergebenden Bahnverkehrs müsste Trassen- und Stationsgebühren zahlen. Die Strecke selbst sei in gutem Zustand. Für die Fahrgäste ergäbe sich der Vorteil, dass sie zum Beispiel mit dem BayernTicket, das sie jetzt schon für die Fahrt von Gotteszell nach München nutzen, ohne Mehrkosten bis Viechtach fahren könnten. Noch einen Aspekt sprach Fried an: Sollte es nichts werden mit dem Bahnverkehr, stünden wohl auch die rund 100 Arbeitsplätze in den Viechtacher Bahnwerkstätten im Feuer. Demnächst läuft nämlich die vom Freistaat vorgegebene Bestandsgarantie aus, als er die Regentalbahn an den britischen Arriva-Konzern verkaufte. Sollte es aber wieder Bahnbetrieb geben, könnten die Züge nach planmäßiger Fahrt nach Viechtach hier auch weiterhin gewartet werden. Das spart Kosten.

Staatsminister Helmut Brunner informierte die gut 70 Zuhörer, dass er im Wirtschaftsministrerium bereits angefragt habe, ob man für die Strecke wieder Zugverkehr bestellen wolle. Derzeit nicht, lautete die Antwort, außerdem wäre eine Potenzialprognose zur zu erwartenden Anzahl der Fahrgäste nötig. Persönlich ließ er sich davon nicht entmutigen: Unter Applaus sagte er, dass ein Bahnanschluss Voraussetzung für eine Weiterentwicklung des ländlichen Raumes sei. „Unsere Straßen sind jetzt schon überlastet“, sagte er und sicherte seine Unterstützung zu. MdB Ernst Hinsken regte an, ähnlich wie bei der Bahnstrecke Straubing-Bogen eine Bürgerbefragung durchzuführen oder Unterschriften zu sammeln.

Landrat-Appell an die Gemeinderäte
Als Vertreter der Gemeinde Zachenberg, auf deren Grund der Bahnhof Gotteszell steht, freute sich 2. Bürgermeister Josef Artmann über die Initiative, bevor sich Landrat Heinz Wölfl energisch erhob und ankündigte, in der nächsten Kreistagssitzung eine Resolution für den Wiederbetrieb der Bahnlinie vorzulegen. „Ich bitte um entsprechende Beschlüsse in allen Gemeinderäten noch vor der Sommerpause“, appellierte Wölfl an die anwesenden Bürgermeister und Gemeinderäte. Wanderbahn-Chef Arnulf Baier war überwältigt von dieser Resonanz. Er bat die Entscheidungsträger, an einem Strang zu ziehen: „Gemeinsam können wir es schaffen“. Um 19.07 Uhr ging es dann mit dem RegioShuttle nach Viechtach zurück. Nach 51 Hupsignalen vor Kurven und Bahnübergängen fuhr der Zug um 19.45 Uhr sicher in den Bahnhof der Stadt ein.

© www.pnp.de

Wanderbahn-Vorsitzender Arnulf Baier (von links) begrüßt im Gasthof Hacker unter anderen Landrat Heinz Wölfl, 2. Landrat Willi Killinger, Kreisrat Horst Blüml (verdeckt), Staatsminister MdL Helmut Brunner, MdB Ernst Hinsken, Kreisrat Willi Köckeis, 3. Landrat Heinrich Schmidt und Zachenbergs 2. Bürgermeister Josef Artmann.

INFOS ZUR STRECKE VIECHTACH-GOTTESZELL

Zur Info-Fahrt brauchte der Waldbahn-RegioShuttle am Samstag exakt 38 Minuten von Gotteszell-Bahnhof nach Viechtach:
   Abfahrt Gotteszell 19.07 Uhr,
   Ankunft Teisnach 19.23 Uhr,
   Abfahrt Teisnach 19.27 Uhr,
   Ankunft Viechtach 19.45 Uhr.
   Zum Aussteigen gehalten wurde außerdem in Patersdorf und Ruhmannsfelden.
·  Die 25 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Viechtach und Gotteszell wurde 1890 aufgrund einer Privatinitiative
   von Firmen und Kommunen der Region eröffnet.
·  Um Kosten zu sparen, wurde der Gleiskörper entlang des Schwarzen Regens und dann entlang der Teisnach gebaut.
·  Die Bahnstrecke gehört der Regentalbahn AG.
·  Im April 1991 fuhr der letzte planmäßige Zug, weil die Regentalbahn ihre Fahrzeuge für den Betrieb anderer Strecken
   brauchte.
·  Die Strecke wird bis heute nahezu täglich von der Waldbahn befahren, um ihre Fahrzeuge nach Viechtach zur
   Inspektion in die Werkstatt zu bringen.
·  Die Strecke wird in zweijährigem Abstand überprüft und ist gut in Schuss.
·  Mit einem Zweistundentakt-Fahrplan könnten täglich neun Züge hin und zurück verkehren.
·  Zur Wiederaufnahme des Planbetriebs muss das Bayerische Witschaftsministerium über die Bayerische Eisenbahn-
   gesellschaft das Streckennetz der Waldbahn um den Abschnitt Viechtach-Gotteszell erweitern.
·  Nach Zahlen des Wanderbahn-Vereins würde die Strecke 0,15 Prozent der Gesamtkosten des bayerischen Eisen-
   bahnnetzes ausmachen (die Waldbahn macht demnach jetzt 1,2 Prozent aus).
·  Von der Waldbahn werden derzeit im Landkreis zwei Städte und sechs Gemeinden mit rund 35 000 Einwohnern
   bedient. Im Falle der Erweiterung kämen weitere 17 500 Bürger in einer Stadt, zwei Märkten und zwei Gemeinden dazu.
·  Weitere Infos im Internet unter www.bayerwaldbahn.de